Digitale Welt

Der Fortschritt in den letzten 10 Jahren war so schnell, dass es sich anfühlt, als ob es hundert Jahre gewesen sein müssten. Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Ohne die drei Buchstaben WWW geht nichts mehr. Fast über Nacht wurde das Smartphone zur Pflicht, um nicht unterzugehen. Und damit meine ich nicht nur zur Accessoirepflicht, sondern zum erforderlichen Gegenstand für das tägliche angenehme (Über)Leben.

Reisen werden im Netz gebucht. Schnell und einfach. Kleider, Schuhe, Möbel, Kosmetik, Esswaren und Getränke – alles gibts im Netz. Schnell und einfach. Das gute alte Papierticket für die Bahn, das Parkhaus oder den Flug hat heute jeder auf seinem Smartphone. Und im Handel verschwinden immer mehr Artikel, die es inzwischen nur noch online gibt.

Es ist eine Tatsache, dass wir uns vor dem digitalen Fortschritt nicht verschliessen können und mitziehen müssen. Was aber ist mit jenen Dingen, bei welchen man die Wahl zwischen der alten konventionellen Art und der digitalen Variante nicht mehr hat? Jene Dinge eben, die es nur noch in der fortschrittlichen Version gibt?

Klar, ihr denkt jetzt bestimmt: Kein Thema, dann halt digital. Nun ja, ich denke das auch – aber denken das die 30-er und 40-er Jahrgänge auch? Jene Generation, die ohne Computer und ohne den digitalen Markt gross geworden ist. Was machen diese Menschen? Viele von ihnen haben gar kein Smartphone – bei ihnen ist das Handy mit den Knöpfen das höchste der Gefühle. Sie möchten gerne im Laden noch bedient und beraten werden. Sie brauchen Hilfe bei der Artikelauswahl und sie möchten die Parkuhr mit Münzen füttern – nicht mit der App auf dem Smartphone.

Schon mehr als einmal habe ich am Bahnhof älteren Menschen beim Lösen eines Tickets am Automaten helfen dürfen. Was, wenn gerade keine Hilfe zur Verfügung steht und sie ohne Ticket in den Zug einsteigen. Werden sie dann einfach gebüsst, weil sie vom digitalen Zeitalter überrollt werden? Oder wenn sie ihren Wagen an einer Strasse parken, wo nur noch per App die Parkgebühr bezahlt werden kann – müssen sie dann einfach die (gute alte) Papierbusse unterm Scheibenwischer in Kauf nehmen?

Alles was sich aus dem realen Leben ins Netz verlagert, wird für viele ältere Menschen einfach ganz verschwinden, weil sie nicht wissen, wie sie sich in dieser Welt bewegen müssen. Stehen da auch Hilfen bereit, oder vergessen wir diese Jahrgänge ganz einfach? Ich stelle mir gerade vor, wie ich mich fühlen würde, wenn ich morgen in einer Welt aufwache, in der ich mich einfach nicht mehr zurechtfinde. Ein unschönes Gefühl. Ich finde, für jeden digitalen (Fort)Schritt müsste eine menschliche Hilfe zur Verfügung gestellt werden. Sonst vereinsamen unsere Senioren bald in der digitalen Welt, weil sie sich nicht mehr aus dem Haus trauen. Das darf nicht sein!

17 Gedanken zu „Digitale Welt

  1. ich bin jetz auch schon in einem alter wo ich sagen muss das geht mir zu schnell und habe mühe mit manchen Dingen. Mich dünkt es schaade das der Kontakt mit anderen Leuten so verlohren geht!!! Das ist das wo einem Angst macht!!!

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  2. Meine Mutter geb.1935 besitzt ein Tablet, PC und Mobiltelefon.
    Sie ist körperlich nicht mehr so fit und kann nicht mal einfach in einen Laden laufen. Oder wenn, dann nur beschwerlich. Für sie ist diese Technik ein Segen sagt sie. Sie kann jeden Tag mit den auf der Welt verstreuten Kinder kommunizieren und muss nicht warten oder überlegen wann sie z.B. in USA anrufen kann.
    Und sie bestellt auch schon mal Sachen im Netz die ihr dann ein freundlicher junger Mann in die Wohnung bringt.
    Gestern hatte sie ein Problem mit dem Tablet und gerade kam eine Nachricht von ihr : Tablet funktioniert wieder..es hat wohl geahnt, dass es ersetzt werden soll😂

    Ich finde das alles sehr toll, aber es gibt eben Leute, mich eingerechnet, die schon mal hilflos sind und im Moment den ganzen Mist verfluchen weil sie ohne Hilfe nicht mehr weiterkommen und ich hoffe, dass ich noch lange in Läden und Reisebüros u.s.w gehen kann, sonst muss ich mir wieder einen Hund zulegen um noch andere Leute zu treffen..haha

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  3. Selbst mit 89er Baujahr fliegt die Digitalisierung nur so vorbei.
    Ich habe noch Teile eines alten PCs rumliegen: Festplatte mit 128mb, so groß wie manch‘ Küchenbrett.
    Dann kommen Kryptowährungen, neue Banken (z.b. n26 und Konsorten), selbst Wäsche kann per App abgeholt und gewaschen zurück gebracht werden, AI und KI werden immer weiter entwickelt… Der Mensch schafft sich selbst ab. 😂
    Ich verfolge die Technik-News stets und hoffe insgeheim, dass die Blase irgendwann platzt und wir wieder zu Rauchzeichen & (größtenteils) autarker Versorgung übergehen 😍 ernsthaft 😂✌

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  4. Du kannst die 50er Jahrgänge gleich einschliessen. Mir graust davor, die Schweiz zu besuchen – genau aus diesem Grund. Wo ich wohne (in Nordontario), kann ich ein Smartphone nur bedingt benutzen, weil ich oft keinen Empfang habe (zuhause schon gar nicht) und es hier zudem schweineteuer ist. Wir kommen um eine Telefon-Landlinie (oder wie heisst das auf deutsch schon wieder…?) nicht herum und mussten uns kostenmässig entscheiden. Genau deshalb würde ich bei einem Besuch in der Schweiz oft wie der Esel am Berg dastehen bei dieser übermässigen Digitalisierung.

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  5. Ich bin auch schon älter und hab damit keine Probleme. Ich habe ein Smartphone, ein Tablet, mehr als einen Laptop und einen e-reader. Älter wird jeder und man kann alles lernen wenn man es will. Viele wollen ja nicht.
    Ich bin 1949 geboren.

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  6. Jahrgang 1942! Freue mich an PC und Smartphone, aber stehe auch manchmal wie der Ochs vor dem Berg! Parkgebühr mit Kreditkarte ist auch so ein Ding. Will ich einfach nicht! Und habe so ein Kärtchen auch nicht! Online einkaufen will ich nur wenn es mit Rechnung geht und auch dies so wenig wie nötig. Ich möchte einfach die Ware sehen und fühlen! Ist dies so abwägig? Jedenfalls brauche ich nicht oft zur nicht mehr im Dorf anwesender Post zu gehen und ein unbefriedigender Artiker zu retournieren!

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  7. In der Tat, die www Welt rast davon.
    Die Erwartung an die 30er 40er ist auslaufend…… nach dem Motto, wer sich noch bewegen mag , geistig wie physisch, ist dabei…die anderen müssen eben Hilfe holen, wenn sie sich sozial integrieren wollen. Traurig traurig traurig
    …oder gibt es auch ein Integration Fond, Gelder, um unsere Oldies nicht auf dem
    Abstehgleis stehen zu lassen😲?

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