Unfassbar

Regelmässig habe ich in meinem Mail-Postfach (meistens im SPAM-Ordner) Post, die sich kein Mensch wünscht. Das geht von dämlicher Werbung über Rabattcodes bis zu unseriösen Schreiben jeglicher Abteilung. Und immer wieder finde ich darunter auch Schreiben von gefuxten Betrügern, die gerne an die Kontodaten ihrer Opfer rankommen möchten. Heute war wieder ein solches drin. Das möchte ich euch nicht vorenthalten, denn die Dreistigkeit des Inhalts toppt die Schreiben, die ich bislang in diesem Bereich erhalten habe:

Hallo,

Ich habe Ihnen diese E-Mail vor einem Monat ohne Antwort geschickt. Ich bin E. C. Saborit, ein persönlicher Anwalt meines verstorbenen Mandanten. Er war Vertragsingenieur. Er starb beim Zugunglück von Santiago de Compostela in Madrid am 24. Juli 2013 mit seiner Frau und seiner einzigen Tochter. Seine Bank gab mir das Mandat, seinen Familienangehörigen die Möglichkeit zu geben, das Geld bei der Bank im Wert von 12.500.000,00 Euro (zwölf Millionen, fünfhunderttausend Euro) einzulösen. Nach meinen erfolglosen Versuchen, seine Verwandten zu finden, habe ich mich entschlossen, Sie zu kontaktieren, da Sie einen ähnlichen Nachnamen wie mein verstorbener Kunde haben und er aus Ihrem Land kommt.

Beachten Sie, dass ich eine gerichtliche Vorladung eingereicht und der Bank folgende Bescheinigungen vorgelegt habe: (Sterbeurkunde, Einzahlungsbeleg und Hinterlegungsurkunde), um den Anspruch durchzusetzen.

Ich erwarte Ihre sofortige Antwort für weitere Details. Vielen Dank!

Grüße,

Rechtsanwalt E. C. Saborit (Esq).

Aha – nun weiss ich, was ich zu tun habe, hm! Und zwar SOFORT!!! Der Herr Rechtsanwalt Saborit (klingt wie ein Sanitärunternehmen oder eine Klomarke) sagt mir also, wie das läuft. Schliesslich hat er schon eine gerichtliche Vorladung eingereicht. Mir ist zwar nicht so klar, ob ich oder die Verstorbenen vor Gericht geladen werden, aber klingen tut das doch schon mal sehr juristisch und wahnsinnig furchteinflössend. Und dass die Verstorbenen an zwei Orten gleichzeitig verstorben sein sollen (Santiago de Compostela UND Madrid), nun ja – das macht die Sache auch nicht wirklich besser. Und hey: Der Verstorbene war Vertragsingenieur … ist das nicht der Wahnsinn? Was zum Geier ist ein Vertragsingenieur? Tackert der Verträge zusammen? Wow: Soviel fachlich geschliffene Begriffe überfordern mich nun doch ein wenig …

Ich frage mich immer wieder, wer da am Computer sitzt und solchen Schrott verfasst. Sind das Leute, die sich für so intelligent halten, dass sie meinen, mit diesem Mist Leute über den Tisch ziehen zu können? Oder noch schlimmer: Gibt es womöglich Empfänger, die denen auf den Leim gehen? Nein, oder? Nicht wirklich – ich verliere sonst den Glauben an die menschliche Intelligenz.

Ich habe gedacht, dass ihr den Herrn Rechtsanwalt Saborit vielleicht auch kennt. Wenn ja: Bloss nicht antworten! Das sind meine 12,5 Millionen Euro und ich teile nicht gerne. Ich habe fertig!

 

Ich werde reich!!

Bekanntlich ist im World Wide Web nichts vertraulich. Keine E-Mail-Adressen, keine Kontakte, kein Wort, welches jemals ins Netz gestellt wurde. Und so kommt es, dass auch in meinem E-Mail-Postfach immer wieder Mitteilungen landen, von denen ich keine Ahnung habe, woher sie kommen. In den letzten Tagen geht da aber komisches vor sich: Ich scheine nämlich demnächst ganz wahnsinnig viel Geld zu erben. Von verschiedenen Leuten mit haargenau demselben Deutsch (Kauderwelsch), die haargenau gleichen Summen – einfach einmal am Morgen und einmal am Nachmittag. Zufälle gibt’s! (??)

Selbstverständlich sind es immer wahnsinnig vertrauliche Informationen, die da durchs Netz geschickt werden. Und selbstverständlich wollen alle immer auch eine vertrauliche Antwort. Ey, ihr komischen Jeff’s, Basel’s oder wie auch immer ihr euch noch nennen mögt: Wenn ihr mir schon gerne Geld vererben möchtet, dann packt es doch einfach in eine Tüte und bringt es gleich persönlich vorbei. Das würde uns ganz viel Geschreibe ersparen und ich würde euch alle (ihr scheint euch ja zu vermehren) persönlich kennenlernen.

Für alle, die nicht wissen, wovon ich hier schreibe: Die nachfolgenden E-Mails hatte ich heute beide fast gleichzeitig in meinem Postfach:

Guten Morgen
Ich kontaktierte Sie über den Fonds $ 5,2 Millionen Dollar hinterlegt in einer Bank hier von meinem verstorbenen Klienten, die den gleichen Nachnamen mit Ihnen tragen. Darüber hinaus, in dieser Transaktion möchte ich Sie vertraulich Antwort auf mich direkt für weitere Details.
Danke,
Jeff Edward Esq

Guten Nachmittag
Ich bin Basle Kunle Ich kontaktierte Sie über den Fonds $ .5.2 Millionen Dollar hinterlegt in einer Bank hier von meinem verstorbenen Verstorbenen, die den gleichen Nachnamen mit Ihnen tragen. Darüber hinaus möchte ich in dieser Transaktion vertraulich antworten
Basel Kunle

Besonders neu ist für mich dabei, dass Verstorbene tatsächlich verstorben sind (man beachte die zweite E-Mail). Und der zweite Schreiberling scheint nicht so genau zu wissen, wie er heisst (Basle oder Basel???). Also bitte: Es ist eine Beleidigung jeglicher Intelligenz, dass solcher Schrott im Netz rumgeistert. Ich hoffe bloss, dass es keine armen Seelen gibt, die auf den Quatsch reinfallen. Bestimmt sitzen nun der Basle und der Jeff in Basel unter einer Brücke an ihren Laptops und sinnieren darüber, auf welchem Weg sie am besten an die Kontodaten ihrer Opfer kommen. Zynismus Ende …