Eine Frau – 1 Million Geschichten

Ich habe in diesem Jahr meinen Geburtstag seit langem das erste mal nicht mit meiner Familie verbracht. Ja, richtig! Ich habe mir einen Egotrip mit einer lieben Freundin gegönnt und bin zum Wellness-Shopping-Essen-Trinken-Schwatzen aufgebrochen.

Im weltbesten Wellnesshotel, welches im Verlauf der Jahre fast mein zweites Zuhause wurde (und das meiner Familie) gibt es diese eine Frau. Angekommen im letzten Drittel des Lebens ist sie alles andere als müde. Und sie hat mich vom ersten Tag an fasziniert. Mir und meiner Freundin wurde die Ehre zuteil, mit ihr einen Abend an der Bar zu verbringen und ihren Geschichten zu lauschen – und dies, nachdem sie seit dem Lockdown nie mehr einen Abend an der Bar verbracht hat. Noch einmal danke dafür, meine Liebe!!! 🙂

Ist es nicht faszinierend, dass sie vor Jahren mit ihrem Gatten im Bauernhof 9 Gästezimmer mit Fliesswasser gemacht hat, die immer gut gebucht waren? Nein, das allein ist noch nicht wirklich faszinierend. Wer aber noch nie in diesem Hotel war, der muss wissen, dass dieses riesige Anwesen heute insgesamt 430 Gäste gleichzeitig bewirten kann. Und die Belegschaft besteht aus 300 stolzen Mitarbeiter-/innen. Und all das hat diese Frau gestemmt – sie war zu Beginn für alle Bereiche gleichzeitig verantwortlich, hat jeden Abend die Gäste persönlich begrüsst (und zwar jeden) – hat den ganzen Garten bewirtschaftet und … ach ja, da war doch noch was: Sie hat noch drei wunderbare Kinder grossgezogen – so ganz nebenbei. Zwei davon sind inzwischen bereits nachgerückt und haben die Führung der unglaublichen Wellnesstitanic übernommen – zusammen mit einer weiteren tollen Frau, die in die Familie eingeheiratet hat.

Seit Jahren begleitet uns diese Familie und wir begleiten sie. Und es ist mir ein Rätsel, wie eine Frau – angekommen im Herbst des Lebens – nach wie vor sprüht vor Energie, jeden Tag im Garten mit Gummistiefeln und Gartenjacke anzutreffen ist und nicht die Bohne von Müdigkeitserscheinungen zeigt. Und was sie in all den Jahren erlebt und erschaffen hat, das würde nicht nur eine Million Geschichten geben … es wäre genug spannendes Material, um es zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Für ihre Nachkommen und für alle, die staunen über dieses Wunderwerk, welches hier im schönen Österreich von einer Frau mit ihrem Gatten und einer ganzen Familie vollbracht wurde. Und 300 zufriedene Mitarbeiter sind wohl Grund genug, um dieser Familie mehr als ein Kränzchen zu winden.

Ich werde wiederkommen, sobald wie möglich – und ich wünsche mir, dass diese wunderbare Frau ihre Geschichten irgendwo festhält, damit sie nicht vergessen oder verloren gehen. Sie gehören nämlich wirklich als gesammeltes Werk niedergeschrieben: Für alle, die nicht daran glauben, dass mit viel Fleiss und Disziplin unglaubliche Dinge möglich sind – und für alle jene, welche die Geschichten irgendwann nicht mehr von der unermüdlichen Frau persönlich erzählt bekommen werden. Das wünsche ich mir sehr 🙂

Danke Martha.

http://www.schwarz.at

Zwei Herzen in meiner Brust

Ich bin Schweizerin – mit Leib und Seele. Oder doch nicht? Genetisch bin ich ja eine Italoschweizerin – der Papa ist Vollblutitaliener, die Mama Vollblutschweizerin. Ich bin hier geboren und absolut verschweizert aufgewachsen – bis auf ein paar Ausnahmen: Ich durfte in jungen Jahren nämlich vieles nicht, was meine Freundinnen durften. Der strenge Papa hat mit Argusaugen geschaut, dass ich nicht einen Zentimeter über die Gartenhecke gucken konnte.

Jetzt, als zweifaches Grosi und mit 54 Jahren merke ich, dass in meiner Brust definitiv zwei Herzen schlagen. Ich habe wohl typische Eigenschaften, die total zur Schweizerin passen:

Pünktlichkeit
Zuverlässigkeit
Zielstrebigkeit
Durchhaltevermögen

Irgendwie sind da aber noch vielmehr Eigenschaften, die ganz und gar zur Italienerin passen:

Enges Familienverhältnis
Sturheit
Erweiterter Horizont
Nachbarschaftshilfe
Grosszügigkeit
Offenheit
Entspannter Umgang mit Regeln

Als Mama habe ich mit der Kraft der beiden Herzen erzogen – offen, frei, ohne enge Grenzen und mit viel Liebe. Als Ehefrau bin ich sehr schweizerisch: Freiheitsliebend, autonom und nicht einzuschränken (armer Göttergatte). In der Küche bin ich ganz bestimmt nicht eine Italienerin – Kochen ist nämlich so gar nicht mein Ding.

Als Grosi bin ich nun tatsächlich froh um meine beiden Herzen in meiner Brust – ein schweizer Italogrosi oder ein italienisches Schweizergrosi hat nämlich ganz viel Liebe und Geduld für seine allersüssesten Enkel der ganzen Welt. Und bei den beiden kleinen Menschen kommt alles zum Vorschein, was ich an Positivem weitergeben kann.

Ich bin dankbar für meine beiden Seiten – jede hat ihr Gutes und wenn man all das richtig bündelt, dann kommt am Schluss manchmal tatsächlich etwas Brauchbares bei raus! Aber nur manchmal … 🙂

Wie umgehe ich eine Regel?

Ich war gestern mit einer Freundin einkaufen. Die Geschäfte haben auf „Herbst“ umgestellt und das verhasste Ausverkaufschaos ist fast überstanden. Es lohnt sich also wieder, durch die schönen Läden zu ziehen und die wunderbar präsentierte Herbstmode zu bewundern. Und da war sie, die Verwirrung gleich zu Beginn unserer Shoppingtour.

Im ersten Geschäft stand eine Familie total maskenlos gemütlich beim Einkauf. Ein komisches Bild. Wir haben uns schon so an die Masken gewöhnt, dass wir uns irritiert anguckten und uns fragten, ob die Maskenpflicht gefallen sei und wir das verpasst hätten. Das Personal war aber maskiert … unlogisch …! Also fragte ich am Geschäftseingang, ob die Maskenpflicht für Kunden nicht mehr sei. Antwort: „Doch, die ist schon noch, aber diese Kunden haben ein ärztliches Attest, welche sie von der Maskenpflicht befreit.“

Hä?????

Ihr hättet die Synapsenexplosion in meinem Kopf sehen sollen. Ein Attest, welches mich von der Maskentragpflicht befreit? Ich habe natürlich sofort auf der Seite des BAG gegoogelt. Logisch, ich bin nun mal interessiert – immer und überall. Was brauche ich, um an dieses Attest zu kommen?

Das BAG sagt:

„Sie können nachweisen, dass Sie aus besonderen Gründen keine Maske tragen können. Dazu zählen beispielsweise Gesichtsverletzungen, Atemnot, Krankheiten wie Demenz und Alzheimer, Angstzustände beim Tragen einer Maske und Behinderungen, die das Tragen einer Maske nicht zumutbar oder umsetzbar machen. Für den Nachweis sämtlicher medizinischer Gründe ist ein Attest einer Ärztin bzw. eines Arztes oder einer Psychotherapeutin bzw. eines Psychotherapeuten erforderlich.“

Aha. Also ich konnte bei dieser Familie nicht den Hauch einer Gesichtsverletzung erkennen. Demenz und Alzheimer schliesse ich auch aus – sie waren schliesslich allesamt in der Lage, selbständig einzukaufen, zu bezahlen, Gespräche zu führen und mit meiner kleinen Ellie zu schäkern. Also kommen nur noch die psychischen Probleme in Frage. Und unter selbigen scheint die ganze Familie zu leiden. Meine Güte – wie schrecklich!

Also echt jetzt: Veräppeln kann ich mich selber. Ich weiss, dass es Maskenverweigerer gibt. Aber dass man dann mit einem ärztlichen Attest rumwedelt, um die Maskentragpflicht zu umgehen, das beleidigt meine Intelligenz. Es ist nämlich nicht nachvollziehbar, dass eine ganze Familie dasselbe psychische Problem hat. Es sei denn, das Problem heisst „Rücksichtslosigkeit“ – DAS wiederum kann ich mir sehr gut vorstellen. Schliesslich schützt man bekanntlich mit der Maske sein Gegenüber. Und dann kommt bei mir aber sofort die Frage auf: Welcher Arzt stellt ein solches Attest aus? Oder anders gefragt: Wieviele Flaschen Wein kostet ein solches Attest? (Das war jetzt laut und ketzerisch gedacht …).

Liebe Maskentragverweigerer: Wenn ihr diese Regeln schon so schlimm findet, dann habt doch wenigstens das Rückgrat, die Regel offiziell zu brechen und die Busse zu bezahlen, wenn ihr erwischt werdet. Oder geht ganz einfach nicht zum Shopping und bleibt im heimischen Garten. Diese ärztlichen Atteste (ich schliesse da Menschen mit Behinderungen selbstverständlich aus) sind ein totaler Witz und eine Beleidigung für alle, welche sich an die Regeln halten.

P.S.: Ob ich meine Wallungen und die Tatsache, dass die Maske dann an meinem Gesicht klebt und ich eine mittlere Krise schiebe auch medizinisch verwenden kann, um an ein solches Attest zu kommen?

Leben heisst Veränderung

Es gibt in meinem Blog mehr als einen Beitrag über meine Abneigung gegen Meerferien. Strand, Sand, Sonne, Wärme und Meer – alles Dinge, mit welchen man mich jahrelang erschrecken konnte. Ich habe es deshalb gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

Und dann kam Corona – und mit dem fiesen kleinen Virus kam das Leben während 16 Monaten zu Hause. Viel zu gefährlich wäre alles andere gewesen. Zum Schutz des Göttergatten und der ganzen Familie haben wir uns restriktiv an alle Regeln gehalten und uns sogar noch strengere Massnahmen auferlegt. Und damit kam mein Umdenken.

Ich schaute mir Bilder von schönen Hotels am Meer an – von Stränden, von Palmen und von Veränderung. Ich träumte mich während dieser langen Zeit an Orte, bei denen ich vorher in einen Schockzustand verfallen wäre. Und als wir uns impfen lassen konnten, da fiel mir ein Stein vom Herzen.

Wir wissen, dass die Impfung uns nur mässig schützt – aber wir haben damit ein ziemlich grosses Stück an Freiheit zurückgewinnen können. Und wir haben beschlossen, der Lebensuhr nicht mehr zu Hause beim Ablaufen zuzusehen, sondern die Lebenszeit zu füllen mit allem, wonach uns gerade ist. Natürlich immer im Wissen, dass es jederzeit vorbei sein kann. Das Virus lauert an jeder Ecke – aber wir haben trotzdem angefangen, wieder die Grenzen zu sprengen. Unsere eignen und jene der Schweiz. Und was ist dabei passiert? Ich bin mit dem Göttergatten an Orte gereist, an welche ich mich vorher nicht mehr getraut habe oder die ich zum voraus schon ausgeschlossen hatte. Entweder weil mental zu schwierig, zu nass, zu weit, zu warm oder warum auch immer.

Was lerne ich mit meinen 54 Jahren nun daraus? Das leben besteht dauernd aus Veränderungen. Und es passieren Dinge, die man nicht planen kann.

Die Modepraline ist also seit neustem ein Fan vom Meer. Meine Angst vor Fischen ist weg – ich habe keine Ahnung warum dem so ist. Ich kann gefühlt stundenlang im klaren Meerwasser stehen und den Fischen um mich herum beim Schwimmen zuschauen. Fasziniert und zufrieden. Und ich lege mich in die Sonne und finde es nicht mehr ätzend. Ich spüre den warmen Sand unter meinen Füssen und es stört mich nicht mehr, wenn sich mein Liegestuhl danach sandgestrahlt anfühlt. In meinem Fundus hat es inzwischen sogar Sonnencrèmes und Aftersun.

Hätte mir vor 5 Jahren jemand gesagt, dass ich das einmal auf meinen Blog schreiben würde, dann hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Niemals!

Und nun? Es hat sich einiges verändert in unserem Leben. Und wir leben jetzt nach der Devise: Wir nehmen jeden Tag als Geschenk und wir füllen die Zeit mit allem, was wir dürfen, können und tun wollen. Zu Hause darauf warten, dass uns alle einmal das Ende ereilt, darauf haben wir keine Lust mehr. Ja – das Ende kommt früh genug. Und bis dahin darf es ruhig noch ein paarmal das Meer sein.

Man(n) oder Frau stelle sich vor …

… der Tank beim Auto ist leer. Selbstverständlich merkt man das erst auf dem Weg zu einem Termin. Also heisst es, bei der nächsten Tanke den Blinker zu setzen und rauszufahren.

Schön nah an die Säule manövrieren und dann – ist die Brieftasche logischerweise dort, wo sie bei mir immer ist: Im Rucksack, welcher im Fussraum des Beifahrersitzes liegt. Und die Brieftasche ist IMMER ganz unten in diesem elend geräumigen Teil, welches den halben Haushalt an Fassungsvermögen hat. Ich gurte mich los, und versuche mit dem Oberköper über die Mittelkonsole an den Rucksack und grabend an die Brieftasche zu kommen. Reicht nicht ganz …! Also hole ich Anlauf (imaginären Anlauf, innerlich eben …) und mache einen zackigen Schlenker in den Fussraum und dabei erklingt ein Geräusch in meinem Brustkorb, welches klingt, wie wenn man auf eine Weinbergschnecke tritt. Kennt ihr dieses fiese Knirschen? Und unmittelbar nach dem Knirschen kommt aus meinem Mund ein Geräusch, welches klingt wie in Luftballon, dem die Luft gerade ausgegangen ist.

Einen kurzen Moment war mir nicht klar, ob es neuerdings tagsüber an den Tankstellen Sterne hat. Bei der nächsten Bewegung wurde mir aber relativ schnell bewusst, dass die Sternchen vor meinen Augen tanzten. Ich stemme mich tapfer aus dem Auto, tanke noch viel tapferer und steige am tapfersten aller Tankerinnen wieder ein (JA, diese Steigerungsform gibt es seither offiziell nur in Verbindung mit Ganzkörpereinsätzen beim Tanken).

Ich gehe zu meinem Termin mit einer lieben Freundin. Wir rätseln, ob da womöglich etwas kaputt sein könnte. Und dann denke ich mir wieder: Nein, das kann doch nicht sein – ich habe ja nicht die Eigernordwand erklommen. Im Verlauf des Nachmittags nehmen die Schmerzen zu und das Atmen wird zunehmend anstrengender. Aber eben – starke Tankerinnen kennen keinen Schmerz.

Tags darauf beschliesse ich, dass starke Tankerinnen doch Schmerzen kennen und gehe zu meinem Doc. Der findet nichts ausser einer angebrochenen Rippe. Sollte also bald besser werden.

Was für ein Weichei ich doch bin. Schrecklich. Und so fliege ich also tapfer mit meiner Familie nach Sardinien. Wusstet ihr, dass ein Flugzeug beim Start auf der Startbahn mindestens über 5 Millionen Stolpersteinchen fährt? Und wusstet ihr auch, dass die Familie das saulustig findet, wenn ich ein schmerzverzerrtes Gesicht mache. Okay, ich weiss: Weichei.

Irgendwie nehmen die Schmerzen mit jedem Tag ein bisschen zu und mir wird auch zunehmend übel. Also gehe ich bei der Heimkehr aus dem Kurzurlaub nochmal zum Doc. Der schickt mich zum Ultraschall. Und da sieht der Spezi doch tatsächlich, dass da noch eine Rippe ganz gebrochen ist. Oh, der Bruch ist ja noch ein ganz kleines bisschen verschoben und es hat sich ein Erguss gebildet. Das tue sehr weh, sagt der Herr Spezialist. Ach neeeeee? Nicht waaaaahr??? Ich meine, ich hatte schon während der Untersuchung das dringende Bedürfnis, ihn ein klein wenig zu beissen! Auaaaaaaaa…. !!!!

Wisst ihr, was man gegen dieses kleine Problem in meinem Brustkorb und Rücken nun machen kann? NICHTS!!! Rein absolut gar nichts – ausser Geduld und Schmerzmittel. Ersteres gehört absolut gar nicht zu meinen Kernkompetenzen und Zweiteres vertrage ich magentechnisch nicht. Hervorragend!

Beim nächsten leeren Tank steige ich aus, gehe um den Wagen und bücke mich wie ein normaler Mensch in Richtung Fussraum. Ohne Knack und so …

So in rund 2 Monaten wird es wieder besser – sagen die Docs. Autsch!

Schon wieder …

… liegt in unserem Briefkasten dreiste Post der Zeugen Jehovas! 😦

Echt jetzt? Leute, es nervt!

Wir gehören keiner Glaubensrichtung an, und das hat einen guten Grund. Die meisten Kriege und Gewalttaten geschehen aufgrund religiöser Differenzen. Ich konnte dem Ganzen schon als Kind nichts abgewinnen und durfte – mit dem Segen meiner Eltern – dem Religionsunterricht offiziell fernbleiben. Ich war unbequem … damals schon; die Lehrer waren überfordert mit meinen Fragen. Und die Antwort „einfach weil es so ist“, hat mir nie gereicht.

In letzter Zeit scheint unsere Adresse Ziel der Zeugen Jehovas zu sein. Immer wieder flattern hand- oder maschinengeschriebene Briefe mit Absender und Telefonnummer in unseren Briefkasten und wir werden zu Kongressen eingeladen und über den Glauben informiert. Okay: Vorher haben diese Typen an der Haustüre genervt – das hat Corona dann zu verhindern gewusst. Aber muss es jetzt dauernd Briefpost dieser „gläubigen Gemeinschaft“ sein? Ich halte so gar nichts davon – also, eigentlich weniger als gar nichts.

Wer einer Religion angehören möchte, der tut das doch freiwillig und weil er etwas davon hält. Wenn aber eine Gemeinschaft wie die Zeugen Jehovas um Mitglieder werben müssen, dann spricht das wohl für sich…

Im Brief wird uns versprochen, dass wir bei der Teilnahme an einem Kongress der Zeugen Jehovas erfahren werden, wie man Glauben entwickeln und behalten kann. Aha!

Hey Leute: Ich GLAUBE!!! Jawohl, ich glaube, dass ihr keine Ahnung habt, wem ihr da eure Post schickt. Ich glaube auch, dass ihr ziemlich verzweifelt sein müsst, wenn ihr mit solch peinlichen Briefen um Mitglieder werben müsst. Ich glaube auch, dass ihr Menschen anlocken wollt, um ihnen dann das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und ich glaube, dass ihr vom seelischen Elend von Menschen profitiert, die in der Verzweiflung bei euch landen und sich aus diesen Fängen nicht mehr befreien können.

Und ich glaube nicht nur, nein: ICH WEISS, dass unser Briefkasten die falscheste Stelle der Welt ist, um euren Müll in Briefform zu deponieren. Falls hier also jemand mitliest, der dieser Truppe angehört oder jemanden kennt, der dieser Truppe angehört: LASST UNS GEFÄLLIGST IN RUHE!

Habe ich schon erwähnt, dass mich das sauer macht? Oh, man merkt es? Dann ist ja gut …

Verflixte Sprache

Ich bin bekannt für FREI SCHNAUZE. Diese Art der Kommunikation macht mich und meine Schreibe aus. Jetzt muss ich mich im Kopf neu sortieren, denn die Wortwahl wird immer schwieriger – die Sprache verändert sich laufend. Zum Glück!!

Bei manchen Texten frage ich mich allerdings schon, ob da noch ein schöner Lesefluss zustande kommen kann. Man muss schliesslich auf nicht gerade wenige Faktoren achten:

Politisch korrekt muss der Text sein.

Sexistische Äusserungen gehen gar nicht (was auch immer inzwischen da alles dazugehört).

Rassistische Nähe geht auf gar keinen Fall (ich überlege mir inzwischen sogar beim Wort „schwarz“, ob es okay ist – egal in welchem Kontext es steht).

Gendern muss man inzwischen auch können – damit habe ich fast am meisten Mühe. Daran muss ich mich echt erst gewöhnen.

So – und wenn ich nun all das beachte … was kommt dann dabei raus? Irgendwie ein bisschen verkrampft das Ganze. Man müsste ja daraus schliessen, dass ich eine sexistische Rassistin bin die sich politisch völlig unkorrekt verhält – und dabei kommt mir jegliches Gendern abhanden.
Ich würde mal meinen, dass dem nicht so ist … aber es schwingt immer ein bisschen Angst im Hinterkopf mit, dass man etwas schreiben oder sagen könnte, was nun wirklich nicht geht. Und da ist mein Massstab noch so gar nicht mehrheitstauglich. Meine Schnauze ist oft immer noch schneller als das Hirn … mit dem Alter wird es schlimmer! Und wenn ich dann noch alle Regeln erst sortieren muss, dann werde ich vermutlich irgendwann stumm – oder ich lande hinter Gittern wegen nicht konformer Äusserungen.

Meine Güte – ich muss an mir arbeiten – aber erst gucke ich jetzt mal noch die EM!!!

Unerwartet perfekt

Wenn man von Tag zu Tag lebt und dabei versucht, jeden Tag so zu nehmen wie er eben kommt, dann plant man nicht mehr im voraus. In etwa so läuft unser Leben seit ein paar Jahren. Wir geniessen die guten Tage und überstehen irgendwie die weniger Guten. Wir haben lernen müssen, dass man im Leben nicht alles in der Hand hat. Es gibt Dinge, die passieren einfach, ob man will oder nicht!

Der Göttergatte hat mich überzeugen können, einen Sprung in unser „altes Leben“ zu machen und eine Woche Ferien in unserem ehemaligen Stammhotel anzutreten. Ich hatte Mühe mit diesem Gedanken. In meinem Kopf hatte ich diesen wunderbaren Ort „abgeschrieben“ und in die Schublade „perfekt gibt es nicht mehr“ gesteckt. Und trotzdem bin ich mit ihm losgefahren. Zusammen mit dem Tochterkind und ihrer Familie.

Die Anreise war gefühlsmässig für mich durchzogen. Was würde mich da wohl an Emotionen erwarten? Und … was soll ich sagen: ES WAR PERFEKT!! Ich habe die Eingangshalle der wunderbaren Hotelanlage in Österreich betreten, habe eingeatmet und meine Seele füllte sich mit dem Gefühl von „Zuhause“!!!! Ich hätte das niemals erwartet.

Petrus hat sich auch gnädig gezeigt und uns eine intensive Sommerwoche beschert. Und so konnten wir jeden Tag geniessen, baden, essen, chillen und unsere wunderbaren Enkelkinder geniessen, die uns das erste mal begleitet haben. Alles in allem also eine Fahrt an einen Ort, für welchen wir alle sehr dankbar sind und an den ich sofort wieder reisen werde. Wie gut, dass wir losgefahren sind! Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht erklären. Man muss sie einfach tun.

Kindermund

Ich hatte kürzlich ein äusserst lustiges Gespräch mit einem 5-Jährigen, der unsere kleine Ellie streicheln wollte. Mit einem spannenden Mundartdialekt hat er sich erkundigt, ob klein Ellie ihn beissen würde. Ich habe verneint und er hat sich auf den Boden gesetzt und unsere Fellnase genüsslich gestreichelt.

Ich: „Du hast aber einen lustigen Dialekt, wo kommst Du denn her?“

Er: „Von Zuhause.“

Ich: „Und wo ist das?“

Er: „Bei Mama und Papa.“

Ich (inzwischen breit grinsend): „Und wo wohnen Mama und Papa?“

Er: „Da wo ich.“

Um eine Ortschaft herausfinden zu können, wurde ich besonders kreativ – zumindest dachte ich das:

Ich: „Wo gehst Du mit Mama und Papa einkaufen?“

Er: „Im Denner … manchmal auch im Migros.“

Inzwischen standen seine Eltern in der Nähe und amüsierten sich über ihren Sohnemann und seine wahren Auskünfte. Ihr Grinsen war fast noch breiter als meins. Und wer nun denkt, ich hätte mir am Jüngling nicht die Zähne ausgebissen, der liegt falsch.

Ich: „Wo steht denn euer Denner?“

Er: „Fast dort, wo der Julian wohnt.“

Ich: „Und wo wohnt der Julian?“

Er: „Eben, grad hinter dem Denner, hab ich doch gesagt.“

Das anschliessende Lachflash war in beiden Dialekten dasselbe. Die Eltern haben ihren Spross an der Hand genommen und beim Verabschieden gesagt: „Wir kommen übrigens aus Lausen.“

Na also, geht doch!

Hallo Leben!

Hätte mir vor anderthalb Jahren jemand gesagt, dass die Gastronomie das Leben rockt, hätte ich gesagt, dass man dann wohl einen sehr engen Horizont haben muss. Und was merke ich nun? Mein Horizont in den letzten unendlich langen Monaten war eng. Sehr eng. Also eigentlich von unserer Gartenhecke bis zur Küche und wieder zurück …

Und am Sonntag haben der Göttergatte und ich (selbstverständlich beide vollständig geimpft) unseren Horizont mit einem kleinen Paukenschlag wieder geöffnet. Für andere ein Witz – für uns ein grosser Schritt ins normale Leben. Wir waren gemeinsam im Restaurant unter freiem Himmel und haben bestellt, worauf wir gerade Lust hatten. Wir haben all die fröhlichen Menschen beobachtet, den Gesprächen gelauscht, das rege Treiben auf dem Kinderspielplatz beäugt und uns köstlich amüsiert. Es hat sich angefühlt wie die Rückkehr des Lebens (das klingt nun etwas abgedroschen … wie ein Film aus der Küche Hollywoods).

Tags darauf kam dann der nächste grosse Schritt: Einladung zu einem Hochzeitsfest – und demzufolge einige Menschen, die wir weder kannten noch von uns fern halten mochten. Auch dies hat im Freien stattgefunden. Klar, Desinfektionsmittel immer griffbereit … obwohl ich zu meiner Schande gestehen muss, dass mein vermeintliches Desinfektionsmittel sich als Hygienewaschlotion herausgestellt hat und der Göttergatte und ich anschliessend klebrige Seifenhände hatten. Shit happens!

Wir haben gefühlt stundenlang gelacht – dem bunten Treiben der Hochzeitsgäste zugeschaut, der kubanischen Musik gelauscht, getanzt und das Leben gefeiert. Und ich habe nach Monaten das erste mal zwei Menschen umarmt, die nicht zu meinem engsten Familienkreis gehören. Ich gebe zu, ich war verunsichert … soll ich, oder soll ich nicht? Und dann hab ich es einfach getan, und habe es genossen. Ein wunderbar neues Gefühl! Zugegeben: Im Bauch immer ein etwas mulmiges Nebengeräusch dazu … ob das für immer bleiben wird?

Covid ist noch lange nicht vorbei – das wird es vermutlich auch nie. Es gehört zu uns und unserem Leben und wir werden uns arrangieren lernen. Der Moment für die totale Fahrlässigkeit wäre der falsche – aber das Gefühl, wieder ein Stück Leben zurückzubekommen, ist definitiv wunderbar. Und weil es so schön ist … heute gleich nochmal … Restaurantbesuch mit den langjährigsten Freundinnen, die ich auch schon seit Monaten nicht mehr umarmt habe. In meinem Fall ist es so, dass ich auf die Küsschen hier und Küsschen da gut verzichten kann – die brauchen für mich nicht mehr zurückzukommen. Aber eine Umarmung wärmt die Seele schon ungemein. Ach ja: Auch das Pfotenschütteln muss nicht mehr sein. Ich will mich danach nicht dauernd mit der versehentlich gekauften Hygienewaschlotion einschmieren müssen – und dieses kleine Fläschchen mit der blauen Flüssigkeit (im Optimalfall Desinfektionsmittel) wird mein Begleiter bleiben.

Welcome back to life 🙂