Engelchen und Teufelchen

Ich habe zwei kleine Begleiter in meinem Leben. Der eine sitzt auf der rechten Schulter

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und der andere auf der Linken.

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Die beiden sind auf Lebenszeit bei mir eingemietet – manchmal eher ruhig, manchmal extrem aktiv. Ich kann nicht sagen, welchen der beiden ich lieber mag. Irgendwie gehören sie beide zu mir und meinem Wesen. Es gibt aber Tage, da möchte ich gerne mit der Hand über die Schulter wischen und vor allem den kleinen roten Fiesling loswerden!

Wenn ich abends in den Pyjama steige, mich dabei im Spiegel betrachte und denke, dass die Speckrollen an meinem Bauch dringend wegmüssen, gehe ich meistens mit dem guten Vorsatz ins Bett: „Ab morgen wird alles anders.“

Beim Aufstehen ist der gute Vorsatz noch da; bei der Kaffeemaschine auch noch. Der kleine Engel lobt mich und flüstert mir ins Ohr, wie gut ich das mache. Und schon wird der kleine rote Teufel auf der anderen Seite aktiv. „Es hat noch Zopf im Brotschrank! Komm schon, ein Stück kann doch nicht so schlimm sein.“ Mein Magen knurrt und pflichtet dem teuflischen Flüsterer noch bei. Stimmt doch, ein Stück Zopf kann bestimmt nicht so schlimm sein. Und ein bisschen Käse dazu auch nicht. Ich setze mich an den Esstisch, schnappe mir die Zeitung und beisse genüsslich in mein Frühstück. Wobei: Genüsslich ist wohl das falsche Wort. Schon beim ersten Bissen kommt das schlechte Gewissen in mir hoch. Der Engel haucht mit süsser Stimme: „Du weisst doch, dass damit die Speckrollen nicht weniger werden. Bleib stark!“ Ich lege das angebissene Stück Zopf zurück in den Teller und konzentriere mich auf die Zeitung. „Hast Du echt keinen Hunger? Lass die Speckrollen doch einfach Speckrollen sein“, faucht der kleine Teufel auf der anderen Seite.

Und so dauert dieser innere Kampf noch eine Weile, bis das Frühstück letztlich doch verspiesen ist. Leider ärgere ich mich dann über mich selber, denn meistens gewinnt der kleine gehörnte Kerl auf der linken Schulter. Und die Waage wird mich wieder unerbittlich darauf aufmerksam machen, dass ich besser auf den süssen Engel gehört hätte. Das schlimme ist, dass mir das ständig wieder passiert. Aus Erfahrung klug? Fehlanzeige! Irgendwie scheint die Stimme des kleinen Teufels viel lauter zu sein, oder die des Engels einfach zu wenig ausdauernd.

Es gibt Ausnahmen. Das sind diese Tage, an welchen ich mich mental so stark fühle, dass der kleine fiese Kerl keine Chance hat. Da bilden der Engel und ich eine unschlagbare Einheit. Aber leider sind diese Tage eher selten. Meistens macht mich der kleine Teufel richtig fertig und der Begriff „verteufelt“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Mal schauen, ob es etwas nützt, wenn ich mir Watte ins linke Ohr stopfe und den kleinen Kerl auf der linken Schulter so auszutricksen versuche. Falls es funktioniert, werdet ihr’s erfahren!

5 Gedanken zu „Engelchen und Teufelchen

  1. 😂 wieder mal so toll geschrieben 😍 Ich denke, alle Leser kennen diese 2 Wesen 😜 im Moment ist der rote Kerl bei mir auch stärker, aber ich hoffe, dass das Engelchen mehr und mehr Energie gewinnt und mir das kleine Biest von der Schulter stösst… 😘

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