Der Notstand wird ausgerufen

Die Weihnachtszeit ist die Zeit, in welcher die Shoppingcenter zum Kriegsgebiet erklärt werden. Nicht genug, dass die gestressten Hausfrauen (an manchen Orten sind es auch die Männer…) schon zwei Wochen vorher anfangen, meterlange Einkaufszettel zu schreiben. Nein, auf diesen Zetteln handelt es sich nur um Esswaren. Schliesslich kommen ja alle zum Weihnachtsessen, die man sonst das ganze Jahr hindurch nie sieht. Und bei vielen Patchworkfamilien handelt es sich in der heutigen Zeit demzufolge um riesige Menschenmengen an drei oder vier aufeinander folgenden Abenden. Da kann die Sache mit der Kocherei schon zur logistischen Meisterleistung werden.

Mir vergeht jedes Jahr der Appetit schon beim Denken an diese vollen Einkaufswagen und die Menschenmassen, die sich zwischen den Regalen durchschieben. Manche haben sogar mehrere Wagen, die sie irgendwie zur Kasse manövrieren müssen. Dabei fällt ihnen so alle paar Meter wieder eine Büchse oder eine Ananas aus dem Wagen, weil der Esswarenberg sich zum Mount Everest auftürmt. Da stelle ich mir auch die Frage, wieviele Kühlschränke und Tiefkühler die Guten zu Hause haben? Das passt doch nie und nimmer alles in einen Kühlschrank. Wo zum Teufel verstauen diese Einkaufswütigen die ganze Ware? Irgendwas scheine ich noch nicht kapiert zu haben. Vor allem verstehe ich eines nicht: Wird über die Weihnachtszeit der Notstand ausgerufen? Oder warum kaufen manche so ein, dass man meinen könnte, es gäbe kein Morgen mehr? Ich meine: Wir sprechen von 2 Feiertagen. Nicht von 2 Wochen! Im Sommer, wenn ein lauer Sommerabend sich einstellt, rennen doch auch alle nach sieben Uhr noch an die Tankstelle, um Wurst und Chips zu kaufen – auch Sonntags! Was ist denn so anders an den Weihnachtstagen? Ist es da verboten, aus dem Haus zu gehen? Also wenn man sich am 24. Dezember (und da ist ja bereits Heilig Abend) in die Schlange an der Kasse stellt, sehen 90 Prozent der Einkaufswagen aus, als ob der Krieg ausbrechen würde. Da werden wahre Fleischberge, tonnenweise Klopapier, unzählige Flaschen Champagner und ganze Eimer von Eiscrème in die Autos transportiert. Das würde locker für 20 Personen reichen – und zwar eingeschneit während zehn Tagen. Und dabei wünschte ich, wir hätten an Weihnachten mal wieder Schnee. Das fände ich richtig toll! So stelle ich mir richtig romantische Weihnachten vor:

Halbleerer Kühlschrank, Stromausfall, ein Meter Schnee auf der Strasse, alle Geschäfte geschlossen und – Kreativität aktivieren! Schale mit Nüsschen, Mandarinen und Schokolade nehmen, Kuscheldecken schnappen und Eile mit Weile spielen. Bei Kerzenlicht, versteht sich, schliesslich wäre ja Stromausfall angesagt. Das wäre ja mal richtig beruhigend und stressfrei. Niemand schwitzend in der Küche, keine Hektik mit dem nächsten Gang servieren, einfach nur gemütlich knabbernd zusammen spielen. Das fände ich mal schön. Wäre das planbar, würde auf dem Einkaufszettel nur stehen: Spanische Nüsschen, Mandarinen, Schokomäuse und Lebkuchen. So wäre Weihnachten mal so richtig gemütlich. Bitte, lieber Weihnachtsmann, lass es doch noch kurz über Nacht mindestens einen Meter schneien!

20 Gedanken zu „Der Notstand wird ausgerufen

  1. Wir hatten dieses Jahr so „einfache“ Weihnachten. Wir waren 5 Personen und alle haben was dazu beigetragen. Der ältere Sohn und seine Freundin haben die Vorspeise mitgebracht, wir haben den Hauptgang gekocht und der jüngere Sohn brachte das Dessert. Alles einfach aber lecker 😍 Danach haben wir gespielt und gelacht. Geschenke gab es keine, weil wir beschlossen haben, das Geld lieber zu spenden. Unser Einkaufswagen war also fast leer und ich hab’s genossn 😉

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  2. Manchmal hat man den Eindruck, es gibt Leute, die kaufen Lebensmittel für den ganzen Monat, damit das Geld nicht woanders hin fließen kann (z. B. in Schnaps und Zigaretten).

    Gewisse Hamsterkäufe sind aber auch wieder verständlich, denn wer will an wichtigen Tagen schon ohne (… beliebiges Wort einsetzen …) dastehen, nur weil es AUSVERKAUFT war.

    Wir sind zu sechst an Heilig Abend. Am ersten Feiertag wird gekocht, auch wenn es anders geplant war. Nachmittags ist dann das Haus voll, und man braucht was zum Anbieten. Am zweiten Feiertag soll es auch etwas geben. Im Grunde bräuchte ich auch noch viel mehr – aber ich warte jetzt mal ab…

    Schöne Feiertage, Modepraline! 🙂

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  3. In dem Dorf in der Surselva, wo wir seit 5 Jahren unsere Weihnachtstage verbringen, geht es ruhiger zu und her.
    Die Einheimischen sind nicht so hysterisch und viele Touristen hat es erst nach Weihnachten.
    Ich muss sagen, die Hektik zu Hause fehlt mir gar nicht 😉

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    • Danke für das Kompliment und schön, wenn Du gerne mitliest. Die Welt da draussen wäre eigentlich auch in Ordnung, wenn wir sie nicht ständig unnötig verkomplizieren würden. Das einzige Lebewesen, das sich selber immer ein Bein stellt, ist der Mensch. Dummer Mensch eben! Aber wir arbeiten daran – let’s rock life! Schöne Weihnachten! 🙂

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  4. Ähnliches dachte ich gestern als ich mit meinem Freund eingekauft habe. Es war irre, was die Leute nach Hause schleppten! Und wir dann so: Bissi Brot, bissi Nudeln, Getränke und Katzenfutter. Hatte schon das Gefühl, alle starren uns an. Und an der Fleischtheke gab es richtig Zoff, da wurde sich angeschrien. Hilfe!!!

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  5. Wir machen ein gemütliches 4-Generationen-Raclette. Und zwar ein ganz einfaches, nur mit Kartoffeln, Käse, Gürkchen und Maiskölbchen. Kein Stress.
    Meine als Geschenk für die Omas gedachten Fotokalender sind leider noch nicht eingetroffen *bibber*. Ich hoffe, das wird noch was.
    Die Hamsterei verwundert mich auch immer. Samstags bei Migros ja auch stets zu bestaunen. Es könnte ja sein, es gibt keinen Montag mehr 😀

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  6. bei uns gibts an Weihnachten nichts anderes wie sonst auch. Jeder bedient sich selbst aus dem Kühlschrank abends, wir sind nur zu zweit und der Hund. der Hund braucht mich als Dosenöffner, dem ist sowieso egal ob Weihnachten oder nicht. Nur vor Sylvester hat er Angst, wegen der Knallerei. Ich hab auch nichts gebacken für Weihnachten, es gibt gekaufte Plätzchen und gekauften Kuchen. Mein Sohn wohnt ausserhalb mit seiner Familie, dort fahren wir dieses Jahr nicht hin. Das ist im Moment nicht so gut. Ich bleibe sowieso lieber daheim und mein Mann auch

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  7. Ein wahres Wort. Ich werde auch gleich für Heilig Abend einkaufen gehen und fürchte mich schon etwas. Stromausfall wäre bei und allerdings kein Grund nicht zu schlemmen, denn bei uns gibt es eine kalte Platte mit Lachs, Meeresfrüchten und Wildaufschnitt. Jeder bekommt was er oder sie am liebten mag. Bei 4 Personen ist das einfach. Denn wer will schon Heilig Abend in der Küche stehen und einen Braten zubereiten. Wir nutzen diese Zeit lieber zum Spielen 😉

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  8. Bei uns besteht Weihnachten nur noch aus zwei Personen in der Qualität, wie im letzten Absatz von Dir beschrieben.
    Kinder und Enkelkinder sind schon beschenkt und der Rest der Verwandtschaft ist über das Bundesgebiet verstreut und somit reicht ein Weihnachtsgruß per Karte.

    G. l. G. Jochen

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