Schenken leicht gemacht

Ich kenne Leute, die haben zu Hause einen Geschenke-Notfall-Schrank. Wenn man diesen öffnet, kommen Sachen wie Kerzen, Vasen, Zierservietten, Duftlampen, Engel oder Seifenspender zum Vorschein. Man kann ja nie wissen, ob man womöglich kurzfristig irgendwo eingeladen wird, einen Geburtstag vergessen hat oder sonst aus irgend einem Grund ein Notfallgeschenk braucht. Praktische Idee, aber eigentlich doch total phantasielos. Solche Geschenke nenne ich gerne Staubfänger. Das sind die Teile, bei denen man schon beim Auspacken merkt, dass kein persönlicher Gedanke dahinter steckt. Halt einfach so ein erzwungenes Mitbringsel, auf das man lieber verzichtet hätte.

Warum eigentlich? Warum nicht einfach sagen: „Ich komme heute mal mit leeren Händen, weil ich dir nicht einfach irgendetwas Unpersönliches bringen wollte. Bei der nächsten passenden Gelegenheit denke ich an Dich.“ Was ist falsch daran? Ich finde es nämlich viel schöner, genau dann jemandem etwas zu schenken, wenn er oder sie es überhaupt nicht erwartet. Dafür habe ich mir etwas dabei gedacht und der Beschenkte ist erst noch überrascht. Wie schön! Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich Mühe habe mit den obligatorischen Geburtstags-, Jubiläums- oder Weihnachtsgeschenken. Da muss man nämlich einfach schenken, egal, ob man gerade eine passende Idee hat, oder nicht. Das wäre dann die Situation, in welcher man schlussendlich den Notfallschrank aufmacht und einen Staubfänger verpackt. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher eigentlich jeder alles hat, was er braucht, ist Schenken noch schwieriger geworden. Und das erzwungene Schenken aus Tradition wird zum Spiessrutenlauf durch unzählige Geschäfte, um schlussendlich mit einem Kompromissgeschenk nach Hause zu gehen, weil man einfach nichts Besseres gefunden hat. Schade!

Ich sehe manchmal irgendwo ein Irgendwas, welches gerade perfekt zu einer Person passen würde. Sei es, weil sich diese Person dieses Irgendwas vielleicht schon lange wünscht; sei es, weil es einfach buchstäblich nach dieser Person schreit; sei es, weil ich weiss, dass diese Person sich das selber nie kaufen würde. Also rein ins Geschäft, einpacken lassen und sich schon im Voraus auf das Gesicht der beschenkten Person freuen. Das macht so einen Spass! Und dabei wird Schenken so einfach. Es passiert nämlich ohne Druck, genau im richtigen Moment und hat erst noch den Faktor Überraschung, der nicht zu unterschätzen ist. Und dann darf es zum Geburtstag auch einfach mal „nur“ eine liebe Karte sein. Ohne, dass das jemand persönlich nimmt. Schenken ist oft einfach mühsam, weil wir uns selber die Bürde der Tradition auferlegen. Lassen wir doch diese Bürde einfach weg und schenken dann, wenn das Richtige gerade passt.

10 Gedanken zu „Schenken leicht gemacht

  1. Ich schenke für mein Leben gerne 🙂 aber an Weihnachten, stresst mich das total, wenn man so unter Zugzwang ist und kein Plan hat, was man denn jetzt kaufen soll. Dieses Jahr haben wir beschlossen, statt einander zu beschenken, das Geld lieber zu spenden. Ich freue mich sehr darauf ❤

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  2. Schade, dass es nicht alle so halten, denn manche Geschenke fühlen sich wirklich sehr gezwungen an. Wenn ich im Zweifel bin, frage ich jetzt immer konsequent nach, ob die Leute Wünsche haben. Sonst gibt es selbstgebackene Kekse. Oder ähnliches 😉
    Viele Grüße,
    Marlene

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  3. Liebe Modepraline !

    Ja, du hast so recht. Ich mag es auch überhaupt nicht, wenn ich gezwungen werden, zu irgendwelchen Fest- oder Geburtstagen etwas zu schenken. Lieber, wenn ich was Passendes finde. Ich bin einer der wenigen, die noch handschriftliche Weihnachts- oder Geburtstagskarten schickt. Das ist für mich ein Geschenk, ich schenke Zeit und suche eine passende Karte aus. Ich schenke auch gerne einfach Beisammensein und zusammen einen tollen Tag haben, mit Dingen, die der andere gerne mag.

    Danke für diesen schönen Beitrag !

    Herzliche Grüße zum 2. Advent,

    Caroline

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      • Das finde ich viel besser und passender. In meiner Familie ist es (leider) Sitte, dass immer was mitgebracht wird. Bei Erwachsenen ok, kann man ja abtun, aber bei Kindern? Die erwarten mittlerweile immer etwas und freuen sich nicht über die Person an sich. Schlimm! Mit grault schon davor, wenn mein Baby alt genug ist, um das mitzubekommen.

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  4. Ich bin so bei dir – in meiner Familie schenken wir auch immer unabhängig von den regulären „festen“ Geschenketagen. Dann kommt ein Geschenk Wochen vor oder nach dem Geburtags, dann wenn es eben passt und für dieses Weihnachtsfest, machen wir uns – anstelle gekaufter Geschenke – das Geschenk des Beisammensseins: unbezahlbar, wertvoll und unersetzlich! Was gibt es besseres?! In diesem Sinne, uns allen einen schönen 2. Advent!

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