Überdosis Farb- und Stilberatung

Vor Jahren habe ich eine Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin gemacht. Also, wenn ich ehrlich bin, habe ich mich einfach durch den Kurs gewürgt, weil ich einbezahlt hatte und kein Weichei sein wollte – wirklich viel konnte ich der Logik aber nicht abgewinnen. Dass nicht jedem Menschen jede Farbe gleich gut steht, wusste ich vorher schon. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass ein gesunder Mensch mit Stil im Spiegel selber sieht, ob ihm etwas steht, oder ob es ein kompletter Griff ins Klo ist. In dieser Ausbildung habe ich damals gelernt, dass es dafür aber sowas wie „Anleitungen für Dummies“ gibt. Und dass man jeden Menschen klassifizieren kann:

IMG_3537
Angefangen wird – gemäss dem meteorologischen Kalender – mit dem Frühlingstyp. Zu seinen Grundfarben gehört Elfenbein, Crème, Camel, Cognac und Rotbraun; so sagt es die Farbkarte.

Im Kalender und der Farbenlehre folgt dann der Sommertyp:

IMG_3536
Zu seinen Grundfarben gehört sanftes Weiss, Rosabeige (kein Plan, was das sein soll), Nerzbraun (noch nie vorher gehört!!) und Kokosbraun (sehr exotisch).

Logischerweise kommt dann im Ablauf der Herbsttyp. Den gibt es übrigens in der Bevölkerung am seltensten!

IMG_3539
Zu seinen Grundfarben gehört Eierschale, Sandbeige, Umbrabraun (nie gehört!), Bronze und Kamelbraun.

Last but not least hätten wir noch den Wintertyp, welcher in der Bevölkerung am weitesten verbreitet ist.

IMG_3538
Zu seinen Grundfarben gehört Reinweiss, Angoragrau, Aschgrau, Schwarz und Nachtblau.

Soviel zur Theorie der Grundfarben. Zu beachten gilt es dann beim jeweiligen Typ noch den Stil, das Material, die Musterung und die Accessoires. Und dann gilt:

Bestehende Garderobe überprüfen, Neueinkäufe überprüfen und anpassen, Stil beachten und anpassen, Farbcharaktere auf seine persönliche Stilmischung abstimmen. Also für mich klingt das im Klartext nach: „Alles wegschmeissen und neu einkaufen gehen!“ Toll, da wird sich die Brieftasche aber freuen und die Kreditkarte wird glühen. Aber bin ich dann ein neuer, erfolgreicherer, glücklicherer Mensch? Kompletter Quatsch! Als berufsbedingter Textilfreak kann ich nur sagen: Zu jedem Menschen passt das, was ihm am besten gefällt und worin er sich am wohlsten fühlt.

Als Wintertyp sollte ich in meiner Garderobe ganz viel dramatisches Reinweiss und Schwarz haben. Ich fühle mich in Reinweiss wie eine verkappte Krankenschwester und in Pechschwarz bereit für die Beerdigung. Vollkommener Blödsinn also! Und wenn man mich in eine reinweisse Bluse steckt und mein Gesicht dabei „Hilfe“ schreit, steht mir diese Farbe wohl kaum! Die Ausstrahlung sagt aus, was uns steht – nicht nur der Teint, die Augenfarbe und die Haare.

Dass eine Frau mit kaminrotem Haar vielleicht besser kein Lila trägt, sehe ich als Fachfrau sehr wohl. Ich kann ihr zwar davon abraten – wenn sie sich darin aber wohlfühlt und strahlt, werde ich mich hüten, ihr das ausreden zu wollen. Das wäre gemein. Wenn sie mich aber fragen würde: „Ich bin mir unsicher, ob mir das steht – was denken sie?“ – ja dann würde ich ihr sagen, dass es bessere Farben für ihren Typ gibt.

Ganz schlimm sind in unserem Metier (Textil) die Kundinnen, die gerade eben in einem Kurs ihren Typ bestimmen liessen und nun mit der Farbkarte durch die Läden rennen, weil sie glauben, nur noch mit „ihren“ Farben glücklich zu werden. Die Extremvariante ist: „Diese Hose wäre wunderschön, aber leider passt sie nicht zu meinem Teint, das habe ich im Kurs gelernt!“ Toll, liebe Kundin…wie oft halten sie ihr Knie neben ihre Wange? Für uns an der textilen Kampffront sind das die harten Knacknüsse, welche uns manchmal ganz schön an den Nerven zerren. „Fräulein, dieses Blau hat den falschen Ton für meine Augen.“ oder „Hätten sie dieses Rot auch etwas dunkler, das ist drum nicht in meiner Farbkarte?!“ oder „Ich hätte gerne genau diese Bluse, einfach etwas dunkler, mit mehr Rüschen und kürzeren Ärmeln.“ Aha!!! Na dann nähen wir ihnen die doch heute Nacht sehr gerne, kein Problem….

All diese Lehren und Theorien in Ehren – Mode macht nur Spass, wenn man sie unverkrampft und mit Genuss einkauft und trägt. Und wenn sich jemand wirklich total unsicher fühlt in Sachen Stil und Farbe, so gibt es in jedem guten Fachgeschäft die Beratung, die gerne weiterhilft. Aber bitte, liebe Frauen, legt diese Farbkarten weg… Die verkomplizieren das Leben nur unnötig! Schönheit kommt bekanntlich von innen, und wer sich wohl fühlt, der strahlt. Das funktioniert auch ohne Farbkarte, da gehe ich jede Wette ein!

12 Gedanken zu „Überdosis Farb- und Stilberatung

  1. Ich kugle mich wieder mal vor Lachen und danke Dir von ganzem Herzen dafür 😀 Ich hoffe, dass dieser Blog auch von ganz vielen Männern gelesen wird, alleine schon wegen den Farbbezeichnungen 😉 Diese Zeilen sind wirklich sehr lehrreich 😀 Ich weiss nicht, welcher Farbtyp ich bin, bin aber auch sehr froh darüber, dass ich es nicht mehr schaffe, meine Knie neben die Wangen zu stellen 😀

    Gefällt mir

  2. Also wollen Sie damit sagen, dass Sie NICHT mit den Knien neben den Ohren durch die Stadt gehen?! =O
    Wir sind wohl Anti-Farbkarten-Typen. Wird jetzt eine fünfte Jahreszeit kreiert?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s