Armes Weihnachtsgeschenk

Hallo! Ich bin ein Weihnachtsgeschenk, und das ist ein knochenharter Job. Warum? Das sag ich euch gerne:

Also: Zuerst stehe ich einen Monat in einem grell beleuchteten Regal im Warenhaus. Bis mich eines Tages eine kalte Hand schnappt und an die Kasse schleppt. Dort wird mir ein Preisschild weggeknubbelt (das kitzelt wie verrückt), bevor ich in Seidenpapier gerollt werde. Von diesem Gedrehe und Geschubse wird mir immer speiübel. Dann werde ich in eine Plastiktüte gesteckt (obwohl jeder weiss, dass man darin keine Luft bekommt) und mit etlichen Seitenhieben zum Auto getragen. Ihr denkt, ich komme dort auf den Rücksitz? Nein! In den Kofferraum, wo ich bei jeder Kurve hin- und herrolle. Tolles Gefühl!

Lieblos werde ich dann in den kalten Keller gestellt, wo man mich Tage später wieder abholt, um ich aus der Tüte zu nehmen, aus dem Papier zu rollen und abzupusten. Hatschi! Ich denke, dass es jetzt kaum noch schlimmer kommen kann. Aber: Es kann wohl! Ich werde in Klarsichtfolie gerollt (Erstickungsgefahr) und anschliessend in Zellophan gepackt. Als ob das noch nicht genug wäre, bekomme ich eine goldene Riesenschlaufe übergezogen, die mir noch endgültig die Luft abschnürt. Die ist doch viel zu eng gebunden. Merkt das denn keiner? Dann werde ich unter einem Baum platziert – neben unendlich vielen Kollegen, die offenbar alle auch unter Atemnot leiden. Dass alle in die Hände klatschen und kreischen, wenn sie uns ansehen, macht es irgendwie auch nicht besser. Stattdessen werden über uns kleine Feuer angezündet, die im Verlauf der Brenndauer den heissen Wachs auf uns tropfen lassen. Autsch! Jetzt also auch noch Brandblasen.

Doch dann: Eine kleine Hand greift nach mir. Rettung naht! Ich werde geschüttelt (würg), abgehorcht (meine Güte, ist mir schlecht), beschnüffelt (eklig) und dann endlich von dieser engen Schleife befreit. Dann werde ich vom Zellophan befreit und die Folie kommt auch weg. Hurra! Luft! Ich fühle mich toll! Bis auf die Tatsache, dass ich genau zwei Minuten bewundert werde, und dann…dreimal dürft ihr raten…WIEDER IN EINEM REGAL LANDE. Zwischen Büchern und Holzelefanten. Und dort werde ich nun einmal die Woche abgestaubt. Herzlichen Dank auch!

16 Gedanken zu „Armes Weihnachtsgeschenk

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