Tiere schützen

Ich bin gestern auf einer meiner unzähligen Marschrouten mit klein Ellie und meiner Mama bei einem Hof vorbeikommen, wo sich seit Jahren unzählige rot-weisse Katzen tummeln. Auf den ersten Blick sieht es dort immer so ein bisschen aus wie in einer Hexengeschichte. Auf den Bäumen, im Gras, auf jedem Stein – überall liegen diese rot-weissen Samtpfoten. Alleine gestern habe ich über 10 Stück gezählt.

Auf einem Holzhaufen lag eine kleine Samtpfote in einer komischen Position, deshalb wurde ich auf sie aufmerksam. Ich habe meiner Mama klein Ellie in die Hand gedrückt (also natürlich die Leine mit klein Ellie dran) und bin zu der Katze hin. Ich habe sie leicht angeschubst, um zu sehen, ob sie noch lebt. Sie hat leicht den Kopf gehoben und ihn sofort wieder hingelegt. Die Augen waren verklebt und das Tierchen war augenscheinlich in einem absolut desolaten Zustand. Sie war auch viel zu schwach, als dass sie hätte aufstehen können.

Ich habe ohne zu überlegen das Tochterkind telefonisch gebeten, mit Kiste, Tuch und Handschuhen ganz schnell zu Hilfe zu kommen, um das Tier zum Tierarzt zu bringen. In der Zwischenzeit hat meine Mama bemerkt, dass wir von einem älteren Mann mit oranger Leuchtweste aus dem verwachsenen Garten mit den unzähligen Katzen beobachtet wurden.

Ich habe ihn gesehen und ihm zugerufen, ob das seine Katze sei.
Er meinte nur: „Warum, ist wieder eine angefahren worden?“
Er ist auf uns zugekommen und ich habe ihm gesagt: „Das Tier ist nicht angefahren worden, es ist in einem total verwahrlosten Zustand und braucht dringend Hilfe.“
Er so: „Das kann nicht sein, da kommt jeden Tag eine Frau mit Futter und die Tiere werden gefüttert.“
Ich, bereits innerlich am Kochen: „Dieses Tier kann nicht mehr fressen, das ist schwer krank und muss zu einem Arzt.“
Er so: „Das können sie nicht einfach so machen.“
Ich (Gefühl eine Dampfkochtopfs kurz vor der Explosion): „Oh doch, ich kann, sonst kann ich nämlich auch die Polizei kommen lassen.“

Beim Wort Polizei hat er sich schleunigst wieder in seinen Dschungel zurückgezogen und meine Tochter hatte uns in der Zwischenzeit erreicht und wir haben das Tier in eine Box geladen und sie hat es sofort zum Tierarzt gebracht.

Der Tierarzt hat alles untersucht und Blut genommen und dabei festgestellt, dass das Tier nicht aufgrund einer Virusinfektion oder einer Katzenkrankheit in diesem Zustand war, sondern aufgrund totaler Verwahrlosung. Anstelle von Blut kam aus seinen Venen fast nur noch Wasser (kaum noch rote Blutkörperchen) und es war voller Flöhe, Milben, verwurmt und hat leider trotzt aller Bemühungen mit Infusion und Medikamenten die Nacht nicht überstanden.

Fazit: Ich habe diesen Angelegenheit dem zuständigen Veterinäramt gemeldet und bin sauer. Ich bin sauer über die Tatsache, dass es immer noch Leute gibt, die es auf ihren Höfen zulassen, dass Katzen sich unkontrolliert vermehren, nur weil sie die Verantwortung der Kastration nicht ernst nehmen. Diese Tiermessies merken nicht einmal, wenn Tiere sterben, weil der Fuchs sie nachts dann einfach holt und es derart viele sind, dass sie ohnehin keinen Überblick mehr haben. Es ist ihnen schlicht und einfach auch egal. Diese Tiere werden leider oft schon krank geboren und haben gar nie die Chance auf ein schönes Katzenleben. Inzucht, Desinteresse und die falsche Meinung, Futter alleine reiche zum absoluten Tierglück führen dazu, dass diese Tiere elendiglich eingehen müssen.

Ich wünsche mir, dass härter durchgegriffen wird und solche Halter gezwungen werden können, ihre Tiere zu kastrieren. Es kann nicht sein, dass Tiere die Dummheit der Menschen ausbaden müssen! Habe ich schon erwähnt, dass ich sauer bin?

The magic of …

… I K E A !!!

Alle, die hier schon seit langem mitlesen wissen, dass sich mir die Magie des Möbelgiganten IKEA einfach nicht erschliessen will. Schon gar nicht, weil die meisten sich dort einfach nur verweilen um schlussendlich mit einer Packung Teelichtern und 3 Packungen Servietten das Haus zu verlassen – notabene nach vier Stunden und im Optimalfall noch mit einem total entnervten Partner im Schlepptau.

Dass nun aber nach ein paar Wochen Shutdown bei der heutigen Wiedereröffnung der Geschäfte lange Menschenschlangen vor dem nordischen Billiggiganten bildeten, das will sich mir noch viel weniger erschliessen. Gibt es eine Krankheit namens „Teelichtkaufenmüssenjetztsofort“?

Ich habe verstanden, dass die Geschäfte heute wieder öffnen dürfen und man wieder vor Ort einkaufen kann. Von stundenlangem Shopping war in meinen Augen nicht die Rede, zumal man den Kollegen Covid nicht in Schach halten kann, indem man sich möglichst lange und ausgiebig in Einkaufszentren tummelt, einfach weil sie wieder geöffnet haben und einem langweilig ist.

Als ich die Bilder der Menschenschlangen vor den Einkaufszentren gesehen habe, da war mein erster Gedanke: Was läuft falsch im Kopf eines Menschen, der nach einem Shutdown morgens schon losrast, um sich in eine Warteschlange zu stellen (die notabene zu erwarten war) und nach Schnäppchen Ausschau zu halten. Oder andersrum: Was läuft in meinem Kopf falsch, dass ich das einfach nicht kapieren will???

Ich gestehe, ich finde meinen begrenzten Bewegungsradius auch nicht erquickend und ich fände eine Shoppingtour durch Zürich auch abwechslungsreicher, als eine erneute Waldtour mit klein Ellie. Aber es käme mir aktuell nicht im Traum in den Sinn … weil mir zu Hause nichts fehlt, was ich nicht auch in der Shutdown-Zeit hätte kaufen können. Oder was ist es, was mir fehlen sollte und was mich heute früh in eine Warteschlange hätte treiben sollen? Erklärt es mir!! Ich möchte es verstehen!

Ich kann mir das nur so erklären: Während dem erneuten Shutdown war das Aggressionspotential so hoch, dass zu Hause sämtliche Möbel dran glauben mussten. Aus Frust über die kaputten Möbel mussten die gebeutelten Frauen massenhaft Entspannungsbäder mit Hunderten von Teelichtern nehmen, währenddessen die Kleinen sich in der Küche über die schön bunten Ikea-Servietten hergemacht haben, um daraus Konfetti für die nicht abgehaltene Fasnacht zu basteln. Und all das zusammengepackt ergibt dann den unbändigen Drang, sich am 1. März in der früh nach ein paar Wochen geschlossener Geschäfte bei Ikea in die Warteschlange zu stellen.

Könnte das die Erklärung sein? Ich geh mal gucken, wieviel Teelichter wir noch im Vorrat haben … wer weiss …

Happy landing …

… der kleine Erdenbürger hat den Weg aus dem Bauch unserer Tochter in die Familie gefunden. Wir sind so dankbar, dass es den Beiden gut geht und alles dran ist – was bekanntlich nicht selbstverständlich ist.

Unsere kleine süsse Enkelin ist nun die „Grosse“ – und neben ihrem neugeborenen Bruder sieht sie tatsächlich auch aus wie die Grosse. Ein kleines Bündel Mensch in einem winzigen Pyjama mit einem Mützchen – und es riecht nach Baby. Klar, dumpfbackig wie ich bin, hab ich als erstes dran gerochen! Ich liebe den Geruch von Babys. Sie riechen so lieblich, unschuldig, süss, einfach so, dass man sie gleich ins Herz schliessen muss. Ich komme mir immer so ein bisschen vor wie ein Hund, wenn ich ein Neugeborenes im Arm halte und dran schnuppere, wie ein Vierbeiner an einem Baum. Wenn es dann noch das eigene Enkelkind ist, dann bin ich ohnehin ein kleines bisschen gaga.

Krass, wir sind nun zweifache Grosseltern … klingt uralt. Sind wir aber nicht! Und das ist cool!

Wenn die Zeit weiterhin so rast wie bisher, dann dauert es nicht lange, und ich werde mit zwei Minimenschen mit den Scootern um die Wette düsen. Die grosse Schwester weiss aktuell noch nicht so recht, was dieses zappelnde Ding da soll – aber das kommt noch. Und der kleine Erdenbürger kann sich schon an die vielen Nebengeräusche seiner Schwester gewöhnen.

Ich bin heilfroh, dass ich nicht noch einmal vorne anfangen muss mit den unzähligen schlaflosen Nächten und den gefühlt Millionen Windeln und den berstenden Nerven – aber ich geniesse es UNFASSBAR, als Grosi fast alles zu dürfen, aber nichts zu müssen!

Die Familie wächst und wir sind glücklich, dass wir das erleben dürfen.

Schräges Gefühl

Ich war gestern seit Monaten das erste mal wieder in der hübschen kleinen Stadt am Jurasüdfuss, die bis vor Covid beinahe täglich zu meinen Spaziergängen gehörte. Sie ist also noch da, die hübsche Stadt namens Solothurn. Nachdem ich zuerst mit klein Ellie und dem Göttergatten durch die Einsiedelei (Verenaschlucht) spaziert bin, habe ich mich später mit dem Tochterkind und der kleinen süssen Enkelin am Stadttor getroffen. Und das Gefühl war … schräg.

Seit Monaten war ich nicht mehr in der schmucken Altstadt. Mein Radius hat sich auf unser Zuhause und Wald und Wiesen beschränkt. Und jetzt, wo mich das Tochterkind motiviert hat, mal wieder durch die Stadt zu bummeln, hat sich das zwar gut, aber auch schräg und nicht real angefühlt. Mit Maske im Gesicht und geschlossenen Geschäften und Restaurants liegt die Stadt im Dornröschenschlaf. Für die Kinder ist das der Hammer. Die düsen mit ihren Scootern durch die Gassen (unsere Kleine notabene genauso) und haben die Innenstadt kurzerhand zum Spielplatz umfunktioniert. Unsere kleine Rabaukin ist von Schaufenster zu Schaufenster gedüst und hat sich eingehend mit den Dekoartikeln in der Auslage unterhalten. Ob Hase, Bär oder Dinosaurier – ob Buch, Schuh oder Brillen – alles musste ausgiebig kommentiert werden. Und die Menschen, die fand sie besonders interessant. Vor allem die kleinen Menschen mit ihren Scootern und sonstigen Minigefährten. Und die Tauben – ein fester Bestandteil eines Stadtspaziergangs. In die kleinen Hände klatschen und lachen, wenn die Tauben mit den Flügeln schlagen und verschreckt durch die Gegend fliegen.

Mit dem kleinen Düsewind wird auch eine Stadt im Dornröschenschlaf zum Erlebnis – Kinder sehen Dinge, die wir oft nicht mehr sehen. Und die Kleine sieht sie sogar sehr genau und aufmerksam, denn bedingt durch Covid wächst sie bislang doch sehr isoliert auf. Sie kann sich nicht mit anderen Kindern messen, weiss nicht, wie ein Leben mit anderen Menschen ausserhalb des Familienverbunds funktioniert und findet es deshalb unglaublich spannend, sich in einem Rahmen zu bewegen, den sie bislang nicht wirklich kennt. Ob da die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind, ist ihr egal. Hauptsache, sie kann mit ihrem Scooter durch die Gassen düsen und mit den Schaufensterdekorationen diskutieren.

Ich muss gestehen, dass ich mir niemals hätte träumen lassen, dass wir einmal in einer solchen Situation leben, die eher an einen schlechten Film erinnert, denn an unseren Alltag. Und ich wünsche mir sehr, dass sich das irgendwann wieder ändert. Aktuell sitzt mir aber die Angst vor den fiesen kleinen Mitbewohnern der Familie Corona doch sehr im Nacken. Ich merke, wie sehr ich mich überwinden muss, einen geschlossenen Raum (Apotheke) mit anderen Menschen zu betreten. Draussen ist für mich der Menschenkontakt kein Problem … aber Innenbereiche mit Menschen stellen mir die Nackenhaare auf.

Ob es irgendwann wieder weggehen wird, das schräge Gefühl … ?

Juhuiiii, ich habe Post!

Freut ihr euch auch immer, wenn in eurem Briefkasten ein Brief liegt, der handschriftlich adressiert wurde und ihr habt keine Ahnung, wer da an euch gedacht hat? Ich freu mich immer wie ein kleines Kind. So auch heute früh … bis ich den Umschlag geöffnet habe, und ein handgeschriebener Brief mich in schallendes Gelächter ausbrechen liess:

Wissenswerte und lehrreiche Gedanken möchte da jemand mit mir teilen. Gedanken aus der Bibel – was für mich die Adjektive lehrreich und wissenswert schon per se ausschliesst. Diese sogenannt Heilige Schrift würde ich nämlich maximal zum Einfeuern unsere Cheminées verwenden. Mit besonderer Farbe wird mir da geschrieben, dass mein Haus quasi von Gott erbaut wurde. Aha – ich hätte schwören können, dass da Bagger aufgefahren sind und wir fast ein Jahr lange ziemlich aktiv selber gebaut haben. Der Typ auf der Baustelle hiess Bauleiter und war bestimmt mit diesem Gott nicht verwandt!

Freundlicherweise werde ich im Brief sogar darauf hingewiesen, dass ich zufriedenstellende Antworten auf der Webseite der „Zeugen Jehovas“ finde. Hä? Die wissen also, wie man das fiese Covid-Virus mitsamt seinen Mutationen loswerden kann? Und die wissen auch, wie wir am schnellsten an Impfungen kommen? Eher nicht … das ist nämlich der Verein, der Fremdblut ablehnt und der es pupertierenden Mädchen, die wegen Eisenmangel aus den Latschen kippen verbietet, sich Eisen spritzen zu lassen.

Es ist mir schleierhaft, wie die Verfasserin dieses Briefes zu unserer Adresse kam und offenbar annimmt, wir hätten auch nur das geringste Verständnis für den Schrott, den sie das schreibt. Ich meine: Ich äussere mich seit meiner Kindheit religionskritisch, gehöre keiner Kirche an und glaube sehr gerne einfach an mich und mein Bauchgefühl. Aber die Zeugen Jehovas, die kämen mir dann doch so ziemlich als Allerletztes in den Sinn.

Ganz schön frustrierend, wenn man merkt, dass der handgeschriebene Brief nichts anderes als ein Fangversuch besagter Vereinigung ist. Dann muss ich halt mit diesem Papier mein Feuerchen im Cheminée anzünden.

Das Leben ist kein Wunschkonzert

Wer bis dato nicht gelernt hat, dass das Leben manchmal verdammt hart sein kann, der hat es spätestens mit der Pandemie lernen müssen. Es gibt Dinge, die können wir einfach nicht kontrollieren. Da stehen wir gleichsam machtlos wie auch ratlos einer Tatsache gegenüber, die uns schier verzweifeln lässt. Da gibt es nichts, was wir akut tun können, um es besser zu machen oder es einfach zu verändern. Nichts!

Der Mensch in der fortschrittlich entwickelten Welt ist es gewohnt, dass er alles so lange verändern kann, bis es ihm gefällt oder zumindest nahe an sein Ziel heran kommt. Und nun? Nun stehen wir da – mitten in einem Leben, das wir uns noch vor einem Jahr nicht haben vorstellen können. Und wir können im Dreieck springen, schreien, toben, heulen … es ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir machtlos sind. Die kleinen fiesen Virenviecher lehren uns das Leben „back to the roots“! Was das mit uns anstellt und noch anstellen wird, darüber kann man nur mutmassen. Dass es aber tiefe Spuren hinterlässt, das sieht und spürt man jetzt schon.

Unser persönliches Leben auf dem Onkoplaneten hat uns vor Jahren schon gelehrt, dass es Dinge gibt, die wir einfach nicht ändern können. Und das Verzichten auf viele lieb gewonnene Gewohnheiten hat damals von Tag eins an dazu gehört. Ich dachte deshalb, dass mir das Leben unter Pandemieregeln nicht mehr viel ausmachen würde. Falsch gedacht. Es hängt mir so langsam aber sicher richtig zum Hals raus! Und ich merke, wie meine Träume und Wunschgedanken immer kleiner und überschaubarer werden. Inzwischen bin ich in meinem Kopf bei einem recht bescheidenen Wunsch angekommen:

Ich wünsche mir, dass ich im Sommer geimpft in einem Strassencafé sitzen und den Menschen beim Leben zuschauen kann. Ja, das wäre wunderbar!

Schon krass, wie sich die Prioritäten im Leben verschieben und wie Dinge, die man vorher als wichtig erachtet hat, auf einmal nichtig und klein werden. Dass Gesundheit unser wichtigstes Gut ist, das habe ich immer verstanden. Inzwischen sollte das auch bei allen Menschen angekommen sein. Und ich weiss inzwischen auch, dass es gut ist nicht zu wissen, was noch alles auf uns zukommt …

Ich hoffe dann mal auf den Sommer!

Zum Hundertsten von Robert Mathys senior sel. – dem für mich besondersten Grossvater

Heute wäre Dein Geburtstag – Dein Hundertster! Jedes Jahr an diesem Tag denke ich besonders fest an Dich.

Warum das für mich so wichtig ist? Nun ja, weil Du für mich immer eine prägende und unfassbar wichtige Person im Leben warst. Du warst nicht nur eine charismatische Persönlichkeit mit einem unglaublich kreativen Geist, Du warst eben auch mein Grossvater.

Ich durfte Dich von einer besonderen Seite kennen. Du warst wohl mit Leib und Seele Unternehmer und Pionier, aber eben auch genauso Mensch mit Herz und Humor. Der Schalk in Deinen Augen hat mir immer signalisiert, ob Du nun ein Witzchen machst, oder ob Du es ernst meinst. Du hast es geliebt, uns immer wieder zu veräppeln, um Dich dann köstlich zu amüsieren, wenn wir verdutzt aus der Wasche geguckt haben. Ich weiss gar nicht, ob es jemanden gibt, der Deinem Lieblingsspiel entkommen konnte. Das ging nämlich jeweils folgendermassen:

Wenn im Restaurant oder zu Hause der Nachtisch serviert wurde, dann hast Du mit grossen Augen an einem vorbeigeschaut und gerufen: „Jetzt guck mal, wer da kommt!?“ Hat man sich umgedreht, war der Nachtisch weg! Zack!! Du hast ihn Dir geschnappt und versteckt. Ich weiss nicht, wie oft in meinem Leben ich nach meinem Nachtisch gesucht habe, aber ich erinnere mich noch, dass ich mich irgendwann nicht mehr umgedreht habe, ohne nicht meinen Nachtisch vorher in meinen Händen zu sichern … 🙂

Ich weiss, dass Du jetzt irgendwo da oben grinst, wenn Du das liest. Und Du liest mit Sicherheit mit – Du hast nämlich immer jede Zeile gelesen, die ich geschrieben habe. Meine ersten Gedichte sind an unserem gemeinsamen Lieblingsplatz im „Bärghüsli“ in Près d’Orvin entstanden: am runden Tischchen vor dem Cheminée. Du hast gezeichnet, getüftelt, radiert und berechnet. Ich habe auf dem Stuhl neben Dir geschrieben und mit Dir die Vögel auf dem Vogelhaus vor dem Livingroom studiert. Du hast jeden Vogel mit Namen gekannt und ich habe immer überlegt, warum Du das wohl alles weisst.

In meiner Erinnerung habe ich ganz viel Zeit mit Dir in Deinem Flugzeug verbracht. Du hast es geliebt, mit uns wegzufliegen. Und für mich war deshalb sonnenklar, dass Du nach Deinem Tod irgendwo in die Lüfte entschwunden bist. Es gibt Momente, da weiss ich nicht, warum ich fasziniert nach oben schaue und einem Bussard verzückt beim Flügelschlag zuschaue. Und dann fällt mir ein: Da bist Du! Irgendwo da oben bist Du und deshalb hat sich mein Blick nach oben seit Deinem Tod verändert.

Möchte ich erzählen, was ich alles mit Dir erleben durfte, würde es den Rahmen hier sprengen. Aber es war viel und es war eindrücklich. Du hast mich viel gelehrt und mir viel gezeigt. Und auch wenn ich damals nicht verstanden habe, warum Du mit Deiner eher kleinen Körpergrösse immer als gross bezeichnet wurdest, so war es mir später mehr als klar. Du hast unglaublich viele Menschen auf eine Weise geprägt, die tiefe Erinnerungen hinterlassen hat. Ich war immer unglaublich stolz, Dich als Grossvater zu haben. Du warst deshalb auch mehr als einmal das Thema in meinen Vorträgen und Schulaufsätzen. Und jetzt – selber schon Grossmutter – schreibe ich zu Deinem 100. Geburtstag erneut über Dich. So, wie Du es Dir an Deinen Geburtstagsfesten immer gewünscht hast: „Schribsch es Värsli für mi?“

Ich bin so gut wie nie an Deinem Grab – nur einmal im Jahr, wenn es die Tradition verlangt. Für mich bist Du dort nicht. Du bist überall – überall wo Flugzeugmotoren brummen, wo Vögel zwitschern, wo man sich frei und unabhängig fühlt. Und Du bist in meinem Herzen. Dort wirst Du auch bleiben, für immer.

Wo auch immer Du jetzt in diesem Moment sein magst: Heute darfst Du meine „Meringue“ (unser gemeinsamer Lieblingsnachtisch) klauen – weil es Dein Hundertster ist.

Sprachmarotten …

… oder, warum ich nicht „die Liebe“ oder „das Schatzi“ von allen sein will!

Ist euch auch schon aufgefallen, dass es Menschen (genauer definiert sind es eigentlich vornehmlich Frauen) gibt, deren Wortwahl jener einer minderbemittelten Zuckerwatte ähnelt? Die können weder eine klare, noch eine normale Ansage machen. Von einer vernünftigen Antwort wage ich schon gar nicht zu sprechen.

Ihr versteht nicht?
Hier ein Dialog, wie er zwischen dieser besonderen Gattung ablaufen kann:

Blondie: „Hach Süsse, wie schön, dass ich Dich endlich mal wieder sehe.“
Brownie: „Ja Schatz, ich habe mich auch schon gefragt, wie es Dir wohl gehen mag“, gefolgt von einem ausgiebigen Seufzen.
Blondie: „Was hast Du nur wieder mit Deinem wunderbaren Haar gemacht, Liebes?“
Brownie: „Warum meinst Du, Süsse? Findest Du es anders als sonst?“
Blondie: „Oh ja – es sieht so wundbar samtig aus – und umrahmt Dein wundervolles Gesicht perfekt“, dabei hebt sich die Stimme um gefühlt 5 Oktaven und die Augen rollen in Richtung Resthirn.
Brownie: „Du bist einfach so lieb, Schatzi. Aber Du weiss doch, mein Haar ist gar nicht so toll – Deines ist viel schöner … ich träume ja immer noch von blondem Haar!“ mega gigantisch grosses Seufzen.
Blondie: „Nein Schatz, es ist viel hübscher, wie Du Dein Haar trägst“, dabei mit der Hand vor den imaginären Tränen in den Augen rumfuchtelnd.

So laufen Dialoge zwischen Frauen ab, deren Süssholz in Tonnen verraspelt wird und die – man höre und staune – locker in den Wechseljahren sind. Man kann es also nicht mit den jungen Jahren entschuldigen.

Ganz schlimm ist es, wenn diese Dialoge sich im Netz unter den Augen der Öffentlichkeit abspielen. Dann ist Fremdschämen angesagt. Der Moment, wenn meine Tastatur verklebt, weil die ganz Zuckerwatte aus den Tasten quillt und ich mich Frage, woher die bloss all diese herzerwärmenden Emojis nehmen. Da kann ein schlichtes DANKE schon mal locker zu einem Vierzeiler verkommen – inhaltlich ziemlich dünn, aber dafür gefüllt mit Sülze und Zucker!

Wenn mich jemand nicht wirklich gut kennt, dann möchte ich weder mit „Liebes“ noch mit „Süsse“ angesprochen werden und ich möchte auch keine noch so schatzigen Ansagen – diesem Alter bin ich definitiv entwachsen. Ich bin ja schon froh, dass Covid diese ewige und verhasste Dauerküsserei überall verhindert … ich will nämlich nicht ständig von irgendwelchen Bekannten, die ich 3 mal im Jahr sehe, verküsst werden. Im Gegenteil: Ich hasse es!

So, das musste mal gesagt werden 🙂

Löschen, blockieren oder stumm schalten …

In den sozialen Netzwerken gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, sich Leute vom Hals zu halten, denen man nicht mehr „zuhören“ möchte. Wir leben in einer ausserordentlichen Situation – alle auf dieser runden Kugel namens Erde. Niemand von uns hat jemals so etwas erlebt – und ich gehe mal davon aus, dass sich das auch niemand jemals hätte vorstellen können.

Notsituationen rufen immer auch diverse Gruppierungen auf den Plan, die man vorher entweder nicht wahrgenommen hat, oder die erst durch die besonderen Ereignisse zusammenfinden. Leider sind viele dieser Menschen weder auf der Suche nach einer Lösung, noch intelligent genug, um nicht alles zu glauben, was in den abertausenden von Beiträgen derzeit durchs World Wide Web schwirrt!

Es werden fleissig Beiträge geteilt, deren Herkunft weder geprüft, geschweige denn hinterfragt wird. Eine reisserische Headline genügt vielen, um jeden Schrott in der Weltgeschichte zu verteilen. Und weil das so ist, bin ich froh um die Funktionen, welche mir ermöglichen, solche Leute möglichst schnell aus meinem Netz zu entfernen. Ein Klick und … zack: Gelöscht! Ein Klick und … zack: Aus der Freundesliste entfernt! Ein Klick und … zack: Für immer blockiert!

Ich gestehe, für diese Funktionen wäre ich manchmal im „echten Leben“ auch dankbar. Meine Schwelle der Toleranz ist mit Covid brutal gesunken. Was ich an Blödsinn im Kopf nicht mehr sortieren kann, wird ganz einfach gekippt. Also: Mehr oder weniger einfach! Ich kann ja nicht mit einem „Löschen-Knopf“ durch die Weltgeschichte rennen – zum Glück … stelle sich nur mal einer vor ….!

Ich lese gerne – ich hinterfrage gerne – ich gebe gerne meinen Senf dazu (erst noch ungefragt … vor allem in den Sozialen Medien) und ich lerne so langsam, die unabsichtlich Doofen von den Idioten zu unterscheiden, die einfach immer meinen, mit Gewalt und Druck ihr nicht fundiertes Halbwissen durchdrücken zu können. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich nicht vom Fleck komme, wenn ich meine „Friendlist“ putzen will. Also im echten Leben ist das zwar schwieriger, aber bei weitem nicht so umfangreich wie auf Facebook, Instagram, Twitter und Co.

Vielleicht könnt ihr mir ja dabei helfen. Wenn ihr hier mitlest, und euch ertappt fühlt oder aber jemanden kennt, bei welchem ihr wisst, dass er so gar nicht dem entspricht, was ich als vernünftig bezeichnen würde, dann steigt doch grad selber aus meinem Karussell aus … oder meldet mir, wenn jemanden zum Ausgang begleiten darf.

Und wenn ihr mir begegnen solltet, hier ein kleiner Tipp:

  • Mich interessiert nicht, warum Impfen per se schlecht ist (ich sehe es nämlich ganz anders)
  • Ich möchte nicht wissen, warum ihr Globulis als Rettung jeglicher Krankheiten seht
  • Ich finde jegliche Form von Verschwörungstheorien bescheuert und indiskutabel
  • Ich verzichte gerne auf ungefragte Gesundheitstipps (nein, auch kein Randensaft!)

Wie gesagt: Ich hätte den Award in Sachen Toleranz auch früher nicht gewonnen – inzwischen bin ich aber soweit, dass ich locker zwischendurch auch mal jemandem mit dem Ding einen Zahn zwangsentfernen könnte …

Fritz, Klaus und Bertha …

… so heissen die drei ersten Bäume am Wegesrand einer meiner diversen Spazierrouten mit klein Ellie. Woher ich das weiss? Nun ja – Covid hat dazu geführt, dass meine Aussenaktivitäten sich ausschliesslich auf Spaziergänge beschränken. Alles andere ist zu gefährlich. Und was tut Frau, wenn sie seit Monaten täglich unzählige Schritte absolviert und dabei jede Route inzwischen in- und auswenig kennt?? Sie fängt an, den Bäumen, Sträuchern und inzwischen auch Schneemännern Namen zu geben. Warum? Nun ja, es fühlt sich persönlicher an, wenn ich weiss, dass ich jetzt bei Klaus vorbei gehe, als wenn ich einfach so ins Leere laufe. Bertha ist auch nicht immer gleich gut drauf – hängt sehr vom Wetter ab bei ihr. Manchmal lässt sie ihre Zweige ganz schön hängen – um sie dann tags darauf wieder in Richtung Himmel zu strecken.

Ihr macht euch Sorgen, dass ich den Verstand so langsam aber sicher verliere? Da seid ihr nicht alleine! Diese Sorge beschäftigt mich beinahe täglich. Was, wenn diese seit Monaten andauernde Situation unser „Alltag“ wird? Was, wenn das nun der kalte Krieg mit unsichtbarem Gegner ist? Als Familienmitglied von Risikopatienten fällt bei uns seit Monaten alles flach. Mit alles meine ich: Ausser Spaziergängen in der Natur geht gar nichts mehr! Klar, wir haben ein wunderbares Zuhause … aber wenn ich auf dem Klo sitze, dann taufe ich inzwischen sogar unsere Badezimmerfliesen – jede einzeln … der Mensch braucht Herausforderungen!!

Als kontaktfreudiger Mensch fällt es mir nicht immer leicht, die Bäume, Sträucher und Badezimmerfliesen als neue Kumpels zu akzeptieren. Und auf der anderen Seite denke ich: Hey, ich bin gesund – also KEIN GEJAMMERE! Dieser überschwenglich positive Groove hält in der Regel nicht mehr als ein paar Tage an. Dann muckst der kleine Jammerer in mir wieder auf und wird zum lauten Schreihals, der verdammt nochmal Mühe hat, diesen Dauerzustand positiv zu sehen.

Klar, ich habe auf meinen Spaziergängen ganz oft meine Familie oder eine Freundin dabei – und ich habe sogar schon mit Freunden Kaffee getrunken – auf Abstand, versteht sich – in der Einstellhalle, wo die Autos parkiert sind.

Alles kleine Seelenwärmerchen, die es etwas erträglicher machen. Ich weiss auch, dass es Menschen gibt, denen es um Welten schlechter geht!!! Sehr viele sogar!!! Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass ich irgendwann angefangen habe, meine immer gleichen Gefährten am Wegesrand mit Namen zu versehen. Und wenn Fritz, Klaus und Bertha finden, ihre Namen seien unpassend, dann sollen sie sich gefälligst wehren. Die Welt ist eine andere – damit müssen wir alle leben. Also können Bäume und Sträucher auch anfangen zu sprechen – wir müssen uns schliesslich alle den neuen Gegebenheiten anpassen!

P.S.: Ich stelle mir grad vor, wenn die Natur wirklich auf einmal sprechen könnte – meine Güte, was für ein Lärm im Wald …:-)