Schreiben von A – Z: J = Jung

Ob jung, jugendlich oder jung geblieben – alles Dinge, die etwas Positives an sich haben. Ich meine: Mit jung werden doch lauter schöne Eigenschaften in Verbindung gebracht. Eigenschaften wie fit, munter, aufgestellt, hübsch, unbeschwert, frei, sorglos oder weltoffen. Mit jugendlich werden unzählige Dinge entschuldigt, die später nicht mehr gehen. Dinge wie betrunken sein, zu schnelles Autofahren, dämliches Aufführen, in die Patsche treten oder sich so richtig daneben benehmen. Ab einem gewissen Alter werden solche Taten weit weniger verziehen, als in der Jugend.

Ich denke manchmal etwas wehmütig, dass ich auch gerne nochmal so jung wäre, wie unsere Kinder. Das Leben noch vor sich – alle Wege offen! Welch schöner Gedanke. Aber dann käme auch schon die grösste Bedingung: Ich möchte nur nochmal so jung sein, wenn ich die Erfahrung von heute mit zurücknehmen könnte. Dadurch würde mir so manches erspart. Und mit dem Alter kommt ja auch eine gewisse Gelassenheit, die man in den jungen Jahren noch nicht unbedingt hat. Da bin ich mir dann plötzlich nicht mehr sicher, ob ich wirklich noch einmal so jung sein möchte.

Gut finde ich, dass ich dank unseren Kindern im Geist jung geblieben bin. Ich erlebe täglich, was es heute bedeutet, eine Ausbildung zu absolvieren, ein Studium zu machen oder einen Lebensplan zu konstruieren. Das hält mich am Puls der Zeit. Und im Kopf bleibe ich fit, weil ich nicht selten beim Lernen behilflich sein darf. Ich liebe das! Und ich lerne immer wieder neue Dinge dazu. Jeden Tag! Ich habe mir schon überlegt, ob ich selber nochmal ein Studium machen soll. Nun ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind, dann laufe ich ja sonst Gefahr, zu verblöden. So ganz ohne Hausaufgaben, Fremdsprachen, Vorträge oder was auch immer gerade ansteht.

Was für mich aber ganz klar nicht zum jung bleiben mit dazugehört, ist das Kopieren der eigenen Kinder. Das geht gar nicht!
„Wir sind nicht Eltern, wir sind die besten Freund unserer Kinder:“ Was für ein Quatsch!
„Wir haben uns das gleiche Tattoo stechen lassen wie die Kinder.“ Oh mein Gott!
„Ich kann die Hosen mit meiner Tochter tauschen, wir tragen die gleiche Grösse.“ Aha, arme Tochter.

Das sind für mich diejenigen Leute, die nicht älter werden können und verzweifelt an der Jugend festhalten wollen. Dabei fangen sie dann an, die Jugend zu kopieren, was in der Regel einfach nur peinlich ist. Hand aufs Herz: Welcher Jugendliche wünscht sich eine Mutter, die mit dem gleichen Tattoo rumrennt, dieselben Kleider trägt und sich wie ein Kumpel benimmt? Keiner, oder!? Die Definition jung wird da doch ziemlich missinterpretiert. Ich lache regelmässig auf den Stockzähnen, wenn ich ein Faltengesicht mit Hängebusen sehe, das verzweifelt versucht, wie die Tochter auszusehen. Bitte, lasst es sein! Im Geist jung zu bleiben ist richtig cool – optisch auf jugendlich zu machen, ist irgendwann einfach nur noch peinlich. In diesem Sinn: Die Jugend gehört den Jungen!

30 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: J = Jung

  1. Meine Tochter, welche Giraffe genannt wird und eine ist (15 cm grösser als ich), kann sich zum grossen Glück meine Schuhe nicht ausleihen, da ich viel kleinere Füsse habe. Neue Schuhe meinerseits werden immer neidisch beäugt. Irgendwie gefällt ihr da mein Geschmack.
    Vor ein paar Jahren lieh sie für den Ausgang eines meiner Sommerkleider aus. Bei mir ging es bis knapp zum Knie, bei ihr knapp über den Po. Das passte.
    Und das beste daran sei gewesen: Als die Kollegen und Kolleginnen fragten ob das Kleid neu sei, sagte sie: „Nein von meiner Mutter ausgeliehen.“ Das fanden alle zum schreien, die wussten ja nicht dass es mir bis zu den Knien reicht 😉

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  2. Vor mir an der Drogerie-Kasse zwei im gewagten nur farblich verschiedenen Outfit, bei der Unterhaltung fiel mir was auf, was ich nicht erklären konnte und dann sagte die Eine zur Anderen Mutti…ich komme selten in die Drogerie, habe es aber geschafft, dreimal hinter solchen Duos zu stehen, innerhalb eines Jahres. Allerdings entbehrte es nicht einer gewissen Komik. Oder ist es eher Tragik?

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  3. Auch ich hätte gern „gefällt mir“ mehrmals geklickt! Große Zustimmung! Und wenn man das schon mal weiß, klappt es dann bestimmt (hoffentlich) auch, sich nicht so pseudojugendlich zu benehmen 😉

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  4. Ich frage mich, warum Eltern die besten Freunde der Kinder sein „müssen“. Hat man nicht schon als Eltern und Kind schon eine enge Bindung? Warum die Rolle der besten Freunde nicht anderen überlassen. Damit das Kind auch mal andere Sichtweisen erhält und sich selbst entwickeln kann. Aber naja. Ich als kinderlose habe gut Reden. Wer weiß wie es später aussieht. 😉

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  5. Oh oh, ich hatte mir vorgestern eine Hose von meiner Tochter ausgeliehen. Muss ich mir jetzt Sorgen machen, demnächst in der Kategorie der faltengesichtigen Hängebrüste zu landen? *schock*
    Ich geh mir sofort eigene Hosen kaufen!

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      • Hihi… Och, sie bedient sich auch hin und wieder mal bei mir. Unser Stil ist zwar verschieden, aber manche Teile funktionieren für uns beide. Und je nachdem, wer es dann gerade brauchen kann…
        Ich muss aber dazu sagen, dass Frau Tochter nicht so den üblichen Teenie-Style hat, nicht dass du jetzt denkst, ich renne in pinkfarbenen Low-Waist-Röhren herum 😀

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