Schnee??? Schnee!!!

Gespannt höre ich der Radiomoderation auf SRF zu und denke: „Unfälle ohne Ende – warum?“ Manche scheinen es jedes Jahr aufs neue lernen zu müssen. Wir sind nicht nur das Land mit den Banken, den Kühen, der Schokolade und den Bergen … wir sind auch das Land mit dem Schnee. Und der kommt im Winter NIEMALS überraschend. Man könnte es aber in jedem neuen Winter meinen.

Herr und Frau Schweizer rutschen schneeuntauglich über die Strassen und sind erstaunt, dass das weisse Etwas ihnen das Leben schwer macht. Das ist fast so, als ob sich ein Nigerianer in der prallen Sonne über seine dunkle Haut wundert.

Jedes Jahr dasselbe Lied – und jedes Jahr nach dem ersten Carrosserieschaden schnell noch Winterpneus aufziehen. Und dann vor dem Einkaufsladen lautstark losdonnern, dass dieser überraschende Schnee nun schuld ist am eigenen Fehler.

Also nochmal für jene, die es immer noch nicht gecheckt haben: Der Schnee gehört zu unserem Land und ist inzwischen leider so selten, dass ich mich immer freue, wenn er denn nun endlich mal da wäre. Die weisse Zeit ist kurz genug – also hört auf zu motzen. Und wenn ich mir einen Carrosserieschaden hole, dann liegt es definitiv nicht am bösen Schnee, sondern daran, dass ich entweder mein Auto nicht im Griff hatte, die Sommerpneus mich schlitteln liessen oder dass die Kälte die Strasse in eine Eisbahn verwandelt hat. Da kann der Schnee auch nichts dafür.

Wie gerne erinnere ich mich an jene Zeit zurück, als wir morgens zuerst mit Mama und Papa die Garage freischaufeln mussten, weil wir anders gar nicht mehr an unser Auto kamen. Manchmal lag der Schnee über Wochen und es war alles eine Stufe langsamer. Wunderbar!!!

Ich wünsche mir nur einmal einen solchen Winter zurück – für all die Kinder da draussen, die das nie erlebt haben.

Let it snow! 🙂

Totgesagte leben länger …

… oder wie man sich mit einer Schockdiagnose und dem Wort „unheilbar“ vier Jahre erkämpft.

Jap, genau vier Jahre ist es her, seit ich im Wartezimmer der Röntgenabteilung des Krankenhauses auf meinen Göttergatten wartete – und stattdessen von einem Arzt abgeholt wurde, der mir auf dem Korridor verkündete, dass es um meinen Mann ganz schlecht stehe und er noch nichts davon wisse. „Am besten informieren Sie ihn darüber, dass wir einen bösartigen Tumor gefunden haben; erfahrungsgemäss ist es besser, wenn das die nächsten Angehörigen machen.“

Ich weiss noch, wie um mich herum alles auf einmal ganz schummerig war – ich hatte das Gefühl, zu fallen … und keinen Boden mehr zu finden. Und ich war so unter Schock, dass ich dem Mann im weissen Kittel glaubte, was er mir damals gesagt hat. Heute weiss ich, dass er mir damit die grösste Bürde aufgeladen hat, die man einem Menschen nur aufladen kann. Und es sollte nicht die einzige bleiben …

Ich bin damals im Blindflug nach Hause gefahren, um all wichtigen Sachen für meinen Göttergatten zu holen … schliesslich hat man uns gesagt, dass er womöglich nie wieder nach Hause kommen würde. Und ich habe seither bei jeder gefährlichen Operation – bei jedem kritischen Vorfall – bei allen Eingriffen innerlich immer wieder versucht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich möglicherweise ohne ihn nach Hause fahre.

Ich weiss, dass der Tag kommt … aber bislang kam er nicht – und wir kämpfen immer noch Seite an Seite um jeden guten Tag 🙂 Wir sind in den vier Jahren um so viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden, die wir damals nicht für möglich gehalten hätten. Man hat uns so viel prophezeit, und der Göttergatte hat genauso viel widerlegt!! Er hat seine eigene Statistik geschrieben – und auch wenn er morgen gehen müsste … er hat so verdammt viel geschafft, was kein Mediziner erklären kann. Wir waren unzählige Male noch in unserem geliebten Hamburg, wir sind durch Marokko gereist, er hat seinen Mustang mit Hilfe von Freunden restauriert, wir haben einen Neubau erstellt und wir sind die stolzesten Grosseltern unserer kleinen Zuckermaus geworden.

Leider hat uns nun Covid dazu gezwungen, die noch offenen Pläne zu begraben … aber auch wenn wir nun ziemlich „isoliert“ leben, so leben wir eben noch – GEMEINSAM! Wär hätte das damals gedacht? Ich nicht!

Wir hatten in den vier Jahren viel Zeit, um uns über alles, was nach dem Tod kommt, Gedanken zu machen. Und wir hatten auch genügend Zeit, um alles zu organisieren, was man gerne vor sich herschiebt, weil es unangenehm ist. Und diese Zeit haben wir uns erkämpft – gemeinsam, als Familie … und er als stiller Statistikverfälscher!!!

Egal was kommen mag: Lasst euch niemals von Statistiken einschüchtern … versucht, eure eigenen zu schreiben und … wenn der letzte Tag kommt, dann ist er da. Aber alle anderen Tage sind nicht die letzten und wollen gelebt werden. Im übrigen wissen wir zum Glück alle nicht, wann unser letzter Tag kommt, und das ist gut so. Wir haben gelernt, im Hier und Jetzt zu leben … denn morgen kann schon alles vorbei sein. Den gesunden Menschen ist das leider viel zu wenig bewusst. Geniesst jeden Tag, als ob es euer letzter wäre … dann lebt ihr 🙂

Bleibt gesund!

Covid-Frisuren …

… oder wenn das Tochterkind und ich uns abends spät bei schlechtem Licht im Wintergarten gegenseitig die Haare schneiden.

Wir sind vorsichtig, sehr vorsichtig – deshalb vermeiden wir aktuell auch den Gang zum Friseur. Unsere Haare wollen aber einfach nicht kapieren, dass sie während einer Pandemie im Winter nicht wachsen sollen. Also gibt es zwei Möglichkeiten: Wie ein Höhlenmensch durch die Wälder streifen, oder selber die Schere schwingen. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Okay – solche Aktionen sind nichts für Frauen, die schon bei einem hellen Strähnchen eine Krise schieben. Auch nichts für Frauen, die sich über ihre Frisur definieren und erst recht nichts für Frauen, die „mimimi“ machen, wenn der Friseur einen Millimeter zu kurz abgeschnitten hat.

Haar-Rowdys wie das Tochterkind und ich sind aber relativ schmerzfrei, wenn es um unseren Kopfschmuck geht. Sie ist mit der Dompteuse angerückt und hat mich quasi bereit gemacht für den Eintritt in die Armee – 6mm … und auch die sind nicht ganz so regelmässig, wie wir uns das gewünscht hätten. Das haben wir aber erst im guten Licht des Badezimmers vor dem Spiegel gesehen … und uns dabei schlapp gelacht. „Das muss so, Mama … bestimmt sieht es nach dem Duschen besser aus!“ Klar, Haare wachsen beim Duschen regelmässig dort nach, wo man zuviele davon wegrasiert hat …

Ich bin natürlich hochprofessionell wie ein Figaro mit der Schere an ihrer Langhaarfrisur zu Werke gegangen. Meine Güte, hatte das Kind immer schon derart viele Haare? Ich hatte das Gefühl, ich schneide ein Kilo weg und sie fand immer noch, dass da noch etwas geht. Dann habe ich – man ist ja schliesslich mutig – wie ein Profi mit der Schere einfach so ein bisschen in die Haarepracht rein geschnippelt – wild durcheinander, damit es nicht zu regelmässig aussieht (als ob diese Gefahr im Düsteren spät abends jemals bestanden hätte)! Zu meinem grossen Erstaunen fand sie es selbst bei Licht vor dem Badezimmerspiegel nicht so schlecht. Mal schauen, ob sie das auch noch findet, wenn sie morgen früh das erste mal bei Tageslicht ihre Frisur sieht!

Fakt: Es war saulustig, wir nehmen Haare nicht so ernst und – sie wachsen ja wieder nach. Und ihr so? Auch schon covidmässig frisiert?

Zwei kleine Hände …

… die in Richtung Zukunft zeigen! Das ist unsere Enkelin. Sie zeigt in die Luft und schreit begeistert „gugg“, wenn sie eine Krähe sieht. Sie liebt Vögel. Sie liebt grundsätzlich das Leben und quietscht freudig bei Dingen, die wir ohne sie nicht einmal wahrnehmen würden. Und dann fällt mir ein:

Covid, Attentat, Trump und weitere negative Schlagzeilen ohne Ende und die kleine Maus weiss davon noch nichts – zum Glück. Sie zeigt uns, dass es dort in Richtung „gugg“ eine Zukunft gibt. Wie die aussieht, wissen wir alle nicht – wieder zum Glück. Aber es geht weiter … für die einen besser, für die anderen schlechter. Tatsache ist aber, dass uns die kleinen unverdorbenen Menschlein zeigen, was die meisten von uns verlernt haben: Es geht auch dann weiter, wenn wir am liebsten aussteigen würden; wenn wir alles schwarz sehen; wenn wir keine Ahnung haben, wie das funktionieren soll; wenn es ausweglos scheint. Und das Wunderbare an diesen kleinen Menschenkindern ist, dass sie dabei Strahlen können, Lachen können, die Vögel, die Schnecken und die raschelnden Blätter im Wald sehen und sich darüber so sehr freuen können, dass einem warm wird ums Herz.

Und genau für diese Windelbrigade lohnt es sich, das Lachen nicht zu Verlieren! Die Freude im Herzen zu behalten – auch wenn es vielleicht im Moment nur die Freude über die Raschelblätter im Wald ist. Oder die zwei Krähen, die sich um die Baumnuss streiten und sie dabei verlieren – auch das ist Freude … in meinem Fall Schadenfreude, aber egal!

Warum ich das schreibe? Eingefallen sind mir diese Zeilen, weil mir auffällt, dass auf meinen Streifzügen mit klein Ellie die Begegnungen mit anderen Menschen oft sehr kühl vonstatten gehen. Kein Lächeln, kein wärmender Blick … eher den Kopf zum Boden gesenkt und hoffend, dass man nicht grüssen muss. Warum? Mir ist wahrlich mehr als genug nicht zum Lachen zumute – aber ich grüsse und lächle euch zu, auch wenn ich lieber heulen würde. Wenn wir das alle versuchen würden, wäre dann nicht zumindest das Gefühl in der Seele in kleines bisschen besser. Und die harten Zeiten liessen sich einfacher überstehen, als wenn alle mit einem „Lätsch“ durch die Weltgeschichte gehen.

Wenn ihr denkt, dass ihr das nicht könnt – dann erinnert euch doch an die kleinen Erdenbürger … tut es für sie! Ihre Zukunft findet statt und wäre um einiges schöner, wenn sie das Lachen nicht verlernen müssten, nur weil wir alle im Moment von Schreckensnachrichten dominiert werden.

P.S.: Man beansprucht übrigens weit weniger Muskeln im Gesicht wenn man lächelt, als wenn man mürrisch guckt … 🙂

Waldbaden

Kennt ihr den Begriff Waldbaden inzwischen auch? Überall wird er propagiert und es wird über dieses offenbar gesunde Ritual berichtet, was das Zeug hält. Es gibt sogar Kurse im Waldbaden. Die Bilder, die ich dazu in meinem Kopf habe, erspare ich euch …

Ich spaziere mit meiner Hündin bekanntlich regelmässig durch den Wald – und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich keinerlei Veränderungen an mir feststelle.

Jetzt habe ich mir das Waldbaden bildlich vorgestellt: Ich rolle mich in den nassen Blättern, umarme die Bäume, setze mich in den Waldbach und knutsche mit der Tanne. Resultat: Ich bin pitschnass, schmutzig, habe 4 Zecken und eine Blasenentzündung. (Ja ich weiss, ich sollte dringend den Kurs machen.)

Das würde bei mir genauso passieren. Aber ich weiss natürlich, dass mit Waldbaden nicht meine bildliche Variante gemeint ist. Vielmehr sollte es dabei darum gehen, den Wald mit seinen Geräuschen, Gerüchen und Farben mit allen Sinnen auf sich wirken zu lassen. Das soll das Immunsystem stärken und gut für das Nervensystem und den Hormonhaushalt sein.

Da funktioniert bei mir schon wieder etwas nicht richtig: Wenn ich mit kleine Ellie durch den Wald streife, sind meine Wallungen genauso aktiv, wie sie das sonst auch sind. Hormonhaushalt??? Warum nur will sich bei mir dieses Aha-Gefühl nicht einstellen, wenn ich im Wald bin? Ich bin wohl einfach zu pragmatisch und zu wenig feinfühlig … obwohl das sonst so gar nicht so ist. Aber ich sehe nur Bäume, Sträucher und Blätter – ich habe anschliessend dreckige Schuhe und klein Ellie läuft auf lieber auf dem Weg als durch die Pampa zu schnüffeln … wir sind also ganz offensichtlich ein waldresistentes Duo!

Ich laufe viel lieber, wo ich in die Weite blicken kann … wo mir hin und wieder jemand begegnet und man ein Schwätzchen machen darf … wo ich nicht nur Bäume vor mir stehen habe. Tannen und Schluchten haben so etwas Gruseliges: Sie sind gross, bäumen sich vor mir auf, packen mich ein und scheinen mich erdrücken zu wollen. Also das mit dem Waldbaden wird bei mir auch nichts.

Ich versuche mich mal am Witi-Hüpfen – vielleicht bringt mir das mehr, wer weiss …

Soviel Energie für nix …

Eigentlich habe ich gedacht, ich würde nie wieder zum leidigen Thema COVID19 schreiben – aber ich komme nicht drum herum! Warum? Weil die Nörgler, Motzer und Besserwisser mir so derart auf den Senkel gehen – ganz einfach darum!!! Irgendwo muss der Frust ja raus … und bevor ich mir die Haare raufe, schreibe ich hier, was ich denke.

Ich lese gerne, sehr viel und sehr gezielt. Die sozialen Medien machen dabei einen grossen Teil meines Lesebedarfs aus, weil auch die Zeitungen und die Fachartikel inzwischen dort aktiv sind. Aber eben nicht nur sie: Auch die hochintelligenten Kommentatoren, die ihre Fachprofessur auf COVID19 in den letzten Monaten absolviert haben, tummeln sich auf diesen Plätzen. Und die Aktivisten für und gegen Irgendwas … die Maskengegner, die Politwissenschaftler mit ihren selbstgebastelten Diplomen und was es da noch so alles gibt.

Wenn ich mir schon alleine bei den Masken überlege, was da an Energie in die Welt hinaus geschossen wird, um sich darüber zu ärgern und die Regeln in Frage zu stellen, dann könnten unsere Kraftwerke allesamt den Dienst einstellen und wir hätten genügend Motzenergie bis in alle Ewigkeit. Vermutlich würde es in jedem zweiten Haushalt die Sicherungen raushauen, bei soviel negativer Energie! Highlife also für alle Elektriker …

Echt jetzt, Leute – euch fällt allen kein Zacken aus dem Gebiss, wenn ihr einfach diesen Mund- und Nasenschutz anzieht und aufhört, ständig zu motzen. Es gibt da draussen unfassbar viel Pflegepersonal, dass das seit Jahren tagtäglich zu eurem Schutz tut, wenn ihr Pflege nötig habt. Wenn die soviel Zeit mit Motzen und Jammern verbringen würden, dann hätten wir akuten Pflegenotstand.

Für alle, die es immer noch nicht begriffen haben: Mit der Maske in eurem Gesicht schützt ihr euer Umfeld, nicht euch!!! Euer Umfeld schützt euch, indem es dasselbe tut. Es nützt also nichts, wenn ihr immer wieder argumentiert mit: Ich habe keine Angst vor Covid19, ich brauche die Maske nicht. Euer Gegenüber hat nämlich möglicherweise grosse Angst – ist möglicherweise ein Risikopatient – wäre möglicherweise froh um Rücksichtnahme – und möglicherweise wäre es nicht mehr als anständig, sich jetzt ENDLICH nicht mehr wie ein trotziger Knirps im Sandkasten zu verhalten.

Die Schweiz hat ein verdammtes Luxusproblem: Wir sind es nicht gewohnt, uns an Auflagen zu halten. Wir stellen diese in Frage, demonstrieren, motzen, schreien, begehren auf und haben das Gefühl, man klaue uns unsere Freiheit! Blödsinn!!! Was mir an den vielen Motzern auffällt ist, dass es oft jene sind, die im Alltag kaum auf etwas verzichten und weiterleben, wie vor COVID19.

Ich bin eine kritische Menschin mit nicht schlechter Bildung – ich hinterfrage, lese, höre zu, vergleiche und hirne. Aber in Zeiten einer globalen Pandemie käme es mir nicht im Traum in den Sinn, soviel Energie in den Widerstand gegen Regeln zu investieren. Meine Gedanken sind nämlich auch hinter diesem Stöffchen oder Papierchen frei. Und selbst meine kleine Enkelin hat sich schon lange daran gewöhnt, dass man sich die Hände desinfiziert und dass ihre Eltern und Grosseltern Masken tragen, wenn sie einkaufen gehen. Sie ist 1 1/2-jährig und nimmt die neue Normalität einfach an. Tut das doch bitte auch – diese Normalität könnte nämlich künftig zu unserem Leben gehören – ob euch das passt, oder nicht! Und der kleine Kollege COVID interessiert sich einen Deut für euer Gezeter …

Das Wandern ist des Müllers Lust …

… wie gut, dass ich nicht Müller heisse!

2020 – Jahr der absoluten Ausnahmesituationen schlechthin. Darauf muss ich wohl kaum mehr besonders eingehen. Aber: Es ist auch das Jahr der Wandervögel! Müllers, Meiers, Kunzes – ganz egal wie sie alle heissen … ES WIRD GEWANDERT, dass sich die Tannen biegen. Früher war ja im Sommer das Internet voll mit Ferienbildern von den schönsten Meerdestinationen der Welt. In diesem Jahr gibt es wohl kaum eine Tanne, einen Baum oder einen Strauch, der es nicht per Foto ins Facebook geschafft hat. Von den Bergspitzen ganz zu schweigen. Ich gucke mir die Bilder immer an und denke: Die waren wohl auch wieder am selben Ort wie die letzten 369 …

Jap, ich kann dem „Latschen durch die Walachei“ einfach nichts abgewinnen. Ich habe es ein paarmal versucht und war jedesmal frustriert und nur am Schimpfen. Ich habe mehr Energie fürs Jammern und Fluchen verpufft, als fürs Wandern! Bei mir war das so nach dem Motto: „Baum, Baum, Baum, Strauch, Strauch, Tanne, Tanne, noch mehr Tanne … Berg … Stein … WANN SIND WIR ENDLICH DA???“

Wenn ich mir die Bilder anschaue, dann denke ich: Warum sehe ich das Wunderbare nicht, von welchem alle so schwärmen? Warum habe ich noch NIE im Leben morgens den Drang verspürt, die Natur per Wanderschuh zu begehen? Es ist ja nicht so, dass ich das Gefühl nicht kennen würde. Schliesslich musste ich als Schulkind die absoluten Horrorwanderungen mit der Schulklasse absolvieren – unserer Lehrer war DER Wanderfreak schlechthin und hat uns mit militärischen Massnahmen über alle Juraketten gescheucht! Tränen waren Pflichtprogramm – von den Blasen an den Füssen gar nicht zu reden.

Und jetzt, mit 53 Jahren ist es nach wie vor so, dass ich Wandern einfach nur doof finde. Ich weiss nicht einmal, ob wir mit unseren Kindern je einmal gewandert sind. Ich glaube nicht. Wir sind Ski gefahren, sind geschlittelt, haben gebadet, sind Fahrrad gefahren oder waren auf der Schlittschuhbahn – wir haben Nüsse gesammelt und bemalt und waren viel unterwegs … aber gewandert? Ich muss sie mal fragen – aber ich würde eher sagen: Nein, haben wir nicht gemacht.

Ja, auch im Jahr der Wanderungen in unserer Schweiz habe ich mal wieder den Trend nicht mitgemacht und habe mich gegen alle Formen der kreativen Bergbegehungen erfolgreich gewehrt. Frau Jäggi wird irgendwann von dieser Welt gehen, ohne die Berge mit Namen gekannt, geschweige denn bezwungen zu haben.

Schlimm mit mir …

Ja was denn nun … ?

Alle, die regelmässig meine Beiträge lesen, fragen sich in letzter Zeit, warum ich kaum noch schreibe. Nun ja: Worüber soll ich schreiben? Es wird zunehmend schwieriger, in einer Zeit, in der man täglich dasselbe erlebt, Geschichten schreiben zu können. Der kleine Covid hat ja dafür gesorgt, dass die Abwechslung in unserem Leben nicht mehr existent ist. Und es ist leider nicht sehr spannend, wenn ich euch erzähle, wie ich dem Gras beim Wachsen zuschaue. Zumal ich beinahe jeden Grashalm mit Namen kenne.

Ich wache regelmässig morgens auf denke: Und was wird aus diesem Tag? Mal wieder ein bisschen Nichts, gefolgt von ein wenig Nichts und abschliessend noch ein kleines Bisschen Nichts. Bei Risikopatienten beschränkt sich der Lebensradius gewaltig und da gehen einem über kurz oder lang die Themen aus. Man erlebt nämlich täglich dasselbe. Einzige Ausnahme: Das Enkelkind! Sie sorgt dafür, dass immer was anderes auf dem Plan steht … wenn auch leider nicht selten mit ihren absolut fernsehreifen Stürzen! Mal beisst sie sich die Lippe durch, mal hechtet sie im hohen Bogen ins Metallbein des Salontisches und … lässt sich einen zweiten Kopf wachsen. Das über alles geliebte Kind ist eine Überlebenskünstlerin … ich habe das Gefühl, dass normale Menschen schon lange tot sein müssten, wenn sie sich derart den Kopf schlagen.

Jap, das wars dann aber auch schon mit den News aus dem Leben der Jäggis. Ich versuche zudem verzweifelt, mich nicht auch noch ständig dem Covid-Thema zu widmen, das tun schon andere genug. Mehr als genug! Ich gucke nicht mal mehr die Nachrichten.

Man sagt doch eigentlich: Füll das Leben nicht mit Zeit, fülle die Zeit mit Leben! Jap, wie wahr. Bloss, wie macht man das, wenn da überall diese Schranken sind? Nicht immer einfach, meine Lieben – deshalb sind auch meine Geschichten sehr viel weniger geworden. Stattdessen male ich Steine wie eine Irre und lege sie in der Weltgeschichte beim Spazieren aus, damit andere Menschen sich darüber freuen können. Ihr möchtet auch mitmachen bei dem Spiel? Dann tut das … auf Facebook „CH Rocks Original“ …. jeder kann mitmachen, der sich an die Regeln hält 🙂 Würde mich also „schaurig“ freuen, euch dort wieder zu entdecken. Hier ein kleiner Auszug meiner letzten Malereien:

Helfersyndrom

Kennt ihr dieses Phänomen, wenn man ständig das Gefühl hat, allen helfen zu wollen? Ich kenne es – leider. Man kann es soziale Ader nennen, man kann es aber auch totale Blödheit nennen. Wenn mir jemand sein Leid erzählt, habe ich das dringende Bedürfnis, augenblicklich helfen zu müssen. Meine Mutter sagt, ich sei schon als Kind so gewesen. Schon in der Schule war ich offenbar der Kummerkasten für alle Welt. Und schon damals bin ich davon ausgegangen, dass ich niemals betrogen werde. Für mich war immer klar, dass die Menschen mir so begegnen würden, wie ich ihnen begegne. Und dass sie froh sein werden, wenn ich helfe. Dankbarkeit war niemals das, was ich erwartet habe. Aber halt Freude und Fairness!

Nun ja: Im Laufe meines Lebens habe ich schon ein paarmal eine Schramme eingezogen mit meinem Helfersyndrom. Man läuft damit nämlich Gefahr, furchtbar ausgenutzt zu werden. Und selbst wenn ich gewarnt werde, sehe ich es oft erst ein, wenn mir die Nase blutet. Ja, mein Umfeld (Familie und enge Freunde) sehen es nicht selten kommen, und wollen mich davor schützen. Und was tue ich? Ich bin mir sicher, das Richtige zu tun (Helfen kann doch nicht falsch sein) und renne mit 180 km/h in den nächsten Hammer.

Zum Glück sind die meisten Menschen fair und dankbar – aber es gibt leider auch die Ausnahmen, und die schmerzen halt, weil sie Energie fressen, die sie nicht verdient haben.

Nun bin ich 53 Jahre alt und man sollte meinen, ich müsste es gelernt haben. Aber nein, ich bin erneut mit Vollgas … ihr wisst schon! Und nun kommt das böse Erwachen und die Frage: Warum verdammt nochmal habe ich es nicht gemerkt? Oder anders gefragt: Wie kann man so verschlagen sein, jemanden so an der Nase rumzuführen und dabei noch ruhig schlafen zu können?

Dann frage ich mich: Würde ich es JETZT endlich anders machen? Vermutlich nicht, weil ich einfach so bin, wie ich eben bin. Ich gehe nicht immer zuerst vom Schlechten im Menschen aus. Aber ich werde künftig lernen müssen, alles zuerst dreimal zu hinterfragen. Auch die vermeintlich liebsten Engel können leider einen Teufel in der Brust haben. Ich werde es zwar nie kapieren … aber die Bedeutung der „zwei Gesichter“ oder aber „zwei Seelen“ bekommt eine ganz neue Tragweite. Es gibt sie tatsächlich, die Menschen mit den zwei Gesichtern. Und Menschen mit einem Helfersyndrom laufen Gefahr, diesen Menschen ins offene Messer zu laufen.

Ob mich das sauer macht? Oh ja – und wie! Zuerst traurig, dann richtig wütend! Und dann fasse ich mir an den Kopf und sage zu mir selber: „Wie zum Teufel konnte ich wieder so dumm sein!“