Hinfallen, um wieder aufzustehen

Mut ist, wenn man nach einem Sturz wieder aufsteht und weitergeht. Jeder Knirps hat diesen Mut, weil er auf seinem Weg zum sicheren Gehen täglich unzählige Male auf der Nase landet. Da ist es doch richtig mutig, immer aufs Neue aufzustehen und weiterzugehen. Das Risiko, gleich wieder auf der Nase zu landen, ist schliesslich gross. Kinder lassen sich davon aber nicht beeindrucken und folgen ihrem Instinkt. Hartnäckig gehen sie auf ihr Ziel zu, um irgendwann ein Sieger zu sein. Das kann nur gelingen, wenn sie ohne Angst immer wieder einen neuen Anlauf nehmen. Würde ein Kind beim ersten Sturz einfach liegenbleiben, dann wäre das Leben ein kurzer Weg.

Wenn man das in die Erwachsenenwelt überträgt, läuft irgend etwas falsch. Ist man nämlich mal erwachsen und legt sich auf die Nase, ist man ratzfatz ein Looser (Verlierer). Das Prinzip ist aber eigentlich kein anderes, als bei den Kindern. Es braucht Mut, das Hinfallen in Kauf zu nehmen, und es braucht noch vielmehr Mut, wieder aufzustehen und weiterzugehen. Stattdessen wird in unserer Gesellschaft auf einen Menschen, der diesen Mut hat, mit dem Finger gezeigt. Ganz egal, ob es sich dabei um einen persönlichen Fall handelt (Scheidung), um einen psychischen Fall (Depressionen) oder um einen beruflichen Fall (Karriereknick): Wer fällt, muss ein Versager sein. Und wer dann noch die Frechheit besitzt, einen neuen Start zu wagen, löst nicht selten nur noch Kopfschütteln aus. Warum eigentlich? Wenn eine Beziehung scheitert, hat man dann keinen Anspruch mehr auf eine neue Chance? Wird Frau oder Mann automatisch zur Schlampe oder zum Filou, wenn man sich erneut auf eine/n Partner/in einlässt? Wenn man eine psychische Erkrankung (von welchen es im übrigen unzählige gibt) durchsteht und neu anfangen möchte, muss man dann den Stempel „nicht ganz dicht“ für den Rest des Lebens mit sich rumtragen? Bei einem Beinbruch geht man doch schliesslich auch nicht den Rest des Lebens an Krücken. Und wenn die Karriere auf dem Weg (ob aus eigenem oder äusserem Einfluss) einen Knick erleidet, darf man dann nichts Neues mehr anfangen? Ist man dann einfach für immer und ewig der Looser?

Ich tue mich schwer mit dem Verurteilen von Menschen, welche auf dem Lebensweg irgendwo einen Fall, einen Schlenker, einen Umweg oder eine Pause einlegen. Auch einen Richtungswechsel finde ich in Ordnung. Schlussendlich ist es doch so: Wir haben alle nur ein Leben, und das ist extrem kurz und viel zu schnell vorbei. Da sollte man doch niemals für Dinge verurteilt werden, die man tut. Höchstens für jene, die man nicht getan hat, weil man sich nicht traute. Ich wünsche mir, dass das Zeigen auf Menschen, die nach einem Sturz wieder aufstehen, endlich aufhört. Eigentlich wünsche ich mir sogar, dass solche Menschen eher bewundert werden. Denn das Leben, welches geradeaus geht, ist immer einfacher, als jenes mit Umwegen und Tiefschlägen. Drum Hut ab vor allen, die den Mut nicht verlieren. Ihr alle habt meinen grössten Respekt!

36 Gedanken zu „Hinfallen, um wieder aufzustehen

  1. Ein Beitrag an den Mut und an das Leben. Prima geschrieben!

    Ich bewundere auch Menschen, denen nichts in die Wiege gelegt wurde oder denen das Schicksal schwer mitgespielt hat, und die TROTZDEM weitermachen und den Anspruch für sich selbst haben, aus dem Loch wieder herauszuklettern.
    Ich selbst habe auch sehr viel geschafft (das war und ist mein Anspruch), aber ich hatte und habe auch eine ganz tolle Familie, die mich immer unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar und umso mehr möchte ich es wertschätzen, wenn ich sehe, dass anderen solch ein Glück verwehrt bleibt.

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  2. Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen…
    Das mag arrogant klingen, aber jeder der das schafft hat sich eine kleine Krone verdient.
    Ich stimme dir absolut zu, vorallem wenn einen auch das enge Umfeld aufgegeben hat, man sich selbst aber noch nicht.
    Immer weiter, auch wenn es abgedroschen klingt. 🙂

    Alle sagten: „Das geht nicht!“, da kam einer, der wusste das nicht und hats einfach gemacht.

    LG Luna

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  3. Natürlich bin ich definitiv für Unterstützung, muss aber auch sagen, dass ich mich sehr, sehr glücklich schätze, Menschen zu kennen, die sich nicht abwenden, wenn mal was schief läuft – mache gerade auch einen Neustart mit allen Ängsten und Freuden…aber Du hast Recht, es ist mir aufgefallen, dass es oft anders läuft, das Fernsehen macht’s ja auch vor, Empathie ist auch immer schwieriger zu lernen – zuviel virtuelle „Kontakte“… man kann es nur selber versuchen besser zu machen.

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  4. Wieder einmal ein sehr guter Artikel.
    Ich wünsche mir,dass die Menschen erstmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren anstatt andere zu verurteilen.
    Unterstützung statt Druck oder schlechtes Gewissen gegenüber „Gefallenen“ ist wohl derzeit noch ein Traum. Schade eigentlich…

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  5. HINFALLEN – AUFSTEHEN – KRONE RICHTEN – WEITERGEHEN…

    ….dieses humorvolle Bild trifft es glaub genau….nach dem Fallen wieder aufrappeln, sortieren und für die Zukunft lernen und weidä geht die gudde Foahrt 😊 da wären wir auch schon beim wichtigsten was uns immer wieder hilft:

    NIEMALS DEN HUMOR VERLIEREN! 😊

    Auch mich hat es in den letzten Jahren, in beruflicher Neuorientierung Ü 50, ziemlich durchgeschüttelt. Aktuell grad mit Jobsuche, damit verbundenen Geldsorgen……und das es mir auch jaaaaa nicht zu wohl wird die Waschmaschine kaputt, das Notebook in den letzten Zügen, die Anschaffung meines Traum VITAMIX gecancelt, weil ich ihn mir lange Zeit eh nicht leisten kann,…etc. etc.

    Leider sind wir kleinen Kreaturen Mensch dann immer in der Versuchung uns in einen Sog mitreißen zu lassen, der alles andere als erbaulich ist.

    Wenn wir aber versuchen innerlich einen Schritt zurück zu treten, uns zu beobachten ( ohne zu bewerten oder zu dualisieren! ), so als ob wir uns einen Film anschauen, dann erkennen wir:

    ALLES WAS MIR BEGEGNET IST MEIN LEBEN 😊

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  6. Super Idee. Jesus konnte auch die Grandlinigen nicht leiden, die immer nach den selben Regeln spielen, dem selben Tackt tanzen, alles besser wissen und auf die anderen immer nur runterschauen. Er nannte sie die Pharisäer!
    Er wurde nicht müde, den Leuten immer wieder zu sagen, ihr müsst umkehren, die Richtung wechseln, am besten gleich um 180 Grad.
    So richtig gut fand er eigentlich nur die sogenannten Looser. Er meinte, er sei nicht gekommen wegen der 99 blöden Schafe, die immer nur im Stall rumschimmeln und sich nicht raustrauen, sondern wegen diesem einen Lämmchen, dass sich irgendwie verlaufen hat, weil es noch gesucht hat, nach dem wahren Leben.

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      • Ist dir das peinlich, wenn er die selbe Meinung haben sollte wie du? Das viel mir halt so ein, weil ich zufällig eine Menge von Jesus verstehe. Wenn ich Deinen Blog nicht lesen würde, dann würde ich sagen, ich bin ein Experte, aber das wäre ja ganz schrecklich, wenn es so wäre und so ein Experte wollte ich auch gar nicht sein.

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      • Nö, ist mir nicht peinlich. Tut mir nur leid, dass Du Dir so Mühe gegeben hast, einen wirklich schön abgefassten Kommentar zu schreiben an eine sowas von überzeugte Atheistin. Ich kann mit beinahe jedem Thema etwas anfangen…bei den Religionen bekomme ich das kalte Ko…. ! Tschuldigung. Aber darüber rege ich mich immer nur auf. Deswegen tat es mir für Dich ein bisschen leid. Aber die Tatsache, dass „er“ dieselbe Meinung gehabt hat, wie ich, ist doch schön für alle, die an „ihn“ glauben. Ich glaube ganz einfach an…..mich! 🙂

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  7. Wirklich erfolgreiche Menschen sind nach dem Scheitern in kurzer Zeit wieder dort, wo sie früher waren. Sie geben nicht auf, weil sie an sich selbst glauben. Das Beispiel mit dem Kind was Laufen lernt, ist genial. Würde das Kind nicht an sich glauben und es immer neu versuchen, würde es nie laufen.
    LG Susanne

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  8. Liebe Dani, wieder mal ein toller Beitrag von dir. Das Leben ist eine Reise und es braucht Abenteuer – egal wie sie geartet sind, sie bereichern das Leben. Schließlich ist jedes Straucheln auch eine Chance zur Weiterentwicklung, zu sich selbst und letztendlich zu mehr Glück. Trauen wir uns also hinzufallen und wieder auzustehen – wozu gibt es schließlich Pflaster!

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  9. Dem kann ich nur zustimmen. Wessen Leben verläuft schon schnurgrade? Meins jedenfalls nicht. Ich bin aucb oft gestrauchelt, gestolpert, falsch abgebogen, in Sackgassen gelandet und trotzdem immer weiter gegangen. Und ich gehe noch. Ich finde, man sollte mit dem Verurteilen, Fingerzeigen und Naserümpfen aufhören und sich lieber gegenseitig unterstützen und respektieren.

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      • Vor allem von unserem System her. Da hab ich Sachen erlebt…da fühlt man sich gar nicht mehr als Mensch, wie man da behandelt wird. Und dabei konnte ich nicht einmal etwas für meine Situation. Wie kaltschnäuzig man da abgefiedelt wird, als wäre man Dreck.
        DA hätte ich mir mal die große Unterstützung gewünscht, die sie immer predigen. Aber getan wird das ja nicht. Das ist nur Getue, damit es in den Medien gut aussieht.
        Und aus dem eigenen Umfeld gibt es dann statt Unterstützung und Verständnis nur Druck, Schuldgefühle und Fingerzeigen. Ich finde, unsere Gesellschaft neigt langsam dazu, alles hyperkritisch zu sehen und jeden winzigen Fehler (in ihren Augen) sofort als gigantischen, unwiderrufbaren Makel anzuprangern, auf dem rumgeritten wird, bis man tatsächlich daran glaubt. Aber da gibt es ja noch viel mehr Themenbereiche, wo wir völlig den realen Blick verloren haben und alles zu monströsen Skandalen aufplustern, obwohl das nicht einmal ein Gähnen wert wäre.

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