Brief an meine Schultern – Challenge

Liebe Schultern

Herzlichen Dank, dass ihr seit Jahren meinen Kopf mit euch rumtragt. Zwischenzeitlich wurdet ihr sogar noch mit dem Gewicht meiner Kinder belastet, wenn diese auf den Schultern getragen werden wollten. Meine Güte, bin ich froh, dass diese Zeit schon lange vorbei ist. Ihr habt mir solche Aktionen nämlich immer mit üblen Schmerzen gedankt.

Heute seid ihr hängend (Tendenz nach vorne), asymetrisch (nicht gleich hoch) und runder als früher (mehr Fleisch am Knochen). Wie asymetrisch ihr wirklich seid, merke ich immer dann, wenn ein BH-Träger immer runterrutscht, während der andere hält. Ich muss alles, was mit Trägern versehen ist, immer ungleich einstellen oder ungleich nähen lassen, damit es hält. Eine schiefe Angelegenheit.

Man sagt, dass man sich bei Sorgen viel aufbürdet. Diese Last tragt dann – im übertragenen Sinne – ihr. Ja, das stimmt wirklich. Auch körperlich spürbar. Wenn ich gestresst bin, dann schmerzt ihr tatsächlich. Es ist, als ob ihr dann mit mir kommunizieren würdet. So nach dem Motto: „Hey Du da, könntest Du bitte aufhören, uns noch mehr aufzuladen. Wir können all das nicht mehr tragen.“ Ihr fühlt euch dann an, als ob mir jemand einen viel zu schweren Rucksack angehängt hätte. Und die Signale, die ihr an mein Gehirn schickt, sind dann mehr als eindeutig. Manchmal höre ich darauf, manchmal versuche ich es solange zu ignorieren, bis ihr komplett auf stur stellt und so richtig übel schmerzt.

Nackt trage ich euch nie zur Schau, ausser im Wellness, wenn ich einen Bikini anziehen muss. Sonst seid ihr immer schön verpackt. Das war schon immer so. Nicht einmal in jungen Jahren rannte ich mit Tanktop durch die Gegend. Man hat mich schon immer als hochgeschlossen gekannt, deshalb kommt ihr selten an die frische Luft. Sorry! Keine Ahnung, ob ich verklemmt bin, aber ich habe niemals mein Fleisch zur Schau gestellt – auch nicht, als es noch straff und knackig war. Manche behaupten sogar, wenn es für den Strand einen Ganzkörperbikini gäbe (analog Neoprenanzug), dann würde ich ihn tragen. Stimmt! Am liebsten mit Rollkragen…

18 Gedanken zu „Brief an meine Schultern – Challenge

  1. Danke für diese täglichen Challenge-texte, sie versüssen mir meine Tage. Bis jetzt ist „Liebes Kinn“ mein eindeutiger Favorit. 🙂 Und: ich finde es sehr erfrischend, dass Du so ehrlich schreibst (von künstlerischen Übertreibungen einmal abgesehen, die mir regelmässig Lachkrämpfe bescheren) und das spricht doch für ein gesundes Selbstvertrauen. Auf mich wirken diese Texte auf jeden Fall nicht so, als ob Du Deinen Körper nicht mögen würdest.
    Herzliche Grüsse

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