Schreiben von A – Z: U = Unglaublich-Unfassbar-Unbegreiflich

Mit zunehmendem Alter begegnen mir Dinge, welche ich zwar sehe, höre oder lese, aber trotzdem nicht glauben kann. Dinge, von welchen ich dachte, dass es sie nur in schlechten Filmen gibt.

Zwei der wahnsinnigen Ereignisse, welche ich bis heute nicht so richtig einordnen kann, waren der Tsunami im Jahr 2004 und die Terroranschläge vom 11. September 2001 (im täglichen Sprachgebrauch als 9/11 bekannt). Ich habe diese Ereignisse zwar immer und immer wieder im Fernsehen vor Augen geführt bekommen, konnte sie aber nie wirklich realisieren. Zu unrealistisch erschienen sie mir.

Ausgelöst haben aber beide Ereignisse bei mir offenbar einiges: Ich habe seit dem Tsunami Angst davor, auf einer Insel zu sein. Dieses riesige Ungetüm von Meer könnte mich ja einfach wegschlucken. Und auf einer Insel, wo sollte man sich da hinretten. Deswegen würde ich auch jeden Gutschein für die Malediven oder die Seychellen augenblicklich weiterverschenken. Nichts auf der Welt würde mich auf eine solche Insel bringen. Seit dem 9/11 habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu grossen Passagiermaschinen. Wer weiss schon, was der Kollege vorne im Cockpit gerade im Schilde führt. Und wer weiss, ob er an seinem Leben hängt. Mein Leben einfach in die Hand von jemandem zu legen, den ich noch nie gesehen habe und den ich absolut nicht kenne, das geht mir seither richtig gegen den Strich. Ich bringe die Bilder dieser Flugzeuge, die in diese riesigen Türme flogen, nie wieder aus meinem Kopf. Keine Ahnung, warum ich diese Ereignisse so klar gespeichert habe. Vielleicht eben gerade, weil sie so unfassbar waren.

Nicht weniger unfassbar finde ich die regelmässigen Meldungen von Amokläufen, Kindstötungen, Vergewaltigungen oder anderen bestialischen Taten. Kommen dann noch Bilder dazu, wird es richtig heftig. Was ich aber merke ist, dass die unglaublichen Dinge inzwischen so zum Alltag gehören, dass sie nicht mehr den gleichen Schrecken auslösen. Und das ist doch auch unglaublich. Die Schreckensmeldungen häufen sich phasenweise derart, dass sie wie schlechte Filme an einem vorbeiziehen. Vermutlich muss das so sein, weil man sonst wahnsinnig würde, wenn man all dies immer in der Seele speichern würde. Unfassbar, dass das Unglaubliche auf einmal zum Alltag gehört!

29 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: U = Unglaublich-Unfassbar-Unbegreiflich

  1. Leider mutieren die Menschen immer mehr zu Monstern und wir leben in einer wirklich kranken Welt 😦 Natürlich sind nicht alle so, aber es ist unfassbar, zu WAS gewisse Leute fähig sind! Für mich unbegreiflich!!! Ich kann das nicht nachvollziehen, wie grausam Menschen sein können 😥

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  2. Ich finde diese Dinge nicht nur „unglaublich“ sondern ich glaube sie wirklich nicht. Aus diesem Grund habe ich mir das Lesen von Zeitungen und das konsumieren von Nachrichtensendungen in den Medien gänzlich abgewöhnt. Ich bin ein Meganer geworden, wegen meiner seelischen Gesundheit. Ich lese lieber Märchen, da weiß ich, dass ich sie nicht glauben muss. Sie sind aber Balsam für die Seele.

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  3. Es ist traurig, wie der Mensch verroht und abgestumpft ist.
    Alle sagen, die Weltgemeinschaft müsse etwas gegen den Terror und gegen Verbrechen tun, aber niemand fühlt sich wirklich verantwortlich. Man kann froh sein, wenn der Kelch von Kriminalität und Gewalt an einem vorüber geht.

    G. l. G. Jochen

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  4. Ich lese „schlimme“ Dinge auch nur mit einem halben Auge. Ich will zwar informiert sein, aber dann doch nicht jedes Detail wissen.
    Ich merke auch, dass ich mit zunehmendem Alter empfindsamer werde. Keine Ahnung warum, zuviel erlebt, Angst um meine Lieben?

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  5. Ich kann dir sagen, was mir dagegen hilft, meine Seele auffressen zu lassen… ich schaue seit langer Zeit keine Nachrichten und lese keine Zeitung. Nicht 100%, aber keinesfalls regelmäßig, sondern nur „zufällig“.

    Es gibt fast ausschliesslich Negativmeldungen. Die tun mir eindeutig nicht gut. Auch auf die Gefahr hin, nicht richtig informiert zu sein, ist der Alltag dadurch deutlich entspannter. Ändern können wir sowieso nichts und Frieden im eigenen kleinen Kosmos anzustreben, hilft am Ende auch der Gemeinschaft. Irgendwo.

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  6. Vor allem passiert ja auf der ganzen Welt so viel Unerträgliches, das ist so viel, dass ich es mir gar nicht vorstellen kann. Ich schaue mir Nachrichten aber ich merke auch wie die Meldungen an mir vorbeiziehen. Letztens las ich im Vorbeigehen die Schlagzeile so nach dem Motto: Je Schlimmer die Welt um uns herum, desto mehr boomt die Lifestylebranche. Ich will auch nicht in so einer blöden Welt leben, deshalb schaue oder mache ich Dinge, bei denen ich das alles nicht ständig sehen muss.

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  7. Es stimmt das es diese Dinge schon immer gegeben hat. Aber das Gefühl das sich die Situation im allgemeinen verschlimmert hat, ist glaube ich dennoch richtig. Unabhängig vom Aufbauschen und der Sensationsgier der Medien.

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  8. Ich habe früher regelmäßig den Spiegel gelesen. Inzwischen habe ich damit aufgehört, da ich die teilweise detailiert beschriebenen Grausamkeiten nicht mehr ertragen konnte. Manche Berichte verfolgen mich noch immer

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  9. Manchmal frage ich mich, ob das wirklich eine Häufung von Schreckenstaten ist oder ob sie nur „früher“ nicht so verbreitet wurden oder werden konnten – wenn es aber (in etwa) genauso viele waren, aber still und heimlich vorüberzogen – ist das nicht auch furchtbar erschreckend?

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      • Was mir dazu noch einfällt, ist, dass ja immer mehr auf „schärfer (blutiger,abenteuerlicher,bunter,geiler….) als die Realität“ gesetzt wird und vielleicht erfüllen die Medien mit solchen Meldungen und vielen seltsamen TV-Formaten (für mich jedenfalls seltsam) damit den Wunsch nach „Sensationen“, weil das Dasein vieler Bürger diesen evenuell zu öde ist und dadurch die Sensationslüsternheit zugenommen hat, immerhin gibt es im Fernsehen immer mehr solcher Angebote – und auch noch mit Erfolg, auch Abenteuer-Geschenke, Extrem-Sportarten…ich finde das beunruhigend…

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      • Ich will’s nicht hoffen, aber manchmal überkommt einen so der Eindruck – aber wenn, wo soll das hinführen? Kann doch in niemandes Interesse sein – eigentlich…

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  10. Unermüdlich: All diese Dinge gab es zu allen Zeiten, nur die Information darüber ist es, die uns unermüdlich ins Bewusstsein übermittelt wird. Aus allen Teilen der Welt in jeder Sekunde. Ob nun aktuell eine Gruppe einer anderen Gruppe Gräueltaten mit der Machete antut, oder früher die eine Gruppe der anderen Gruppe mit dem Langschwert zu Leibe rückte. Vielleicht erfuhren Heinrich von Ofterdingen und Gottfried von Straßburg davon nur nichts.

    LG Mies

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