Manchmal bin ich so richtig froh…

…dass ich mich von der textilen Kampffront zurückgezogen habe. Wenn mir mein Team erzählt, was sie immer wieder erleben, dann denke ich nur: Wenn Dummheit leuchten könnte, dann wären die Weihnachtsbeleuchtungen alle ohne Strom zu betreiben!

Da hat doch letzthin eines meiner Teammitglieder eine Kundin gehabt, welche (in unserem Outlet) Ware zur Auswahl mit nach Hause nehmen wollte. Abgesehen davon, dass das in einem Outlet nicht üblich ist, machen wir dies ohnehin schon lange nicht mehr. Man weiss in der heutigen Zeit nämlich nicht mehr, ob man die Ware oder die Kundin je wieder sehen wird. Die gute Frau wollte das aber nicht kapieren und meinte:

„Ich muss es aber mitnehmen, es ist für meine behinderte Freundin.“

Meine Kollegin an der Verkaufsfront erklärte ihr, dass das leider trotzdem nicht gehe und sie mit der Freundin halt vorbeikommen müsse.

„Haben sie nicht verstanden? Sie ist behindert! Das geht nicht! Ich will mit dem Chef sprechen!“

Erneut erklärte meine Kollegin, dass das auch nichts ändere an der Tatsache, dass wir keine Ware ausser Haus geben, die nicht bezahlt ist. Dies alles tat sie in anständigem und ruhigem Tonfall. Im Gegensatz zur Kundin, die zum nächsten verbalen Schlag ausholte:

„Das geht ja wohl gar nicht. Sie sind nicht behindertenfreundlich! Das sollte man publik machen – so etwas ist eine Sauerei. Ich will den Chef sprechen!“

Dass der Puls meiner Kollegin so langsam hochging, ist wohl mehr als verständlich. Immer noch freundlich erklärte sie aber die Sachlage erneut und als eine weitere Kundin den Laden betrat, wurde diese kurzerhand auch noch mit ins Gespräch verwickelt. Das Aggressionspotential der uneinsichtigen Dame war ziemlich hoch. Und da ist es denkbar schwierig, die Ruhe zu behalten.

Ich muss hier wohl nicht erläutern, dass die Gute den Laden ohne Ware verlassen hat und dass unsere Geschäftsphilosophie wohl alles andere als behindertenfeindlich ist. Im Gegenteil! Ich habe mich nach dieser Geschichte nur gefragt, ob die behinderte Frau sich wohl über den Auftritt ihrer Freundin gefreut hätte – ich denke nämlich nicht. Und es war nur zu gut, dass ich nicht dort war. Meine Frage hätte nämlich gelautet:

„Sind sie sicher, dass es ihre Freundin ist, die behindert ist? Ich habe so das komische Gefühl, dass in ihrem Kopf auch irgend etwas nicht stimmt!“

Und drum ist es gut, dass ich mich nicht mehr an der Front bewege – frei Schnauze ist dort nämlich nicht angebracht!

20 Gedanken zu „Manchmal bin ich so richtig froh…

  1. Ich habe gestern mitbekommen, wie eine Frau vor mir an der Kasse zwei Shampoos umtauschen wollte. Das Prolem war allerdings, dass sie nur ein Shampoo mitgebracht hatte. Die Kassiererin erklärte ihr freundlich, dass sie das Produkt auch mitbringen muss, was die Frau nicht verstehen wollte. Letztendlich hat sie alle ziemlich lange aufgehalten.

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  2. Ohh ja, es gibt mittlerweile Kunden die das Personal echt so etwas von oben herab behandeln, aber da sind die bei mir gerade richtig.
    Und mit Chef’s die hinter einem stehen, werden diese Heinis oder Tussies mal ganz schnell eingenordet. Was bilden sich manche Leute eigentlich ein??
    Der Kunde ist König oder was, dann soll er sich aber auch gefälligst dementsprechend benehmen.
    Ich bin 53 Jahre alt und lasse mich von niemandem unhöflich behandeln, das habe ich nicht nötig und mache das auch unmissverständlich klar.

    Ähh sorry (das kam jetzt so über mich) aber eigentlich wollte ich sagen, daß wir Ware auch zur Auswahl mitgeben, entweder gegen hinterlegen des Kaufpreises, oder gegen Vertrauen und wir wurden noch nie enttäuscht oder betrogen.
    Danke es gibt noch ehrliche Menschen.

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  3. Wenn sich alle einig sind im Team dürfte die Umsetzung kein Problem sein – da würde ich zwei / drei Mal argumentieren und dann aber konsequent nochmals betonen das unbezahlte Ware den Laden nicht verlässt, um mich dann anderen Kunden oder Tätigkeiten zuzuwenden. Denn bei bestimmten Spezies ist es g’hupft wie g’sprunge ob man eine halbe Stunde mit denen palavert oder sie in ihrem eigenen Sumpf der Meckereien waten lässt….

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  4. Das ergibt auch die Frage, ob es diese „behinderte Freundin“ überhaupt gab oder das nicht nur ein vorgeschobenes Argument war.
    Wie auch immer …. es führt auch mal wieder zu der Frage, ob es nicht völlig selbstverständlich sein darf, dem Ausdruck zu verleihen, was man denkt, was wirklich Sache ist, und einfach ehrlich seine Meinung zu sagen; natürlich höflich.
    In dem Fall etwa, nach dem dritten Nein: Wir machen das nicht … Sie können das akzeptieren oder sein lassen. Auf Wiedersehen.

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