Mit 50 auf dem Abstellgleis?

Ich gehe ziemlich eindeutig auf die 50ig zu. Und ich kenne diverse, denen es genauso geht. Manche von ihnen haben die 50ig auch schon überschritten. Dabei handelt es sich sowohl um Männer, als auch um Frauen. Und diverse dieser Menschen sind auf Jobsuche. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man eben die 50iger-Grenze mal überschritten hat. Ich dachte ja immer, dass Erfahrung Gold wert ist. In Tat und Wahrheit scheint für die meisten Erfahrung einfach nur viel zu teuer zu sein. Also, eigentlich wäre ein Wunschkandidat 25-jährig, müsste aber trotzdem 15 Jahre Erfahrung haben und sollte mit dem Mindestlohn zufrieden sein. Hallo?

Ganz übel wird es dann, wenn ein Ehepaar gemeinsam arbeitslos wird (unverschuldet) und auf Jobsuche geht. Absagen über Absagen und die Rechnungen und als auch die Miete flattern weiterhin ins Haus. Und überall kommen die gleichen Erklärungen: „Sie sind uns leider zu teuer – schon alleine die Sozialleistungen, die wir für sie bezahlen müssten ….“. Aha! Davon, dass aber die 50-jährigen bereits erwachsene Kinder haben (also nicht mehr ausfallen wegen Schwangerschaft oder Familienplanung), einen riesen Rucksack an Erfahrung mitbringen, die nötige Gelassenheit für schwierige Situationen haben (die kommt nämlich erst im Alter) und erst noch sesshaft sind, ja davon spricht in der Tat kein Mensch. Schade eigentlich! Es kann doch nicht sein, dass man mit 50 auf dem Abstellgleis steht. Alle sagen immer, 50 sei das neue 40. Das gilt vermutlich für alles, nur nicht für den Job.

Besonders dumm ist es, wenn es eben ein Ehepaar trifft, dass dann aufgrund der Jobsituation eine günstigere Wohnung suchen muss. Habt ihr schon mal versucht, ohne Job eine Wohnung zu finden? In der Schweiz ein Ding der Unmöglichkeit. Bei jeder Wohnungsbewerbung muss man den Arbeitgeber und das Einkommen angeben. Wenn dort nix steht, gibts auch keine Wohnung. Ist dem Vermieter zu unsicher. Eigentlich absolut verständlich – aber: Wie durchbricht man diesen Teufelskreis? Für einen neuen Job zu alt – für eine günstigere Wohnung zu arbeitslos. Ganz schön bescheiden … und ich wüsste ehrlich gesagt so auf die Schnelle auch gerade nicht, wie ich dieses Problem lösen würde. Vermutlich greift da nur noch ein klitzekleines bisschen notlügen – zuerst mal beim Alter, und dann beim Job. Anders scheint es ja nicht möglich zu sein. Und da ich mich mit 50 nicht als alte Schachtel aufs Abstellgleis stellen lassen möchte, würde ich zur Not aus der klitzekleinen Notlüge auch mal eine hammerharte Riesenlüge machen. In Anbetracht der Tatsache, dass man sonst kaum eine Chance bekommt, hätte ich nicht mal ein schlechtes Gewissen! Schliesslich braucht man nur jemanden, der einem die Türe öffnet, um zu beweisen, dass man mit 50 noch lange „dabei“ ist – und dass man sein Geld wert ist. Also muss man sich halt bis über die Türschwelle „flunkern“ … wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

77 Gedanken zu „Mit 50 auf dem Abstellgleis?

  1. Es gibt immer noch eine Steigerung zu allem …. in diesem Fall wäre das der über 50-jährige, der gesundheitlich nur noch zu 50% auf dem Damm ist. Von „Chance“ kann da schon gar nicht mehr die Rede sein.
    Warum sich in unseren Firmen der Irrglaube durchgesetzt hat, dass man in einen 50-jährigen nicht mehr „inverstieren“ sollte, ist mir völlig schleierhaft. Wer mal wirklich rechnet, und bei jungen Arbeitnehmern Dinge rechnet, wie neue Herausforderung suchen, Heirat/Umzug, Schwangerschaft etc etc. der kommt schnell auf eine Summe, die ihn total überraschen dürfte.
    Ein ausgebildeter Arbeitnehmer arbeitet ev. 20 Jahre für eine Firma. Der 50-jährige bringt das auch noch zustande, aber ohne diverse Umorientierungen, und mit all der Erfahrung, die er schon intus hat.

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  2. Mir geht es mit 30 und Kind nicht anders. Vor Gericht wurde mir vor meiner Arbeitslosigkeit gesagt: egal wenn sie ihren Job verlieren. Sie finden was neues. Und vor kurzem wurde mir von Jugendamt gesagt ich solle nicht so jammern dass mich mit Jugendamt an der backe niemand einstellen wolle. Dadurch würde ich ja zugeben dass ich finanziell nicht in der Lage bin für mein Kind zu sorgen …

    Ich verstehe nicht dass Erfahrung nicht geschätzt wird. Als ich meinen ersten Job nach der Uni hatte hätte ich gerne Leute mit Erfahrung zur Seite gehabt. Wir jungspunde sollten da Konzepte für große Server in ganz Europa entwickeln. Warum? Weil wir jung und dankt billig waren. Und auch noch alle frisch eingestellt und bin nix eine Ahnung. Is nicht schön wenn man seine Arbeit gut machen will.

    Ich habe auch positive Erfahrungen gemacht wo Erfahrung geschätzt und finanziell honoriert wurde 🙂

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  3. Da hast du wieder mal den wunden Punkt unserer ach so kuscheligen sicheren sozialen Gesellschaft getroffen. Wehe du fällst durchs Netz jenseits der 50. Schön dumm auf soviel Potenzial und Erfahrung zu verzichten.

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  4. Traurig aber leider wahr 😔 Das kennen wir auch! Dabei ist es in meinen Augen sicherer, jemand einzustellen der/die 50 ist, als eine 25 jährige Person, die vielleicht nach 5 Jahren eine neue Herausforderung sucht. So hätte man für die nächsten 15 Jahre noch einen zuverlässigen Mitarbeiter…aber leider sehen das die Personalverantwortlichen anders 😔

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  5. Jahre voll widriger Umstände….das gesamte Hab und Gut verloren….raus aus dem alten Beruf….rein in…..keinen neuen….Umzug in eine total fremde Gegend um neu Fuss zu fassen….leben in einer unruhigen WG…..samt Lattenrost und Matratze auf dem Boden….den Traumjob gefunden….dazu auch prompt eine Wohnung…..mobbende Mitarbeiterin, die offensichtlich Angst hatte ihre Chefin an andere zu verlieren….Traumjob wieder verloren…..alles erlebt….Hardcore…puh….

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