Papier ist geduldig

Wie jedes Jahr um diese Zeit, ist auch in diesem Jahr die „Bilanz“ wieder an jedem Kiosk zu kaufen. Erfahrungsgemäss die meistgelesene Bilanz, denn da stehen die 300 Reichsten der Schweiz drin – mit Angabe ihrer Vermögen.

Und genau da haben wir die Krux! Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass die Vermögenden des Landes einfach mit ihren Zahlen um sich schmeissen. Und drum sitzen auf der Redaktion der Bilanz 32 fleissige Schreiberlinge, die – oftmals mangels gesicherter Informationen – einfach mal so aus der Luft ein paar Zahlen nehmen und diese dann abdrucken. Hoch lebe die Pressefreiheit. Otto Normalverbraucher liest dann, dass Familie Blocher mit einem „geschätzten“ Vermögen von 11 – 12 Milliarden Schweizerfranken zu den „Aufsteigern“ des Jahres gehört. Man läuft Gefahr, dabei zu meinen, dass diese Milliarden Bargeld seien, welche auf der Bank liegen. Totaler Quatsch! Da werden sämtliche Firmen, Immobilien und Anlagen bewertet und dann Handgelenk mal Pi eine Zahl rausgehauen, welche dann mit „geschätzt“ verbreitet werden darf. Aha …

Was mich zusätzlich ärgert ist die Tatsache, dass von diesen Reichen Bildern abgedruckt werden, welche irgendwo der Hochglanzpresse entnommen wurden. Da sieht man den Manager auf dem Golfplatz, den Unternehmer auf dem roten Teppich oder den Maschinenbauer im Smoking. Man könnte annehmen, dass dies einen Eindruck des Lebens der Reichen vermittelt – was natürlich wieder totaler Blödsinn ist. Kein reicher Mensch lebt 24/7 so. Es sind nämlich auch einfach Menschen.

Der Supergau in der diesjährigen Bilanz ist aber die Betitelung von Hansjörg Wyss (Pharma und Beteiligungen), der als Absteiger des Jahres gehandelt wird. Wie kann man jemanden als Absteiger betiteln, der 6 Milliarden (die Hälfte) seinen Vermögens für das Gemeinwohl spendet? Da ist die Wortwahl aber gehörig misslungen, liebe Redaktoren. Jemand, der die Hälfte seines Vermögens weiterverschenkt, der ist für mich ein Gewinner – aber das ist leider fernab der Bilanz.

Jahr für Jahr ärgere ich mich über dieses Hochglanzmagazin, welches jene Menschen auf den Präsentiersteller legt, die den Schweizer Arbeitsmarkt sichern. Ich wäre sehr dafür, dass man die 32 Rechercheure der Bilanz einmal so Handgelenk mal Pi durchleuchten würde, um sie genauso an den Pranger zu stellen. Das gäbe bestimmt ein lustiges Magazin. Ich würde es kaufen … um mich daran zu erfreuen, wie simpel solche Menschen gestrickt sind.

Wenn Groupies ins „Alter“ kommen

So, nun sitze ich also da am Laptop – nach einem sensationellen Konzert von Mark Forster in Zürich. Nach knapp sieben Stunden Schlaf und mit Dauerrauschen in den Ohren (trotz Ohrenschutz) habe ich leichte After-Konzert-Beschwerden. Nun ja, das kommt davon, wenn man mit 50 Jahren meint, den Star zuerst treffen zu müssen, um dann die erste Reihe knapp zwei Stunden vor Konzertbeginn zu verteidigen und dann noch weitere zwei Stunden mitzuhüpfen und mitzusingen. Wir sind einfach nicht mehr die Jüngsten. In besagtem Fall haben wir vermutlich das Durchschnittsalter sogar massiv angehoben. Es hatte unsagbar viele Kids, die textsicher das ganze Konzert durchgehalten haben. Unsere Groupietruppe hat aber eher wenig Jugendliches dabei. Mehrheitlich bewegt sich unser Alter zwischen 50 und Ü60. Bild gefällig?

Also der sympathische Typ in schwarz ist kein Groupie – das ist Mark Forster; dies für alle, die nicht wissen, wie der Star des Abends aussah 🙂

Zugegeben, wir sind alles junggebliebende Oldies – aber eben Oldies. Das hat sich auch bemerkbar gemacht, als wir nach dem Konzert die Halle verliessen. Während bei der jüngeren Generation wohl eher die Eindrücke des Abends das Thema waren, war es bei uns der Austausch von „Wehwehchen“ nach diesem Abend. Da hatten wir neben Durst und Hunger Dinge wie Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Fussweh, Beinweh, Müdigkeit, Ohrenschmerzen und Kopfbrummen. Daran merkt man eindeutig, wenn man zur Oldiestruppe der Groupies gehört, was uns aber nicht davon abhalten wird, unsere Touren auf coolen Konzerten weiterzumachen. Schliesslich lebt man nur einmal …!

Der Vorteil daran, ein älteres Groupie zu sein: Wir reisen angenehm, organisieren gut, können alleine pinkeln gehen, müssen uns nicht mit Alkohol zuschütten, um eine Party zu haben und „zehren“ nach einem solchen Abend in der Regel relativ lange vom Erlebten. Selbst wenn es nur wegen der Nachwehen ist! 🙂

Groupies forever!

Alles für die Katz …

Galerie

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Ursprünglich veröffentlicht auf Piccolina – klein aber oho:
Natürlich weiss ich, dass es Tierkommunikation gibt. Ich habe mich aber bisher mit diesem Thema nie näher beschäftigt. Meinem Alter entsprechend habe ich gelernt, nicht mehr immer alles zu glauben…

Terrorkrümel

Wenn sechs Kilogramm Hund den Aufstand proben, dann kann das zuweilen recht mühsam sein. Auch wenn klein Ellie tatsächlich sehr klein ist, so schafft sie es locker, meine Nerven bis zum Anschlag auf die Probe zu stellen. Die kleine Motte hat es faustdick hinter den Ohren! Schliesslich sind selbige auch gross genug dafür …

Sie kann unschuldig gucken wie ein Lamm – und gleichzeitig ein richtiges kleines Monster sein. Madämchen hat nämlich entdeckt, dass ihre Hundefreunde, bei welchen wir öfters zu Besuch sind, nicht dasselbe fressen, wie sie. Und was macht Madämchen nun? Ich fülle ihren Napf mit ihrem Futter, sie kommt, guckt rein – guckt mich an – guckt wieder rein und läuft weg. Könnte sie dabei noch beleidigt die Wallemähne in den Nacken werfen, sie würde es tun.

Da ich gelernt habe, dass man unerwünschtes Verhalten ignorieren soll, tue ich also, als ob mich das nicht die Bohne interessieren würde. Innerlich koche ich, aber das soll klein Ellie natürlich nicht merken. So nach einer Stunde rufe ich sie, spiele mit den Fingern im Napf rum und sage: „Komm Ellie, feiiiiiiin!“ (ja, ich mache mich dadurch total zum Affen). Die Kleine schwänzelt freudig, guckt wieder in den Napf und ich schwöre euch, dass ihre Augen dann zu mir sagen: „Friss den Mist doch selber, ist ja immer noch dasselbe wie vorhin!“ Und weg ist sie wieder.

Ihr denkt, dass es das schon war. Nein – weit gefehlt. Ellie hat bislang nie reingepinkelt. Die letzten Tage hat sie aber zum Rundumschlag ausgeholt. Sie dreht pikiert im Haus eine Runde, weil im Napf ja immer noch der gleiche Mist liegt … und pinkelt gezielt auf Plätzchen, wo ihre Hundefreunde sonst liegen. Oder aber ich rufe sie, um mit ihr Gassi zu gehen – und sie kommt und pinkelt protestartig auf den Teppich bei der Ausgangstüre. So als wolle sie sagen: „Futterwechsel oder Du kannst das Zeug noch hundertmal waschen!“

Echt jetzt? Dieses kleine Monster probt grad den Aufstand. Und ich bin nicht bereit, auch nur einen Millimeter nachzugeben. Schliesslich bin ich grösser, schwerer und … der Chef. Und das scheint Ellie einfach nicht kapieren zu wollen. Auch das Organigramm unseres Haushalts will sie nicht lesen … dann würde ihr nämlich klar, dass ICH hier der Boss bin.

Inzwischen renne ich mit Wurfgeschossen in der Hosentasche im Haus rum. Und wehe, ich erwische Madämchen, wenn sie sich hinhocken und Pipi machen will … dann fliegt ihr die Schelle um die Ohren! Nicht zu fassen, dass das 6-Kilo-Fellknäuel manchmal so abartig nerven kann. Und dann unmittelbar danach den Unschuldsblick aufsetzen und bei Herrchen petzen … jaja … kleine Weiber!

Rückblick auf ein hartes Jahr

Am 12. November letzten Jahres wurde uns von einer Sekunde auf die andere der Boden unter den Füssen weggezogen. Ohne Vorahnung, ohne Vorwarnung, ohne ein sachtes Gespräch wurden wir mit der Krebsdiagnose meines Göttergatten konfrontiert. Auf dem Korridor des Krankenhauses. Der Boden unter den Füssen tat sich auf und – da war nur noch ein schwarzer Abgrund.

Die Diagnose war niederschmetternd, die Prognose noch viel mehr. Nach dem ersten Schock legten wir zusammen mit dem Göttergatten den Schalter auf Kampfmodus um. Aufgeben war von der ersten Sekunde an keine Option, obwohl man uns sehr entmutigt nach Hause entlassen wollte. Noch heute höre ich den Satz des Arztes: „Auf ein paar Wochen kommt es bei ihrem Mann nicht mehr an.“

Jetzt, zwei schwere Operationen, diverse Bestrahlungen und pausenlose Chemiekäulen später, sitzt mir mein Göttergatte munter gegenüber. EIN JAHR SPÄTER! Wer hätte das damals gedacht? Kein einfacher Weg, den wir da in den letzten Monaten zusammen gegangen sind. Mein Held hat mit seinem Optimismus, seinem unfassbar starken Lebenswillen und ganz viel Hoffnung und Zuversicht diesen Weg aber bisher erfolgreich gemeistert. Und ich bin wahnsinnig stolz auf ihn. Gemeinsam haben wir uns auf dem Onkoplaneten einrichten müssen – wohl oder übel. Und gemeinsam – als Familie – haben wir versucht, uns mit diesem Schreckgespenst Krebs zu arrangieren. Was blieb uns auch anderes übrig. Getragen werden wir von unserer starken Familie, unseren wunderbaren Freunden, vielen lieben Bekannten und sogar Unbekannten. Und eine inzwischen sorgfältig ausgesuchte Ärztecrew begleitet uns auf diesem Weg. Ja, richtig – UNS. Der Krebs betrifft nämlich alle, die den Weg mitgehen. Alleine wäre diese Aufgabe nicht zu meistern.

Bestimmt fragt ihr euch nun, wie es denn jetzt weitergehen wird – wie unsere Zukunft aussieht. Nun ja: Das wissen wir nicht. Wisst ihr, wie eure Zukunft aussehen wird? Es ist eigentlich ausgeschlossen, eine medizinisch verbindliche Aussage zu machen – schliesslich hiess es vor einem Jahr „auf ein paar Wochen kommt es nicht mehr an“.

Wir geniessen, was im Moment ist. Wir sind dankbar, gemeinsam den Weg so weit gegangen zu sein und diesen hoffentlich noch ganz lange weitergehen zu können. Kein Arzt kann mit Sicherheit sagen, was passieren wird. Schliesslich gibt es gerade in der Medizin Rätsel, die kein Mensch erklären oder lösen kann. Wir nehmen Tag für Tag, haben unsere Prioritäten überdacht und unser Leben neu organisiert.

Wer weiss schon, was morgen ist? Das gilt nicht nur für Krebspatienten – das gilt für alle Menschen. Und allen, denen mit einer solchen Diagnose der Boden unter den Füssen weggezogen wird, kann ich nur raten: Glaubt nicht alles, was euch gesagt wird. Jeder Mensch ist anders, jeder Körper reagiert anders und – auch die Götter in weiss haben nicht immer die absolut richtige Erklärung. Kämpfen lohnt sich immer – am besten gemeinsam!

Die Lösung für schlechte Tage?

Da stand ich kürzlich mit meiner nicht biologischen Schwester (genannt Sis‘) in einer Parfümerie, um Nagellack zu kaufen, als der Verkäufer uns je eine Gesichtsmaske als Geschenk in die Hand drückte und meinte: „Wenn ihr morgens mal das Gefühl habt, dass das nicht euer Tag ist, dann benutzt diese Maske.“ Nun ja, wir haben ihn selbstverständlich gefragt, ob er uns einen Lastwagen voll davon mitgeben könnte – gegen den Novemberblues und so. Oder einfach gegen trübe Tage. War aber leider nicht möglich.

Heute habe ich dieses Wunderding also ausprobiert. Nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf bin ich gerädert ins Bad gewatschelt und habe den Inhalt der kleinen Tube in meinem Gesicht verteilt. Der gute Mann hat uns gesagt, dass man das Zeug auf dem Gesicht behalten kann, weil es von selber einzieht. Man muss also die Maske nicht runterwaschen. War mir noch so recht – dazu hatte ich nämlich so gar keine Lust.

Mit einem weissen Gesicht sass ich beim Frühstück und mein Göttergatte guckte etwas irritiert. Männer! Schliesslich steckte ich alle Hoffnungen in dieses weisse Etwas. Ich würde danach frisch und munter durch die Welt tanzen – in meinen Gedanken zumindest.

Nach einer Stunde verspürte ich – entgegen meiner Erwartungen – auf einmal den unsäglichen Drang, mein Gesicht zu waschen, weil meine Haut zu ersticken drohte. Es fühlte sich fettig und klebrig an; zwar nicht mehr weiss, aber nicht angenehm. Also schrubbte ich die Crème runter und … was prangte da auf meinem Kinn? Ein hässliches und fettes Pickel! Das durfte doch nicht wahr sein. Der Mann hatte versprochen, dass diese Tube die Rettung für schlechte Tage sein würde. Hä? Mit einem fetten Pickel im Gesicht? Also ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich nun dadurch besser fühlen würde – im Gegenteil: Ich hatte ungefähr fünf Minuten, um das hässliche Dings halbwegs vernünftig abdecken zu können.

Okay – wenn ich das nächste Mal in der Nähe besagter Parfümerie bin, werde ich dem netten Herrn Verkäufer sagen, dass Pickel meinen Tag nicht retten. Gesichtsmasken werden also auch künftig nicht in mein Beautyrepertoire gehören …