Aus meinen Kinderschuhen … Teil 1

Ich habe in letzter Zeit oft Träume aus meiner Kindheit. Keine Ahnung, ob das mit den Wechseljahren zusammenhängt. Mir fallen viele Geschehnisse aus meiner Kindheit und Jugend wieder ein.

Meine grosse Liebe war Barbie. Ich hatte ungefähr sieben dieser Puppen – inklusive Ken. Es gab damals zwar noch kein Barbiewohnmobil und keinen Barbiepool. Dafür hatte ich aber meine heilige Schatztruhe, gefüllt mit Barbiekleidern, Schuhen und ganz viel kleinem Krimskrams. Jede meiner Puppen hatte einen Namen und in meiner Vorstellung konnten sie alle sprechen. Das witzige dabei war, dass sie alle Schriftdeutsch sprachen. Immer, wenn ich ihre Stimmen mimte, war das in Schriftdeutsch. Niemals in meiner Muttersprache Schweizerdeutsch. Eine war hübscher als die andere und ich frisierte sie stundelang, zog sie immer wieder um und stellte mir vor, ich wäre eine Barbie.

Ich weiss, dass es heute viele Mütter gibt, die nicht wollen, dass ihre Mädchen mit Barbiepuppen spielen. Zu gross ist die Angst, womöglich das Kind mit diesem falschen Bild der Frau in ein Schema zu zwängen, aus dem es nicht mehr rauskommt. Damals hatte das Spielen noch nichts mit endloser Kinderpsychologie und Verwirrung zu tun. Man spielte einfach. Punkt – Schluss!

Beim Umzug von meinem ersten in unser zweites Zuhause war mir nur eine einzige Schachtel wichtig. Jene mit den Barbies. Ich hätte niemals ohne meine Puppen umziehen können. Sie hörten mir zu, wenn ich traurig war; sie sprachen mit mir, wenn ich mich gerade einsam fühlte und sie freuten sich mit mir, wenn ich glücklich war. Für mich waren diese Puppen unglaublich wichtig und ich habe deshalb meinen Kindern niemals verboten, mit Barbies zu spielen.

Schweizerland – Gesetzesland

Wenn es ein Land gibt, in welchem mehr Gesetze geschaffen werden, um sie kurze Zeit später wieder abzuschaffen, dann ist es definitiv die Schweiz. Ganz offensichtlich haben wir zu viele Steuergelder in den Kassen, anders lässt sich das für mich nicht erklären.
Konkreter Fall: Der Nationalrat hat dem Vorstoss zur Abschaffung des obligatorischen Sachkundenachweises für Hundehalter zugestimmt. Es ist noch nicht lange her, da wurde dieses Gesetz erst in Kraft gesetzt. Und weil die Statistiken noch keine Verbesserung in Sachen Beissverhalten zeigen, wird das Gesetz bereits wieder ausser Kraft gesetzt. Müsste man einer solchen Angelegeheit nicht etwas länger Zeit geben, um aussagekräftige Resultate vorweisen zu können?
Die Gegner des obligatorischen Sachkundenachweises haben damit argumentiert, dass ohnehin jeder fünfte den Kurs nicht gemacht habe. Aha! Wenn also jeder fünfte trotz Tempolimite auf der Autobahn zu schnell fährt, dann schaffen wir also auch die Tempolimite kurzerhand einfach ab – oder wie? Problem gelöst und … niemand muss seinen Allerwertesten bewegen. Hat da nicht ganze einfach das Kontrollorgan versagt?
Man kann für oder gegen etwas sein – das ist mir klar. Aber es kann doch wohl nicht angehen, dass man Gesetze, die nicht eingehalten werden, kurzerhand abschafft. Das klingt für mich nach Ferien auf dem Ponyhof in good old Switzerland! Lachhaft!
Ich kenne eine Hundetrainerin, die sich für verdammt viel Geld zur SKN Fachexpertin hat ausbilden lassen. Und was hat sie nun davon? Ausser Spesen nix gewesen. Klar, man kann den Kurs freiwillig nach wie vor machen. Aber das wird wohl kaum noch jemand tun. Ob sie ihren finanziellen Aufwand wohl vom Staat zurückerhält? N E I N, tut sie nicht. Stattdessen fragt sie sich, ob nun auch einfach wieder jeder Volldepp einen Listenhund halten kann … oder ob auf Listenhunde jetzt generell wieder Jagd gemacht wird.
Selber habe ich den Kurs auch gemacht, und ich muss sagen, dass er nicht einfach nichts gebracht hat. Ich habe doch noch so einiges lernen können. Ich denke, dass ich als Ersthundehalterin den Kurs aber ohnehin gemacht hätte. Ich fühlte mich ganz einfach zu wenig sicher, um ein Tier mit einer schwierigen Vergangenheit führen zu können, ohne dabei Profis an meiner Seite zu haben.
Ich frage mich, wieviel Geld die Schweiz für diese SKN-Aktion (Einführung und Abschaffung) zum Fenster hinausgeworfen hat.

Überraschende Anfrage

Als vor einer Weile bei mir das Telefon klingelte, und Daniela Lager vom Schweizer Radio und Fernsehen in der Leitung war, dachte ich ja zuerst an einen Scherz. Ich ging nunmal nicht zwingend davon aus, dass man mich für einen Live-Talk anfragen würde. Ich frage mich, ob überhaupt jemand einfach so davon ausgeht. Es hat etwas gedauert, bis ich geglaubt habe, dass es ernst gemeint ist. Ich gestehe: Ich fühle mich geehrt. Für manche mag das Alltag sein – für mich war es etwas Besonderes. Und das Treffen mit dem bekannten TV-Gesicht Daniela Lager war genauso besonders. Ich habe sie durch Solothurn führen dürfen und habe dabei eine sympathische, aufgestellte und spannende Frau kennengelernt. Und deshalb freue ich mich auf den Talk. Die Medienmitteilung von Radio SRF sieht nun folgendermassen aus:

Die Modepraline und der König von Solothurn

  • Sonntag, 2. Oktober 2016, 10:03 Uhr, Radio SRF 1

Daniela Jäggi führte Modeboutiquen, besitzt eine Immobilienfirma und bloggt unter dem Pseudonym «Modepraline» über ihr Leben als Mutter und Geschäftsfrau. In «Persönlich» trifft sie auf Kurt Fluri, der schon ein halbes Leben lang Stadtpräsident von Solothurn ist.

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Daniela Jäggi führte bis vor kurzem eigene Modeboutiquen in Solothurn. Zudem besitzt sie eine Immobilienfirma, deren erklärtes Ziel es ist, den Charme von Solothurner Altstadthäusern zu erhalten und dem lokalen Gewerbe bezahlbare Geschäftslokale zu bieten. Unter dem Pseudonym «Modepraline» packt sie ihre Gedanken zum Leben als Mutter und Geschäftsfrau in einem Blog in witzige Texte, die bis heute eine halbe Million Menschen gelesen haben.
Kurt Fluri ist schon ein halbes Leben lang Stadtpräsident von Solothurn. Und er will es für eine weitere Amtszeit bleiben. In Solothurn gehen alle politischen Geschäfte über das Pult des Präsidenten – weshalb man ihn scherzeshalber auch schon mal als «König von Solothurn» bezeichnet.

Schweizweit im Rampenlicht – und teils in heftigem Gegenwind – steht der FDP-Nationalrat seit wenigen Wochen bei der Umsetzung des Zuwanderungsartikels. Eine neue Erfahrung für den stillen Schaffer, der sein Leben bislang erstaunlich gut von der Öffentlichkeit abgeschirmt hat.
Bei Gastgeberin Daniela Lager erzählen Daniela Jäggi und Kurt Fluri diesen Sonntag aus ihrem Leben. Die SRF 1-Talkshow «Persönlich» kommt live aus dem Stadttheater Solothurn. Der Anlass ist öffentlich und der Eintritt frei. Türöffnung: 9 Uhr. Beginn der Sendung: 10 Uhr. Keine Sitzplatz-Reservation.

Moderation: Daniela Lager, Redaktion: Daniela Lager

Nicht nur zu fett, auch zu alt für Sport!

Was für eine fiese Überschrift – aber so fühlt es sich gerade an. Da geht man erst zum Onkel Doktor, weil man sich nicht so fühlt, wie man sich fühlen möchte. Der zapft Blut ab und man muss erfahren, dass Cholesterin und Zucker nicht gerade im roten Bereich, aber doch ein klitzekleines Bisschen über der Idealmarke liegen. Und weil ich ohnehin rund 15 Kilo zuviel mit mir rumschleppe, stelle ich mit einem Ernährungscoach meine Essensgewohnheiten um. Mehr Früchte, mehr Salat, mehr Gemüse, mehr Proteine – weniger Kohlenhydrate. Wunderbar – sollte man meinen.

Aber nach 3 Wochen neuer Ernährung finde ich doch komisch, dass ich Halskrämpfe, Schluckbeschwerden und eine Stimme wie eine alte Säuferin habe. Also zeige ich meinen Hals meinem weltbesten Professor, der mich vor einem Jahr am Kehlkopf von einer Zyste befreien musste. Klar: Die Angst sass mir im Nacken, dass das Ding wieder da sein könnte. Und was sagt der Lieblingsprofessor?

„Jaja, ich sehe ihr Problem – sie haben Magenflüssigkeit im Hals und Rachen.“ Das sieht er übrigens, weil er mit seiner Kamera meinen Hals runterkriecht…(also nur die Kamera, er bleibt oben…).
Ich so: „Wie kommt Mangenflüssigkeit in meinen Hals?“
Er: „Sie haben zuviel Säure oder Schärfe im Magen und ihr Verschluss in der Speiseröhre funktioniert nicht mehr richtig.“
Ich: „Moment. Ich habe meine Ernährung von Pizza und Pasta mit Burgern und Pommes auf Gemüse, Salate und Früchte umgestellt und sie wollen mir sagen, dass ich nun dafür anderswo ein gesundheitliches Problem bekomme. Das darf doch nicht wahr sein.“
Er: „Ich weiss gar nicht, warum sie abnehmen müssen, sie sind doch gar nicht dick.“
Ich: „Mein Blut schreit nach gesunder Nahrung und ich bin definitiv zu schwer.“
Er: „Bewegen Sie sich genug?“
Ich: „Täglich eine Stunde mit dem Hund – aber ich mache keinen Ausdauersport.“
Er mit verschmitztem Grinsen: „Eine Stunde spazieren am Tag reicht. Wenn sie bisher keinen Sport gemacht haben, dann müssen Sie in Ihrem Alter auch nicht mehr anfangen!“

Bääääääm!!!! Das ist der Moment, in welchem man sich bewusst wird, dass der Zahn der Zeit nagt. In MEINEM Alter!!! Hallo? Ich bin 49, nicht 99! Wie gut, dass dieser Satz vom Lieblingsprofessor kam, sonst hätte ich mich bestimmt anschliessend so richtig schlecht gefühlt. Ich meine: Der Hausarzt stellt fest, dass das Blut korrigiert und die Ernährung neu definiert werden sollte, während der Professor stoisch meint, dass man in meinem Alter auch nicht mehr anfangen muss, Sport zu treiben.

Ich stelle fest: ALT und FETT macht keinen Spass! Zum Schluss bin ich nicht nur frustriert, sondern vom gesunden Essen noch krank. Da soll noch einer die Welt verstehen.

Lillifee

Modepraline goes Bauernhof – oder: Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen…

Das Tochterkind, klein Ellie und ich haben das Landleben erkundet. Auf einem Ausfährtchen haben wir in einem schmucken Bauerndorf halt gemacht und sind zu Fuss durch alle die hübschen Strässchen entlang all der schönen Bauernhäuser spaziert. Allein schon die üppigen Geranien an den Fenstern waren ein Highlight für sich. Dass aber Hofhunde auf der Strasse liegen, Katzen die Balkongeländer entlang klettern und die Kühe und Hühner einen überall begrüssen, das war schon fast ein bisschen wie auf einem anderen Planeten. Wir wohnen zwar auch auf dem Land, aber nicht inmitten von aktiven Bauernbetrieben.

Auf den Weiden blinzelten uns die Rinder mit ihren wunderschönen Kulleraugen an (ich würde töten für solche Wimpern!) und die Hühner gackerten ganze Gruppengesänge. Mehr Landleben geht nicht. Und klein Ellie fand die Gerüche mehr als spannend. Sie hatte die Nase auf „Schnuppermodus extrem“ gestellt und hob den Blick nicht eine Sekunde. Ausser bei den Kühen – da machte sie eine Ausnahme. Die müssen schliesslich wissen, dass klein Ellie da ist … Rindviecher das!

Vor den grossen Stallungen, in welchen gegen Abend die Kühe gefüttert wurden, standen riesige Ventilatoren, um dem Vieh das Klima angenehmer zu machen. Und es roch so richtig nach Landleben. Bei einem Stall blieben wir stehen, um den schönen Rindviechern beim Fressen zuzuschauen. Dabei entdeckten wir die Schilder, welche über jeder Kuh an den Holzbalken montiert sind. Ja, auf jedem Schild steht da der Name der Kuh.

Da stand Elsa neben Christa, Monia neben Nadine oder Martha neben Luisa. Und bei einer Kuh – da sind wir uns quasi bombensicher – durfte vermutlich das Grosskind des Bauern den Namen auswählen. Da stand mit weisser Kreide auf dem Schild: L i l l i f e e !🙂
Lillifee ist schwarz-weiss gescheckt, hat grosse Kulleraugen und hat in dem Moment, als wir in Gelächter ausbrachen, ihren Kopf zu uns gewendet. Sie schaute uns an, als ob sie uns sagen wollte: „Hört auf zu lachen, ich hab mir den Namen auch nicht gewünscht!“

Ich kann mir ganz schlecht Namen merken. Lerne ich heute jemanden kennen, weiss ich vermutlich morgen den Namen schon nicht mehr. Aber eines weiss ich bestimmt: Lillifee in der Kuhversion werde ich nicht mehr vergessen, so lustig finde ich das!

Wo bleibt der Anstand?

Ich weiss noch, wie es früher war, wenn man auf Jobsuche ging. Im optimalsten aller Fälle machte man einen Anruf und hatte ein Vorstellungsgespräch, ohne jemals eine Bewerbung geschrieben zu haben. Im zweitoptimalsten Fall schickte man eine Bewerbung und bekam kurze Zeit später Post. Ein grosser Umschlag im Briefkasten bedeutete eine Absage, weil man das Bewerbungsdossier zurückgeschickt bekam. Ein kleiner bedeutete, dass man sich ein paar Tage gedulden solle, um dann hoffentlich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu bekommen. Tatsache ist aber: Man hat eigentlich immer eine Antwort bekommen.

Heute scheint das nicht mehr üblich zu sein, um nicht zu sagen: Der Anstand ist flöten gegangen. Man verschickt 10 Bewerbungsdossiers und bekommt im optimalsten aller Fälle vielleicht 2 Rückmeldungen. Von den anderen 8 hört man schlicht und ergreifend NICHTS. Ganz zu schweigen vom Rücksenden des Dossiers. Das ist schon lange nicht mehr üblich. Die Unterlagen verschwinden irgendwo im Müll.

Bei den Onlinebewerbungen, welche inzwischen zum Standardprogramm gehören, müsste man ja denken, dass es einfacher ist. Es sollte ja wirklich kein Problem sein, ein Antwortmail zu machen. Selbst wenn dieses nur aus zwei Sätzen besteht, so hätte der Bewerber doch mindestens eine Antwort. Aber nein – das Mail-Postfach bleibt leer. Bei manchen Stellenangeboten ist es sogar so, dass nirgends eine Telefonnummer zu finden ist. Man könnte also auch nicht einfach mal nachfragen, wie man das früher gemacht hat. Man muss erneut eine E-Mail senden, welche dann wieder nicht beantwortet wird.

Wo bleibt der Anstand? Jedes Kind lernt, dass man auf eine Frage eine Antwort gibt. Eine Bewerbung ist eine Anfrage für einen Job. Keine Antwort ist deshalb definitiv keine Option!

Es grünt so grün…

Wir haben vor Jahren unser Grundstück, auf welchem unser Haus steht gesehen, uns verliebt und es gekauft. Ausschlaggebend war damals in erster Linie die unglaubliche Aussicht auf die Alpenkette. Ich weiss noch, wie der Göttergatte und ich auf dem noch unbebauten Grundstück sassen und diesen wahnsinnigen Blick genossen. Und uns war klar: Hier sollte unser neues Zuhause entstehen.

Wenn wir heute in unserem Garten sitzen und den Blick gegen die Alpen richten, dann sehen wir … grün – jemand hat die Alpen geklaut! Nein, natürlich nicht. Unsere Grundstücknachbarn haben aber beschlossen, auf ihren Landparzellen Riesenbäume wachsen zu lassen. Und weil man Aussicht bekanntlich nicht kaufen kann, sehen wir inzwischen keine Alpen mehr – stattdessen jede Menge Grünzeug.  De Facto bedeutet das, dass wir zwar an steiler Hanglage jenseits von Eden gebaut haben, ausser Bäumen aber schon lange nichts mehr sehen. Da hätten wir auch gleich in der Ebene bleiben können.

Es gibt also inzwischen noch einen weiteren Grund, den Sommer nicht zu mögen und auf den Winter zu warten: Die Bäume verlieren nämlich dann ihre Blätter und wir haben wieder freie Sicht auf die Alpenkette. Wäre ja auch schade, wenn wir nachts im Pyjama mit der Motorsäge Bäume fällen müssten. Da stellen wir den Kalender doch lieber auf Dezember und … guckst Du: Die Alpen werden wieder zurück sein!