Ganz schön schwanger

Ich werde bald schon Oma – und ich freu mich wie blöd. Ich bin soooo gespannt, wie das kleine Böhnli aussehen wird. Und ich lach mich täglich scheckig über die Geschichten unseres Tochterkindes, welches eine ansehnliche Schwangerschaftskugel vor sich hinschiebt! 🙂

Im Fernsehen sieht man immer die entspannten Schwangeren, die lächelnd im Garten über den perfekten Bauch streichen – mit dem dünnen T-Shirt und dem absolut einmaligen Busen. Genau – die Realität sieht aber anders aus. Und die Sätze des Tochterkindes fangen nicht selten mit folgender Einleitung an:

Warum sagt einem keiner …

… dass der schöne Schwangerschaftsbusen in Wahrheit zu einem tropfenden Drama wird, welches einen immer wieder in peinliche Situationen manövriert?

… dass man mit der eigenen „Mumu“ nur noch eine Fernbeziehung führt, weil kein Sichtkontakt mehr möglich ist?

… dass man zum fusslosen Wesen mutiert, weil auch die Füsse verschwunden sind?

… dass man beim Beine rasieren auf den Partner angewiesen ist, weil man selber gar nicht mehr rankommt (das Gute daran ist, dass der Partner hin und wieder versehentlich noch ein bisschen Fleisch erwischt und die entstandene Miniwunde dazu ausreicht, dass er einen dann vor lauter schlechtem Gewissen den ganzen Abend verwöhnt … :-))?

… dass nur noch Schuhe ohne Bändel funktionieren, weil Schuhebinden ein schier unmöglicher Kraftakt wird?

… dass die Frage nach „welche Jacke ziehe ich heute an“ sich erledigt, weil es nur noch die EINE Jacke gibt, die passt – egal ob warm oder kalt?

… dass die supertollen Lagerungskissen fürs Bett zwar gut sind; wenn man aber gefühlt 25 davon braucht, um überhaupt noch liegen zu können, man nachts jedesmal über den Mount Kissen steigen muss, wenn man jede halbe Stunde Pipi machen muss?

… dass der geliebte Partner sich an nächtliche Erdbeben gewöhnen muss, wenn der Pottwal neben ihm sich dreht und dabei ächtzend alles zum Vibrieren bringt?

… dass Socken anziehen zur Apnoeübung wird, weil Atmen dabei gar nicht mehr möglich ist?

… dass die süssen Tritte und Hiebe des Babys gegen Schluss der Schwangerschaft irgendwie nicht mehr so süss sind – vor allem weil die Rippen und die Blase dabei bislang unbekannte Schmerzsignale senden?

Ja, und so haben wir uns zusammen schon so oft kringelig gelacht, dass sie meinte, das wäre eine gute Blogstory. Es ist also nicht so, dass ich hier mein Kind ohne sein Wissen „oute“ – sie liest mit und findet, die Welt sollte wissen, dass die perfekten Schwangeren aus dem Fernsehen UNWAHR sind und man in der Realität gegen Ende der Schwangerschaft einfach die Schnauze voll hat und froh ist, wenn das Krümelchen sich auf den Weg in die Welt macht.

Hab ich schon erwähnt: ICH FREU MICH WIE BLÖD!!!! 🙂

Mein neues Bett

Endlich ist es da, mein neues Boxspringbett! Ich hab mich so darauf gefreut, zu Hause nun endlich so ein Bett zu haben. Bisher lag ich immer nur im Hotel in Hamburg in diesen wunderbaren Betten; und weil ich dort immer viel besser geschlafen habe als zu Hause, hab ich mir endlich auch so ein Bett gegönnt. Mein altes Bett war schon „keine Ahnung wie viele Jahre“ alt. Mein Rücken hat sich täglich über mein altes Bett beschwert und ich habe sehnlichst auf die nahende Rettung gewartet. Jetzt ist die vermeintliche Rettung seit einer Woche hier …

Der erwachsene Körper verfügt über 206 – 214 Knochen (keine Ahnung, woher die Differenz kommen soll …) – ich habe bestimmt doppelt so viele Knochen. Und jeder einzelne tut WEH!!!! Und dazu hab ich noch eine richtig fette Migräne, die ich nicht mehr loswerde. Was soll das? Mein neues Bett und ich scheinen gerade nicht auf der gleichen Wellenlänge zu liegen. Ich fluche innerlich wie ein Rohrspatz! Da gönnt man sich nach Jahren endlich ein neues Bett – Härtegrad wie im Hotel, Optik analog Hotel, Freude wie im Hotel. Und dann? Irgendwie läuft da etwas schief. Jeder meiner Knochen schreit laut AUA und mein Schädel klebt in Kürze wohl an der nächsten Wand … seit Monaten hatte ich keine solche Migräne mehr.

Die Enttäuschung ist grad übel gross. Was mache ich, wenn mein Bett und ich keine Freunde werden? Warum habe ich im Hotel diese Probleme nie – zu Hause nun aber schon? Sollte ich vielleicht ins Hotel ziehen?

Fragen über Fragen und keine Antwort drauf. Fakt ist, dass ich morgens zuerst alle Knochen sortieren und schmieren muss, bevor ich vernünftig aus dem Bett steigen kann. Und der Schädel hämmert wie ein Presslufthammer! Da läuft eindeutig etwas falsch.

Da hat die Modepraline nun monatelang über ihr altes und viel zu weiches Bett gejammert … und nun das Ganze von vorne und andersrum: Neu und offenbar zu hart. Ich rolle mich heute Abend in Ellies Hundebett zusammen und bemitleide mich. Alles tut weh 😦

Leben ohne Geschichten

Jeder Mensch erzählt eine Geschichte, ob er will oder nicht. Er tut es mit seiner Haltung, seinem Gang und vor allem mit seinem Gesicht. Ich liebe es, Gesichter zu studieren und die Geschichten dahinter zu phantasieren. Jede Falte, jedes Funkeln, jede Farbänderung erzählt eine Geschichte. Und weil ich das so gerne mache, sitze ich auch liebend gerne in Café’s und gucke Menschen. Andere gucken TV – ich gucke Menschen.

Letzthin habe ich mit einer Freundin meinem Hobby gefrönt und habe „Menschen gucken“ in Zürich an der Bahnhofstrasse im berühmten Caféhaus der Firma Sprüngli gemacht. Und da musste ich eine traurige Entdeckung machen: Die Geschichten verschwinden 😦
An deren Stelle treten Hyaloronsäure, Botox und Skalpell. Man könnte fast das kalte Gruseln bekommen. Im Zeitalter der Influencer und des Jugendwahns scheinen alle dieselbe Geschichte im Leben zu haben. (Meine Freundin hat gemutmasst, dass das eher bei allen einfach derselbe Beautydoc ist).

Falten werden mit Botox geglättet und Lippen mit Hyaloronsäure aufgespritzt – und die Nasen sind alle zu Näschen umfunktioniert. Man kann beinahe bis in die Nasennebenhöhlen gucken – so krass sind die Stupsnäschen. Grauenvoll! Altersklasse der „neuen Gesichter“? Durch das Band: von blutjung (18?) bis ins hohe Alter. Nur der Hals und die Hände lassen jeweils erahnen, wie alt die Person in etwa sein könnte.

Was erzählt mir ein Mensch, der rumrennt wie eine Plastikpuppe?

Mir fällt bei einem interessanten Gesicht immer der Alpöhi im Schweizerfilm „Heidi“ ein. Ein Gesicht, das ein ganzes Leben erzählt, mit Furchen und vom Arbeiten in der Natur die Haut gebraucht und spannend. Sommersprossen, Flecken und Unebenheiten; einfach alles, was zu einem Gesicht mit Leben dazugehört. Und was habe ich dabei noch gelernt? Ja, an der Zürcher Bahnhofstrasse meint man offenbar wirklich, man müsse aussehen wie die Sternchen aus dem Fernsehen. Mir ist das nämlich noch nie in diesem Ausmass aufgefallen, wenn ich in Bern in einem Café sitze und Menschen gucke. Auch in Hamburg oder in Luzern habe ich das noch nie so krass erlebt.

Und dann habe ich mein Gesicht studiert und mir überlegt, was man da alles optimieren könnte. Die Liste ist lang – sehr lang. Aber ich würde mich jedesmal zu Tode erschrecken, wenn ich im Spiegel einer Fremden begegnen würde. Da bleibt alles, wie es ist. Mit Falten, Alterswarzen (die kommen so langsam – ihr dürft ruhig lachen), mit Flecken und erschlaffender Haut. Aber wenigstens weiss ich, woher all diese Dinge kommen und was ich die letzten 51 Jahre alles erlebt habe. Mein Gesicht erzählt es nämlich.

Ob Plastik auch sprechen kann?

Rennt, Leute – rennt!!!!

Es ist wieder soweit: Die Parkhäuser der Einkaufszentren zeigen „besetzt“ an und an den Kassen der Foodabteilungen steht man in kilometerlangen Schlangen. Ja, der Krieg bricht übermorgen aus. Oder vielleicht auch schon morgen!

Meine Güte – was reitet die Menschen, wenn sie sich vor Weihnachten beim Einkaufen benehmen wir menschenfressende Ureinwohner eines Dschungelstammes? Es ist ja nicht so, dass ich ohnehin nicht gerne einkaufen würde – aber jetzt? Jetzt ist es eine wahrer Spiessrutenlauf. Gibt es Leute, die keinen Tiefkühler zu Hause haben? Kann man soviel überhaupt essen, wie da in die Einkaufswagen getürmt wird? Und wie lange haben die Geschäfte nochmal geschlossen? Zwei Tage oder zwei Monate? Das ist ja gruselig!

Jedes Jahr dasselbe Drama – jedes Jahr dieselben Kämpfe an den Regalen – jedes Jahr die gleich angewiderten Gesichter in den Einkaufsläden. Zum Wegrennen. Und selbst an den allerhöchsten Feiertagen haben wir ja an jeder Ecke eine Tanke, welche zur Not noch aushelfen kann. Ich kapiere den Stress dieser Leute nicht. Aber ich habe ihn eigentlich wohl nie wirklich kapiert. Was wäre denn das Schlimmste, was an Weihnachten passieren könnte? Verhungern? Wohl kaum! Sahne vergessen? Weltuntergang!!! Falsche Servietten? Tränenausbrüche!!! Oh Du Fröhliche!

Wie jedes Jahr bin ich auch in diesem Jahr froh, wenn diese scheinheilige Zeit vorbei ist und die Menschen sich wieder wie zivilisierte Wesen benehmen … nicht wie verhungernde Monster! In diesem Sinne: Guten Appetit oder … schöne Weihnachten – wie auch immer!

Unfassbar

Regelmässig habe ich in meinem Mail-Postfach (meistens im SPAM-Ordner) Post, die sich kein Mensch wünscht. Das geht von dämlicher Werbung über Rabattcodes bis zu unseriösen Schreiben jeglicher Abteilung. Und immer wieder finde ich darunter auch Schreiben von gefuxten Betrügern, die gerne an die Kontodaten ihrer Opfer rankommen möchten. Heute war wieder ein solches drin. Das möchte ich euch nicht vorenthalten, denn die Dreistigkeit des Inhalts toppt die Schreiben, die ich bislang in diesem Bereich erhalten habe:

Hallo,

Ich habe Ihnen diese E-Mail vor einem Monat ohne Antwort geschickt. Ich bin E. C. Saborit, ein persönlicher Anwalt meines verstorbenen Mandanten. Er war Vertragsingenieur. Er starb beim Zugunglück von Santiago de Compostela in Madrid am 24. Juli 2013 mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter. Seine Bank gab mir das Mandat, seinen Familienangehörigen die Möglichkeit zu geben, das Geld bei der Bank im Wert von 12.500.000,00 Euro (zwölf Millionen, fünfhunderttausend Euro) einzulösen. Nach meinen erfolglosen Versuchen, seine Verwandten zu finden, habe ich mich entschlossen, Sie zu kontaktieren, da Sie einen ähnlichen Nachnamen wie mein verstorbener Kunde haben und er aus Ihrem Land kommt.

Beachten Sie, dass ich eine gerichtliche Vorladung eingereicht und der Bank folgende Bescheinigungen vorgelegt habe: (Sterbeurkunde, Einzahlungsbeleg und Hinterlegungsurkunde), um den Anspruch durchzusetzen.

Ich erwarte Ihre sofortige Antwort für weitere Details. Vielen Dank!

Grüße,

Rechtsanwalt E. C. Saborit (Esq).

Aha – nun weiss ich, was ich zu tun habe, hm! Und zwar SOFORT!!! Der Herr Rechtsanwalt Saborit (klingt wie ein Sanitärunternehmen oder eine Klomarke) sagt mir also, wie das läuft. Schliesslich hat er schon eine gerichtliche Vorladung eingereicht. Mir ist zwar nicht so klar, ob ich oder die Verstorbenen vor Gericht geladen werden, aber klingen tut das doch schon mal sehr juristisch und wahnsinnig furchteinflössend. Und dass die Verstorbenen an zwei Orten gleichzeitig verstorben sein sollen (Santiago de Compostela UND Madrid), nun ja – das macht die Sache auch nicht wirklich besser. Und hey: Der Verstorbene war Vertragsingenieur … ist das nicht der Wahnsinn? Was zum Geier ist ein Vertragsingenieur? Tackert der Verträge zusammen? Wow: Soviel fachlich geschliffene Begriffe überfordern mich nun doch ein wenig …

Ich frage mich immer wieder, wer da am Computer sitzt und solchen Schrott verfasst. Sind das Leute, die sich für so intelligent halten, dass sie meinen, mit diesem Mist Leute über den Tisch ziehen zu können? Oder noch schlimmer: Gibt es womöglich Empfänger, die denen auf den Leim gehen? Nein, oder? Nicht wirklich – ich verliere sonst den Glauben an die menschliche Intelligenz.

Ich habe gedacht, dass ihr den Herrn Rechtsanwalt Saborit vielleicht auch kennt. Wenn ja: Bloss nicht antworten! Das sind meine 12,5 Millionen Euro und ich teile nicht gerne. Ich habe fertig!

 

Neue Funktion

Wie sage ich immer so schön: Ich habe 1000 Funktionen – als Mama, Ehefrau, Tochter, Schwester, Enkelin, Freundin, Bekannte, Geschäftsfrau, Frauchen, Nachbarin und was auch immer sonst noch so auf der Liste steht. Da muss man extrem viele Fähigkeiten haben … die CEO’s können dann jetzt alle mal einpacken!

Nun kommt bald schon eine neue Funktion dazu – eine gigantisch coole Funktion: Ich werde Oma – in unserem Dialekt also Grosi. Was für eine Freude!!!! 🙂 Meine Mama ist jung Grosi geworden und ich habe mir so gewünscht, auch jung Grosi zu werden. Nun ja, so schnell wie meine Mama hab ich es nicht geschafft (sie wurde mit 45 Jahren Grosi von unserem Erstgeborenen). Aber mit 51 ist ja auch nicht schlecht … ich finde, ich bin da als Grosi ganz gut unterwegs.

Jetzt bin ich dabei, die Grosi-Funktionsliste auszuarbeiten. Was macht ein gutes Grosi aus? Auf meiner Liste stehen Sachen wie:

– Geschichten erzählen
– Knuddeln
– Spielen
– Trösten
– Quatsch machen
– immer ein offenes Ohr haben
– Basteln
– Lieblingssachen essen
– im Grosi-Bett schlafen dürfen
– Häuschen bauen
– Verstecken Spielen
– Lieder singen
– Kuschelabende vor dem Fernsehen mit Kinderfilm und Popcorn
– und GANZ VIELE DINGE, die man bei Mama und Papa nicht darf …

Ja, dafür sind Grosis da – und Grosspapis auch! Die dürfen fast alles. Ich weiss noch, dass ich mein Grosi vergöttert habe … da war ich die Nummer eins. Ich durfte alles und ich wurde immer in Schutz genommen! Und wenn ich krank war, dann wurden mir die schönsten Geschichten erzählt und ich wurde rundum verwöhnt. Meine Mama hat mit unseren Kindern dasselbe gemacht. Grosi war die Heldin. Ich sagte braun, Grosi fand blau schöner – die Kinder waren einstimmig Grosis Meinung … also blau! Wenn ich mich einen Tag lang mit Hausaufgaben abmühte und bald keine Nerven mehr hatte, dann tauchte Grosi genau im Moment XY auf und die Kinder fanden die Hausaufgaben auf einmal ganz cool – schliesslich waren die mit Grosi auch vieeeeeel einfacher!

Ja, das ist der Job des Grosis. Man darf einfach nur lieben, verwöhnen und man muss nicht erziehen. Und wenn der kleine Knirps schreiend die Hosen vollgekackt hat und einfach nicht schlafen will, dann bringt man ihn einfach zu den Eltern zurück. Hach, wie wunderbar! Ich finde den Gedanken einfach nur extrem schön.

Ich werde die verliebteste Groslä ever und … mir ist schnurzegal, was ihr so findet: MEIN Grosskind wird bestimmt das schönste auf Erden. So muss das nämlich sein 🙂

Obdachlos trifft auf Dekadenz

Eine Woche in der wunderschönen Hansestadt und die Wehmut vor der Abreise macht sich breit. So ist das immer, wenn wir wieder hier sind. Jedesmal fragen wir uns, warum wir eigentlich nicht einfach bleiben. Und doch fliegen wir immer wieder zurück in die Schweiz. Und jedesmal ärgert mich hier genau dasselbe Verhalten vieler Menschen:

Da sitzt eine Frau Ü60 (ganz offensichtlich Einheimische) vor dem teuersten Einkaufscenter Hamburgs mit ihrem Plastikbecher in der Hand und fragt um Geld – und 99% der gut betuchten Menschen gehen achtlos an ihr vorbei und tun so, als ob sie die Frau nicht sehen würden. Hallo? Ich meine: Wer im Alsterhaus einkaufen kann, hat doch wohl auch ein paar Cent für eine Frau übrig, die über ihren Schatten springen und um Geld betteln muss, weil man hier ohne Job keine Wohnung und ohne Wohnung keinen Job bekommt.

Ich habe mich mit der Frau auf ein Gespräch eingelassen und habe – anstatt des Einkaufs – einen 50-Euro-Schein bei ihr gelassen. Sie hat mich gebeten, mich dafür umarmen zu dürfen: „Ich habe auch nichts Ansteckendes“, meinte sie dazu noch entschuldigend. Natürlich habe ich sie umarmt. Und natürlich habe ich mich für all die operierten Näschen und aufgespritzten Lippen geschämt, die einfach an ihr vorbeigegangen sind, ohne sie überhaupt zu beachten.

In den Kneipen ist das Betteln ja verboten – ausser in der Bullerei bei Tim Mälzer. Da dürfen die Bedürftigen rein und ihre Zeitschriften oder ihre Bücher an den Tischen anbieten und um eine Spende bitten. Und da habe ich mich wieder nerven müssen. Die meisten Leute essen einfach weiter und tun so, als ob diese Menschen gar nicht existieren würden. Sie ignorieren sie einfach! Was soll das? Ich meine: Es ist jedem selber überlassen, ob er etwas geben möchte; aber man kann doch zumindest „nein danke“ sagen, oder fällt einem da ne Zacke aus der Krone? Man stelle sich mal vor, man müsste abends von Tisch zu Tisch gehen und Menschen mit vollen Tellern darum bitten, eine kleine Spende zu geben. Alleine das braucht ja schon eine Menge Überwindung. Aber wie weh muss es tun, wenn man dann einfach kalten Arsches ignoriert wird? Ich finde das unflätig – jenseits von anständig und überhaupt schäme ich mich dann regelmässig fremd bis zum Abwinken.

Und man möge mir jetzt bitte nicht erklären, dass jeder Mensch das selber in der Hand hat. Nicht hier in Deutschland. Wer da mal durch den Raster des Alters, der Gesundheit (Krankheit) oder sonstiger Paragraphen gefallen ist, der kommt kaum noch auf die Beine. Also bitte: Gerade hier in Hamburg ist die Dichte an Reichen und Schwerreichen auffallend, da dürfte es doch nicht so schwer sein, den eigenen Leuten zu helfen. Oder erleichtert man das Gewissen lieber, indem man noch ein paar hundert Flüchtlinge aufnimmt und dann meint, damit sei es getan? Wo bleibt die Solidarität zu den „Nachbarn“ hier?

So – ich habe fertig geschimpft!