Geboren um vermurkst zu werden

Die Arbeit mit Samtpfoten und Fellnasen ist schön. Manchmal ist sie aber auch zum Haareraufen! Man müsste meinen, dass mit der aktuellen Gesetzgebung die Tiere gut geschützt sind. Leider gibt es aber immer noch genug clevere und falsche Menschen, welche es fertigbringen, sich Tiere nur aus Eigennutz anzuschaffen. Oder noch viel schlimmer: Es gibt auch „Züchter“, die nur den Erlös aus einem Tier im Auge haben und die es danach einen Deut interessiert, was mit dem Tier ist. Von wegen „Ein Tier aus einer Zucht kaufen, damit ich die Sicherheit habe, es zurückgeben zu können, falls es nicht funktioniert.“

In einem seriösen Tierheim gibt es bei der Platzierung eines Tieres eine 2 – 4wöchige Probezeit, welche es dem neuen Halter ermöglicht, bei Problemen das Tier wieder zur Vermittlung zurückzubringen. Seriöse Züchter handhaben dies genauso, in der Regel einfach mit viel längeren Probezeiten (da es sich ja dort üblicherweise um Welpen handelt).

Aktuell habe ich aber gerade wieder einmal die Erfahrung machen müssen, dass sich nicht jeder Mensch der Verantwortung für ein Tier bewusst ist. Angefangen vom Züchter, über den neuen Besitzer bis hin zu einem Zweitbesitzer! Und so ist nun ein wunderschöner, knapp einjähriger Labrador im Heim gelandet, weil er ganz offensichtlich vom ersten Tag an vermurkst wurde. Er scheint zu meinen, er sei eine Schnappschildkröte. Klingt lustig, sorgt beim Spielen aber für jede Menge blauer Flecken. Gemäss Rückfragen hat er das in der Zucht schon gemacht und wurde nicht korrigiert. Man hat ihm ganz einfach Holzstück hingeworfen, um darauf rumzubeissen, wenn er nicht mehr wusste, wo er mit der überschüssigen Energie hin sollte. Klingt sehr nach Unterbeschäftigung. Der neue Besitzer fand diese Marotte auch nicht gerade erquickend und wurde ermuntert, doch mit dem Holz oder einem Beissspielzeug weiterzufahren, damit ihm sein Vierbeiner beim Spielen nicht unendlich viele Blutergüsse auf den Armen und Waden hinterlässt. Nach 7 Monaten wurde ihm dieses Spiel zu mühsam und er verkaufte den Hund weiter, weil die Züchterin ihn nicht mehr haben wollte.

Die neuen Besitzer hatten sich auf das schöne Tier gefreut, mussten aber nach 3 Wochen kapitulieren, weil die Frau beim Spiel derart üble blaue Flecken kassierte, dass sie Angst vor dem Tier bekam und sich schweren Herzens entschied, den Hund abzugeben. Ich habe mit der Züchterin Kontakt aufgenommen, um sie darüber zu informieren. Nicht genug, dass ich am Telefon angeschnauzt wurde – es folgte umgehend eine E-Mail, in welcher die Züchterin auf die Rücknahme des Tieres verzichtete und darum bat, das Tier doch zu vermitteln. Sie hätte keine Zeit und auch keinen Platz für den schönen Jüngling.

Ist das nicht eine wunderbare Hundelaufbahn? Da wird man in eine Zucht geboren, um nichts zu lernen und im Schnappen bestärkt zu werden. Dann wird man zweimal umplatziert, ohne gelernt zu haben, wie man es anders machen könnte um schlussendlich im Tierheim zu landen. Wie soll so ein Tier die Chance bekommen, vernünftig trainiert zu werden. Tiere werden nämlich nicht so geboren, sie werden so gemacht. Von wem? Von sich selbst überschätzenden Menschen, die nur den Eigennutz sehen. Und dabei könnte ich aus der Haut fahren!

Ich habe inzwischen auch ein paar Stunden mit dem hübschen Labrador gespielt, ermahnt, korrigiert und ihn geknuddelt – zwar mit zwei oder drei blauen Flecken, aber der junge Herr ist ein herzensguter Kerl, der einfach nie gelernt hat, dass Schnappen nicht zum Spielen gehört!

14 Gedanken zu „Geboren um vermurkst zu werden

  1. Wenn ich eins gelernt habe in den vielen Berufsjahren mit Tieren, dann, dass es so gut wie NIE am Tier liegt, wenn es „Verhaltensprobleme“ hat, sondern fast IMMER am Menschen. Nicht unbedingt an dem, der mich dann gerufen hat, aber an den vielen vorher, die zum Teil aus Unwissenheit, Dummheit oder auch Gleichgültigkeit gehandelt haben. Zum Glück ist der junge Labradorrüde noch erziehbar und so ein Fehlverhalten mit viel Geduld, Liebe und Training auch korrigierbar. Ich wünsche Dir, dass ihr das alsbald hinbekommt und er dann auch ein tolles Zuhause erhält, wo man Zeit und Lust hat mit ihm zu trainieren. Alles Liebe für ihn ❤

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