Das tut man nicht…

Wer ist man? Wir alle? Langweilig! Als Kind streckt man hin und wieder jemandem die Zunge raus. Man nennt den Spielkameraden zwischendurch ein Arschloch. Der besten Freundin zieht man an den Haaren, wenn sie nervt. Man bohrt genüsslich in der Nase und steckt den Popel anschliessend in den Mund. Man rülpst im Restaurant und alle kichern. Man pupst im Kindergarten – zum Gelächter aller anderen. Und wenn man beim Einkaufen etwas nicht bekommt, darf man auch mal einen Tobsuchtsanfall bekommen, ohne dass die Welt untergeht.

Kaum ist man erwachsen, ist es vorbei damit. Sobald der Niedlichkeitsfaktor wegfällt, so ungefähr ab dem Alter der Einschulung, hat man sich gefälligst genormt zu benehmen. Ich für meinen Teil möchte manchmal einfach nicht man sein und mich auch mal wieder so richtig kindisch benehmen. (Hin und wieder tue ich das sogar, zum Ärger meiner Kinder, die dann im Boden verschwinden möchten…).

Stellt euch mal folgendes bildlich vor: Ich bohre bei der Arbeit (Boutique) in der Nase, bringe anschliessend der Kundin das Kleidungsstück – verziert mit Popel – in die Umkleide und wenn es ihr nicht gefällt, ziehe ich sie an den Haaren. Und wenn ihr das auch nicht passt, sage ich noch: „Arschloch“. Beim Spazieren durch die Stadt strecke ich allen, die ich unsympathisch finde, einfach mal die Zunge raus und im Restaurant rülpse ich nach meiner Cola Zero so richtig laut und genüsslich. Beim Einkaufen mit meinem Mann lege ich mich an der Kasse flach auf den Boden und schreie laut: „Ich will diese Gummibärchen! Du bist so gemein! Nie kaufst Du mir Gummibärchen!“

Ich möchte das mal alles einen Tag lang machen, weil mich die Reaktionen der Menschen unglaublich interessieren würden. Und weil ich mich mal wieder so richtig kindisch benehmen möchte. Den Satz „Das tut man nicht“ einfach mal einen Tag lang richtig extrem ausblenden und alles daran setzen, die Leute zu schockieren. Was glaubt ihr? Wäre das ein witziger Tag, oder würde ich eingeliefert?

52 Gedanken zu „Das tut man nicht…

  1. Meine Liebe, das ist ja alles sehr hübsch gegen den Strich gebürstet – Konzept??? Vorstellbar.
    Verrat mir doch mal, wer Du wirklich bist – immerhin killst Du keine Kommentare- auch keine kritischen – das ist doch was !
    Kannst ja nicht den ganzen Tag so sein, wie Du schreibst – und irgendwie ist mein Zwerchfell schon sehr erheitert – Du bist wahrscheinlich ein ganz patentes Weibsbild – oder ?
    Nun sprich mal …
    Bea

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  2. Genau, dass frage ich mich auch immer, wer man ist. Oh ja. Ich bin dabei. Letztens warf ich mich auch auf den Boden vor meinen Kindern, weil mein Mann, was von mir wollte, aber ich gerade keine Lust hatte. Meine Kinder (2,3/4 + 4) waren entsetzt und meinten, ich soll sofort aufhören. Ich musste so lachen.

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  3. Ich finde die Idee toll! Doch leider sind wir alle Meister darin, sich der Norm anzupassen, sich nicht zu trauen oder einfach wegen der bevorstehenden Scham nicht „Arschloch“ zu sagen, wenn es jemand wirklich verdient hat!
    Ich musste direkt an diese tolle Werbung denken!

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  4. Guten Morgen,

    hab Deine Seite über den Aufgewachten gefunden. Dein Gedanke hat was. Die Unbefangenheit und Spontanität des unverdorbenen Kindes wiederzufinden. Ohne Angst vor dem Urteil Anderer die eigenen Gefühle und Wünsche klarstellen. Daran krankt es in unserer ‚das tut man nicht Gesellschaft‘, die sich freiwillig gleichschaltet, vorgegeben durch Schule, Pfaffen und Regierung.
    Nun, die Nasenpobelprobe möchte ich heute nicht mehr austesten. Aber etwas anderes, das ich seit langem praktiziere – Humor an Stellen, die niemand erwartet. Für mich eine Fortsetzung der Unbefangenheit der Kindheit.

    Vor kurzem beim Metzger: Neben mir stand eine hübsche Mutti (Ludwig, lenk jetzt nicht ab alter Sack) mit ihrer quängeligen Tochter. Der Metzger reichte eine Scheibe Wurst zum Kind herüber, das sofort strahlte und Wurst vemamfte. Ich schaute den Metzger vorwurfvoll an und meinte lautstark: und ich krieg ich nix. Dem Metzger und den Kunden neben mir viel die Kinnlade herunter. Dann faste sich der Metzger wieder und reichte mir eine Scheibe Wurst herüber. Ich strahlte wie das kleine Kind. Mehrere KundenInnen gaben mir mit ihrer Mimik zu verstehen, daß ich nicht mehr alle habe. Aber zwei, die ich heute manchmal im Laden treffe, haben angefangen nachzudenken über die Verbissenheit nach der Jugend.

    Oder neulich im Aldi:
    Dort gab es bisher einen richtig muffigen, finster dreinschauenden Filialleiter, bei dem mir das Gesicht einfror, wenn ich ihn bloß sah. Da muß sich was ändern, kam mir bei meiner letzten Einkaufsorgie für 4,53 € plötzlich in den Sinn. Ludwig du alter Esel hast doch schon so manchen mit deinem schrägen Humor aufheitern können. Und – so probierte ich es auch bei ihm.

    Tschuldigung untertänigst, wo steht denn die Eselmilch aus dem Sonderangebot, fragte ich ihn.
    Eselmilch gibt’s bei uns nicht, wollen Sie mich auf den Arm nehmen?
    Nein, Sie schaffe ich in meinem Alter nicht mehr. Früher hatte ich Zementsäcke in den fünften Stock getragen, heute geht nur noch ein Sixpack Eselmilch. Letzte Woche stand die aber noch neben Sonderangebot vom Ziegenquark. Das weiß ich ganz genau. Hab mich nämlich gewundert, warum ihr Ziegenquark verkauft. Den will doch keine Sau.

    Sind sie etwa von versteckter Kamera oder von der Zentrale um zu prüfen wie ich mit den Kunden umgehe?

    Ne, hab einen Job von der Humorvollstreckungsbehörde bekommen, eine Überabteilung aller Behörden, die erst im Aufbau ist. Die einzige Behörde, die es nach dem Weltuntergang noch gibt. Werde auch von den Krankenkassen gesponsert, die endlich erkannt haben, daß Lachen gesund macht, zum Leidwesen meines Hausarztes.
    Noch nie davon gehört? Wird aber Zeit.

    Hhhmmm hummmm, er schüttelte sich plötzlich vor Lachen und bekam vor lauter prusten nicht heraus, wo die Eselmilch wirklich steht. Und – so ging ich leider ohne Eselmilch wieder heim und muß wieder Bier brauen, obwohl es gesündetes äh gesünderes gibt.

    Seither werde ich von ihm und den Mädchen dort jedesmal persönlich begrüßt.
    Jeder von denen übertrifft sich dann mit weitern Sonderangeboten, die mich interessieren könnten. Angefangen von Angsthasen im Sonderangebot zu Ostern, die nicht gefressen werden wollen. Daher sind sie mit Pfand belegt bis hin zu Wachskerzen an Weihnachten, die sich weigern zu wachsen um nicht so blöd zu werden wie die erwachsenen Menschen. Wir sind inzwischen alle per du.
    Sie Wettbewerben sich inzwischen gegenseitig, wer den besten Humor hat und überschütten mich mit den neuesten Sonderangeboten.
    Gestern meinte das Mädchen an der Kasse:
    Willst nicht noch ein Sixpack Kamelmilch im Sonderangebot mitnehmen, da gibt’s heute zwei für ein Kamel.

    Was die wohl damit sagen wollte? Irgendwo hört der Humor auf. 😀

    Will damit sagen: Der Humor sollte die Weiterentwicklung der frühkindlichen Unbefangenheit sein.
    Mit Humor schlägt man alles. Jeder noch so kruden Situation kann man damit Herr werden. Sich selbst auf die Schippe nehmen ist die Formel. Hat den Vorteil, daß man sich selbst aus dem Sumpf schaufeln kann in den man eintritt.

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    • Könnten wir mal gemeinsam auf Tour gehen – ich schmeiss mich gerade weg vor lachen! Deine Beschreibungen könnten von mir sein! Das sind die Situationen, in welchen meine Kinder jeweils nicht wissen, ob sie nun lachen oder lieber in den Boden versinken möchten. Mama ist ja manchmal so peiiinlich! Danke für den lustigen Feierabend, den Du mir beschert hast! 🙂

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  5. Ich denke, als Erwachsene würde man eingeliefert und Kinder die so etwas machen, würden von ‚wohlmeinenden‘ Leuten zum Psychologen geschickt. „Man sollte da schon etwas unternehmen!“
    Pahhh….als sich mein Sohn (ca.3 Jahre alt) damals in einem Laden, als er eben nicht das bekam was er wollte, auf den Boden geworfen hat, habe ich ihn liegengelassen und bin mit der Tochter einfach rausgegangen. Was glaubt ihr wie schnell der hinter uns her war!
    Ähh..und in dem Geschäft war ich lange als „Rabenmutter“ verrufen.

    Manchmal täte uns aber so ein Anfall schon gut..aber das macht man halt (leider) als Großer nicht.
    Vielleicht sollten wir einen Kurs in einer Urschreitherapiegruppe buchen?

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    • Wie wärs, wenn wir Blogweibsbilder mal einen „ich-benehme-mich-heute-mal-so-richtig-kindisch“-Tag einberufen würden. Gemeinsam! Es wären schon ein paar dabei. Das wäre ein Spass – und keine Klinik kann so viele auf einmal aufnehmen. Hihihi 🙂

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  6. Ich frage mich ganz oft, warum man bestimmte Sachen eigentlich nicht machen soll / darf. Im Kindergarten oder in der Krippe, manchmal auch in Wohngruppen, wo ich schon arbeiten durfte, fragen mich die Kinder/Jugendlichen des öfteren: „Warum?“ Und dann eine stimmige Antwort zu finden, ist manchmal gar nicht so leicht! Ich glaube, dass dieser Satz „Das macht man nicht!“ oder ähnliche Ausdrücke uns einfach eingetrichtert wurden in der Kindheit, und dass diese Sätze in die Kategorie fallen „Dinge, die ich als Erwachsener nie sagen will“ … und schwupps, erwischt man sich doch dabei. Wenn mir gerade keine richtig gute Antwort einfällt und ich mich selbst frage „Ja, warum eigentlich nicht?“ , dann lasse ich die Kinder einfach machen. Und etwas Schlimmes ist noch nie passiert. Ich lerne eben einfach dazu 🙂

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  7. Auf jeden Fall hat es MIR mal wieder sehr viel Spaß gemacht diesen Beitrag zu lesen und er hat mir ein lächeln aufs Gesicht gezaubert.

    Ich denke, dass uns solche direkten Reaktionen auf gewisse Situationen im Leben regelrecht abgewöhnt werden und wer sich nicht daran hält ist dann „komisch“ oder “ noch nicht erwachsen“. Falls man sich dann doch einmal so verhält, wie es das innere 6-jährige Kind gerne hätte, dann käme von 80 % der Bevölkerung wohl gar keine Reaktionen und der Rest würde nur verächtlich mit dem Kopf schütteln.

    Kurze Anekdote: Erinnert sich hier noch jemand an die Serie Friends und die eine Folge wo Phoebe durch einen Park läuft und dabei wild mit den Armen und Beinen um sich schlägt?! Genauso stelle ich mir vor, dass man sich nicht verhält… aber insgeheim will es doch jeder machen, weil es befreiend ist.

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  8. Bis zu einem gewissen Grad setzt du deine Träume ja schon um, da dein Handeln bereits in einigen Köpfen zur „Realität“ wird. Meine Vorstellung wurde schon voll aktiviert, deshalb werfe ich in jede Boutique einen Doppelblick … Die Aktion an der Kasse lass mal bleiben, das wäre einfach nur nervig für die Kleinen! 😉

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  9. Wieso eigentlich „oder“? Könnte ein spaßiger Tag sein – der dann halt mit deiner Einlieferung endet, ok. Aber: No risk no fun! 😉 Außerdem kannst du ja nun auf diesen Blogbeitrag verweisen, der zeigt, dass du _eigentlich_ ja schon eher normal bist… 😉

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  10. einlieferung.
    vermutlich in einer modischen jacke, wo du die arme nach hinten trägst 😉
    naja, bei einem tag wohl nicht, da müsstest du schon einen „lauf“ haben.

    mich hat dieses „man macht das nicht“ „schau dir mal die anderen an“, sehr, sehr genervt. ich versuche das zu meinen kindern nicht zu sagen.

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  11. Haha…ich stelle mir das richtig lustig vor 😀
    Wobei jeder mit ein bißchen Menschenverstand und eigenen Kindern ziemlich schnell durchbilcken würde, was dein Anliegen ist – denke ich 🙂
    Aber ich persönlich würde mich das nicht trauen…ganz ehrlich. Ich bewundere allerdings Leute, die einfach mal nicht in die Norm passen…sein es ob sie es nicht wollen oder können! 😉

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  12. Kindererziehung heutzutage ist ja auch so eine Sache…“Das tut man nicht“ hört man ja kaum noch. Das schreiende Kind wird höchstens ignoriert, obwohl es munter weiter zetert. Wenn man konsequent sein will, muss man das von der ersten Sekunde an sein, und nicht wie das Wetter – wechselhaft, je nach Laune. Dann würden wir uns als Erwachsene gar nicht mit diesem Defizit des „nicht-mehr-dürfens“ rumschlagen.

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  13. Vielleicht würdest Du eingeliefert zumindest aber wohl für ziemlich durchgedreht gehalten, leider. Meist fällt uns erst auf den zweiten Blick auf, das Menschen, die sich mal kindisch benehmen, vielleicht gar nicht so unrecht haben.

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