Ratschläge

Ich mag keine Ratschläge. Warum? Weil es – wie das Wort schon sagt – irgendwie halt doch Schläge sind. Und Schläge nützen nichts!

Ich bin ein Mensch, der entscheidet, erledigt, durchzieht und entweder die Ernte des Erfolgs geniesst, oder für den Misserfolg geradesteht. Es kommt so gut wie nie vor, dass ich jemanden um Rat frage. Und wenn ich mich doch mal wieder dazu hinreissen lasse, bereue ich es anschliessend. Warum? Weil es mich nur verunsichert.

Das Hätte-würde-täte-könnte-Gefühl kommt nur dann, wenn ich mir bei etwas unsicher bin und das dummerweise kommuniziere. Dann geht nämlich die Sache mit den Ratschlägen los. Die einen finden, dass man es so machen sollte, die anderen sind sich sicher, dass genau das Gegenteil der richtige Weg ist. Die nächsten sind ganz bestimmt der Meinung, dass es noch einen besonders kreativen Lösungsansatz gäbe, auf den sonst noch keiner gekommen ist. Und zum Schluss ist man … nur noch VERWIRRT. In solchen Situationen funktioniert mein gesundes Bauchgefühl auch nicht mehr. Ich fühle mich dann, als ob überall an mir gezerrt wird. Nach rechts, nach links, nach oben und nach unten. Und ich habe keine Ahnung mehr, welche Richtung nun die richtige ist.

In solchen Situationen weiss ich immer wieder, warum ich Ratschläge nicht mag – sie fühlen sich nämlich sogar an wie Schläge. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein erster Gedanke und mein Bauchgefühl mir in der Regel den richtigen Weg weisen. Im Normalfall verlasse ich mich auch voll und ganz darauf. Ich weiss, dass ich mich auf mich sogar sehr gut verlassen kann. Und ich ärgere mich, dass es doch immer wieder zu Situationen kommt, bei denen ich Drittpersonen zu Rate ziehe. Dummes Kind! Ich wüsste es doch besser. Ich glaube, dass ich mir in Zukunft ein Post-it an die Stirn klebe, auf welchem steht: „Sollte ich auf die Idee kommen, sie um Rat zu fragen, sagen sie einfach nichts und rennen sie weg!“ Das wäre die beste Lösung. Dann müsste ich mich anschliessend nicht so geschlagen und zerrissen fühlen und ich könnte auch niemanden für falsche Entscheidungen verantwortlich machen. Dann bin ich selber für mich und mein Handeln verantwortlich. Einfacher geht eigentlich nicht.

33 Gedanken zu „Ratschläge

  1. Wie kann frau ein Instrument spielen oder Autofahren lernen, ohne „gute Ratschläge“ anzunehmen. Es mag Autodidakten geben, die ein Instrument „selber“ lernen aber auch die müssen sich bei anderen etwas abschauen. Beim Autofahren ist es schlichtweg verboten!

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  2. Ja, du hast recht. Einen Rat einzuholen macht nur Sinn, wenn man von einer Sache keine Ahnung hat.
    Hat man allerdings das Denkgebäude schon errichtet und man fühlt sich auf dem richtigen Weg, führt jedweder fremde Einfluss unweigerlich zu einer Fehlentscheidung.

    So ist das Leben.

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  3. Meine Mutter sagte immer :Rate mir , aber rate mir boß nicht ab.
    Ich habe nichts gegen Ratschläge, wenn ich gefragt habe, ob man mir wohl vielleicht etwas zu diesem oder jenem sagen kann, aber die „Ungefragt eingesandt“ die mag ich nicht und da wehre ich mich auch gegen. LG Pünktchen und Wortgestöber

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  4. Doch, ich gebe zu, ich frage Herrchen ab und zu um Rat. Insbesondere dann, wenn ich Gefahren für mich erkenne und mein Bauchgefühl mir sagt, dass Herrchen das ähnlich sieht. So z.B. bei ausgewachsenen Rottweilern oder deutschen Schäferhunden oder gar arroganten Hovawarts, die auf unserem Weg kommen. Dann frage ich, ob wir nicht die Straßenseite wechseln oder uns einfach in Luft auflösen könnten. Aber nur in diesen Fällen frage ich.

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  5. Ich habe mal eine Weile japanisches Bogenschießen gelernt und da gab es eine wesentliche Regel für Schüler: Nie ungefragt einen Rat erteilen. Das hieß praktisch: Auch wenn ich sehe, dass jemand einen oder gleich mehrere Fehler macht, halte ich meinen Mund. Einzige Ausnahme: Wenn ich sehe, dass es gefährlich werden könnte – Kampfsport ist immerhin Kampfsport. Ansonsten: Wenn ich diesen Fehler öfters bemerke kann ich den- oder diejenige darauf ansprechen mit der Frage: Mir ist etwas aufgefallen. Möchtest Du es hören? Ein Nein war stets strengstens zu akzeptieren. – Im übrigen Leben hole ich mir bei kniffligen Fragen gerne einen Rat. Weil ich mehr auf vier, denn auf zwei Augen vertraue. Allerdings kommt es höchstens zu sechs. Mehr Köche verderben auch den Ratgeberbrei. Und ich wähle genau aus, wen ich für welche Frage zur Rate ziehe. Für mich ist das eine fantastische Taktik, weil ich oft sehr emotional reagiere und kluges Handeln eben doch manchmal Weitsicht braucht. Außerdem hilft es mir ungeheuer, ein Problem jemandem vorzutragen. Alleine das hilft gelegentlich, die Sache schon selbst zu entscheiden. Unpassende Ratschläge kommen da auch schon mal vor. Aber die stören nicht. Ich muss mich ja nicht dran halten.

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  6. Die Hirnforscher sind sich mittlerweile einig: geht es um komplexe Entscheidungen dürfen wir gerne unser Bauchgefühl zu Rate ziehen! Und: ich halte es eher, frei nach einem deutschen Sprichwort, mit den Rechtsanwälten und Ärzten…die erteilen nur Rat wenn sie gefragt werden 😊

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  7. Meistens ist das erste Bauchgefühl sowieso richtig… Ich hatte mal eine Bekannte, die bei jedem kleinen Pups eine Meinungsumfrage im Bekanntenkreis startete. Sie war immer genau so lange der Meinung des gerade befragten, wie das Telefongespräch dauerte. Dann rief die den nächsten Menschen an und war von diesem Ratschlag begeistert… Ich hatte mal diese Bekannte, bis ich es nicht mehr ertragen konnte. *nerv*
    Nur ein wirklich guter und uneigennütziger Freund kann ein guter Ratgeber sein. Wer so jemanden hat, sollte sehr dankbar sein.
    LG Susanne

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  8. Haha, danke für den Beitrag! Das Thema beschäftigt mich auch gerade sehr. Habe mir dazu schon paar Gedanken gemacht. Vgl.: https://emilundderich.wordpress.com/2015/02/26/ich-hoere-stimmen/ und noch spezifischer zur Situation von Jungeltern https://emilundderich.wordpress.com/2015/01/09/go-ask-reinhold/
    Sehe das ganz ähnlich: Ratschläge sind Schläge und ich möchte eigentlich nicht misshandelt werden… Werde mir also auch so ein ähnliches Post-it basteln. Just in case…

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  9. Also ich schätze einen guten Rat schon ab und zu. Aber ich überlege mit vorher, WEN ich frage. Es muss eine Person sein, die mich 1. sehr gut kennt und 2. sich in mich hinein versetzen kann, und 3. in der Lage ist, die Gesamtsituation plus Konsequenzen realistisch zu überblicken und einzuschätzen. Und 4. muss ich mit darüber klar sein, nur Rat zu holen, wenn ich auch bereit bin, ihn dann zu beherzigen.
    Ich kenne nämlich Leute, die wollen einen Rat, aber wenn der nicht dem entspricht, was sie sich insgeheim erwarten, dann rennen sie schnurstracks zum nächsten „Ratgeber“. Und das bringt ja nix.

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  10. Oh. Das ist meine Charakterschwäche. Ich frage immer um Rat und lasse mich immer verunsichern. Ich sollte mir diesen deinen Blogbeitrag einrahmen und an die Wand hängen und zusätzlich als Knoten ins Taschentuch oder eingraviert in einen Schlüsselanhänger. Siehst du deshalb bin ich mit meiner Tochter auch auf der Intensivstation gelandet. Ich habe nicht auf mich gehört sondern nur auf die Ärzte. Und jetzt versuchen Sie mich zu erziehen endlich auf die zu hören. Ich lerne von dir! Danke!!!!!

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