Gwen und Ellie

Kennt ihr sie auch, die Geschichten mit den Menschen oder Tieren, welche Sprechblasen mit Aussagen gefüllt über den Köpfen haben? Meist sind es Comics … oder Kindergeschichten. Bei uns sind es seit neustem Zwiegespräche, welche unsere Enkelin und unsere Hündin führen. Wohlverstanden: Imaginäre, in Omas Kopf entstandene Zwiegespräche:

In aller Regel bin ich die Verursacherin dieser Zwiegespräche, weil ich das kleine Bündel Herzmensch nicht einfach angucken kann, ohne es zu knuddeln, zu herzen und rumzutragen. Und damit setze ich den Trigger für das Ganze. Ellie kommt nämlich wedelnd angedüst und steht an meinem Bein hoch:

Ellie: „Zeig mal her das Ding da?“
Ich bücke mich mit Gwen im Arm und zeige ihr die Kleine.
Ellie schnüffelt kurz und dann: „Oh Mann, schon wieder sie?“
Gwen blinzelt und denkt: „Cool, kann man Dich an den Haaren ziehen?“
Ellie kratzt intensiv an meinem Bein: „Könntest Du das Ding wieder weglegen? Es stört!“
Gwen so: „Grins, grummel … es ist soo schön am Omas Busen.“
Ellie: „Dir ist schon klar, dass ich schon Jahre vor Dir hier den Thron erobert habe?“
Gwen quietscht vergnügt und schlägt versehentlich beim Muskeltraining ungefähr sieben mal auf Ellie’s Nase.
Ellie: „Ich geh hier nicht weg, das kannst Du vergessen. MEIN PLATZ!“

Ich setze mich mit der kleinen Lieblingsmenschin aufs Sofa und … ZACK … ist Ellie auch da!

Auf meinem Busen liegt Gwen, 20 Zentimeter tiefer liegt Ellie … bündig! Es ist nicht so, dass das Sofa zu wenig Platz hätte … es muss BÜNDIG zu Gwen sein … geht nicht anders!

Ellie seufzt so laut, dass man ein schlechtes Gewissen bekommt. Ich streichle also gleichzeitig das Kind UND den Hund. Man will ja keine Eifersucht provozieren.

Ellie verdreht die Augen: „Früher war das intensiver – so unter uns! Könntest Du das Ding mal weglegen?“
Gwen lächelt sie an und findet das wedelnde Schwänzchen witzig.
Ellie: „Ja klar, lach Du nur … Du hast ja auch wieder die Poleposition. Gleich kommen die bestimmt auch wieder mit Deinem Futter, und ich bekomme nichts davon!“
Ich stehe mit dem Minimenschen vom Sofa auf, um die Wickelunterlage bereitzulegen und … ZACK – liegt Ellie drauf. Ich versuche sie beseite zu schieben. Kennt ihr das, wenn ein 7-Kilo-Hund sich so schwer machen kann, dass er sich wie 70 Kilo anfühlt. Und dabei guckt Ellie, als ob ich sie mit der Peitsche schlagen würde.

Ellie: „Tja, nun liege ich hier. Euer Problem!“
Ich lege Gwen daneben und die strampelt und hampelt vor Begeisterung, sodass Ellie wieder diverse Minihiebe kassiert. Aber sie bewegt sich keinen Millimeter weg.
Ellie: „Ha, schlagen ist auch kein Argument – ich bleibe hier! Mir egal!“

Und wer nun denkt, dass Ellie aus lauter Eifersucht böse zu Gwen sein könnte … vergesst es! Sie bestraft MICH mit traurigen Blicken, depressiven Anfällen, lauten Seufzern und Futterverweigerung! Bei Gwen ist sie die grosse Aufpasserin. Wer es wagt, dem kleinen Bündel Mensch ungefragt zu nahe zu kommen, der wird angeknurrt und totgebellt. So!

 

Am 14. Juni ist Frauenstreiktag …

… und ich gehe nicht hin!

Ich weiss, das macht nichts – eine mehr oder weniger ist total egal! Aber ich finde es absolut unemanzipiert, wenn Frauen mit Plakaten und Spruchbannern durch die Strassen gehen und für ihre Rechte kämpfen. Jaja, ich weiss, damit mache ich mich nun seeeehr unbeliebt … aber ich bin emanzipiert genug, um damit umgehen zu können.

Gleiches Recht für Mann und Frau – oder nein, sorry: Für Frau und Mann! Ja, ich bin ja auch dafür, dass Frauen für die gleiche Arbeit gleichviel Geld verdienen wie Männer. Da muss man halt bei der Jobauswahl besser hinschauen: es gibt nämlich unendlich viele Unternehmen, in welchen das schon lange Usus ist. Und dieses Gleichberechtigungsgedöns hat sowas Abstossendes an sich. Die Natur hat es nunmal so eingerichtet, dass wir Frauen die Kinder bekommen. Also sind wir per se schon mal nicht wie die Männer. Die Natur hat es auch so eingerichtet, dass wir über weniger Muskelmasse und Kraft verfügen. Die Natur hat es zudem auch so vorgesehen, dass die Denkweise einer Frau sich von jener eines Mannes unterscheidet. Man sagt ja nicht vergeblich, dass Frauen von der Venus kommen und Männer vom Mars!

Ich glaube, dass die Natur das schon gut gemacht hat, denn sonst wären wir schon lange ausgestorben. Und ich finde auch, dass wir eher aufpassen müssen, dass sich nicht schon bald die Männer per Streik wieder emanzipieren müssen … wehe nämlich, wenn ein Mann ein Mann ist. Dann wird er inzwischen schon fast an den Pranger gestellt, weil er zu wenig weibliche Attribute hat.

Echt jetzt, liebe Frauen: Glaubt ihr, dass die Männer euch bewundern, wenn ihr auf die Strasse geht? Glaubt ihr, dass sie euch dann ernster nehmen, als ihr im Moment offenbar das Gefühl habt (ich habe dieses Gefühl nämlich ganz und gar nicht)? Ich glaube ja eher, dass sie euch belächeln und ihr euch damit ins eigene Fleisch schneidet! Ich habe mich immer ernst genommen gefühlt, weil ich auch als Frau hinstehen und sagen kann, wenn ich etwas nicht in Ordnung finde. Auch die männlichen Gegenüber haben das bislang immer verstanden. Und ich muss mir auch nicht per Massendruck Gehör verschaffen … man hört mich auch sonst!

Jeder definiert die Emanzipation wohl anders … aber heutzutage scheint es in Mode zu sein, dass man für alles auf die Strasse geht. Bitzeli peinlich …

 

Von Mensch auf Depp in 2 Sekunden …

… das schafft nur Gwendolin.

Für alle, die neu mitlesen: Gwendolin ist seit knapp 2 Monaten unsere Enkelin. Ein Menschlein, das wir so sehr lieben, dass man es nicht beschreiben kann. Und ein Menschlein, welches es schafft, dass ich all meine Vorsätze über Bord werfe.

Ich habe immer über alle Erwachsenen gelacht, die sich mit Tüdelüüü und Babysprache zu Volldeppen machen. Verständnislos habe ich immer den Kopf geschüttelt und gesagt: „Wie kann man nur?“

Jap – ihr ahnt es: Ich mache mich täglich gefühlt 100 mal zum Volldeppen! Ich lese die Zeitung, spreche mit dem Göttergatten in normaler und vernünftiger Tonlage und zivilisierter Sprache … bis unser Tochterkind mit Gwendolin im Wohnzimmer erscheint und … ich mutiere zu einer total bescheuerten Oma. Meine Stimmlage düst steil in die Höhe … ich quieke wie ein Meerschweinchen und ich spreche mit Gwendolin, als ob ich total am Verblöden wäre. ICH – die alle verurteilt hat, die sich in so bescheurter Weise mit einem Baby unterhalten. Keine Ahnung, was mit mir passiert ist … aber ich schaue Gwendolin an, mein Herz geht auf und meine Hirnsynapsen ganz offensichtlich zu!!!!

Ich habe kürzlich ein Handyfilmchen gedreht, wie ich mit Gwendolin spiele und spreche und wie sie mitfiebert und „antwortet“ …. und das Tochterkind meinte: „Mama, spiel jetzt das Filmchen mal für Dich ab und hör Dir zu … dann weisst Du, was wir hier alle mitmachen müssen!“

OMG!!! Von Mensch auf Depp in 2 Sekunden. Was muss das Kind von mir denken?

Ich bin verliebt in ihre wachen Äuglein, ihr süsses Mündchen, ihre knuffigen Speckröllchen, ihre Füsschen, ihre Fingerchen …. -chen …. -chen …. -chen … und werde dabei eben zum Volldeppchen! An alle Omas da draussen: Ich denke, ihr wisst, wovon ich spreche. Und an alle, die es noch nicht wissen: Vergesst eure Vorsätze … ist das Bündel Mensch mal da, ist alles anders!

 

Wenn der Mund schneller ist als das Hirn ….

Mir gehen ja Menschen, die unwissend Falschaussagen machen, grundsätzlich auf die Nerven. Wenn es aber öffentliche Personen mit einer grossen Plattform sind, dann finde ich es noch viel schlimmer. Und wenn es noch eine Thematik wie Krebs betrifft, dann gerate ich in Rage. Wer nicht weiss, was er zu wissen glaubt, der sollte im Zweifelsfalle einfach mal die Klappe halten.

Unser androgynes Schweizermodel Tamy Glauser hat doch allen ernstes behauptet, veganes Blut töte Krebszellen. Aha!!! Wenn man ihre Aussage liest, dann denkt man: Ich sauf mal einen Veganer und dann bin ich wieder gesund! Da sie aber eine Veganerin durch und durch zu sein scheint, meint sie wohl, dass man keinen Krebs bekommt oder diesen selber killen kann, wenn man vegan lebt. BULLSHIT!!!

Aufgrund der Reaktionen musste die Nationlratskandidatin (eine Neo-Grüne) ihre Aussage selber wieder korrigieren und sich von ihrem Quatsch distanzieren. Wie peinlich ist das denn? Ich hoffe doch sehr, dass sie sich damit selber das politische Genick gebrochen hat – nicht auszudenken, was solche Aussagen bei Schwerkranken anrichten können. Ich hoffe für Tamy Glauser, dass sie niemals mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, denn dann würde ihre vegane Welt ganz schön ins Wanken geraten. 😦

Lest selber, wie sie sich wieder aus dem Mist herausmanövrieren wollte …

Blick-Beitrag Tamy Glauser

 

Conditioner für sanfte Haut

Wer von eucht duscht sich mit Brille? Wohl keiner, oder. Und wer macht die Morgentoilette mit Brille? Also ich definitiv nicht. Und so kommt es, dass ich meine Haare mit Bodylotion gewaschen und meinen Körper anschliessend mit Conditioner eingeschmiert habe. Und ja, ich musste danach das ganze Prozedere nochmal von vorne machen, einfach umgekehrt – das gibt nämlich ein ziemliches Geschmiere!!
Warum zum Teufel müssen diese kleinen Fläschchen auch so winzig beschriftet sein, hä? Da braucht man ja ein Lupe zum Entziffern, was da drin ist … und nach dem Aufstehen sehe ich ohnehin noch nichts!

Hier das Beweisfoto. Kann doch kein Mensch lesen. Ich mutmasse ja, dass die das absichtlich machen und irgendwo in diesen Hotelbadezimmern winzige Kameras versteckt sind. Und irgendwo im Kämmerchen sitzen Detlef und Brunhilde (Namen frei erfunden) und lachen sich scheckig über Gäste wie mich, die zu faul sind, die Brille mit in die Dusche zu schleppen. Bestimmt gibt es für diesen „Beruf“ sogar eine echt gescheite Bezeichnung … sowas wie „Conditioner Detective“ oder so …!

Fakt ist: Conditioner an den Beinen nützt nichts … ich musste danach die ganze Zeit kratzen … und hab jetzt viele kleine Pickel. Memo an mich: Duschen im Hotel nur noch mit Blindenhund 🙂

Ich hab jetzt für alles eine Ausrede!!!

Kennt ihr sie auch, die nervigen Menschen, die für alles und immer eine Ausrede bereit haben. Ich gehöre jetzt auch dazu: ICH BIN OMA!!!

Der Rücken schmerzt: Das muss so sein, ich bin Oma.
Ich ess zuviel: Das passiert als Oma, das ist das Alter.
Ich passe nicht mehr in die Hosen: Omas müssen weich sein … die dürfen das!
Ich vergesse ständig, was ich gerade machen wollte: Logisch, bin ja schliesslich Oma.
Ich wiederhole mich: Normal, Omas machen das!
Ich atme schwer, wenn es bergauf geht: Das ist, weil ich Oma bin (nein, liegt nicht an der mangelnden Kondition … auf gar keinen Fall!)
Ich trinke abends koffeinfreien Kaffee: Logisch, Omas können sonst nicht mehr schlafen.
Ich trage nur noch bequeme Latschen: Absätze sind nichts für Omas!
Ich färbe mir aus lauter Jux meine grauen Haare platinblond: Omas müssen spinnen!
Ich spreche auf einmal Babysprache: Der Omaknopf ist gedrückt!

Alles, was ich bei meinen Kindern nie gemacht habe, weil ich es peinlich fand, mache ich jetzt bei der Enkelin. Ich spreche von Füsschen, Händchen, Fingerchen und Näschen … und das süsse Wesen macht sogar Fürzchen und Görpschen …! Echt jetzt? Wer bin ich und wo ist die Modepraline, die alle ausgelacht hat, die jemals so gesprochen haben? Ich mutiere zur totalen Idiotin. Und meine Stimmlage klingt, als ob ich ein Heliumschlumpf wäre. Wie gut, dass ich nicht weiss, was die Kleine denkt, wenn ich meine Quiektiraden loslasse und sie fast fresse vor Verzückung!!!

Aber eben: Auch dafür gibts nur eine Erklärung „Ich bin Oma“ – alleine das muss reichen, um all meine täglichen Aussetzer zu erklären! Das kleine Bündel Mensch hat unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt und ich bin so endlos verliebt in die vier Kilogramm Menschenkind, dass ich aufpassen muss, dass ich es nicht versehentlich totknutsche.

Falls das Modepralinchen also nur noch Sätzchen mit hübschen Wörtchen schreibt, dann gibts dafür nur eine Erklärung:  …. ihr wisst schon! 🙂

Was macht Beda Stadler?

Ich habe 2015 mit Beda Stadler ein Interview machen dürfen. Seit die Debatten um die Impfplicht wieder entbrannt sind, ist Beda Stadler in aller Munde. Und unser Interview aktueller denn je. Als grosser Fan von Beda schalte ich deshalb unser Interview 4 Jahre später noch einmal auf:

 

Beda Martin Stadler (65) ist emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern. Sein Gebiet ist die Grundlagenforschung im Gebiet der Allergologie und Autoimmunität und die angewandte Forschung zur Herstellung von rekominanten humanen oder künstlichen Antikörpern und Impfstoffen für die Therapie. Er gilt als grosser Kritiker der Alternativmedizin und ist gleichzeitig sehr religionskritisch.

 

Beda Stadler, als Professor „im Ruhestand“ und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Uni Bern sind Sie ein überdurchschnittlich gescheites „Haus“. Verstehen Herr und Frau Schweizer, wenn Sie in der Alltagsssprache à la Stadler sprechen?

Der Fachjargon ist tatsächlich ein Problem. Es ist verlockend, sein Unwissen dahinter zu verstecken. Anfänglich war es ziemlich anstrengend, nur Worte zu gebrauchen, die von allen verstanden werden. Da es keine dummen Fragen gibt, sondern nur dumme Antworten, lag es somit an mir, die Situation zu verändern. Letztlich hat mir das aber sogar bei den Vorlesungen geholfen. Versteht ein Student etwas nicht, liegt das Problem beim Dozenten, nicht beim Studenten. Dies gilt allerdings nur für rationale Fragen, nicht für Glaubensfragen.

Aufgefallen sind Sie immer wieder durch Ihre Kolumnen mit bissigen Seitenhieben gegen die Alternativmedizin. Provozieren Sie gerne?

Die Provokation ist die schnellste Art und Weise, etwas auf den Punkt zu bringen. Zudem bin ich ungeduldig und betrachte mich als Selbstverteidiger. Ich habe nicht die Nerven, mir stundenlang den Stuss anderer Leute anzuhören. Wollte ich mir das antun, würde ich dafür in eine Kirche gehen. Jeder hat das Recht, noch so absurdes Zeug zu glauben, aber niemand hat das Recht, mir seinen Glauben aufschwatzen zu wollen. Ganz nach dem Motto: Bete nicht in meiner Schule, dafür denke ich nicht in deiner Kirche! Ich muss allerdings zugeben, dass es mir Spass macht, mich über alle Formen von Aberglauben – sei es Bio, Alternativmedizin, Esoterik oder Religion – lustig zu machen.

Denken Sie, dass Aufkärung im Bereich der Medizin eine gewisse Provokation braucht, damit der Mensch von heute zuhört?

Ich glaube nicht, dass es die Provokation braucht. Man sollte aber unterhaltend und wahrhaftig sein. Leider wirkt diese Haltung für die meisten Menschen bereits wie eine Provokation. Viele Wissenschaftler verwechseln seriöse Information mit Langeweile. Es gibt meiner Meinung nach kein Recht, einen anderen Menschen zu langweilen und ihm damit Zeit zu stehlen. Viele Dinge, die ich vor Jahren sagte, waren einst eine Provokation. Heute regt sich niemand mehr auf, sie sind ein Teil des Zeitgeistes und keine Provokation mehr. Die Aufklärung wird letztlich siegen, schliesslich haben die Hexenverbrennungen bei uns abgenommen.

Was sagen Sie, wenn Ihnen ein missionierender Homöopath erklärt, dass er auch Krebs mit seinen Kügelchen heilen kann?

Würde ein Homöopath in meiner Gegenwart so was behaupten, würde ich ihn bitten, mir dies schriftlich zu geben. Danach würde ich ihn für seine menschenverachtende Haltung vor Gericht ziehen – in der Hoffnung, dass er viel Geld verliert oder eine Zeit lang ins Gefängnis wandert. Übrigens habe ich in den letzten Jahren viele Homöopathen kennen gelernt. Darunter war kein einziger, von dem ich den Eindruck hatte, er würde irgend etwas davon glauben, was seine Anhänger herumerzählen. Ich habe auch noch nie eine Frau kennengelernt, die mit Kügelchen eine Schwangerschaft verhindern will. Wenn’s drauf ankommt, scheint die Homöopathie intuitiv nicht zu wirken…
Als ich einmal sagte, Homöopathen hätten nicht alle Tassen im Schrank, hat mir ein Homöopath zwei Tassen gesandt. Das war übrigens bislang der einzige Homöopath, der ein wenig Humor gezeigt hat. Leider waren die beiden Tassen so potthässlich, dass ich sie gleich wegschmeissen musste – und somit am Humor selbst dieses Homöopathen zweifelte.

Weibeln Sie für die Präimplantationsdiagnostik oder lehnen Sie sich zurück und überlassen das der New Generation?

Es ist eine Katastrophe, dass sich derzeit fast niemand für die Präimplantationsdiagnostik einsetzt. Ich hoffe, ich erhalte noch irgendwo eine Gelegenheit, etwas dafür zu tun. Leider gibt es für solche wichtigen, humanistischen Anliegen einfach keine Lobby. Es ist schade, dass viele rationale Menschen sich von der Politik fernhalten, aber es ist verständlich.

Sind Sie mit den Jahren ruhiger geworden, oder können Sie sich immer noch so wunderbar aufregen, wenn die Alternativmediziner die Studien der Schulmedizin einfach so im Vorbeigehen über den Haufen werfen wollen?

Ich rege mich etwas weniger auf. Das hat aber nichts mit meinem Alter zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Alternativmediziner in meiner Gegenwart etwas vorsichtiger geworden sind. Schliesslich ist es ihnen gelungen, ihre Placebos in unserer Verfassung zu verankern. Wir sind das einzige Land auf diesem Planeten, das einen solchen Unfug in der Verfassung hat. Dies ist aber dermassen lukrativ für die Alternativmediziner, das sie etwas kleinlauter wurden, um ihre Pfründe zu schützen. Zudem beobachte ich eine Kehrtwende bei den Studenten. Medizinstudenten glauben diesen alternativen Mist je länger je weniger. Das ist doch erfreulich!

Haben Sie das Gefühl, dass die Menschen in den letzten Jahren wieder mehr Vertrauen in die Schulmedizin gewonnen haben, oder wird die Chügelibrigade stärker?

Das Vertrauen in die Schulmedizin wächst eigentlich ständig. Alle wollen Schulmedizin, falls sie wirklich krank sind. Was sich geändert hat, ist das Verlangen von Gesunden nach Alternativmedizin, wofür sie sogar noch staatliche Beihilfe bekommen, um sich ihren esoterischen Glauben von anderen Leuten bezahlen zu lassen. Viele Schweizer haben sich über die Gier der Bänker aufgeregt, aber die Gier der Gesunden auf gratis Wellnesspräparate scheint ungebrochen. Viele wollen Präparate und Streicheleinheiten in der Höhe ihrer Krankenkassenprämien beziehen, damit sie per Ende Jahr finanziell quitt und gesund sind. Unser Gesundheitssystem basiert aber auf Solidarität. Wer das Geld der Gemeinschaft mit Alternativmedizin verprasst, verhält sich ziemlich asozial.

Angenommen, Sie erwachen mit 40 Grad Fieber, irgendwo im Nirgendwo – und neben Ihnen steht ein Fläschchen mit Similisan-Kügelchen. Sont nichts! Nehmen, oder grinsen, umdrehen und weiterfiebern?

Ich würde alle Kügelchen auf einmal in meinen Tee kippen, weil ich ihn süss mag. Zudem würde ich mich daran erinnern, wie die Juristen dieser Firma mich verklagen wollten, weil ich in einer Kolumne spasseshalber gesagt habe, Similisan komme vom lateinischen „simulare“, weil nur Simulanten solche Kügelchen zu sich nehmen. So was will ich natürlich nicht mehr behaupten, sonst habe ich wieder Juristen auf dem Buckel, und da ist mir ein wenig Fieber doch noch lieber.

Herzlichen Dank, für dieses erfrischend offene Interview und alles Gute für die Zukunft!

mehr über die Arbeit von Beda Stadler unter http://www.immunology.unibe.ch