Schreiben von A – Z: Z = Zickenalarm

Ich schliesse meine Challenge mit meinem ultimativen Lieblingswort. Zickenalarm! Ein Wort, das so harmlos klingt, aber Mütter und Väter in den Wahnsinn treiben kann.

Pubertät ist ja bekanntlich die Zeit, in welcher die Eltern so richtig schwierig werden. Sie verstehen auf einmal ihre Kinder nicht mehr, sie stellen dämliche Fragen, sie kochen immer das Falsche, sie waschen die Wäsche nicht mehr richtig, sie meinen, alles besser zu wissen, sie nerven von morgens bis abends und sie sind einfach nur noch peinlich. Eine Zeit, in welcher man als Eltern am besten gleich zur mehrjährigen Kur fährt, denn zu Hause macht man ohnehin alles falsch. Woher ich das weiss? Selber erlebt!!! Ja, ich bin Mama, ich weiss, dass diese Zeit schwierig ist. Und ja, es ist mein Job als Mama, meinen Kindern auf die Nerven zu gehen. Wir sind hier nicht auf dem Ponyhof und schon gar nicht in Disneyland! Eine Situation, die sich locker bei uns zutragen kann/könnte/konnte oder wie auch immer:

Eingangstüre geht auf – und knallt wieder zu.
Ich: „Hallo, wer kommt denn da von draussen rein?“
Kind: „Na wer wohl?“ (Lautes Schnauben durch die Nase).
Ich: „Oh, Du bist schon da?“ (Rhetorische Mama-Frage).
Kind: „Nein, Du träumst das nur. Doofe Frage!“
Ich: „Wie wars in der Schule?“ (Schon wieder rhetorische Mama-Frage).
Kind: „Wie immer, oder dachtest Du, es würde auf einmal interessant?“
Ich: „Hast Du Hunger?“
Kind: „Seh ich so aus?“
Ich: „Ich weiss nicht. Soll ich Dir was kochen?“
Kind: „Nö, keine Lust.“
Abgang ins Zimmer und lautes Tasche-auf-den-Boden-schmeiss-Geräusch.
Ich mache mich auf den Weg in die Küche, denn der Rest der Familie wird auch demnächst eintrudeln. Also wäre doch eine Runde Spaghetti Bolognese nicht schlecht. Ich lege los, decke den Tisch und auf einmal steht das Kind wieder hinter mir.
Kind: „Was gibts zum Abendessen?“
Ich: „Hast Du nun doch Hunger.“
Kind: „Warum frag ich wohl sonst?“
Ich: „Spaghetti.“
Kind: „Ach nein, das hatte ich schon zum Mittagessen. Und das macht so verdammt fett!“
Ich: „Was möchtest Du denn gerne?“
Kind: „Hat es nichts Gesundes im Haus?“
Ich: „Salat, Karotten, Blumenkohl, Kartoffeln oder Hühnchen.“
Kind: „Du weiss, das ich Salat hasse. Auf Karotten habe ich keine Lust. Vom Blumenkohl bekomme ich Blähungen und nur Hühnchen mag ich nicht.“
Ich: „Dann mach Dir Rührei.“
Kind: „Keine Lust.“
Ich: „Ok. Es gibt Spaghetti. Entweder isst Du mit, oder Du lässt es bleiben.“
Kind verlässt schnaubend die Küche. Ich koche weiter. Der Rest der Familie trifft nun auch ein. Wir setzen uns zum Essen an den Tisch und Schnaubekind setzt sich auch dazu.
Kind: „Dann ess ich halt auch davon, spielt ohnehin keine Rolle, so fett wie ich schon bin.“
Ich: „Fett? Wo genau bitte?“
Kind: „Überall, bist Du blind?“
Ich: „Ich seh nichts und mir gefällst Du sehr.“
Kind: „Du musst das sagen, Du bist schliesslich meine Mutter.“
Aha, das wusste ich auch nicht. Schon wieder etwas dazugelernt. Die Familie isst, diskutiert und Schnaubekind stochert unmotiviert im Teller herum. Wir reden hier schliesslich von den fettmachenden Spaghettis. Tschuldigung.
Ich: „Seid ihr heute Abend zu Hause oder was steht noch an?“
Kind: „Sehe ich aus, als ob ich Zeit hätte, weg zu gehen? Ich muss noch lernen!“
Ich: „Tschuldigung, dass ich gefragt habe.“ (Ich werde langsam sauer).

Der Abend verläuft danach, wie schon so mancher Abend verlief, seit wir Eltern so verdammt schwierig sind. Kind kommt gefühlte 20 mal aus dem Zimmer in die Küche, um sich ein Stück Zopf, Popcorn, Nutellasticks, Chips und anderes Geknabbere zu holen. Immer begleitet von lautem Schnauben und meiner Gewissheit, dass NUR Spaghetti dick machen. Und das liegt erst noch an mir. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass ich daran arbeite, mich in Luft aufzulösen? Bislang leider ohne Erfolg! 🙂

So, meine treuen Leser/innen. Mit diesem Beitrag habe ich die Challenge „Schreiben von A – Z“ abgeschlossen. Ab morgen kommen wieder ungebundene Geschichten – ohne Vorlage. Die nächste Challengeidee macht sich aber schon bemerkbar. Ich arbeite an der Umsetzung! 🙂

48 Gedanken zu „Schreiben von A – Z: Z = Zickenalarm

  1. Erst mal Glückwunsch zur erfolgreichen Cahallange.
    Ich habe früher mal als Erzieher in einem Kinderhort gearbeitet, da habe ich gelernt, was Zickenkrieg ohne Alarm ist. Die Jungs haben sich mal ans Schienenbein getreten, angebrüllt oder sich gegenseitig eine verpasst, aber am nächsten Tag war alles wieder vergessen und sie waren wieder die besten Freunde. Bei den Mädchen war das anders. Ich habe immer gedacht, die streiten sich nicht und sind immer lieb und nett und machen keine Rechtschreibfehler in der Schule und räumen den Tisch ab ohne Aufforderung. In Elterngesprächen ging mir ein Licht auf. Hinter den Kullissen tobte der Zickenkrieg. Schlachtruf: Du bist nicht mehr meine Freundin! Und ich sorge dafür, dass du auf keinem Kindergeburtstag mehr eingeladen wirst. Solche ein Krieg kann sich über Monate und länger hinziehen ohne dass einer was merkt und irgedwann rennen die Eltern mit dem Opferkind zum Therapeuten und bekommen es raus. Ich habe die Mädchen jeden Tag gesehen, wahrscheinlich länger als die Eltern und habe nichts bemerkt.

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  2. Inzwischen sauge ich deine Texte wie ein Schwamm auf 🙂 Vieles, was du schreibst, versetzt mich in eine Zeit, die ich schon vergessen hatte. Deine Ehrlichkeit ist einfach schön, tut gut und ist im Netz leider nur sehr, sehr selten anzutreffen. Danke! Ich musste das einfach mal los werden. 🙂

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  3. Genial wie du zum Abschluss deiner Challenge ein berührendes Sittenbild dieser Zeit im Z unterbringst! So geht es wirklich in einigen Familien zu. Niemand scheint die beiden Zicken zu hören, auch wenn sie ALARM ausrufen! Ihre Traurigkeit NICHT-WAHRGENOMMEN-ZU-WERDEN springt mich direkt an…
    Schnief… 😭
    Liebe Grüsse
    Marion

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  4. Ja also Dani, NATÜRLICH macht nur dick, worauf man keine Lust hat. Das wissen Millionen von Teenies schon seit Jahrzehnten! Tststs… Sei mal bitte nicht so unsensibel. 😉

    Ich selbst muss ja sagen, dass bei uns gegenüber dem Trotzalter jede Pubertät verblasst ist. Es war nur bei der grossen Tochter ab und zu ein bisschen nervig (und die hatte dafür eine einfache Trotzphase im Gegensatz zu ihren Geschwistern), alle anderen haben sich gar nicht sooo groß verändert. (Also in Richtung Zickerei meine ich. Ansonsten natürlich schon 🙂 ) Die reagieren sich ziemlich viel aneinander ab, habe ich das Gefühl. Ich bin nicht ihre erste Frustabbau-Anlaufstelle. Und ich glaube, sie ahnen, dass wenn es hart auf hart käme, ihr Papa und ich die Tür immer lauter zuschlagen, die Musik immer lauter aufdrehen, und wesentlich lauter schnauben könnten als sie 😀
    Und… Wir haben genügend Badezimmer *lach lach* Das scheint ja eine beliebte Kampfzone zu sein. 😉

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    • Badezimmer sind bei uns auch nicht das Problem – aber da ich nur zwei Kinder habe, konnten die Kämpfe vielleicht nicht so ausgetragen werden, wie bei euch. Eben: Trotz war bei uns ein Fremdwort – dann wird halt später aufgedreht. Irgendwann kommt der Spinneritis, wenn nicht früh, dann später. Wie gut, dass es allen Eltern irgendwie ähnlich geht. 🙂

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