Logik eines „Sonderlings“

Vorweg schon mal: Ihr müsst nicht in Panik ausbrechen, ich grenze niemanden aus. Der Sonderling nennt sich selber sogar Behindi. Soweit wollte ich nun nicht gehen … drum heisst er bei mir Sonderling. Ich finde, das passt besser.

Der Sonderling ist ein deutscher Jüngling, mit dem ich seit fast einem Jahr intensiven Kontakt habe. Wir schreiben, telefonieren oder simsen und lachen dabei viel – obwohl man eigentlich denken müsste, dass es für ihn nicht viel zu lachen gibt. Er hat nämlich vor einem Jahr die niederschmetternde Diagnose malignes Glioblastom Grad IV bekommen. Dies ist ein absolut bösartiger Hirntumor, der die mittlere Überlebenszeit mit wenigen  Monaten angibt. Keine schönen Aussichten. Er aber hat aus diesem Ereignis ein neues Leben kreiert. Ein Leben mit dem „Kumpel im Kopf“, wie er den Tumor nennt. Und er lässt sich den Spass am Leben trotz aller Widrigkeiten nicht nehmen. Sein Humor ist für viele Menschen gewöhnungsbedürftig, ich finde ihn einfach nur weltklasse.

So kam es, dass wir letzthin abends zusammen telefoniert haben, weil ihm das Schreiben zu kompliziert war … seine Fingerchen waren nämlich klamm von der Kälte. Da drängte sich bei mir die Frage auf:

„Warum hast Du kalte Finger?“
Er so: „Weil ich auf dem Balkon stehe.“
Ich so: „Was zum Teufel machst Du auf dem kalten Balkon?“
Er: „Rauchen – das ist draussen gesünder als drinnen!“

S T I L L E !!!!

Seit wann wird Rauchen in einem Satz in Verbindung mit „gesund“ benutzt? Hä??? Nun ja, auch da war seine absolut pragmatische Erklärung prompt:

„Auf dem Balkon kommt wenigstens noch frische Luft dazu?“

Oh, wieso bin ich auch selber nicht drauf gekommen? Dann sind doch alle Outdoorraucher ab sofort auch nicht mehr gefährdet, durch ihr Laster krank zu werden. Alles klar! Ich würde mal meinen, dann müssten die Statistiken ja sehr in Richtung Gesundheit zeigen, schliesslich ist heutzutags beinahe überall das Rauchen indoor verboten. Das scheint also einfach die Logik eines Sonderlings zu sein, der einen nicht erwünschten Kumpel im Kopf mit sich rumträgt. Und bevor ihr jetzt alle schimpft: Seine Art von Rauchen beschränkt sich auf medizinische Zwecke – und er hat ohnehin in seinen Augen nicht mehr sooooo wahnsinnig viel zu verlieren. Höchstens noch an Lebenszeit und Qualität zu gewinnen. Drum: Go for it, mein Lieber – Du kippst mit Deinem Humor die Überlebensstatistik locker.