Die Romantik und ich

Alle, die mich kennen, sind vermutlich schon beim Titel von einem Lachanfall heimgesucht worden. Zu recht! Denn die Romantik und ich, wir sind bis heute nie wirklich Freunde geworden. Mir fehlt da irgendwie ein Gen, das die meisten Frauen bei der Geburt offenbar schon mitbekommen. Meines ist vermutlich im Gebärsaal liegen geblieben. Ich bin sowas von unromantisch, dass mir mein armer Göttergatte manchmal schon fast leid tut. Das hat auch nichts mit der langen Dauer unserer Beziehung zu tun, denn ich war schon immer so. Ich meine: Unsere erste gemeinsame Nacht war in etwa so romantisch wie ein Abendessen bei Mc Donalds. Keine Angst, es folgen keine intimen Details. Nur soviel: Ich habe nach ungefähr einer Stunde im gemeinsamen Bett die Flucht ergriffen und bin aufs Gästebett umgezogen. Warum? Ich hasse es, wenn mich etwas berührt, wenn ich schlafen will. Egal ob Mann, Kind oder Katze – ich will mein eigenes Bett! Und das war schon immer so. Ja, ich weiss, armer Mann!

Ich höre immer ganz fasziniert den Geschichten der Frauen zu, die erzählen, dass sie ohne ihren Liebsten an der Seite nicht einschlafen können. Soso…. Oder diejenigen, welche ohne ihren Schatz nichts entscheiden wollen, weil man ALLES immer gemeinsam tut. Soso… Oder diejenigen, die das Kopfkissen des Liebsten mit Schokoherzchen dekorieren. Soso…. Und die besonders Romantischen, die am Hochzeitstag bei schummrigem Licht in neuer Unterwäsche auf den Liebsten warten. Soso… Ich bin ja schon stolz auf mich, wenn ich den Hochzeitstag mal nicht vergesse. Schrecklich, ich weiss! Irgendwas lief da bei mir gehörig falsch.

Habe ich schon erwähnt, dass mein Mann eigentlich romantisch wäre? Ja, jetzt kann euch der arme Teufel wirklich leid tun. An unserer Hochzeit hat er, als ich die Kirche mit meinem Vater betrat, die Tränen nicht zurückhalten können. Ich musste mir auf die Zähne beissen, um seinetwegen nicht loszulachen, so lustig fand ich das. Beim Beziehen unserer ersten gemeinsamen Wohnung hatte er am ersten Morgen den romantischen Einfall, mir das Frühstück ans Bett zu bringen. Ich warf mit einem Hausschuh nach ihm. Ich meine, wer will schon Brotkrümel im Bett und überhaupt: Wer will schon am Sonntag geweckt werden? Ich nicht. Er hat es seither nie mehr getan. Ja, ihr habt recht. Armer Mann!

Ich weiss nicht mehr, ob ich das schon mal irgendwo auf meinem Blog erwähnt habe. Aber jetzt müssen alle Romantiker nochmal ganz stark sein: Mein Liebster bringt am Hochzeitstag immer doppelt soviele Rosen wie Anzahl Ehejahre mit. Warum? Ganz einfach, weil ich es so oft vergessen habe, dass er nun gleich für mich und für sich Rosen bringt. Alles in einem Aufwisch. Der arme Mann wurde von mir buchstäblich entromantisiert. Aber er hat sich – vermute ich mal – daran gewöhnt. Und wenn ich mal wieder einen Versuch starte, mich zu bessern, geht dieser in der Regel gehörig in die Hose. Romantik kann man nicht lernen. Man hat dieses Gen, oder man hat es eben nicht. Meines fehlt!

48 Gedanken zu „Die Romantik und ich

  1. Ooops, das gibt’s ja wohl nicht!
    Ich habe mich bisher nicht als Unromantikerin geoutet, weil ich dachte alle anderen Frauen sind auf rosarote Teelichtüberflutete Vollmondabende aus!
    Bin ich froh, ich dachte schon ich müsste zum Therapeuten

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  2. Das, was er da mit den Rosen zum Hochzeitstag macht, ist total süß. Und ich wette, auch du machst manchmal etwas nur für ihn, um ihn zu erfreuen. Egal, wie man es (nicht) nennen will: Es ist romantisch, wenn man die Liebe spürt. Mir scheint, mit Dir ist alles in Ordnung! 😉

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  3. Genial und mit Witz erzählt! 🙂 Schlimmer als dieses fehlende Gen der Romantik finde ich allerdings das Gen, welches Menschen dazu treibt, einem mit Liebe und Bindungswünschen zu überhäufen und einen somit von der ersten Minute an in eine sehr enge Beziehung treiben. Das einzige Mittel, was ich dagegen kenne, heißt leider nur FLUCHT!

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  4. Ich finde mich hier total wieder!!!
    Ganz schlimm finde ich die Frauen, die sagen..wenn mein Mann nicht daheim ist (Geschäftsreise oder so) kann ich gar nicht schlafen.
    Oder: alleine einkaufen gehen mag ich nicht (ähh..armer Mann)

    Also ich genieße solche Abende, wir sehen uns doch sonst täglich. Dann gibt es bei mir Chips und Wein und ich habe auch gar keine Angst in der Nacht…ich sperre ja alle Türen ab..haha!

    Heute morgen fand ich auf dem Esstisch in der iPad Hülle (ich lese die Tageszeitung online),wiedereinmal ein ausgeschnittenes Herz mit Gruß und Kuss un ILD.
    Ich freue mich sehr darüber..auch nach 30Jahren..aber ich muß mich so zusammenreissen, daß ich Ihm auch mal ein Botschaft an den Kühlschrank klebe oder so.
    Ich denke da einfach nicht daran. Unromantisch halt!
    Und ich war auch schon mal vor Jahren mit Freundinnen im Kino..Kitschherzfilm..und bekam bei dem Thema Hochzeit im Film einen leichten Schweißausbruch…heute Hochzeitstag…au weia!
    Aber diesmal hatte ER das zum Glück auch verschwitzt!

    Weil es sind nicht die Daten im Kalender wichtig, sondern das ganze Jahr und wenn ich mich echt etwas besinne, tut es auch ein kleines Zettelchen…..ich werde mich bessern..echt !

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  5. Ja nee, schönes Ding! Ich bin aber auch komplett Romantik-frei. Ich finde diesen Kram einfach übertrieben und nutzlos…genauso wie Spazieren gehen! Wenn ich schon irgendwo hingehe, dann soll es auch bitte ein Ziel haben.
    Außerdem: Wer alleine in seinem eigenen Bett schläft, kann wie ein Seestern darin schlummern. Der klägliche Rest, der immer alles zusammen machen muss als Paar liegt da wie eine gekrümmte Leberwurst. Ha 1:0 fürs Team Romantik-frei 🙂

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  6. Dein Beitrag veranlasst mich, mal gründlicher darüber nachzudenken, was Romantik eigentlich für mich persönlich ist … Die Beispiele, die Du genannt hast, fallen für mich nämlich nicht darunter. Doch als total unromantisch würde ich mich auch nicht bezeichnen. Wahrscheinlich falle ich irgendwie dazwischen 🙂 Ich mag ja meinen Alltagshelden, der mir Kaffee bringt oder unliebsame Aufgaben alleine für mich macht. Einfach Kleinigkeiten, die mich wärmen. Lieben Gruss. Melanie

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  7. Oh je, meistens ist das ja anders herum und Frau ist traurig, weil ihr göttlicher Gatte so unromantsich ist! Mir tut Deiner aber echt leid… Der scheint ja ein echt lieber Kerl zu sein. 😉
    Lustig finde ich wie viele „Mädels“ sich in Deinen Berichten wieder finden. Wie in den Kommentaren zu lesen ist, stimmen sie Dir vollkommnen zu. Auch wenn Deine Ansicht manchmal ziemlich schräg ist… 😉
    LG Susanne

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  8. Ich liebe Romantik und Kitsch – in Filmen. Im „richtigen“ Leben brauche ich das nicht. Oder zumindest nicht exzessiv. Ein ganz kleines Bisschen Romantik wäre schon nett. Wenn mein Freund mir mal sagen würde, dass er mich liebt, statt „Ich hab mich an dich gewöhnt.“ oder meinetwegen mal eine Kerze auf dem Tisch ohne das Gemecker, dass die Flamme sich im Fernseher oder auf seinem Monitor spiegelt. Das sind aber Sachen, über die ich auch lachen kann, also alles halb so wild. Allerdings fällt mir gerade auf, dass ich in vier Jahren noch nicht einmal Blumen bekommen habe. Da lässt du deinem Mann ja schon viel Spielraum. ;P

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  9. Bin gerade vor lauter Lachen vom Stuhl gerutscht. Ich hasse Krümel im Bett! Allein die Herausforderung, den Kaffee ohne Kleckerei in den Mund zu kriegen …. Allein schlafen hat auch den unschätzbaren Vorteil, ohne getreten zu werden vor sich hinzuschnarchen … oder so… Romantische Grüße in die Schweiz!

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  10. zumindest liegst du mit dem nicht gut im ehebett schlafen können im trend: forschungen zeigen immer wieder, dass männer bestens, frauen dagegen meist nicht besonders gut gemeinsam nächtigen. der rest? ich freue mich z.b. über aufmerksamkeiten (übrigens auch von freundinnen) – die allerdings nicht an termine gebunden sind. das finde ich nicht romantisch, sondern einfach schön.

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  11. 🙂 🙂 🙂
    Getrennte Schlafzimmer sind ein Muss, anders würde ich keine Beziehung lange aushalten. Man kann sich ja im Bett „besuchen“, aber auch wieder gehen! Ansonsten kam mir alles sehr bekannt vor: Wenn ein Mann anfängt zu säuseln, fange ich an zu lachen.

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