Mein Verständnis von Kunst…

…beschränkt sich auf: Null. Zumindest dann, wenn ich in einer Kunstausstellung stehe. Da scheinen nämlich rundherum alles wahre Kenner zu sein. Nun ja: Da habe ich eine Einladung bekommen von einer Galerie und dachte, dass das ein schöner Sonntagsausflug sein könnte. Also mache ich mich mit einer Kollegin auf in die Szene der Kunstverständigen. Schliesslich hängen bei mir zu Hause auch Bilder, also verstehe ich doch auch etwas von Kunst.

Am Eingang werden wir mit Flüsterstimme begrüsst. Ich wusste nicht, dass Bilder erschrecken, wenn man zu laut über sie spricht. Mit verheissungsvollem Blick werden wir über einen kurzen roten Teppich ins Innere gebeten. Dort drückt man uns ungefragt ein Glas Sekt in die Hand – obwohl ich keinen Alkohol trinke. Aber das interessiert hier keinen. Na ja, dieses Glas mit dem Prickelzeug verleiht mir wenigstens den Ausdruck, unglaublich wichtig zu sein. Wir stehen vor dem ersten Klecks (sorry, Bild natürlich), schauen einander in die Augen und beissen ganz fest auf die Lippen. Nein, lachen wäre jetzt definitiv NICHT angebracht. Laut schon gar nicht – wir sind schliesslich immer noch im Flüstermodus. Ok, wir machen es also, wie alle anderen. Grübelnder Blick, Stirn in Falten legen, mit der freien Hand am Kinn hin und her fahren und irgendwas vor sich hin grummeln. Also die Dame neben mir macht die versierte Aussage: „Jaja, er hat damals schon gespürt, wie die Welt einmal werden würde.“ Bitte? Wohlverstanden, wir stehen vor einem blauen Punkt auf weissem Hintergrund. Und daraus liest sie, was der Maler beim Arbeiten gespürt hat? Also meine Gedanken beim Betrachten sind eher: Wer zum Henker bezahlt für diesen Punkt noch Geld? Dieses Werk könnte genauso gut von mir stammen, und ich kann nicht einmal ein Strichmännchen zeichnen.

Meine Kollegin flüstert etwas konsterniert: „Könnten wir mal etwas weitergehen und so tun, als ob wir auch etwas verstünden? Ich komme mir saudoof vor.“ Saudoof triffts genau. Der nächste Farbklecks ist nämlich genauso spannend, einfach in Rot. Und dann kommt er noch in fünf anderen Farben. Ach ja, zwei Räume weiter, vor einem schwarzen Dreieck treffen wir die versierte Kunstkennerin wieder. „Jaja, recht hat er, fragt sich nur, wann der dritte Weltkrieg kommen wird.“ Ich gestehe, ich habe echt keine Ahnung. Dass aber ein schwarzes Dreieck drei Weltkriege darstellt, wovon zwei zum Glück schon überstanden sind, das bewegt sich jenseits meines Verständnisses; in welcher Form auch immer. Könnte der Künstler nicht einfach nur Freude an geometrischen Formen haben? Könnte er sich dabei nicht einfach nur denken: „Warum soll ich mich mit mehr abmühen, wenn die Kenner der Szene dafür ein Vermögen hinblättern?“ Wir reden da von CHF 5000.– und mehr pro Bild.

Wenn nun alle denken, ich sei ein Kunstbanause – schuldig im Sinne der Anklage! Da kaufe ich mir echt lieber einen Fotorahmen und hänge ein Poster rein. Oder ich vergrössere eine Foto meiner Kinder und erfreue mich daran, weil ich darüber tatsächlich etwas erzählen kann. Mich würde einzig interessieren, ob die Kunstverständigen mit ihren klugen Sätzen wirklich immer etwas sehen in den komischen Klecksen. Oder ob sie einfach nur gescheit klingen wollen. Das möchte ich wirklich gerne wissen!

28 Gedanken zu „Mein Verständnis von Kunst…

  1. Hallo Daniela!

    Kunstkenner zu werden, ist gar nicht so einfach. Man muss sich intensiv mit der Quadratur des Kreises auseinandersetzen, einen sicheren … ja, nahezu forensischen Blick für die Feinheiten verspritzter Farbe besitzen und – last but not least – auch die unergründliche Weisheit einer leeren Leinwand intuitiv erfassen können. Das solltest Du schon ein bisschen mehr zu würdigen wissen.

    :mrgreen:

    Das erinnert mich lebhaft an eine Ausstellung, die ich mal mit einer Freundin besucht hatte. Uns ging es damals genauso. 😀

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  2. Meine persönliche Definition von Kunst ist, dass es etwas sein muss, das nicht jeder kann. Ich finde z.B. viele Graffiti sehr kunstvoll, weil es richtig schwierig ist, gut zu sprayen.

    Mein Anti-Highlight war vor über 20 Jahren bei der Dokumenta ein Fussboden mit Fliesen, auf die der Künstler seine fotografierten Kackhaufen gedruckt hatte. Schön in verschiedenen Farben durch verschiedene Lebensmittel. Das war einfach nur eklig.

    Kunst muss für mich als Kunst erkennbar sein, wenn es mir über den Weg läuft.
    Ein Stück Butter in eine Zimmerecke geschmiert ist Dreck und die Putzfrau kann ich verstehen, die es wegputzte.

    Tote Menschen aufzuschneiden und zu präparieren finde ich zwar künstlerisch, aber für mich persönlich abstossend.

    Am Bahnhof der Nachbarstadt befindet sich ein Gebilde, das ich mir lange nicht erklären konnte. Drähte an einem Mast… Ein Metallkreis drumherum. Ich dachte, das hätte eine Funktion und sei kaputt, bis ich näher heran ging und eine Tafel entdeckte, die erklärte, es handele sich um eine „Installatiiiiiooooon“. Ahaaa! So so… Kunst also! Gut zu wissen. Von alleine kommt man da nicht drauf. Aber das wiederum fand ich ganz witzig.

    Immerhin kann man es aber doch als Kunst bezeichnen, anderen Leuten für einen Punkt 5000 CHF aus den Rippen zu leiern. Der „Künstler“ wird sich schön ins Fäustchen lachen. 😉

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    • Thema Installation: Ich glaube, ich habe noch nie eine solche gesehen, die ich auf Anhieb kapiert habe. Wenn ich aber in meine Schublade mit den Wollresten schaue, könnte ich das eigentlich auch als Installation bezeichnen. Ein wirres Durcheinander ohne Hand und Fuss! Ja, Du hast recht. Die grösste Kunst besteht wohl tatsächlich darin, den Leuten für solche Sachen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und da würde ich bereits wieder scheitern….mir wäre das saupeinlich! 🙂

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  3. Liebe Daniela!

    Ja, manchmal verstehe ich auch nicht, warum gewisse Kunstwerke als solche bezeichnet werden. Ich gehe an sich sehr gerne in Kunstausstellungen, aber von Schütt-, Klecks- oder ähnlichen Bildern halte ich auch nicht so viel. Ich mag gerne, wenn man auf den Bildern noch etwas erkennt, wenn auch nur symbolisch dargestellt. Moderne Kunst kann wirklich sehr kreativ sein. Ich denke mir bei einigen Werken aber auch, wenn ich das jetzt malen würde, wäre wohl niemand interessiert daran, geschweige würde 5.000 Franken dafür zahlen.

    Herzliche Grüße,

    Caroline

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    • Dann bin ich also nicht die Einzige, die kein Verständnis für Kleckse hat? Ich bin ein grosser Fan von Rolf Knie – logisch, oder? Da sieht man sowas von lebendig, was er malt, das verstehe sogar ich. Seine Zirkusbilder sind einfach nur WOW und seine neue Schwarz-Weiss-Grau Serie ist auch der Hammer. Für die einfacher Gestrickten ist Rolf Knie absolut das Richtige! 🙂

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  4. Lasst unsere Texte aushängen. Was dann passiert? Sie lesen nicht, es würde zu lange dauern und eigensinniger Weise INTELLEKT erfordern, von der zu investierenden Zeit ganz abgesehen. Ein buntes Bild angucken und sich was Hochinteressantes dazu ausdenken, ist wesentlich bequemer. Das ist auch im Fratzenbuch 😉 in beängstigendem Ausmaß zu beobachten. Bleib ganz cool: WIR sind die „Normalen „. Du hast es super auf den Punkt gebracht.

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  5. Ich habe eine Bekannte, die Kunst studiert. Und ich kann nicht umhin, diese übertrieben dargestellte intellektuelle Attitüde als völlig sinnfrei zu empfinden. Ich habe keine Ahnung von künstlerischen Epochen, Stilrichtungen etc. Aber für mich hat Kunst nichts mit Intellekt zu tun. Für mich ist Kunst, was ich als schön, als ästhetisch ansehe. Was in mir etwas auslöst. Ein Gefühl. Und kein aufgesetztes Geschwafel über die Intention des Künstlers oder die gesellschaftskritische Aussage von zwei Strichen, die sich kreuzen.

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  6. Ein sehr schöner Beitrag. Schon der Flüstermodus…
    Wenn der Künstler selbst zugegen ist und seine Werke erläutert, schließt er oft auf, was er sagen will. Wenn Humor und Sinnenfreude spürbar sind, kann ich es akzeptieren. Sonst konzentriere ich mich eben auf das Kulinarische…

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  7. Um wichtig zu sein, muss man so tun können, als würde einem etwas wie Austern deshalb schmecken, weil es teuer ist und als würde einem ein Bild etwas sagen – aus dem selben Grund …
    Über Geschmack lässt sich eben streiten – über den Preis nicht 😉

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  8. Ach so, intellektuell ist also das richtige Wort dafür. Jetzt! Ja gut, dann ist das wohl definitiv nicht meins, ich kann mich noch so bemühen – intellektuell werde ich wohl nie aussehen (habe im übrigen grade bemerkt, dass dieses Wort zum Schreiben auf der Tastatur doof ist – der Ablauf der Buchstaben birgt ein grosses Fehlerpotenzial!). 🙂

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    • ich meine man könnte das Wort intellektuell nehmen, ist mir grad so eingefallen, kann auch sein dass es falsch ist, wie gesagt, ich hab ja auch keine Ahnung
      aber ich suche mal ein Beispiel wo diese Pseudo-Intellektuellen so richtig vorgeführt werden in einem Sketch von hapekerkeling
      vielleicht kennst du es ja
      es geht um Musik.
      ich muss das jetzt erst suchen
      ich hätte ja vorher suchen können aber es ist mir eben erst eingefallen. bin gleich wieder da.

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    • ja ich habs guck hier
      die Qualität ist nicht so gut
      aber guck dir die blöden Gesichter an
      es ist eine einzige Verarsche
      die meinen alle sie wären Kunstkenner
      Intellektuelle also

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