Schreiben von A – Z: M = Memory

Kennt ihr das Gefühl, zu Hause vor einem Schrank zu stehen und nicht mehr zu wissen, was ihr da wolltet? Oder die Situation, dass euch ein lieber Mensch erzählt, was er sich so gerne kaufen würde und ihr denkt dabei  „Gut zu wissen, das merke ich mir fürs nächste Weihnachtsfest“, nur dass es euch beim nächsten Weihnachtsfest einfach nicht mehr einfallen will. Auch das Erinnern an Witze, die am Vorabend erzählt wurden und die man gerne weitererzählen möchte, ist so eine Sache. Mir passiert das in letzter Zeit immer öfter und es ärgert mich; manchmal macht es mir sogar ein bisschen Angst. Ganz schlimm ist es mit dem Merken von Namen. Ich weiss schon nach zwei Minuten nicht mehr, wie eine Person heisst, wenn sie mir zum ersten Mal vorgestellt wird. Peinlich, wenn man an der textilen Verkaufsfront arbeitet und alle Leute immer mit „hallo“ begrüssen muss, weil man sich die Namen einfach nicht merken kann. Man hat mir zwar mal gesagt, das käme mit der Zeit schon, das sei Übungssache. Nach und nach merke ich: No way! Bei mir nützt alles nichts. Ich kann mir die Namen einfach nicht merken. Ich hasse dieses Gefühl!

Gestern hatten wir Besuch und mit dabei waren zwei Knirpse im Alter von sechs und drei Jahren. Das ältere der Beiden, ein Mädchen, hat mich einen Abend lang in Staunen versetzt. Sie hat mich mit Rätseln bombardiert, von welchen ich mir nicht ein einziges merken konnte. Und die Rätsel lösen war auch nicht so meins. Die Kleine konnte sich köstlich über mich amüsieren. Kleine Kostprobe gefällig?

„Was hat einen Hals, aber keinen Kopf?“   Eine Flasche.

„Was hat Federn und kann nicht fliegen,  hat vier Füsse und kann nicht gehen?“  Ein Bett.

„Was kann springen und hat doch keine Beine?“   Der Springbrunnen.

„Was hat zwei Flügel und kann nicht fliegen, einen Rücken und kann nicht liegen?“  Die Nase.

„Was ist ein Stuhl ohne Beine?“  Ein Dachstuhl.

Meine Güte, meine grauen Zellen waren am Rotieren. Zumal dies nur ein kleiner Auszug aus allen Fragen ist, die mir die Kleine gestellt hat. Hinzu kommt noch, dass mir heute die meisten gar nicht mehr einfallen wollen. Sie hat all diese Fragen ohne Hilfestellung der Eltern rausgehauen, ohne auch nur nachdenken zu müssen. Einfach so. Einmal gehört und: Zack, im Speicher abgelegt! Bei mir ist die Variante eher: Einmal gehört und zack, wieder vergessen! Was läuft hier falsch? Ich versuche immer wieder,  mir mit Eselsbrücken gewisse Dinge einzuprägen. Dumm nur, dass ich die Eselsbrücken wieder vergesse.

Oder habt ihr schon einmal gegen ein Kind Memory (das Kartenspiel) gespielt. Ich habe nicht einmal ansatzweise den kleinsten Hauch einer Chance. Wie kann es sein, dass diese kleinen Menschen sich die Dinge blitzschnell merken und auch behalten können, während ich froh bin, wenn ich mir meine eigene Telefonnummer merken kann. Liegt das wirklich nur am Alter (ich meine, ich bin 48 Jahre alt, nicht 96 oder so….)?

Inzwischen bestehen meine Haushaltung und meine Brieftasche aus Post-it-Zetteln, damit ich nicht alles vergesse. Und ohne meine Agenda würde ich so ziemlich jeden Termin verpassen. Selbst Abläufe, die ich mir am Computer einfach nicht merken kann, schreibe ich mir inwischen auf. Tastenkombinationen oder ähnliches, welches meine Kinder einfach wissen, entfallen mir immer wieder. Auch dann, wenn ich sie regelmässig brauche. Entweder bin ich besonders schusselig oder ich sollte tatsächlich einmal in einer Memoryklinik testen lassen, ob in meinem Kopf noch alles funktioniert, wie es sollte.

Aber die Tatsache, dass die Kleine mich sowas von verblüfft hat mit ihrem Gedächtnis und ihrem endlosen Speicher, hat mich doch sehr ins Grübeln gebracht.

 

13 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: M = Memory

  1. Namen kann ich mit partout auch nicht merken. Ist echt peinlich. Dafür Gesichter und Zahlen. Nach Jahren kann ein Gesicht vorbei schweben und es klingelt die Glocke in Gedächtnis und meldet:“schon mal gesehen!“. Woher fällt mir leider nur sehr viel später ein. Ulkiger Weise fallen mir ja Zahlen zwar leicht, aber Geburtstage und andere Termine schwer. Da ist mein Gedächtnis wie wenn Sieb. Geht also nicht nur dir so. 😉

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  2. Kinder haben eine nocb fast leere, unbeschriebene Festplatte. Viel Platz. Unsere ist voll und voller und fasst schlicht nicht alles.
    Ich kann mir besser Namen von AutorInnen merken, aber von SchauspielerInnen vergesse ich sie sofort wieder.
    Spezifisches Desinteresse und Überlastung mache ich für meine Vergesslichkeiten verantwortlich. Es gibt viele Dinge, die ich nicht vergesse.
    Und ja: es lässt sich üben. Zum Teil.
    Langsamer Leben wäre sicher auch hilfreich?!
    😉

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  3. Wir sind einfach überreizt und somit überfordert. Und wollen viel zu viel im gleichen Moment. Kinder leben in einer kleineren Welt. Ihnen sind (noch) andere Dinge wichtig. Und hauptsächlich wollen sie Liebe und Spaß. Versuchen wir es doch alle damit. Es hilft. 🙂

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  4. Mir geht es auch fast so. Ich glaube, das Problem von uns ist, dass wir meistens mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf haben, während Kinder sich voll auf eine Sache konzentrieren. Ich merke das auch z.b. an meinem Mann oder den großen Kindern. Wenn ich ihnen etwas sage und gerade die volle Aufmerksamkeit habe, bleibt es hängen. Sage ich etwas zwischen Tür und Angel kann ich damit rechnen, dass es nicht ankommt.
    Und da zumindest ich mich fast ständig zwischen Tür und Angel befinde im Kopf, wundert mich nicht, dass ich vieles vergesse.
    Wenn es aber echt ungewöhnliche Ausmaße annimmt würde ich es abklären lassen. Eine Bekannte hat zB eine ganze Schublade voll mit Erinnerungszettelchen und sie vergisst auffällig viel. Meine Mutter macht sich schon Sorgen, weil sie Erfahrung mit Alzheimerpatienten hat, aber ihre Freundin will davon nichts hören. Schwierige Situation.

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    • Danke für all die Infos. Ja, stimmt, das mit dem Konzentrieren auf eine Sache….:-) Ich mache immer tausend Sachen gleichzeitig. Aber manchmal macht es mir trotzdem ein bisschen Sorgen, wenn ich von A nach B gehe, und mir partout nicht mehr einfallen will, was ich da wollte. 😦

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  5. Willkomen im Club. Bei Memory sind Kinder immer besser als wir Erwachsenen und auch sonst, ist halt mit der Zeit der Speicher übervoll.
    Meine Freundin und ich haben einen guten Trick. Wenn uns etwas auf der Zunge liegt und es uns nicht einfällt, gehen wir im Kopf virtuell das ABC durch. Immer bildet sich dann das Wort mit dem nebligen Gedanken im Kopft 😉

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