Wetter? Mond? Alles?

Man sagt, dass das Wetter und er Mond Einfluss auf die Menschen habe. Also bei den Wetterkapriolen der letzten Tage und Wochen kann es echt nicht mehr anders zu erklären sein, dass sowohl mein Befinden und meine Launen und jene meiner Umwelt manchmal echt zu wünschen übrig lassen.

Seit Wochen kämpfe ich mit Kopfschmerzen – und rund um mich herum höre ich überall dasselbe Lied. Auch mit der Müdigkeit und den Schlafstörungen scheine ich nicht alleine zu sein. Und dass ich Tage habe, an welchen ich einfach alles grässlich finde, das kenne ich von mir. Wenn aber meine Umgebung vermehrt auch solche Tage hat, dann ist das oft nicht so wirklich kompatibel. Launen und Launen = Explosionsgefahr!

Wie gut, dass ich das Privileg habe, nur dann arbeiten zu können, wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Wenn ich nämlich morgens schon quer in der Landschaft stehe und mir dann noch ein Querschläger begegnet, dann wäre ich an der Kundenfront definitiv am falschen Platz. Du liebe Güte! Stell sich mal einer vor, ich würde der mieslaunigen Trulla, die zur Türe reinwatschelt alles doof findet, einen Tritt in den Hintern geben …. K o p f k i n o !!! 🙂 Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht gut ankommen würde.

Ich habe grössten Respekt vor all jenen, die es schaffen, jederzeit und bei allen Launen nett und anständig zu bleiben. Mir fällt aber auf, dass es davon immer weniger gibt. Ganz besonders merke ich das, seit ich für unsere Bauvorhaben viel in Ausstellungen oder Geschäften unterwegs bin. Da leben die Leute an der Front ihre Launen ganz offen aus und der Dienst am Kunden ist in der Schublade unter Verschluss. Mit Vorhängeschloss!

Oder es liegt ganz einfach an der Menschheit, die zunehmend verroht und nach dem Motto lebt: Fressen ODER gefressen werden!

Also ich mute keinem meine miese Laune zu, wenn sie denn schon morgens neben dem Bett auf mich wartet. Dann bleibe ich der Menschheit einfach fern. Das können sich aber nicht alle erlauben und da kommt es des Öfteren vor, dass ich mich frage, wie zum Geier so kaltschnäuzige Zeitgenossen auf die Idee gekommen sind, im Kundenservie zu arbeiten. Und an solchen Tagen wird mir auch klar, warum der Onlinehandel boomt – da geht einem nämlich niemand auf die Nerven und keiner steht quer in der Landschaft. Wo das wohl noch hinführt?

Mädelstag im Möbelhaus

Wenn die BF Geburtstag feiert (an dieser Stelle noch einmal alles Gute liebe Angela) und man sich zu einem Tag im Möbelhaus verabredet, dann macht man sich im Vorfeld ja so seine Gedanken, wie das aussehen könnte:

Ein schönes Boxspringbett für die schmerzgeplagte Freundin …
Ein neues Sofa für den Göttergatten und mich ..
Neues Geschirr …
Bettwäsche …
Bettdecke …

… und dazu ganz viel Zeit und Spass – und hier und da ein Cüpli Prosecco während des Einkaufs. So haben wir uns das zumindest ausgemalt. Und so sind wir auch guten Mutes nach Rothrist zu www.moebel-hubacher.ch gefahren. Eines der grössten Möbelhäuser der Schweiz – mit einer gigantisch grossen Wohnausstellung.

Voller Vorfreude sind wir um zwei Uhr nachmittags dort reinmaschiert – und mit einer Menge Frust sind wir um nach sieben Uhr dort wieder rausmarschiert. Dazwischen? Nun ja, dazwischen haben wir den Angestellten gefühlt 20 Chancen gegeben, uns gut beraten und bedienen zu können. Und ich kann euch garantieren, dass das verdammt viel Geduld auf der Kundenseite gebraucht hat. Einige Müsterchen gefällig?

Wir: „Könnten Sie uns das Bett bitte liefern und das alte Bett dabei gleich mitnehmen?“
Der Verkäufer: „Sind sie handewerklich begabt?“
Wir: „Wozu?“
Er: „Weil sie das alte Bett demontieren und vor der Tür bereitstellen müssen, das machen wir nämlich nicht.“
Ich: „Ist das jetzt ihr Ernst? Wir kaufen hier für sauviel Geld ein neues Bett und sie wollen mir jetzt erklären, ihre Monteure können das alte Bett NICHT für uns demontieren und entsorgen?“
Er: „Ich muss das denen dann aber extra sagen und das kostet natürlich zusätzlich!“
Ich (sehr entnervt): „Ja, dann machen sie doch das – das ist ja wohl das mindeste!“

Oder da gäbe es noch folgendes Müsterchen:

„Wir hätten Interesse an diesem Sofa, einfach in grösser, gibt es das.“
Der Verkäufer: „Dann setzen sie sich doch hin, ich hole etwas zu schreiben.“
Ich: „Oh, und dann nähmen wir nun endlich gerne ein Cüpli dazu.“
Er: „Das liegt leider nicht in meiner Kompetenz.“
Hä?????

Oder vielleicht noch dies:

Ich: „Oh, guck, ein hübsches Möbelchen. Das möchte ich gleich mitnehmen. Entschuldigen sie, haben sie das am Lager?“
Sie: „Moment, ich rufe den Kollegen von dieser Abteilung!“
Kollege kommt und meint: „Kommen sie doch mit mir an meinem Arbeitsplatz hier hinten in der Ausstellung – wir müssen einen Vertrag dafür anfertigen.“
Ich: „Einen Vertrag für ein 200.– Franken Möbelchen?“
Er: „Ja, wir haben Weisung, für jeden Artikel einen Vertrag zu machen. Wir wissen, dass das nicht kundenfreundlich ist, aber leider ist das unsere Weisung.“
Ich unterschreibe also am anderen Ende des Geschäfts einen Vertrag, um mit selbigem dann zur Kasse zu gehen, diesen zu bezahlen, damit sie das Möbelchen für mich aus dem Lager holen (was nur AUSNAHMSWEISE gemacht wird, normalerweise muss der Kunde das bei der Möbelausgabe SELBER holen), um dann in der Ausstellung weiter den Objekten der Begierde nachzugehen. An der Kasse fluche ich noch eine Runde, weil man mich so durch die Wallachei jagt.
Die Leute hinter uns an der Kasse lachen sich kaputt, weil sie das Vertragswirrwarr offenbar auch schon kennenlernen durften. Hä? Notabene ist es der armen Frau hinter der Kasse ziemlich unwohl in ihrer Haut, weil sie das wohl öfters zu hören bekommt. Sie meint auch: „Melden sie das doch bitte nach ganz oben … wir können nämlich rein gar nichts tun.“ Jawohl, das habe ich denn auch im Sinn!

Beim Weiterschlendern durch die Ausstellung kommen wir an einer Bar vorbei, an welcher steht: Kaffee, Wasser, Cüpli etc. Ich schnappe mir den Berater und sage:

„Hey, hier gibt es doch nun endlich das lang ersehnte Cüpli!“
Er lacht mir ins Gesicht und meint: „Nö, heute nicht, die gibts nur am Samstag, da müssen sie dann wohl morgen wieder kommen!

Leute, ich habe geguckt wie ein Auto. Ich dachte, der will mich veräppeln. Auch die Tatsache, dass die BF Geburtstag hatte, hat NICHTS an der Tatsache geändert, dass man uns einfach auf dem Trockenen sitzen liess. Das Maximum der Gefühle war, dass man uns gegen Abend einen Kaffeegutschein in die Hand drückte mit der Bitte, wir möchten doch im zweiten Stock ins Kaffee gehen. Wohlverstanden: Dies geschah erst, NACHDEM wir schon klar und deutlich gesagt hatten, dass wir Kaffee trinken gingen, damit der Verkäufer unsere Kaufverträge vorbereiten konnte.

Nach fünf Stunden sassen wir also total entnervt wieder beim Berater im Untergeschoss an seinem Tisch und er nestelte in den Verträgen rum – einen hatte er ausgedruckt, den anderen immer noch nicht. Und er hatte auch NICHT abgeklärt, wie die Lieferfristen besagter Möbel aussehen würden. Ich verlangte erneut zum Geburtstag meiner Freundin ein Cüpli oder ein Getränk und wurde zum x-ten mal belächelt. So – da platzte Frau Jäggi der Kragen:

„Ich möchte gerne den Chef sprechen.“
Er: „Im Ernst jetzt?“
„Jawohl, jetzt!“
Der Herr Berater nimmt den Hörer und teilt mir dann mit, dass der Chef nicht da sei. Nur die Vertretung. Womit er aber nicht rechnet:
Ich: „Dann bitte die Vertretung?“
Er: „Ehrlich?“
Ich: „Ja, sehr sogar!“

Er bittet also die Vertretung zu uns und fleht mich quasi an, doch etwas sanft zu sein; die Dame hätte nämlich einen sehr starken Charakter.

Ehm, bitte???????

Nun ja, wir lernten die Dame mit dem starken Charakter also kennen. Nach einer spannenden Diskussion fragte ich sie:

„Können sie sich erklären, warum bei ihnen lauter gelangweilte Angestellte rumstehen und keine Kunden hier sind?“
Sie meint: „Ja, wahrscheinlich. Aber es könnte auch an XXL Lutz liegen, der gegenüber aufgemacht hat.“
Ich so: „Dann sollten sie doch noch vielmehr das Augenmerk auf den Dienst am Kunden legen, oder nicht?“
Sie daraufhin: „Ja, da haben sie wohl recht.“
Ich so: „Mal ganz im Ernst – würden sie an unserer Stelle diese Kaufverträge noch unterschreiben. Nennen sie uns nur einen Grund, warum wir unser Geld bei ihnen lassen sollten.“
Sie: „Könnten sie kurz mit mir mitkommen?“

Ich gehe mit ihr mit um die nächste Ecke und sie bittet mich, dies doch nun ruhen zu lassen, sie werde sich um die Angelegenheit kümmern und sich nächste Woche bei mir melden.

Ja, richtig: Wir sind OHNE Bett, OHNE Sofa und mit viel Frust nach Hause gefahren. Und wenn dieses Unternehmen an seiner Philosophie festhält, dann muss XXL Lutz nicht viel dafür tun, um sie in Grund und Boden zu stampfen. Sorry, BF – das nächste mal suchen wir uns ein Geschäft, welches den Kundenservice noch versteht! Sonst kann ich nämlich tatsächlich meine Ware auch online bestellen – zu Hause gibts wenigstens ein Cüpli dazu.

 

Ich füge hier einen Tag später folgendes an:

Der CEO von Möbel Hubacher hat sich bei meiner Freundin und mir persönlich mit Karte und Blumen für den schlechten Service entschuldigt. Das ist ja nun auch nicht selbstverständlich und muss fairerweise hier noch angefügt werden.

Herzlichen Dank dafür! 🙂

SALE – SALE – SALE – SALE

Seid ihr in den letzten Tagen mal durch eine Stadt spaziert? Sind euch auch aus allen Schaufenstern dieselben Plakate ins Auge gesprungen? Rot mit weisser Schrift: SALE! Oder neonfarben mit schwarzer Schrift: SALE!

Die Zeit des grossen Ausverkaufes und der Schnäppchenjäger ist angebrochen. Ich muss gestehen, dass ich diese Zeit nicht ausstehen kann. Da werden manche Menschen zu Tieren und wissen nicht mehr, wie man sich zu benehmen hat. Da wird im Kopf ein Schalter umgelegt und der Anstand geht flöten. Und an den Kassen wird versucht, den Preis noch mehr zur drücken. Ich bekomme da regelmässig die Krise und gehe in dieser Zeit möglichst nicht in die Geschäfte.

Etwas ist mir nun aber definitiv ganz extrem aufgefallen: An den Wühltischen stehen auf einmal nicht mehr massig Leute – und auch die roten Prozentzahlen ändern nichts daran, dass die Geschäfte überschaubar wenige Kundinnen und Kunden haben. Die krassen Kaltstarts der Schnäppchenjäger von früher scheinen nicht mehr das zu sein, was sie mal waren. Und nun könnte man darüber diskutieren, woran das liegt. Dann kommen Erklärungen wie der Onlinehandel, das Wetter, die Börse oder weiss der Geier was noch. Ich wage mal ganz einfach zu behaupten, dass der DAUERSALE, der inziwschen 12 Monate im Jahr irgendwo aktiv ist, keinen Menschen mehr in ein Geschäft lockt. Früher hatten wir zweimal jährlich Ausverkaufszeit – politisch und gesellschaftlich klar geregelt. Für alle galt dasselbe. Da war Ausverkauf noch der Renner. Heute gibt es … ehm … lasst mich überlegen … den

Pre-Season-Sale
Mid-Season-Sale
Birthday-Sale
VIP-Sale
Jubiläums-Sale
Black-Friday
Magic-Sale
Special-Sale

und sonst könnt ihr auch einfach selber ein Wort nehmen und SALE hinten dranhängen … funktioniert immer. Oder nein, funktioniert eben schon lange nicht mehr! Die Menschen werden 365 Tage im Jahr irgendwo mit Prozentzeichen zugebombt. Das Auge reagiert darauf schon gar nicht mehr, geschweige denn die Kauflust. Zudem wird mit all den selbstkreierten SALE’s soviel Schindluderei getrieben, dass inzwischen auch der dümmste Kunde begriffen haben dürfte, dass nicht jedes Schnäppchen wirklich ein Schnäppchen ist. Da wird uralte Ware als vermeintliches Schnäppchen wieder regulär angeschrieben und erneut ins Sortiment gehängt; oder es wird zusätzlich Ausverkaufsware dazugekauft, welche dann mit hoch kalkulierten Preisschildern angeschrieben wird und mit SALE-Klebern als Schnäppchen locken soll.

Also ich als aufmerksame Kundin merke das und fühle mich – VERARSCHT!

Jene, die wirklich ihre aktuelle Saisonware in den Ausverkauf bringen, haben das Nachsehen. Warum sollte man noch einen Schnapp machen wollen, wenn man den das ganze Jahr irgendwo und irgendwie bekommt?

Ich wäre sehr dafür, dass wir wieder zurück zur guten alten Ausverkaufszeit gingen – zweimal pro Jahr zu fest vorgegeben Daten. Und diese komischen „Wir verarschen mal unsere Kunden“ – SALE’s, die sollten verboten werden. Dann würde nämlich das Shoppen auch wieder mehr Spass machen und die Geschäftsinhaber hätten nicht so zu kämpfen, wie sie es heute haben.

Unfassbar

Regelmässig habe ich in meinem Mail-Postfach (meistens im SPAM-Ordner) Post, die sich kein Mensch wünscht. Das geht von dämlicher Werbung über Rabattcodes bis zu unseriösen Schreiben jeglicher Abteilung. Und immer wieder finde ich darunter auch Schreiben von gefuxten Betrügern, die gerne an die Kontodaten ihrer Opfer rankommen möchten. Heute war wieder ein solches drin. Das möchte ich euch nicht vorenthalten, denn die Dreistigkeit des Inhalts toppt die Schreiben, die ich bislang in diesem Bereich erhalten habe:

Hallo,

Ich habe Ihnen diese E-Mail vor einem Monat ohne Antwort geschickt. Ich bin E. C. Saborit, ein persönlicher Anwalt meines verstorbenen Mandanten. Er war Vertragsingenieur. Er starb beim Zugunglück von Santiago de Compostela in Madrid am 24. Juli 2013 mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter. Seine Bank gab mir das Mandat, seinen Familienangehörigen die Möglichkeit zu geben, das Geld bei der Bank im Wert von 12.500.000,00 Euro (zwölf Millionen, fünfhunderttausend Euro) einzulösen. Nach meinen erfolglosen Versuchen, seine Verwandten zu finden, habe ich mich entschlossen, Sie zu kontaktieren, da Sie einen ähnlichen Nachnamen wie mein verstorbener Kunde haben und er aus Ihrem Land kommt.

Beachten Sie, dass ich eine gerichtliche Vorladung eingereicht und der Bank folgende Bescheinigungen vorgelegt habe: (Sterbeurkunde, Einzahlungsbeleg und Hinterlegungsurkunde), um den Anspruch durchzusetzen.

Ich erwarte Ihre sofortige Antwort für weitere Details. Vielen Dank!

Grüße,

Rechtsanwalt E. C. Saborit (Esq).

Aha – nun weiss ich, was ich zu tun habe, hm! Und zwar SOFORT!!! Der Herr Rechtsanwalt Saborit (klingt wie ein Sanitärunternehmen oder eine Klomarke) sagt mir also, wie das läuft. Schliesslich hat er schon eine gerichtliche Vorladung eingereicht. Mir ist zwar nicht so klar, ob ich oder die Verstorbenen vor Gericht geladen werden, aber klingen tut das doch schon mal sehr juristisch und wahnsinnig furchteinflössend. Und dass die Verstorbenen an zwei Orten gleichzeitig verstorben sein sollen (Santiago de Compostela UND Madrid), nun ja – das macht die Sache auch nicht wirklich besser. Und hey: Der Verstorbene war Vertragsingenieur … ist das nicht der Wahnsinn? Was zum Geier ist ein Vertragsingenieur? Tackert der Verträge zusammen? Wow: Soviel fachlich geschliffene Begriffe überfordern mich nun doch ein wenig …

Ich frage mich immer wieder, wer da am Computer sitzt und solchen Schrott verfasst. Sind das Leute, die sich für so intelligent halten, dass sie meinen, mit diesem Mist Leute über den Tisch ziehen zu können? Oder noch schlimmer: Gibt es womöglich Empfänger, die denen auf den Leim gehen? Nein, oder? Nicht wirklich – ich verliere sonst den Glauben an die menschliche Intelligenz.

Ich habe gedacht, dass ihr den Herrn Rechtsanwalt Saborit vielleicht auch kennt. Wenn ja: Bloss nicht antworten! Das sind meine 12,5 Millionen Euro und ich teile nicht gerne. Ich habe fertig!

 

Die Zeiten ändern sich rasant …

Vor knapp drei Jahren habe ich beschlossen, mich aus der textilen Selbständigkeit zurückzuziehen und meine Geschäfte zu schliessen. Der Onlinehandel und die ständigen Rabattschlachten hatten mir nach 10 Jahren die Kraft und die Freude am Job genommen.

Ich habe damals in der kleinen bezaubernden Barockstadt, in welcher meine Geschäfte waren, einen kleinen Shitstorm ausgelöst. „Wie kann sie nur?“ oder „Das wird schon wieder besser!“ oder „Nur noch ein bisschen durchhalten, dann wird das wieder!“ waren Sätze, die ich von Unwissenden zu hören bekam. Ich war mir aber sicher, dass mein Entscheid richtig war und – das bin ich heute umso mehr.

Gestern Abend bin ich mit meinen Freundinnen – seit Monaten das erste mal – durch die Gassen der schönen Barockstadt geschlendert und musste feststellen: „Mein Riecher war gar nicht so schlecht.“ Wo früher die Geschäfte bis 21 Uhr Abendverkauf hatten, sind jetzt dunkle und geschlossene Türen anzutreffen. Nach 20 Uhr ist tote Hose. Also nein: Tote Hose ist schon vorher, aber danach ist es sowohl draussen als auch drinnen dunkel! Die meisten Geschäfte schliessen inzwischen ihre Pforten frühzeitig oder machen gar keinen Abendverkauf mehr. Und an manchen Türen habe ich Plakate entdeckt, auf welchen steht: Ab sofort haben wir am Montag den ganzen Tag geschlossen.

Dann wären da noch jene Lokale, die ganz einfach ein leeres, trostloses Dasein fristen. Riesige kahle Fensterfronten und nix mehr drin. Und das Erschreckende dabei ist, dass es in dieser kurzen Zeit seit meiner Schliessung damals bereits normal geworden ist. Die Stadt ist an einem Donnerstagabend, welches früher der lebendigste Stadtabend überhaupt war, einfach nur tot. Keine schöne Entwicklung!

Ja, damals wurde noch der Kopf geschüttelt, mit Unverständnis reagiert und missverstanden. Inzwischen hat sich der Mensch bereits daran gewöhnt, dass der Onlinehandel gewonnen hat und die letzten Mohikaner mit Ächtzen und Strampeln gegen den fiesen Strom der Giganten anschwimmen.

Und dabei habe ich mich gefragt, wie es wohl in drei weiteren Jahren aussehen wird, wenn ich wieder durch die Gassen der Barockstadt ziehe … an einem Donnerstagabend … 😦

 

Geisterfahrer

Ich hatte heute das Vergnügen, mit meiner lieben Geschäftsfreundin nach drei absolvierten Messetagen in München eine Taxifahrt zum Flughafen zu machen. Unser Chauffeur erwies sich als Geisterfahrer der besonderen Art:

Er so aus dem Nichts: „Also ich finde es ja jammerschade, dass ihr Schweizer das bedingungslose Grundeinkommen nicht angenommen habt.“
Ich so: „Ach, ist das so. Ich habe auch dagegen gestimmt!“
Meine Freundin: „Ich im übrigen auch!“
Er so: „Das hättet ihr nicht tun sollen, das wäre ein positives Signal für die Welt gewesen.“
Ich so: „Ein Signal wofür?“
Er so: „Ein Signal dafür, dass ein freier Geist ohne Druck sich besser entfalten kann.“
Wir unisono auf unseren Rücksitzen: „Um eine faule Generation ohne Ausbilung grosszuziehen?“
Er so: „Nein – um der geisten Entfaltung mehr Platz zu lassen. Und Ausbildungen sind nicht zwingend nötig, denn da wird der Geist in ein System gesperrt. Nur wer den Zugang zu seinem Geist hat, kann sich kreativ öffnen.“
Ich so: „Ach, und was genau tut man dann damit?“
Er so: „Da gibt es ganz viel … zum Beispiel Musik, oder einfach kreative Gedanken entwickeln.“
Ich so: „Ihnen ist aber schon klar, dass die Schweizer Wirtschaft mit diesem Denken schon lange zusammengebrochen wäre? Die läuft nämlich nicht mit kreativem Denken und freiem Geist.“
Er so: „Das sehe ich ganz anders. Wir haben den Zugang zu unserem Geist verloren. Deshalb ist die Menschheit da, wo sie jetzt ist. Die Schweiz hätte es in der Hand gehabt, ein Zeichen zu setzen.“

Okay, nach drei Messetagen voller Arbeit und Organisation, voller Zahlenjonglage und Verhandlungen, voller Planung und strukturiertem Denken hatte ich echt keinen Nerv mehr, über den Zugang zum Geist zu diskutieren. Der hätte uns nämlich bei den Entscheidungen zugunsten eines gut laufenden Geschäftes und einer vernünftigen Planung kaum geholfen. Und auch meine Freundin war auf einmal einfach nur noch still …

Wir waren dankbar, dass unser „Geisterfahrer“ während der halbstündigen Fahrt nicht noch Räucherstäbchen ausgepackt hat … er fand nämlich auch, dass Arbeiten an sich einfach ziemlich widerlich sei. Falsche Ansage, wenn zwei absolute Arbeitstiere auf dem Rücksitz mitfahren. Ohhhhhmmmmmm ….

Nette Menschen und andere …

Ich habe mich heute mit meiner lieben Freundin einer für uns neuen Herausforderung gestellt. Wir haben gemeinsam in unserer hiesigen Kleinstadt in der Fussgängerzone Flyer verteilt – für unser Lieblingsmodegeschäft. Ist ja klar, dass diese schräge Idee von mir kam. Offenbar tut man sich sonst sowas nicht freiwillig an … zum Teil sogar berechtigterweise. Aber wir hatten ein saumässiges Gaudi, wenn auch nicht alle Menschen nett zu uns waren.

Da wir zwei Ü50-Frauen mit Stil sind, haben wir uns das Ganze viel einfacher vorgestellt. Oder vielleicht sind wir auch einfach von uns aus gegangen – Frauen mit guter Kinderstube. Tja, da sind aber lange nicht alle so.

Die ersten beiden „Fremde-Menschen-Ansprachen“ brauchten noch etwas Überwindung, zumal wir beide da schon eine Abfuhr kassieren mussten. Das lief nämlich in etwa so:

Wir, mit einem breiten Lächeln: „Wunderschönen Nachmittag – dürfen wir ihnen eine Shoppingidee mitgeben?“
Fremde Menschin: „Ne!“ und dann böse den Kopf wegdrehen und stinkig weitergehen.

Wir haben uns verdutzt und ziemlich überfordert angeguckt und dann laut zu lachen begonnen. Darauf waren wir so gar nicht vorbereitet. Wir dachten, wenn wir freundlich und lachend auf die Menschen zugingen, dann käme das auch so zurück. Weit gefehlt – das sehen lange nicht alle so.

Glücklicherweise waren danach einige erfolgreiche Ansprachen, welche gerne und dankend entgegengenommen wurden. Manche hatten sogar auch ein Lächeln, eine Frage oder ein kleines Gespräch für uns bereit. Die machten es einem besonders leicht. Aber jene, die einen einfach mit einer Handbewegung abwehren wie eine lästige Fliege … mit denen konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Denen habe ich jeweils ein: „Ich wünsche ihnen auch einen schönen Tag“, hinterher geschickt. Meine Freundin dachte ja zuerst, es läge an ihr … bis ich auch eine böse Abwehrwinkfrau erwischte. Da haben wir gemeinsam gelacht und uns gefragt, wie schlecht man gelaunt sein muss, wenn man mit einem Miesmacherblick sondergleichen durch die Stadt marschiert und dabei alles abwehrt, was einem begegnet.

Ich würds ja noch verstehen, wenn wir wie verlauste Penner oder Bettler aussehen würden. Tun wir aber gar nicht. Ich denke, dass wir eher etwas exotisch in der Flyerwelt wirken müssen … so als Ü50-iger mit lässiger Kleidung. Und wir haben uns ja bewusst jene Frauen ausgesucht, welche ins „Beuteschema“ unseres Lieblingsmodegeschäftes passen. Und das, meine Lieben, war gar nicht so einfach. Ich will hier ja nicht rassistisch rüberkommen, aber mindestens ein Drittel der Frauen, die uns heute in der hiesigen Kleinstadt begegnet sind, waren verhüllt und sprachen kein Deutsch. Da schränkt sich der Kreis der Möglichkeiten sehr schnell ein. Mir war bislang gar nicht bewusst, dass wir soviele Menschen mit Migrationshintergrund in unseren Gefilden haben.

Fazit eines solchen Nachmittags: Unsere hübsche Kleinstadt hatte auch schon lebendigere Zeiten; selbst an der „Rue de Blamage“, unserer Solothurner Riviera, hatte es praktisch keine Menschen“ – der Anteil fremder Nationalitäten ist höher, als wir gedacht hätten – es gibt viele nette Menschen, aber es gibt auch viele, die mit dem Schnellzug durch die Kinderstube gerast sind. Und wir haben beschlossen, dass wir das wiederholen werden, um herauszufinden, ob die Resonanz tages-, temperatur- oder mondabhängig ist. 🙂