Alltagsallergie

Da komme ich total entspannt, frisch renoviert und gerade gerichtet nach vier wunderbaren Wellnesstagen nach Hause und will noch ganz lange von den schönen Erinnerungen zehren. Leider macht mir da mein Rücken einen Strich durch die Rechnung. Einfach so, aus dem Nichts – beim Sitzen – macht es auf einmal ganz übel AUTSCH und mein Kreuz fühlt sich an, als ob ich 100 Kilo gehoben hätte. Laufen tut weh, Sitzen tut weh, Liegen tut weh, Stehen tut weh und Husten treibt mir die Tränen in die Augen. Das gibt es doch gar nicht.

Ich überlege, was ich denn getan haben könnte. Also: Koffer ausgepackt, Wäsche in die Waschküche verfrachtet, mit dem Hund draussen gewesen, Tisch aufgedeckt, Kleider versorgt und sonst noch gefühlt 50 Alltagsdinge halt.

Aber nichts hat sich akut überlastend angefühlt. Der Schmerz kam danach beim Sitzen und ist seither da – und er lässt mich aussehen wie eine 100-Jährige. Ich habe Mühe bei jeder Bewegung und frage mich die ganze Zeit, was ich wohl falsch gemacht habe. Eigentlich gibt es dafür nur eine logische Erklärung: Mir ging es im Wellness hervorragend und ich war rundum pudelmunter und fit. Ich komme wieder in den Alltag und … AUAAAAAAA!!! Also kann es sich dabei eindeutig nur um eine Alltagsallergie handeln. Vielleicht bin ich ganz einfach nicht für den Alltag konzipiert?! Möglicherweise bin ich eine Fehlkonstruktion, die nur dann perfekt läuft, wenn sie im Ausnahmezustand (sprich Ferientage) ist. Oh je – jetzt habe ich den Salat.

Ob die Rückenschmerzen sich verziehen, wenn ich ein Antiallergikum schlucke? Auf dem Beipackzettel steht aber eben nichts von Alltagsallergie. Da steht nur Pollen, Haare und Staub. Das dürfte also nicht die Lösung sein. Und ich habe auch schon versucht, so zu tun, als ob ich nicht im Alltag wäre. Mein Rücken hat mich aber sofort in die Realität zurückgeholt. Selbst die Tasse mit dem Kaffee lässt mich zucken, wenn ich sie hebe. Und Kaffee ist mein Muntermacher in der Freizeit und im Alltag.

Ich versuche grad, ganz tapfer nicht in den Alltagsblues zu verfallen – schliesslich ist nicht jeder Tag Wellness. Ob mein Rücken das auch noch kapieren wird, werden wir sehen. Ich möchte aber jetzt einfach gerne bedauert werden …

Der Festivalsommer 2017 geht zu Ende

Eine Kleinstadt in meiner Region hat ein umtriebiges Völkchen an Rockmusikfans. Diese organisieren jährlich ein beachtliches Rockfest, welches zunehmend gross und grösser wird. Dabei werden unendlich viele Stunden Arbeit und ein grosses Engagement aller Beteiligten ehrenamtlich geleistet. Einfach aus Spass an der Musik, am Zusammensein und weil man mit Musik bekanntlich am meisten Menschen erreicht.

Das Ganze hat sich zu einer riesigen Party gemausert, auf welche inzwischen eine riesige Fangemeinde begeistert wartet.

Solche Events kosten eine ganze Menge Geld, welches nicht vom Himmel fällt. Es müssen Sponsoringanträge gemacht werden, man ist auf den Goodwill vieler Musikfreunde angewiesen und so wird versucht, dieses Spektakel für alle zugänglich zu machen. In der Regel kosten nämlich solche Veranstaltungen den Zuschauer einen ganz schönen Batzen Geld in Form eines Eintrittstickets. Üblicherweise werden solche Eventgelände abgesperrt und rein kommt nur, wer ein Ticket hat.

Die Kleinstadt will das aber nicht und rechnet mit dem Verständnis und der Fairness der Besucher-/innen. Dafür spazieren Freiwillige mit Buttons durchs Gemenge und bieten den Besuchern einen Button für CHF 8.— (!!!) an. Der Kauf ist freiwillig und unterstützt die anfallenden Kosten zu einem winzigen Teil. Und man müsste meinen, dass es Ehrensache ist, einen solchen Button zu kaufen, wenn man schon eine Party geboten bekommt. Das ist aber lange nicht für alle Ehrensache. Was die Helfer da zum Teil erleben, verschlug selbst mir die Sprache.

Beispiele gefällig?

„Was quatschst Du mich voll?“
„Ich kann mein Bier trinken, wo ich will. Dafür brauch ich keinen Button.“
„Verpiss Dich mit Deinen blöden Buttons.“
„Ich habe selber eine Behindertenrente und das ist schliesslich ein Fest für Behinderte.“

Mit solchen Pöbeleien werden die frewilligen Helfer-/innen konfrontiert und das, nachdem sie bereits stundenlange Vorarbeit auf dem Buckel haben und all dies letztlich tun, um ein Musikfest von Menschen für Menschen auf die Beine zu stellen.

Mich überrascht nicht, dass die Festivals immer mehr um ihre Existenzen kämpfen müssen. Schliesslich müssen die Kosten gedeckt werden und es gibt so gut wie keine unentgeltlichen Anlässe mehr. Otto Normalverdiener kann sich aber eben auch nicht einfach so einen Festivalpass für 200 Franken leisten … und so kämpfen im Sommer unzählige Veranstaltungen um Besucher. Und wenn dann eine Stadt das Ganze nach wie vor auf der Basis „von uns für ALLE“ macht, dann sollten solche Reaktionen eigentlich verboten sein. Aus Anstand, Fairness und einfach, weil man sowas nicht tut. Es könnte sonst nämlich auf einmal passieren, dass es solche Anlässe einfach nicht mehr gibt – und dann wäre das Gejammere wohl noch grösser. Drum Memo an alle: Wer nächstes Jahr wieder am „Rock am Märetplatz“ dabei sein will, soll die CHF 8.– bitte schon beim Anmarsch bereithalten. Viel Spass an solchen und ähnlichen Events!

 

 

Rettung schafft Abhängigkeit

Ich habe mir in letzter Zeit bei all den vorherrschenden Themen auf der Welt sehr viele Gedanken über Rettung und Hilfe gemacht. Flüchtlinge werden von Ländern gerettet und aufgenommen, Arbeitslose werden von grossherzigen Arbeitgebern wieder beschäftigt und in den Arbeitsprozess integriert, schutzlose Tiere werden gerettet und resozialisiert.

All dies sind wunderbare Taten, Eigenschaften und Charakterzüge. Aber was ist danach? Was zieht eine Rettung – egal welcher Art – für Gefühle und Erwartungen nach sich? Und zwar auf beiden Seiten! Weiterlesen

Chaotin trifft auf Ordnungsfreak

Mal angenommen, ich arbeite in einem neuen Umfeld. Schöner Gedanke! Mal angenommen, dass ich dort in ein bereits bestehendes Raster komme. Schwieriger Gedanke! Warum? Ganz einfach:

Bei mir liegt am Arbeitsplatz während meiner Einsatzzeit überall etwas rum. Hier ein Bleistift, da ein Notizblock, dort ein Locher, daneben ein Radiergummi – nicht zu vergessen die Brille und mein Handy. Und wenn ich mich für eine Minute vom Platz entferne, um die Hände zu waschen, dann kommt ganz bestimmt genau in diesem Moment ER. Nennen wir ihn Scheff. Klingt cool! Einziges Problem: Scheff ist ein Ordnungsfreak. Also wird in Windeseile mein wunderschönes Chaos aufgeräumt und ich komme zurück und muss wieder von vorne anfangen. Schliesslich finde ich jetzt meine Brille nicht mehr, kann ohne die Brille nichts mehr lesen, suche verzweifelt den Notizblock und fluche, weil mein Handy auf einmal verschwunden ist.

Wie soll man den Überblick über das eigenen Chaos behalten, wenn der Scheff im Vorbeigehen immer alles sofort wieder ordnet? Und meine hübschen Notizzettel, welche ich mit Magneten an den Magnetstreifen über dem Pult hänge, ordnet der Scheff so, dass sie in regelmässigen Abständen genau gerade in Reih und Glied hängen. Hä? Und auf dem Desktop des Computers sind meine wunderbar kreativ abgelegten Dokumente auf einmal im Abstand von jeweils 7,5 mm nebeneinander sortiert. Wie kleine Soldaten glotzen sie mir entgegen. Wozu?????

Der Scheff versucht täglich gefühlte 20 mal, meine Kreativität mit seinem Ordnungsfimmel zu killen. Und ich bin inzwischen schon froh, wenn er mich nicht während der Arbeit mit dem Glasputzmittel und dem Wischtuch vom Pult fegt, weil er auch Fingerabdrücke nicht ausstehen kann. Wie bringt man einen Ordnungsfreak dazu, das organisierte Chaos zu schätzen? Oder: Muss ich nun ordentlich werden? In meinem Alter noch? Ach Du meine Güte, das wäre ja schrecklich…

Aufwändiger Tierschutz

Dieser Sommer war ein sehr intensiver Katzensommer. Warum? Weil wir in unserem Tierheim über 25 Handaufzuchten zum ohnehin schon vollen Tierheimalltag zu bewältigen hatten. Das ist sehr viel. Und jene, die nun denken, dass sie doch auch schon Katzenwelpen zu Hause hatten und das kein Problem ist, die müssen sich kurz fragen: War da die Katzenmutter mit dabei? Katzenbabies zu haben, wenn die Mama mit dabei ist – nun ja, das ist in der Tat keine Hexerei. Da macht nämlich alles die Katzenmutter. Was aber, wenn die Katzenmutter verschwunden ist und die kleinen, hilflosen Geschöpfe im Alter von ein paar Tagen bei uns landen? Weiterlesen

Im Irrenhaus

Meine lieben und treuen Leser/innen – so kann man sich irren: Ich dachte, ich arbeite in einem Tierheim. Mit jedem Arbeitstag wird mir aber irgendwie bewusster, dass es ein IRRenhaus sein muss. Ein lustiges IRRenhaus – bestehend aus einem IRRen Team, angeführt von einem IRRsinnig besonderen Chef, der unterstützt wird von seinen IRRE kreativen Eltern und seiner IRRwitzigen Familie. In den Boxen wohnen IRRsinnig laute Vierbeiner. Das Office wird aktuell von IRRE aufsässigen Fliegen überfallen und das macht das Arbeiten am IRRsinnig langsamen Computer für die leicht verwIRRte Modepraline auch nicht gerade einfacher. Im Team hat es lauter leicht wIRRe Weibchen, die ALLE meine Töchter sein könnten. Und jede hat so ihre eigene IRRe Geschichte, die sie im Vorbeigehen kurz noch mitteilen muss. Weil man bekanntlich über den Chef und dessen Familie keine Intimitäten schreiben darf, müssen halt die anderen Teammitglieder herhalten. Sorry, Mädels – aber da müsst ihr durch! Weiterlesen

Vielschreiberin

In den letzten anderthalb Jahren bin ich zur absoluten Vielschreiberin geworden. Es wurde täglich mehr, ohne dass ich es bemerkt habe. Eigentlich hatte ich auch niemals den Plan, auf meinem Blog tagtäglich eine neue Geschichte aufzuschalten. Das hat sich einfach so ergeben. Und dann kamen auf einmal noch Anfragen hier und da, was bedeutet, dass ich nun auch noch für eine Tageszeitung einen Blog übernommen habe, für ein Tierheim immer wieder Texte verfasse, Studienarbeiten überarbeite und beim Erstellen von Bewerbungsdossiers helfe. Ja, irgendwie hat es sich so ergeben, dass alle, die etwas schreiben müssen, zuerst mal bei mir anfragen, ob ich ihnen wohl helfen könnte. Und so ist aus einem anfänglichen Hobby inzwischen ein Fulltimejob geworden. Weiterlesen