Frauen in der Chefetage

Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass ich zu diesem Thema eine Geschichte machen würde. Wahrscheinlich deshalb, weil für mich klar war, dass dies im 21. Jahrhundert kein Thema mehr sein sollte. Ist es aber offenbar immer noch. Habe ich doch letzthin in der Zeitung folgende Headline gesehen:

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Rote Buchstaben die mich buchstäblich anschreien! Und steht da wirklich das Wort „langsam“ am Anfang des Satzes? Ich möchte hier noch klarstellen, dass es sich bei besagter Zeitung nicht um ein unbedeutendes Blatt aus dem Niemandsland handelt. Nein, eine renommierte Tageszeitung mit Stellenangeboten im hinteren Teil, die sich sehen lassen. Und dann diese Headline!

Also noch einmal für die Langsamen, wie ich es bin: Wir Frauen werden also LANGSAM in den Chefetagen akzeptiert. Ist das nicht nett? Nun ja, ich meine: Wir sind schliesslich nur Frauen. Also müssten wir schon ein bisschen Dankbarkeit zeigen, dass wir nun zumindest schon ein klein wenig Chefetagenluft schnuppern dürfen. Da kommt bei mir die Galle hoch! Wir Frauen sind genauso gut ausgebildet wie Männer; wir beweisen in der Schwangerschaft und bei der Geburt, dass wir körperlich zu Leistungen in der Lage sind, die jeden Mann aus den Socken hauen würden. Wir stellen mit Haushalt, Kind, Job und Terminmanagement unsere Multitaskingfähigkeit tagtäglich unter Beweis. Und wir sind auch nach unzähligen durchwachten Nächten am Krankenbett der Kinder immer noch einsatzfähig. Und jetzt soll mir bitte jemand erklären, warum wir „langsam“ in den Chefetagen akzeptiert werden.

Da gibt es für mich nur einen wirklich erschlagenden Grund: Weil die Männer Angst vor uns haben. Nun ja – eine gut ausgebildete Frau, die eine Familie managen kann, hebelt jeden hochdotierten Manager aus. Was eine Familienfrau an Management, Belastbarkeit und Flexibilität können muss, kann man an keiner Wirtschaftshochschule lernen. Dort bekommt man dafür ein Diplom. Das wars dann aber auch schon in Sachen Unterschied. Es wäre doch ziemlich peinlich, wenn sich auf einmal herausstellen würde, dass die stolzen Herren auf ihren Chefsesseln locker durch Frauen ersetzt werden könnten. Zumal sich Frauen auch bei Verhandlungen nicht selten als weit geschickter herausstellen, als Männer.

Die Tatsache, dass die Chefetagen nicht schon lange von Frauen dominiert werden, kann also nur an den Männern liegen, die dort oben an ihren Sesseln kleben, weil sie Angst haben, von einer Frau wegbefördert zu werden. Diese männlichen Bremsklötze versperren verzweifelt mit nichtigen Argumenten jede Tür und jedes Schlupfloch, damit es bloss keine Frau an die Spitze schafft. Wie peinlich, wenn diese den Job in Nullkommanix besser machen würde, als der männliche Vorgänger. Es gibt bereits ein paar wenige Frauen, die an der Spitze von namhaften Unternehmen locker ihren Mann stehen. Und zwar schon lange, nicht erst langsam!

Solche Headlines in der heutigen Zeit sind einfach nur zum Kopfschütteln. Sonst wäre ich dafür, dass man gleich daneben eine Headline platzieren würde, die lautet:

„So langsam werden Männer in der Waschküche akzeptiert!“

6 Gedanken zu „Frauen in der Chefetage

  1. Der Kampf um Gleichberechtigung endet erst, wenn Männer und Frauen die gleichen Rechte und Pflichten haben. Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung auf dem Verschiebebahnhof.
    Ausserdem bei ungleichen Bedürfnissen lösen gleiche Rechte das Problem nicht.
    Trifft natürlich nicht auf alle zu 😉

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