Rosarote Zuckerwatte

Kennt ihr die Kunst der konstruktiven Kritik? Jemandem ein Feedback geben, ohne ihn dabei anzugreifen oder zu verletzen, kann unglaublich schwierig sein. Ich habe mich in meiner Ausbildung ein ganzes Semester lang NUR mit diesem Thema auseinandergesetzt. Resultat: Ich wusste eine Weile fast nicht mehr, wie ich überhaupt mit jemandem sprechen sollte, um ihm auf der richtigen Ebene, mit den richtigen Worten, der richtigen Körperhaltung und der nötigen Wertschätzung zu begegnen. Hilfe! Da blieb selbst meine vorlaute Klappe manchmal einfach zu, weil es einfacher war, gar nichts zu sagen. Ich bin eine Verfechterin der klaren, direkten und ehrlichen Kommunikation. Dieses Reden um den heissen Brei ist nicht mein Ding. Klar verletze ich nicht absichtlich jemanden – es sei denn, ich mag ihn/sie gar nicht, dann kann es schon mal vorkommen, dass ein kleines Bisschen Absicht dahiner steckt.

Was ich aber eigentlich erzählen will: Es gibt wenig Leute, die mich ehrlich kritisieren. Die meisten Menschen leben offenbar nach dem Motto: „Vorne grinsen und nett nicken, dann umdrehen und Augen rollen!“ Schade, denn ich wüsste eigentlich gerne, was Mann/Frau von mir und meinem Tun so hält. Vor allem wüsste ich auch gerne, wie mein Geschreibsel so ankommt. Bislang fanden nämlich alle einfach nur toll, was ich schreibe. Ob das wirklich so ist? Also meine härtesten Kritiker sind meine Familienmitglieder. Allen voran mein Sohn, der tatsächlich über die besondere Gabe verfügt, konstruktive Feedbacks zu geben. Er kommt in seiner ruhigen und lieben Art so gar nicht nach der Mama. Er liest regelmässig meine Geschichten, findet immer wieder einen Fehler (nachdem ich den Text schon online geschaltet habe…) und diskutiert mit mir die Inhalte.

Letzthin habe ich ihn mal wieder gefragt: „Fandest Du die Geschichte heute auch so lustig?“ Nun ja, bedingt durch das AUCH in meiner Frage hätte er merken müssen, dass ich darauf aus war, ein lautes und deutliches JA zu hören. Er: „Geht so, Du hattest schon lustigere Geschichten.“ Ich: „Findest Du? Jetzt bin ich fast ein bisschen traurig, ich finde die nämlich besonders witzig. Und eigentlich mag ich es so gar nicht, wenn jemand meinen Schreibstil kritisiert!“ (Man muss dazu sagen, dass er das nicht getan hat…ich wollte einfach NUR gelobt werden.) Daraufhin kam die erschlagende aber wahre Antwort meines sonst so diskreten Sohnemannes: „Also was denn nun? Willst Du von mir die Wahrheit hören oder soll ich Dich in eine rosarote Gummizelle aus Zuckerwatte stecken?“ Klatsch! Da hatte ich nun die totale Wahrheit. Aber richtig; volle Kanone! Ich muss gestehen: Wo er recht hat, hat er recht. Lob ist nun einmal schöner, als Kritik. Und die Wahrheit ist nicht immer super. Wie sagt man so schön: Wer austeilen kann, muss auch einstecken können! Korrekt, aber manchmal ganz schön hart. Da ich aber im Austeilen in der Regel nicht kleinlich bin, muss auch ich einstecken können. Mal gelingts gut, mal weniger.

Was ich aber seither nicht mehr aus dem Kopf bringe, ist die rosarote Gummizelle aus Zuckerwatte. Diese Vorstellung finde ich richtig cool.

Lieber Sohn, bevor Du mich das nächste mal demoralisierst: Ich möchte bitte in die Gummizelle, das fühlt sich bestimmt tausend mal besser an 🙂

2 Gedanken zu „Rosarote Zuckerwatte

  1. Also ich mag Deine Blogs sehr und habe dabei schon zig Tränen vergossen. Es muss ja nicht immer lustig sein, obschon ich diese Geschichten besonders mag 😍 Wie gesagt, wenn’s Dir mal langweilig werden sollte, SCHREIB EIN BUCH 👍 vielleicht warst Du ja in Deinem früheren Leben mal Schriftstellerin 😉 die Gabe dazu hast Du auf jeden Fall (und das ist ganz ehrlich gemeint!!!)

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