Gucken sie nicht so doof!

Um meine Geschichte verstehen zu können, müsst ihr jetzt erst mal eure Phantasie aktivieren. Stellt euch mal vor, ihr geht zum Metzger oder in die Bäckerei und verlangt nach Ersatzteilen für euer U-Boot in der Garage. Könnt ihr euch vorstellen, was ihr dann für Blicke kassiert? Oder habt ihr auch nur ansatzweise eine Ahnung, wie wahrscheinlich die Einweisung in die Klappse ist? Na – habt ihr ein Bild im Kopf?

Okay: Ich habe im schönen Ferienort Gstaad (Schweizer Berneroberland) gestern ein Gilet kaufen wollen. Eines, ohne Fell und ohne Daunen. HALLO? Ihr hättet die Blicke der Angestellten in den Geschäften sehen sollen. Hätte ich gewusst, was ich hier Unmögliches verlange, so hätte ich meinen Göttergatten mit laufender Videokamera hinter mir herlaufen lassen. Die Blicke der Verkäufer-/innen hätten sich einzufangen gelohnt. Das hätte ein Brüllervideo gegeben.

Ich so: „Guten Tag, ich suche ein Gilet unter meinen Mantel.“
Verkäuferin 26 (ja, in etwa so oft haben wir es versucht): „Ja, die sind da hinten bei den Daunenjacken.“
Ich so: „Ich möchte keine Daunen, ich möchte Kunststofffüllung.“
Sie so: „Wie bitte?“
Ich so: „K u n s t s t o f f f ü l l u n g!“
Sie so: „Also, ich hätte da etwas aus Fell.“
Ich so: „Nein, ich möchte kein Fell! Ich möchte einfach ein wattiertes Gilet ohne Daunen und Fell.“
Sie so: „Tut mir leid, sowas haben wir nicht.“

Und wer nun denkt, Gstaad habe weiss Gott genug Boutiquen und Sportgeschäfte, wo man sowas finden kann … WEIT GEFEHLT! Es hat zwar Boutiquen und Sportgeschäfte ohne Ende, das ist wahr. Aber da hängen ausschliesslich Pelze und Daunen drin.

Wäre es nicht so traurig … ich hätte Dauerlachkrämpfe ob den Blicken der Verkäuferinnen gehabt. Die Wahrscheinlichkeit, hier oben in dem wunderschönen Ferienort ein goldenes Kamel erstehen zu können, ist definitiv grösser. Mein simples Gilet habe ich wieder abgeschrieben. Dafür habe ich knallrote Wollsocken im Omastyle erstanden … und die trage ich nun wie Stulpen über den Jeans. Die wärmen auch! 🙂

Pelz ist wieder „in“ …

… und ich deshalb total sauer!!! Wie konnte es soweit kommen, dass der Pelz nach jahrelangem Kampf gegen die Pelzlobby auf einmal wieder zu den Wintertrends gehört? Was ist da falsch gelaufen? Haben die Eltern vergessen, ihren Nachwuchs zu Hause über das Leid der Tiere aufzuklären? Wo bleibt die Moral dieser Menschen? In die Schublade gepackt?

Da wird einmal mehr in einem Schweizer TV-Beitrag (seriös recherchiert) darüber aufgeklärt, wie zum Beispiel die Fuchspelzkrägen an den Parkamänteln gewonnen werden. Und in jedem Geschäft, in welchem diese Dinger hängen, wurde für ein Interview angefragt. Bis auf ein einziges Geschäft wollte niemand Stellung nehmen. Nur der Chef der Bongenie Grieder-Gruppe hat sich bereiterklärt, sich vor der Kamera zu äussern. Dies tat er zwar kritisch, liess sich aber kein grundsätzliches Statement gegen Pelzverkäufe entlocken. Man wolle künftig nur kritischer hinschauen, woher man die Sachen beziehe! Aha!!!!

Ihr lieben Pelzeinkäufer, Verkäufer, Pelzträger und moralisch verwahrlosten Menschen: In der Schweiz gilt seit 2014 ein Gesetz, welches besagt, dass bei jedem Textilstück mit Pelz eine Deklarationsetikette Pflicht ist. Darauf muss die Tierart, das Herkunftsland und die Gewinnungsart deklariert werden. Ist dies nicht der Fall, ist ein solches Geschäft ohnehin umgehend zu melden. Ist dies der Fall, dann nehmt euch doch wenigstens kurz die Zeit, diese Etikette zu lesen. Wenn da nämlich draufsteht: „Blaufuchs aus Finnland / Käfighaltung mit Gitterböden„, dann wurde das Tierchen nicht in freier Wildbahn geschossen und hatte ein schönes Leben. Nein!!!! Diese Tiere werden ALLESAMT in Käfigen auf das 5-fache ihres normalen Körpergewichts gemästet, um mehr Fell zu haben. Sie vegetieren unter unfassbaren Bedingungen vor sich hin, bis man ihnen eine Eisenstange über den Schädel zieht, um sie bewusstlos zu schlagen – und dann wird ihnen das Fell über die Ohren gezogen … egal, ob tot oder lebendig. Und ihr Pelzträger tragt dann ganz stolz dieses Markenzeichen an euren Jacken, Schals oder Taschen.

Inzwischen weiss man auch, dass bei den Deklarationen geschummelt wird ohne Ende. Pelzige Zuchttiere leben NIE unter anständigen Bedingungen … denn dann wären sie nicht in einer Zucht, sondern in der Natur unterwegs. Auch wenn euch das plausibel erklärt wird (es gibt keine plausible Erklärung dafür), so sollte das euer Gewissen nicht ruhiger machen.

Ich für meinen Teil werde künftig Geschäfte meiden, welche Echtpelze im Sortiment haben. Die Nachfrage bestimmt nämlich das Angebot. Solange es Idioten gibt, welche absolut unkritisch solche Sachen kaufen, solange werden die Geschäfte diese Pelze in der Auslage haben. Diese unfassbar gemeine Kette bis hin zum Tier kann nur so sabotiert werden, indem wir alle die Geschäfte dazu zwingen, KEINE ECHTPELZE MEHR einzukaufen. Bricht der Umsatz ein, wird ein Umdenken passieren. Vorher nicht!

Liebe Menschen da draussen – lasst die Finger von Pelzen, es sei denn, ihr seid bereit, euch auch das Fell über die Ohren ziehen zu lassen! Und NEIN, es gibt keine Pelze aus artgerechter Haltung!!!

Liebe Textilanbieter da draussen – achtet auf den Einkäufen für den nächsten Winter darauf, dass ihr keine Echtpelze mehr im Sortiment habt. Alles andere ist moralisch eine absolute Sauerei und ihr könnt mich aus eurer Kundenkartei streichen – aber subito!!!

Und jene, welche diese Pelzfarmen betreiben und diese Tiere derart qualvoll vor sich hin vegetieren lassen – denen wünsche ich genau dasselbe, was sie diesen Lebewesen antun.

Falls mir jemand mit einem Echtpelz begegnet, so muss er damit rechnen, von mir darauf angesprochen zu werden, wie es sich so schläft mit dem Wissen, dass dafür Tiere qualvoll gezüchtet und dann getötet wurden. Und die Antworten werden hier wieder eine Geschichte geben! Ich rechne nicht mit einer einzigen, vernünftigen Antwort!

Prä-Weihnachtsüberdosis

Hilfe, es weihnachtet schon mehr, als mir lieb ist. Überall sind die Weihnachtskugeln in den Verkaufsregalen und die Geschäfter glitzern um die Wette. Und als ob das nicht schon genug wäre, füllt sich der Briefkasten im Moment regelmässig mit Weihnachtswerbungen. Kataloge und Flugblätter aller namhaften Verkaufshäuser sind gefüllt mit Dingen, die KEIN MENSCH braucht.

Da reihen sich tanzende Weihnachtsmänner und blinkende Gummitannen an kratzende Wollpullis mit Rentieren drauf. Oder Kerzen in den abstrusesten und unweihnachtlichsten Formen und Farben können innert 48 Stunden online bestellt werden. Ganz zu schweigen von den grossen Engelsflügeln, die man anziehen und damit durchs Wohnzimmer schweben kann.

Ganz originell finde ich aber die Weihnachtsmode. Kann es sein, dass ich da irgend etwa verpasst habe – oder wer zieht sich ernsthaft zum Weihnachtsfest an wie eine Glitzerdomina? Da gibt es Weihnachtsstrapse mit Swarovskisteinchen und BH’s mit Weihnachtsmännern drauf. Oder Pailettenkleider mit Strümpfen, auf welchen sich folienähnliche Weihnachtskugeln aneinander reihen. Und dazu natürlich das passende Täschchen mit Glitzer und Steinchen.

Bei den Schuhen steht zur Auswahl das spiegelglatte Lackleder oder der Stiletto mit den Steinchenriemen. Und nicht zu vergessen das Negligé für den Weihnachtsabend zu zweit am Kamin. Hä??? Also wäre da nicht eher der Kuschelstrampler und das Schaffell vor dem Kamin angebracht?

Bei uns ist bequem und gemütlich angesagt. Und ich frage mich ernsthaft, wer dieses unfassbar kitschige Zeug tatsächlich kauft und auch anzieht. Sollte nicht der Weihnachtsbaum im Glanz erstrahlen? Bei all dem Glitzeranziehzeug steht der Baum ja total im Schatten!

Gelobt seien mir meine Lieblingsjeans und der Kaschmirpulli – genau richtig für Weihnachten. Und ihr so?

Textiles Verbrechen

Wer von euch hat in der letzten Zeit mal eine Hose kaufen müssen? Also: Das Tochterkind und ich gehören zu jenen, welche den Hosenkauf nicht mögen und ihn deshalb nicht ganz so oft praktizieren. Nun musste es aber wieder einmal sein – die Dinger in unsere Schränken wurden irgendwie von den Kalorientierchen kleiner genäht … Mistviecher das!

Also ab ins Städtchen und rein in die Geschäfter. Aber eine anständige Jeans ist im Moment echt Mangelware. Ich meine: Eine Jeans, die man tragen kann, ohne dabei auszusehen wie eine Presswurst mit einem Arsch wie eine Spalttablette. Wer zum Geier hat diese Mode gemacht? Das ist ein Verbrechen. Und weil ich mich in jedem Geschäft total entsetzt habe, dass es nichts Gescheites hat, meinte das Tochterkind (welches doch altersgemäss eigentlich diesen Trend verstehen MÜSSTE): „Weisst Du jetzt, was ich meine, wenn ich sage, dass es im Moment einfach nichts Gescheites zu kaufen gibt?“

Leute, sie hat recht. Ich habe mich in den Gassen der Stadt bewusst geachtet, wie die trendige Generation so rumrennt. Hilfe! Bilder gefällig?

Jetzt mal so ganz unter uns: Ob schlank oder rund – eine Hose, die wie ein Strumpf am Körper klebt, beinahe bis unter die Achseln kommt und die Gesässtaschen soweit oben hat, dass man nicht mehr weiss, was nun Rücken und was Po ist … eine solche Hose macht einfach nur einen hässlichen und langezogenen Hängepo. Das könnt ihr nun drehen und wenden wie ihr wollt – einfach nur zum Wegschauen!

Damit ist es aber ja noch nicht genug. Die gewitzten Designer haben ja schliesslich nicht nur ein halbes Verbrechen machen wollen … NEIN! Sie haben alles gegeben und auch obenrum darauf geachtet, dass man so richtig bescheiden aussieht. Oder sie dachten sich: „Diesmal machen wir alles mit der Hälfte des Stoffes, aber zum doppelten Preis!“ Und weil es trendy ist und die Promis es vormachen, rennen alle in die Geschäfte und kaufen diese modischen Fehltritte. Bild gefällig?

Nein, es geht hier nicht um den schönen Busen. Es geht darum, dass in der Stadt lauter weibliche Wesen rumrennen, die viel zu lange Pobacken haben und dabei viel zu kurze Oberkörper. Haben die denn alle keine Spiegel zu Hause? Wohlverstanden: Diese Mode zieht sich quer durch alle Geschäfte und alle Kleidergrössen – es ist zum Verzweifeln. Und wenn etwas einmal ausnahmsweise nicht total bescheuert geschnitten ist, dann hat es stattdessen dämliche Aufnäher (Patches) drauf, die im Moment auch hoch im Kurs sind.
Auch Bilder gefällig?

Wer jetzt denkt: Die alte Schachtel soll doch mit ihren 50 Jahren in ein altersgemässes Geschäft gehen, der irrt. Solchen Mist gibt es inzwischen überall und auch mein junges Tochterkind findet diesen Hypsterbrei zum Schreien. Wo sind die schönen Klamotten alle hingekommen? Ein Verbrechen, was derzeit in den Geschäften hängt … unsere Ausbeute war so klein wie noch nie! 😦

Clevere Strategie

Wie macht man aus einer simplen Handtasche ein Teil, welches so heiss begehrt ist, dass Frau fast alles dafür bezahlt und zur Not auch sechs Jahre auf einer Warteliste steht, bevor sie das Objekt der Begierde endlich bekommt.

Ich muss zugeben, dass ich dieses Phänomen nie so ganz begriffen habe. Jetzt habe ich aber in der hiesigen Tageszeitung einen Artikel über dieses Phänomen gelesen und muss zugeben: Die Strategie dahinter ist clever! Weiterlesen

Popo-Taschen

Da stehe ich mit meinem Hund in einer schmucken kleinen Hamburger Boutique und werde ungewollt Zuhörerin eines weltbewegenden Gesprächs unter drei potentiellen Kundinnen. Die drei Grazien (jede mindestens 1.80 m gross und kaum mehr als 60 Kilogramm schwer) diskutieren eifrig über die neusten Jeans, welche im Geschäft in der Auslage in allen Farben präsentiert sind. Weiterlesen

Mode-Leasing

Da bin ich doch kürzlich über einen Artikel in der hiesigen Tageszeitung gestolpert, der den neusten Trend in der Mode beleuchtet hat: Leasing von Kleidern. Hä? Ich dachte ja erst, es wäre ein Witz. Ist es aber nicht. Das Modelabel Filippa K. will damit auf den Zug aufspringen, welcher in Hollywood offenbar schon lange gang und gäbe ist. Anstatt dass man sich schrankweise Kleider kauft, die man möglicherweise nur einmal trägt, kann man diese für vier Tage mieten und dann entscheiden, ob man sie zurückbringen möchte, oder ob man den Restbetrag bezahlen (mit Rabatt, versteht sich) und sie für immer in den Schrank hängen möchte. Also: In Anbetracht der Tatsache, dass wir alle viel zu viele Kleider in unseren Schränken haben, finde ich die Idee ja nicht so schlecht. Aber wie sieht das in der Realität aus? Weiterlesen