Zahnarztphobie

Wann ich das letzte Mal beim Zahnarzt war? Keine Ahnung! Es ist auf jeden Fall schon ziemlich lange her und ich ging auch nur hin, weil ich sonst vermutlich an einer Schmerzmittelvergiftung gestorben wäre. Die Zahnschmerzen plagten mich nämlich schon so lange, dass jeder normale Mensch den Kopf schüttelt, wenn er hört, was ich alles an Tabletten in mich reinstopfte, um den Zahnarzt umgehen zu können.

Diese Angst habe ich aus meiner Kindheit mitgenommen. Schlechte Erfahrungen und eine rabiate Kieferorthopädin haben mich derart traumatisiert, dass mir schon schlecht wird, wenn ich die Zahnarztpraxis nur rieche. Wer nun glaubt, dass das mit den Jahren besser wird, der irrt sich gewaltig. Es wird immer schlimmer. Bis ich schon nur die Nummer der Zahnarzpraxis wähle, braucht es üble und lang andauernde Schmerzen. Die Zeit bis zum Termin ist mit Albtraumszenarien in meinem Kopfkino gespickt. Und in der Nacht vor dem Zahnarzttermin ist an Schlaf gar nicht mehr zu denken. Ich bin schon stolz auf mich, wenn ich den Weg in die Praxis alleine schaffe; es ist auch schon vorgekommen, dass ich vor der Praxis wieder umgedreht habe und mir einredete, auf einmal keine Zahnschmerzen mehr zu haben. Habe ich es aber mal bis ins Wartezimmer geschafft, schwitze ich eiskalt vor mich hin. Die Hände kleben, das Herz rast und wehe, ich höre das Geräusch des Bohrers aus dem Behandlungszimmer. Dann wird mir auf alles auch noch übel. Toll! Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung.

Ich habe das grosse Glück, eine Zahnärztin zu haben, die meine Angst versteht und ernst nimmt. Abnehmen kann sie mir diese aber auch nicht. Sie redet mir zu, erklärt mir bei jedem Schritt, was sie gerade tut und versorgt mich mit Notfalltropfen und Zucker, wenn mein Kreislauf zu streiken droht. Die Arme tut mir immer leid, wenn sie mich behandeln muss. Ich denke, dass sie auch nicht traurig ist, dass ich nicht Dauergast bei ihr bin; dafür bin ich definitiv zu anstrengend. Eigentlich sollte man mir jeweils noch eine Traumapsychologin an die Seite stellen, damit sich die Zahnärztin auf ihren Job konzentrieren kann.

Würde man mich während einer Behandlung auf dem Zahnarzstuhl filmen und den Film auf Youtube stellen, wäre das bestimmt der Lacher schlechthin. Ich liege wie ein erstarrter Pflock da, verschwinde quasi IM Stuhl, um mich möglichst unsichtbar zu machen. Die Hände habe ich verschränkt, und zwar so, dass die Knöchel weiss anlaufen, weil keine Blutzirkulation mehr möglich ist. Die Zehen versuche ich in den Stuhl zu krallen, was sogar schon zu einem Wadenkrampf während der Behandlung geführt hat. Kein schönes Gefühl! Ach ja, und die Atmung vergesse ich des Öfteren mal komplett, sodass die Zahnärztin mich ermahnen muss, doch bitte weiter zu atmen.

Ich bewundere Menschen, die regelmässig und ohne Schmerzen einfach so zum Zahnarzt gehen. Wie gerne möchte ich das auch können. Ich habe es schon mit allerhand Tricks versucht, leider bislang ohne Erfolg. Mir graut schon jetzt vor den nächsten Zahnschmerzen und meiner Zahnärztin wünsche ich, dass sie möglichst wenig solche Patienten hat, wie ich es bin!

9 Gedanken zu „Zahnarztphobie

  1. Ich bin froh, dass ich keine Angst vor dem Zahnarzt habe. Ich habe vor Jaaaahren Zahnarztgehilfin (damals hiess die Berufsbezeichnung noch so) gelernt und lange auf dem Beruf gearbeitet. Mit ein Grund ist, dass mein Bruder und ich nie zum Schulzahnarzt gehen mussten. Wir liessen uns zwar wie die anderen Kinder von ihm untersuchen, wurde aber an einem Zahn Karies festgestellt, durften wir uns von einem Verwandten von uns behandeln lassen, und der liebe Onkel war ganz behutsam. Ich war sehr dankbar für dieses Privileg, denn der Schulzahnarzt war ein Riese! Ein stattlicher Mann aus dem Ostblock, der keine Hände, sondern Pranken hatte, die extrem nach Rauch rochen. Damals trugen die Zahnärzte noch keine Handschuhe! Die anderen Kinder erzählten immer Horrorgeschichten, wenn sie zu ihm mussten 😔 Ich denke, solche Erlebnisse haben viele Kinder geprägt und es verfolgt sie ein Leben lang 😔
    Es kam aber der Tag, wo ich zu einem anderen Zahnarzt musste, weil mein Onkel dafür nicht spezialisiert war. Meine Zähne hatten sich so verschoben, dass nur noch ein Kieferorthopäde helfen konnte. Ein Albtraum für mich! Als ich zu allem hin noch gehört habe, was die gesamte Behandlung Kosten wird, war für mich klar, ICH LASS DAS NICHT MACHEN! Ich sagte meinen Eltern, dass ich für das Geld lieber ein Pferd möchte 😃 Leider bin ich auf 4 taube Ohren gestossen. Als ich dann das erste Mal auf diesem fremden Zahnarztstuhl sass und partout meinen Mund nicht öffnen wollte, fragte mich der Zahnarzt, was denn so schlimm an der Sache sei? Meine Mutter antwortete dann für mich und sagte „sie will lieber ein Pferd, statt sich die Zähne richten zu lassen!“ Der Mann hatte dann aber ein ziemlich gutes Argument und zeigte mir auf, wie mein Lachen mit 20 Jahren aussehen würde, wenn ich sie nicht korrigieren lasse. Dieses Bild war so schrecklich, dass ich schweren Herzens meinen Mund öffnete und auf das Pferd verzichtet habe ☺️

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  2. Hallo liebe Daniela,
    Angst vor dem Zahnarzt habe ich nicht, aber heute morgen das war der blanke Horror!
    Ich habe so starke Schmerzen, es ist wahrscheinlich eine Nervenentzündung. In der Uniklinik muss das morgen erstmal untersucht werden. Ich habe jetzt schon Angst davor.
    Liebe Grüße und eine gute Nacht
    Tilla

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