Soviel Energie für nix …

Eigentlich habe ich gedacht, ich würde nie wieder zum leidigen Thema COVID19 schreiben – aber ich komme nicht drum herum! Warum? Weil die Nörgler, Motzer und Besserwisser mir so derart auf den Senkel gehen – ganz einfach darum!!! Irgendwo muss der Frust ja raus … und bevor ich mir die Haare raufe, schreibe ich hier, was ich denke.

Ich lese gerne, sehr viel und sehr gezielt. Die sozialen Medien machen dabei einen grossen Teil meines Lesebedarfs aus, weil auch die Zeitungen und die Fachartikel inzwischen dort aktiv sind. Aber eben nicht nur sie: Auch die hochintelligenten Kommentatoren, die ihre Fachprofessur auf COVID19 in den letzten Monaten absolviert haben, tummeln sich auf diesen Plätzen. Und die Aktivisten für und gegen Irgendwas … die Maskengegner, die Politwissenschaftler mit ihren selbstgebastelten Diplomen und was es da noch so alles gibt.

Wenn ich mir schon alleine bei den Masken überlege, was da an Energie in die Welt hinaus geschossen wird, um sich darüber zu ärgern und die Regeln in Frage zu stellen, dann könnten unsere Kraftwerke allesamt den Dienst einstellen und wir hätten genügend Motzenergie bis in alle Ewigkeit. Vermutlich würde es in jedem zweiten Haushalt die Sicherungen raushauen, bei soviel negativer Energie! Highlife also für alle Elektriker …

Echt jetzt, Leute – euch fällt allen kein Zacken aus dem Gebiss, wenn ihr einfach diesen Mund- und Nasenschutz anzieht und aufhört, ständig zu motzen. Es gibt da draussen unfassbar viel Pflegepersonal, dass das seit Jahren tagtäglich zu eurem Schutz tut, wenn ihr Pflege nötig habt. Wenn die soviel Zeit mit Motzen und Jammern verbringen würden, dann hätten wir akuten Pflegenotstand.

Für alle, die es immer noch nicht begriffen haben: Mit der Maske in eurem Gesicht schützt ihr euer Umfeld, nicht euch!!! Euer Umfeld schützt euch, indem es dasselbe tut. Es nützt also nichts, wenn ihr immer wieder argumentiert mit: Ich habe keine Angst vor Covid19, ich brauche die Maske nicht. Euer Gegenüber hat nämlich möglicherweise grosse Angst – ist möglicherweise ein Risikopatient – wäre möglicherweise froh um Rücksichtnahme – und möglicherweise wäre es nicht mehr als anständig, sich jetzt ENDLICH nicht mehr wie ein trotziger Knirps im Sandkasten zu verhalten.

Die Schweiz hat ein verdammtes Luxusproblem: Wir sind es nicht gewohnt, uns an Auflagen zu halten. Wir stellen diese in Frage, demonstrieren, motzen, schreien, begehren auf und haben das Gefühl, man klaue uns unsere Freiheit! Blödsinn!!! Was mir an den vielen Motzern auffällt ist, dass es oft jene sind, die im Alltag kaum auf etwas verzichten und weiterleben, wie vor COVID19.

Ich bin eine kritische Menschin mit nicht schlechter Bildung – ich hinterfrage, lese, höre zu, vergleiche und hirne. Aber in Zeiten einer globalen Pandemie käme es mir nicht im Traum in den Sinn, soviel Energie in den Widerstand gegen Regeln zu investieren. Meine Gedanken sind nämlich auch hinter diesem Stöffchen oder Papierchen frei. Und selbst meine kleine Enkelin hat sich schon lange daran gewöhnt, dass man sich die Hände desinfiziert und dass ihre Eltern und Grosseltern Masken tragen, wenn sie einkaufen gehen. Sie ist 1 1/2-jährig und nimmt die neue Normalität einfach an. Tut das doch bitte auch – diese Normalität könnte nämlich künftig zu unserem Leben gehören – ob euch das passt, oder nicht! Und der kleine Kollege COVID interessiert sich einen Deut für euer Gezeter …

Back to …. 2005!

Vor mir liegen Kabel, Kabelbinder, Lötkolben, Batterien, Sekundenkleber, Büroklammern, Leim, Kartonschachteln und Stopfmaterial. Was das soll? Ich baue mir eine Zeitmaschine!

Ja, richtig – ich habe die Schnauze voll von 2020! Gestrichen voll. Eigentlich ist unser Leben schon seit ein paar Jahren mehr als kompliziert. Seit wir von einem Tag auf den anderen auf den Onkoplaneten katapultiert wurden, war es nie wieder unbeschwert. Keinen Tag, keine Stunde, keine Minute. Und als wir dachten, uns könne praktisch nichts mehr das Leben verkomplizieren, da kam 2020!

COVID19 hiess der neue Fiesling und stellte sich uns ganz gemein in den Weg. Als ob es da nicht schon genug Steine drauf hätte. Das Mistding grinst uns täglich ins Gesicht und sagt „ätsch, schön zu Hause bleiben, ich lauere nämlich überall“!

Ah, dann hätten wir da noch eine aktuell sehr ausgeprägte Hitzewelle, Insektenplagen, Konkurse am laufenden Band, Aggressionen hier und da und jede Menge anderer Gründe, warum 2020 unter „Pleiten, Pech und Pannen“ weggeschmissen werden kann. Und weil mir die Zukunft eher Angst macht, als dass ich mich darauf freue, habe ich beschlossen, zurück zu reisen. Ja: Zurück in ein Jahr, in welchem ich das Leben noch ziemlich schön fand. 2005 ist mir eingefallen. Zwar musste ich mich damals von meiner geliebten Oma verabschieden – aber weil sie schon lange zuvor krank war, konnte ich sie gut gehen lassen. Unsere beiden Kinder waren damals 10 und 12 Jahre alt (ein wunderbares Alter), mein Göttergatte war gesund und aktiv, meinen Eltern ging es gut, ich war im Kopf in der Startphase meiner Selbständigkeit im Textilbereich und ich freute mich auf alles, was noch kommen würde. Wir konnten zweimal jährlich wunderbare Ferien mit unsere liebsten Freunden verbringen und hatten soviele Pläne. Es war perfekt … ich weiss nur nicht so genau, ob wir das damals auch so empfunden haben. Aber ich weiss, dass wir unser Leben sehr genossen haben.

Ich habe eine liebe Freundin, die unglaublich gerne mit mir zusammen in die „alte Zeit“ zurückreisen würde. Sie empfindet das Leben aktuell auch nicht gerade prickelnd. Und wenn ich jemandem davon erzähle, dann muss ich aus meiner Maschine wohl einen Bus bauen – es gibt ganz schön viele, die gerne mitreisen möchten!!!

Fakt ist: Wenn ich das Ding zusammengebaut habe, dann werde ich die ganzen Erfahrungen von heute in meinen Rucksack packen (die nehme ich nämlich mit), meine Enkelin schnappen (DIE MUSS AUCH MIT) und werde mich verdünnisieren (gehört neu in meinen persönlichen Duden). Und wenn ich dort angekommen bin, dann halte ich die Zeit an!!! Ich will ja nicht noch einmal in Richtung 2020 kommen – diese Richtung gefällt mir nämlich null Komma gar nicht!!

Falls da draussen noch mehr Anwärter auf Zeitmaschinenplätze fürs 2005 sind: Bitte melden, ich bin flexibel was die Grösse der Maschine angeht!

Vernünftiger Dialog gefällig?

Ich liebe es, Menschen bei Gesprächen zu belauschen. Das kann sein, wenn ich irgendwo in einem Café sitze und einfach nur still vor mich hingucke. Es kann aber auch sein, dass ich die Kommunikation zwischen Menschen auf den sozialen Netzwerken verfolge. Und ich komme immer mehr zum Schluss, dass es zwei extrem unterschiedliche Menschengruppen gibt:

„Die Daueraggressiven“
Diese Gruppe fühlt sich – ganz egal worum es geht – IMMER persönlich angegriffen. Jeder Satz wird augenblicklich gekontert mit oft sehr unschönen Wortkreationen. Der Anstand rutscht in die Schuhe (tiefer geht bekanntlich nicht) und die Aggression schwingt nicht nur in der Tonalität der Stimme mit – sie ist auch in den Augen zu sehen.
Beim geschriebenen Wort hat man das Gefühl, die Aggression beim Lesen zu hören. Und die Emoij’s machen es möglich, dass man dem Frust noch zusätzlich Ausdruck geben kann. Was da zum Teil im Netz niedergeschrieben wird, sollte dem Waffenschutzgesetz unterliegen. Ich habe mir schon überlegt, ob COVID aus den Menschen Monster gemacht hat. Aber offenbar war der Mensch schon immer so – COVID gab ihm einfach die Zeit, es so richtig heftig auszuleben.

„Die Dauersäusler“
Auf den ersten Blick sind diese Menschen zuckersüss. Leider spüren sie die Grenzen der süssen Attribute nicht mehr. Was da an Zuckerwatte in einen Satz gepackt wird, lässt mich erschaudern. Es kann durchaus passieren, dass in einem Satz lieb, süss, Zucker, umarmt, wunderwunderschön, wunderwunderwunderschön, allerliebst, verliebt, unfassbar verliebt, noch verliebter als verliebt, wunderobermegaschön, schnusig und was sonst noch so in eine Zuckerdose passt, verwendet wird. Da frage ich mich jeweils, ob es denn noch Steigerungspotenial gibt. Und: Wie ehrlich sind solche Äusserungen? Wer ständig mit Zuckerwatte um sich schmeisst, der wird doch letztlich nicht mehr ernst genommen. Ich merke bei mir jeweils, wie sich mein Magen bei diesen Zuckerbäckern zusammenzieht. Die sind mir überhaupt nicht geheuer. Sie lösen in mir unfassbar viel Trotz aus – und der unbändige Drang wächst in mir, eine Antwort zu geben, die so gar nicht in den Zuckerwattenautomaten passt. Eine Antwort wie: „Moment, ich muss mich kurz übergeben.“ Nicht nett, ich weiss. Aber ehrlich.

Ich bemühe mich sehr, mich im Mittel der beiden Gruppen zu artikulieren. Mal bin ich sauer, dann merkt man es. Mal bin ich unfassbar verzückt, dann merkt man es auch. Aber meine Sprache rutscht weder in die Schuhe, noch wohnt sie im Zuckerschrank.

Der gesunde Menschenverstand sollte uns eine vernünftige Kommunikation möglich machen – meine ich. Es gibt aber immer mehr Menschen, die behaupten, dass bei der Hoffnung auf den gesunden Menschenverstand leider alles verloren ist. Wäre schön, wenn sie nicht recht bekämen … obwohl … ich habe da auch so meine Befürchtungen …

Covid’s unterwegs …

Hey ihr Leute da draussen

Ich heisse Covid, bin 19 (Tage, Monate, Jahre … egal!) und lebe seit einer Weile unter euch. Als ich mich auf den Weg gemacht habe, da dachte ich nicht im Traum daran, dass ihr mir so leichtes Spiel machen würdet. Ich hatte ja die Befürchtung, ihr würdet euch hermetisch abriegeln und dafür sorgen, dass ich nirgendwo eine Chance hätte, Fuss zu fassen. Ein Weilchen sah es sogar danach aus, als ob ihr das tatsächlich durchziehen möchtet … aber dann, als ihr dachtet, ihr hättet mich durchschaut, da habt ihr euch wieder sicher gefühlt und seid zurück zum normalen Alltagswahnsinn gegangen.

Als ihr alle mit den lustigen Dingern vor dem Gesicht rumgerannt seid, da hatte ich echt ein Problem … jeder Anlauf von mir wurde durch diese weissen, blauen und bunten Sachen in euren Gesichtern geblockt! Und meine Sprungkraft war zu wenig stark, als dass ich es geschafft hätte, von einem zum anderen zu hüpfen – ihr hattet ja auch immer soviel Luft dazwischen. Da hab ich mich ein paarmal ganz schön auf die Schnauze gelegt. Ich hatte auf einmal das Gefühl, bei euch nicht willkommen zu sein. Das war ganz schön hart für mich und meine Familie. Wir hatten in dieser Zeit ein schweres Los bei euch. Ich war schon drauf und dran, für mich und mein Gefolge den Untergang zu planen … doch dann: Auf einmal war alles wieder anders! Die Barrieren vor euren Gesichtern waren weg – ihr seid wieder zusammengerückt, ihr kommt wieder in grossen Mengen und unser Spiel bei euch macht wieder Spass. Ich habe wieder meinen alten Spazierweg gefunden … ich muss nicht einmal mehr springen – mit offenen Armen empfangt ihr mich wieder in eurer Mitte. Selbst die Barrieren sind fast alle abgebaut. Ihr habt sogar angefangen, euch laut schreiend auf Plätzen zu versammeln, um meinetwegen zu protestieren – das finde ich besonders cool. Da lasse ich jeweils meine ganzen Freunde noch kommen und wir hüpfen gemeinsam mit euch mit – mal beim einen, dann beim anderen. So macht das Leben als Covid so richtig Spass!

Als ich mich auf den Weg zu euch gemacht hatte, da wusste ich noch nicht, dass ihr dümmer sein würdet, als ich. Man hatte mir mal erklärt, dass ihr mit euren zwei Beinen intelligent und mit allen Wassern gewaschen seid. Ich bin froh, dass nichts davon stimmt! Man hat uns auch vor dem Ding namens „gesunder Menschenverstand“ gewarnt! Ich bin echt froh, dass wir dem noch nie begegnet sind – uns wurde nämlich prophezeit, dass dieses Ding uns womöglich den Garaus machen könnte. Macht doch bitte einfach weiter so, ich und meinesgleichen finden es bei euch echt gemütlich und wir denken, dass wir nicht nur bleiben werden, sondern dass wir uns so auch wunderbar vermehren können.

Danke für eure Gastfreundschaft,

euer Covid19

Rassismus oder so …

DAS schlägt dem Fass den Boden aus, echt! Migros muss wegen Protesten die besten Mohrenköpfe überhaupt aus dem Sortiment nehmen. Dubler … der Mohrenkopf schlechthin – und es gibt tatsächlich Leute, die gegen diese süsse Versuchung protestieren! Hä???

Nur für mein Verständnis: Die politisch inkorrekte Süssigkeit besteht aus brauner Schokolade, weisser Schaumfüllung und heisst Mohrenkopf – hat deswegen irgend jemand da draussen schon mal an einen farbigen Menschen gedacht, wenn er in dieses fluffige Ding reinbeisst? Was soll das? Seid ihr Protestierenden da draussen von allen guten Geistern verlassen? Solch kranke Gedanken haben doch nur Leute, die nicht richtig ticken! Ich finde es schliesslich auch eine riesige Sauerei, dass ihr zu Hunderten auf die Strasse geht, um gegen Rassismus zu protestieren und dabei jegliche Sicherheitsabstände und Hygienemassnahmen einfach vergesst – oder habt ihr vor lauter Geschrei das schlimme Ding namens „Covid19“ vergessen? Ihr gefährdet mit eurem Tun mich und mein Umfeld – ja, das tut ihr wirklich. Wenn ich aber in einen Mohrenkopf beisse, dann tu ich damit keinem weh!!!

Wie krank muss man sein im Kopf, wenn man beim Anblick dieser süssen Dinger an einen farbigen Menschen denkt? Kann ich übrigens gegen die Füllung der Mohrenköpfe auch protestieren? Die ist nämlich weiss … so wie ich. Ist das auch Rassismus?

Wusstet ihr übrigens, dass es in der Schweiz sogar eine Gemeinde gibt, die einen Mohr im Wappen hat? Und selbigen auch noch als Mohr bezeichnet …

Darf ich vorstellen: Das Wappenzeichen von Oberweningen. Ich bin ja echt überrascht, dass deswegen noch nicht alle, die total verdrehte Gedanken in ihren Hirnwindungen haben, auf die Strasse gegangen sind. Das geht doch nun wirklich zu weit – ein echter Mohrenkopf auf einem Schweizer Wappen. Und der ist erst noch nicht aus Schokolade. Ob man diese Gemeinde entwappnen sollte? Wie wäre es mit einer Demonstration – so mit 1000 Leuten, Schulter an Schulter, schreiend und johlend, in Zeiten von Covid19!!!

Ich kann nur noch entsetzt den Kopf schütteln und frage mich, was meine Enkelin wohl in der Schule einmal für eine Sprache lernen muss – damit sie auch sicher politisch korrekt, glaubenstechnisch sauber, nicht rassistisch oder sexistisch und auch nicht feministisch oder sonst irgendwie „istisch“ klingt!!!

Ich werde mich bis an mein Lebensende weigern, einen Schaumkuss zu kaufen, ich bin nämlich keine Deutsche. Bekomm ich keinen Mohrenkopf mehr, dann ess ich halt künftig schwarze Bohnen (rassistisch), Spitzkohl (sexistisch), Zigeunerschnitzel (rassistisch) und wenn ich all das nicht vertrage, dann beisse ich ins Gras (politisch inkorrekt).

Ich habe fertig (sprachlich inkorrekt!!!) …

 

Ich hab mich raus getraut!!!

Ja, nach 10 Wochen war ich heute tatsächlich das erste mal wieder in der Stadt. Da ich alles, was da draussen in der Zwischenzeit passiert ist, nur vom Hörensagen kenne, war ich gespannt; und ich habe mir bewusst den Montag ausgewählt, weil ich dachte, dass es da immer am wenigsten Menschen unterwegs hat. Zumindest war das früher so. Wetter gut, nicht zu heiss – also bin ich mit klein Ellie losgezogen.

Und ich wurde überrascht – oder überrannt! Irgendwie beides!!

Da stand ich also mit der Fellnase am Tor zum Stadteingang und in meinem Kopf ratterten Sätze wie:

„Halten Sie sich an den empfohlenen Abstand von 2 Metern.“
„Befolgen Sie die nötige Distanz.“
„Wann immer dies nicht möglich ist, empfiehlt sich das Tragen einer Maske.“
„Verhalten Sie sich rücksichtsvoll.“
„Befolgen Sie die Weisungen des BAG’s.“

Entgeistert starrte ich in die menschengefüllte Gasse und dachte: „Bin ich die einzige, die diese Empfehlungen gehört hat?“ Ich hatte schon von vielen Menschen rund um mich herum gehört, dass sich offenbar seit längerem kaum mehr jemand um Covid19 zu scheren scheint. Dass es aber SO aussehen würde, das hatte ich nicht erwartet. Ich war mir nicht sicher, ob ich auf dem Absatz umdrehen, oder mir die Stadt mit den vielen Menschen nach 10 Wochen anschauen sollte. Während meine Gedanken wild ratterten,  wurde ich bestimmt fünf bis sechs mal angerempelt … schliesslich stand ich ja mitten auf der Gasse.

Ich schlich wie ein verschüchtertes Huhn die ersten Meter und wusste nicht so recht, ob mich gleich einer aus dem Corona-Albtraum aufwecken würde und ich drum so überfordert war. Leute, ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich war, als ich eine Herzmenschin entdeckte! Sie hat sich schon seit längerem immer wieder in der Öffentlichkeit bewegt und war definitiv sicherer unterwegs als ich. Und ich habe mich an sie ranhängen können – mit Abstand, versteht sich. Obwohl sie und ich vermutlich die einzigen in der Gasse waren, die das interessierte!

Da ich gerne Leute gucke, setzten wir uns in ein Kaffee an der zentralsten Gasse und wir taten dies ganz am Rand, mit 2 Metern Abstand zum nächsten Tisch. Dieser Abstand nützt nur leider nichts, wenn sich die Passanten beim Flanieren durch die Tische schlängeln. Absperrung? Fehlanzeige! Und das Servicepersonal kann beim besten Willen den Kaffee nicht mit 2 Metern Distanz servieren – Maske aber auch Fehlanzeige. Habe ich da etwas falsch verstanden? Auf der Toilette hatte es weder Desinfektionsmittel noch Einweghandtücher – wie gut, dass ich immer mit Desinfektionsmittel, Maske UND Handschuhen ausgerüstet bin.

Bei den meisten Geschäften stehen die Regeln und das Desinfektionsmittel am Eingang bereit – leider scheint das viele Kunden einen Scheiss zu interessieren. Es gibt aber glücklicherweise Geschäftsinhaber, die mit einer Engelsgeduld den lieben langen Tag erklären, was es zu erklären gilt. Und die uneinsichtigen und sturköpfigen Kunden, die es nicht kapieren wollen, schnauzen zum Dank blöd zurück und laufen gleich wieder aus dem Geschäft. Hä?

Von wegen: Corona sitzt den Leuten in den Knochen. NICHTS dergleichen tut es! Es ist bereits wieder alles, wie es einmal war – einfach mit Schildern überall, die von den meisten gar nicht mehr beachtet werden. Ich bin entsetzt, wie wenig wir offenbar gelernt haben und ich befürchte, die prophezeite zweite Welle im Herbst wird nicht auf sich warten lassen – dafür hat Schuss Nummer eins zu wenig Eindruck hinterlassen.

Das dümmste Wesen auf diesem Planeten? Der Mensch, eindeutig!

Sand unter den Füssen …

… und Meeresrauschen im Ohr. Habe ich das gerade gedacht? Jap, habe ich!! Ich muss krank sein: Jeder weiss doch, dass ich weder Sand noch Meer mag. Was soll das? War das der Herr COVID19, der mir diese Flausen in den Kopf implantiert hat?

Seit wir sicherheitshalber seit Monaten hier in unserem schönen Zuhause sind, überfällt mich hin und wieder das Fernweh. Ich kenne das so gar nicht von mir. Überhaupt rein gar nicht – bekanntlich bin ich nämlich am liebsten Zuhause. Bis auf jetzt. Und das ist mit Sicherheit auch nur ein psychisches Ding, weil ich weiss, dass ich jetzt Zuhause bleiben MUSS. Ich habe die Wahl nicht, also fühlt es sich total doof an. Hätte ich die Wahl, würde ich auf jede Reise pfeifen.

Jetzt träume ich mich manchmal nach „Weit-weit-weg“! Und dort hat es immer Sand und Wellen – stahlklares Wasser, ein laues Lüftchen und einen leckeren Drink. Ich glaube, dass eine liebe Menschin auf Mallorca das bei mir ausgelöst hat. Bis zu diesen Tagen dort (im letzten Jahr) fand ich das Meer nämlich ziemlich gruselig. Ich war aber schwimmen, und hatte nicht mal Angst vor den Fischen. Und ich fand es schön. Schon damals dachte ich ja, ich sei nicht mehr ganz bei Trost.

Oder ist es womöglich gar nicht COVID19, sondern sind es die Wechseljahre? Ich wechsle nicht nur wallend meinen Körperbau und meine Essgewohnheiten … ich wechsle auch gerade noch meine Gedanken, Prioritäten und überhaupt einfach alles, was gerade so gewechselt werden kann?

Eines ist sicher: Normal war ich noch nie. Normal ist auch langweilig – hat meine Mama mir schon so beigebracht! Aber irgendwie bin ich in letzter Zeit beängstigend abnormal. Da gucke ich schon mal in den Spiegel und denke: Wer bist Du und woher kommen diese Gedanken?

Ich habe mich wohl ganz heftig gewechselt – also von der Raupe zum Schmetterling war es nicht … dafür fühle ich mich definitiv zu schwer. Aber irgendwie bin ich von der Rüebliraupe zum Tausendfüssler geworden. Ständig in Bewegung – immer die Richtung wechselnd und das erst noch ziemlich schnell. Ja, das wird es sein …

P.S.: Bei ganz akuter Erklärungsnot ist sonst einfach noch das Wetter schuld!