Hipster – Einheitsbrei

Da sitze ich also im Starbucks an der grossen Glasfront und schaue dem Leben auf der Strasse zu. Ich liebe es, zu sitzen und zu beobachten. Aber ich finde es gerade ein bisschen langweilig, dieses Strassenbild der Mode. Beinahe alles, was zwischen 16 und 30 Jahre alt ist und mit dem Trend geht, sieht nämlich gleich aus. Das ist mir noch nie so krass aufgefallen, wie gerade eben. Irgend ein Hochglanzmagazin hat den grünen Parka zum Must have der Hipsters erklärt.

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Ich glaube, ich habe in einer Stunde rund 25 solcher Teile gezählt. Schnarch! Keine Ahnung, ob es dasselbe Magazin war, welches auch entschieden hat, dass ein Hipster einen Lederrrucksack in der Farbe Cognac am Rücken haben muss.

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Da ich aus dem Hipsteralter raus bin, werde ich meinen nun nie mehr einsetzen können, ohne mich dabei zu schämen. Solche Rucksäcke rennen nämlich aktuell haufenweise rum. Schnarch zum Zweiten! Nicht zu vergessen DEN Schuh schlechthin, den offenbar gerade jeder haben muss. Timberland Boots – gezählt rund 30 Paar in einer Stunde.

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Früher fand ich diese Schuhe richtig schön, jetzt finde ich sie nur noch Schnarch zum Dritten! Wer also absolut gar nicht mehr individuell sein möchte, sollte sich sofort diesen Schuh kaufen. Und die Friseure werden vermutlich demnächst alle arbeitslos. Die coole Jugend trägt nämlich in der weiblichen Version einen Dutt, Marke „Ich-bin-soeben-aus-dem-Bett- gefallen“.

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Die jungen Frauen scheinen alle auf dieselbe Friese zu stehen. Schnarch zum Vierten. Und die männlichen Hipsters scheinen auf Kriegsfuss mit ihren Rasiergeräten zu stehen. Ich dachte, ich wäre im Vollbartwald gelandet.

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Bei Schnarch zum Fünften machte sich schon fast die Narkolepsie breit. Wie kann es sein, dass auf einmal alle gleich rumrennen? Und warum will ein Hipster überhaupt ein Hipster sein? Also, dass ein Trend offenbar erst dann ein Trend ist, wenn ihn alle cool finden, ist mir schon klar. Warum aber alle einem solchen Hype nachrennen, werde ich nie begreifen. Ich finde das Besondere am Leben ist, dass man indiviuell sein kann. Jeder auf seine eigene Art. Jeder, wie es zu ihm passt. Wenn aber in den Schaufenstern auf einmal lauter grüne Parkas hängen, nur weil irgend ein Teeniestar in Hollywood das Teil auf dem Weg zum Training gerade trug, als der Paparazzo abdrückte, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Jede und jeder will nun im jugendlichen Dazu-gehör-Wahn auch so ein Ding tragen. Wie langweilig!

Ich definiere in meinem beachtlichen Alter von 48 Jahren dann etwas als hip, wenn es besonders, passend und anders ist. Wenn es aber so aussieht, als ob es zwei Millionen mal einfach durch das Kopiergerät gejagt wurde, dann kann ich nur sagen: S c h n a r c h !

N.B.: Bei der nächsten Handtasche von Michael Kors bekomme ich Brechattacken – dieses Teil ist mir nämlich auch bestimmt 150 mal begegnet. Gehört zusammen mit der goldfarbenen Uhr von Michael Kors aktuell auch zu dieser „Hipster-Bewegung“. Bitte versucht doch zur Abwechslung mal wieder ein bisschen individuell zu werden und kauft nicht einfach blind, was alle anderen rundherum auch gerade tragen.

99 Gedanken zu „Hipster – Einheitsbrei

  1. OMG du sprichst mir aus der Seele! Ich liebe es Leute zu beobachten und könnte es Stunden machen! Man sieht immer das selbe in letzter Zeit und wenn man sich was traut oder man selbst ist und eben nicht in diese „Hipster-Welt“ passt wird man gleich blöd angemacht. Toller Blog!!!

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  2. Die Verunsicherten des Zeitgeistes haben einen Hang zu Uniformen und Angst vor echter Individualität und Charismatik. Daher auch dieser ewig gleiche und langweilige Hipsterlook oder die unkreativen Funktionsjackenträger. In der Stadt trägt man indes eher Mäntel, Funktionsjacken tragen Bauern.

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  3. Aber hey, im Einheitsdress lässt es sich doch viel unauffälliger als einer von vielen Lemmingen die Klippe hinabspringen.
    Bloß keine Gedanken über Individualität und Eigensinn verschwenden! Das lenkt nur ab. Einfach der Masse folgen und bitte nicht drängeln…im Abgrund (alias gähnende Langeweile) ist für alle Platz.

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  4. Pingback: Fremde Federn: Hipster und Holzfäller | sunflower22a

  5. Als das vor 20 Jahren angesagt war, waren wir keine „Hipster“. Was waren wir da eigentlich? Hmm, ich glaube einfach nur „normal“. Wenn es das überhaupt gibt.

    Zum Glück ist mein Freund kein Hipster. Bei einem Vollbart würde ich durchdrehen und den Nachts heimlich abrasieren. 😉

    @danielajaeggi: ich habe Dich übrigens für den Liebster Award nominiert:
    http://28kiloslater.wordpress.com/2015/02/17/liebster-award/

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    • Herzlichen Dank, meine Liebe. Ich habe aber so viele offene Nominationen, dass ich schon lange nicht mehr hinterher komme, mit beantworten. Bitte nicht böse sein, aber diese Nominationen greifen aktuell fast wie eine Grippevirus um sich – da wären meine Beiträge nur noch ein einziges Frage- und Antwortspiel. Ich freue mich zwar immer wieder, komme aber einfach nicht dazu. Nicht schmollen – ich drücke Dich dafür übers World Wide Web – geht das auch?! 🙂 🙂

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      • Haha, klar kein Problem. Ich hab mir das schon fast gedacht. Dein Blog ist ja sehr beliebt. Das habe ich schon gesehen. 🙂

        Ich drücke Dich virtuell zurück. 🙂

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      • Danke für Dein Verständnis und *zurückdrück* – und ich staune ehrlich gesagt selber jeden Tag aufs Neue, wie meine Leserzahlen in die Höhe schiessen. Ich bin manchmal fast ein bisschen stolz….hätte ich nicht gedacht. 🙂

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  6. Pingback: Man kann sich auch anstellen | Netzwerkmärchen

  7. Dieses Problem haben nicht nur die Hipster. Es ist das Problem des Individualismus ganz allgemein.
    Da alle, wirklich alle Individualisten sein wollen, müssen sie natürlich auch alle die gerade angesagten individuellen Sachen tragen, Zigaretten rauchen, Ängste haben etc.
    Ich erinnere mich, dass ich als Student auch nicht anders war. Wir haben uns immer tierisch über die Uniformen aufgeregt, die diese Verbindungstypen bei ihren Festen getragen haben ohne rot zu werden. Auch in die Mensa kamen sie immer so gestriegelt wie die Lackaffen, peinlich!
    Später wurde mir klar, dass wir auch alle eine Uniform trugen. Dazu gehörten damals Röhrenjeans, ein alter Bundeswehrparka (was ja auch eine Uniformjacke ist) und ein Palästinensertuch.
    An die Füße ließen wir nur wenig Wasser und ausgelatschte Basketballschuhe. Das alles trugen wir spontan und ohne Vorankündigung, weshalb wir uns damals auch nicht Hipster, sondern Spontis nannten. Es war ungeheuer aufregend und wir hatten einen riesen Spaß dabei.
    Den Bart ließen wir so wild und unkultiviert wachsen wie die Haare. Aber dann musste ich eine traumatische Erfahrung machen.
    Ich saß in einem Sessellift alleine auf der Bergfahrt im Skiurlaub. Zwei siebzehnjährige Mädchen kamen mir entgegen und brachen in brüllendes Gelächter aus: „Guck mal, wie sieht denn der aus?“ Das Gelächter hallte in den Bergen wieder bis ich mit rotem Kopf endlich an der Bergstation ankam, peinlich!
    Ich habe daraufhin nach langer Pause mal wieder in einen Spiegel geschaut und musste einsehen, dass die jungen Dinger recht hatten. Daraufhin habe ich mir den Bart abrasiert und nie wieder einen wachsen lassen.
    Eben habe ich noch mal schnell die Sätze gezählt, die mit ich anfangen. Es sind ziemlich viele. Aber ich (scheiße schon wieder ich) Du bist Kummer gewohnt und hältst das aus. 😉

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  8. Genial und du hast sowas von Recht!^^
    Auf die Schule in meiner Nachbarschaft gehen fast 1300 Schüler und was da morgens so ankommt deckt sich perfekt mit deinen Beobachtungen.
    Schade das diese Individualität verloren geht – aber wir bringen unseren Kindern immerhin auch bei das nur Babies mit 100 – 50 – 85 Maßen hübsch sind.
    Schnaarch. 😉

    LG Luna

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  9. Ich habe heute darauf geachtet. Im Bankenumfeld nix gesehen, aber als ein Schwall Leute aus meiner S-Bahn ausstieg und ihr gemütlich zur Treppe hinausschauen konnte, sah ich einige grüne Parkas mit Fellkapuze aussteigen.
    Im Zug gab es viele mit brauner Jacke mit Fellkapuze.
    Die Frisuren fallen mir auch auf, die finde ich aber eigentlich nicht schlimm.
    Und so lagen niemand so rumlaufen muss, sollen sie doch alle gleich rumlaufen. Das gibt sich mit der Reife schon wieder.

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  10. Die Timberlandboots waren in den frühen 90ern schon mal meeegahip. Erinnerst du dich?
    Damals aber unbedingt in Kombi mit diesen Baumfällerjacken, die es in allen Farben gab. Meine Freundin und ich nannten Typen, die diese Kombi trugen, immer „Jackschuh“. 😀 Lustige Erinnerung.
    Ich muss allerdings gestehen, dass ich meistens auch mit Knödel auf dem Kopf rumlaufe. Allerdings, weil ich so ein Frisier- und Haarspraymuffel bin. Auch zu Jackschuh-Zeiten schon ^^.

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  11. boah, dann werd ich ja auch wieder ‚in‘
    bekennende birkenstockträgerin, seit……..och, müssen schon 30jahre sein. *grins*
    ich glaub ich muss mal mein schuhregal und meinen kleiderschrank sichten………*schnell mal gucken gehe*

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  12. Vor bestimmt 5 Jahren habe ich New Balance-Sneaker bei ebay ersteigert. Neu, für 17€, in Größe 38,5, weil sich keiner für die Dinger interessiert hat! Jetzt laufen alle damit rum und meine gammeln im Schuhregal. Noch ein neuer Trend ist übrigens der Men-Bun – der Männer-Dutt.

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  13. Jaja, „Diese ;Individualisten‘ sind doch alle gleich“ ^^

    Aber sag mal: Ist der Rucksack nicht eine Damenausführung? Ich kenne die jdflls. nur von meiner Mutter, die sowas schon seit den 90ern gerne mal statt Handtasche nimmt, einfach weil praktischer.

    Aber zum Trost: 06 oder 07 war doch „Schwarz das neue Bunt“ und ich erst entsetzt, bis es dann doch recht schmerz- und spurlos vorbeigezogen ist. Du wirst Deine Sachen also vermutlich auch nicht allzu lange einmotten müssen.

    LG
    von
    S

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    • Doch, Damenrucksack. Gibt es auch in der Herrenversion – zumal die Jungs ja heute gerne mal in die Mädelskiste greifen. Nö, für diese Sachen bin ich nun definitiv zu alt. Der Parka – den ich übrigens seit 7 Jahren habe – wird eingemottet, ja, weil der wirklich zweckmässig ist. Aber würde ich den aktuell anziehen..ich würde aussehen, wie eine alte Mutter, die nochmal 20 sein will. Peiiiiiinlich!!! 🙂

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  14. Als ich gesehen hab, das „Augenbrauen“ Trend sind und lange Zotteln in einen Dutt gesperrt auch, war ich beleidigt. *grmpf* Will nicht aussehen, als gäbe ich da was drauf. Augenbrauen schmal zupfen und Haare aufwendig frisieren ist nicht meins.
    Bin dafür, dass die nächstes Jahr alle mit Bob durch die Gegend stöckeln. -.-

    Abdel Karim (Kaberettist) meinte kürzlich was von wegen „Nicht jeder der Vollbart trägt, ist Salafist. Manche sind auch nur Hipster.“

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      • Ich bin ja eher nicht so für Handtaschen zu begeistern, aber zu Weihnachten bekam ich eine, weil ich gar keine mehr hab.
        Das erwies sich dann auf Grund großen Portemonnaie (Karten, Karten… Ausweise…) und kaum vorhandenen Ressourcen Ain Form von Jackentaschen auf Dauer doch als unpraktisch.

        Jetzt hab ich so ein graues Picard-Ding, das praktisch und zeitlos im Design ist.

        Es gibt nur wenige Trends, die ich gerne mitmache. Die müssen mir dann aber eben auch gefallen.

        So besaß ich nur ein paar Ballarinas, besitze dafür aber seit 5 Jahren das selbe Paar schwarze Garbor-Sandalen und hasse es, jetzt diese Saison neue zu brauchen.

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      • Hast Du ein paar Frauengene zu wenig, dann schick ich Dir ein paar von mir. Mein Schuhfundus wächst nämlich ins Unermessliche – weil ich an den Dingern nie vorbeigehen kann…. 🙂

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      • Ich bin eher für Schals, Tücher und inzwischen auch Tragetücher zu haben. 😉
        Statt „Eines reicht“ bin ich jetzt schon bei „Ob ein neuntes auch noch okay ist?“ und die Dinger kosten oft über 100€.

        Ansonsten sind Babymützen und -hüte gerade hoch im Kurs und die belaufen sich von unserer Lieblingsmarke gut und gerne mal auf um 20€.

        Mein größtes Verhängnis sind jedoch Paperblank-Notizbücher.

        Ich hab da einfach andere Laster. 😉

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  15. Ich habe mich gerade köstlich amüsiert. Das gleiche ist übrigens beim fahren mit dem Bus oder Zug zu beobachten. Ich denke es gibt nur noch wenige Ausnahmen, die sich im jugendlichen Alter trauen kein Hipster zu sein. Schade eigentlich…

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  16. Ach, wäre ich doch einfach in den 70ern stehen geblieben.
    Vollbart? Check (allerdings mit deutlich längerem Haupthaar, aber kann man ja was dran machen oder die Mähne als neuen Trend ausrufen)
    Boots? Check, sahen den heutigen zum verwechseln ähnlich
    Parka, olivgrün? Check, vorzugsweise aus Bundeswehr Altbeständen, die hielten mehr aus. Würde ich als Hipster heute auch noch viel hipper finden als die von der Stange.

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  17. Hmmm… Ein paar der Teile wie grüner Parka und die Schuhe besitze ich sogar auch, allerdings Staunen sie schon seit Jahren im Schrank ein, da sie von irgendwann um die Jahrtausendwende stammen 😀 Und die Frisur? Neben Zopf seit fast 20 Jahren meine. Bin ich nun ein Hipster oder ist mein langweiliger Jeans-Longshirt-Strickjacken-Sneaker-Stil gerade modern?ich tendiere zu zweitem und gebe ich dir Recht in der Schnarch-Beobachtung! Mal schauen, was der Sommer bringt? Vielleicht endlich mal wieder ausgestellte Jeans und Maxiröcke? 🙂

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