Karma?

Es soll ja Menschen geben, die ganz fest an das Karma glauben. Daran, dass man bekommt, was man verdient. Daran, dass man für die guten Gedanken belohnt, für die schlechten bestraft wird … oder so ähnlich.

Ich weiss schon lange nicht mehr, woran ich noch glauben soll. An mich – an meine Familie – an die Werte, die mich meine Eltern gelehrt haben und die ich meinen Kindern weitergegeben habe. Das sind Werte wie Zusammenhalt, Liebe, Fürsorge und Grosszügigkeit. Aber sonst? Keine Ahnung …

Sollte es aber ein Karma geben, dann hat mich das Ding gestern in den grossen Zeh geschnitten – und zwar richtig fies!

Ich hab mich mal wieder über einen liebgemeinten Anruf geärgert – einen jener Anrufe, in welchen man mit Ratschlägen zugetextet wird, die man eigentlich gar nicht haben möchte. Weder erfragt, noch gewünscht … einfach aufgedrängt. Und ich hänge mieslaunig den Hörer auf und in meinem Kopf fluche ich vor mich hin.

Schlecht gelaunt hole ich die Nagelschere und den Nagellack und fange an, meine Zehennägel zu kürzen und im Kopf fluche ich still vor mich hin. Ich schimpfe in mich rein wie ein Rohrspatz und bin währenddessen mit Schere und Feile zugange wie ein Bauarbeiter. Und ZACK … passiert es. Ich rutsche ab und schneide mir einen richtig fetten Krater in den grossen Zeh. Autschi! Es blutet und ich fluche noch mehr. So à la: „Na toll, das jetzt auch noch, was soll der Scheiss!?“

Und da fällt mir das Karma ein. Habe ich mich in den Zeh geschnitten, weil ich über jemanden geflucht und schlechte Gedanken hatte, oder war das jetzt Zufall? Also – eigentlich ist diese Frage eher rhetorischer Natur … aber ich habe tatsächlich ein paar Sekunden darüber nachgedacht, ob ich nun selber schuld bin, dass ich mich geschnitten habe. Dann hab ich aber den Gedanken wieder verworfen … weil diese Erklärung dann nämlich ganz komische Dimensionen annehmen könnte, wenn man sie weiterspinnen würde. Spätestens bei schwerkranken Kindern würde die Krama-Logik bei mir dann anstehen.

Ich einige mich also mit mir darauf, dass ich einfach schusslig und meine Feinmotorik die einer Elefantenkuh ist. So!

Die Sache mit den Glückskeksen

Kennt ihr sie auch, die Glückskekse, die es im Chinarestaurant zur Rechnung dazugibt. Das sind sie lustigen Dinger, die man zerbricht und dann kommt eine Weisheit auf einem kleinen Zettel raus. Im Optimalfall isst man die Kekse auch gerne, manche nehmen sie aber nur des Zettels wegen.

Nun ja, ich hatte also letzthin das Glück, mit der Rechnung gleich zwei der Dinger zu bekommen, weil ich sie so gerne esse. Blöd nur, wenn die beiden Weisheiten, die drinstehen, nichts voneinander wissen. Im ersten Keks hatte ich also einen Zettel, auf welchem stand: “ In den nächsten Tagen wird Ihnen die grosse Liebe begegnen.“ Im zweiten Keks stand auf dem Zettel: „Ihre Beziehung wird in der nächsten Zeit neu entflammen.“ So, nun hatte ich den Salat… Weiterlesen

Ist die Ehe noch zeitgemäss?

Heiraten – braucht es das heute noch? Vor über 20 Jahren, als wir geheirtatet haben, hat sich diese Frage noch nicht gestellt. Es gehörte einfach dazu. Und zwar mit allem Drum und Dran. Zivilhochzeit, kirchliche Trauung, Riesenfest mit allen Verwandten und Freunden, selbst mit denjenigen, die man seit -zig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ein Jahr Vorbereitungszeit war nötig, um einen solchen Anlass zu stemmen. Und der effektive Tag der Hochzeit war dann in erster Linie stressig, anstrengend und so schnell vorbei, dass ich mich heute noch frage, warum viele Frauen ihren Hochzeitstag als „den schönsten Tag im Leben“ angeben. Also in meinem Leben gab es andere Tage, die dieses Attribut weit mehr verdient hätten, als der Hochzeitstag. Aber eben: Ob man heiraten soll oder nicht, haben wir uns damals gar nicht ernsthaft gefragt. Wir wollten zusammen bleiben, eine Familie gründen und da lag es einfach auf der Hand, dass wir diesen Schritt machen würden. Ziemlich unkritisch, wenn ich das rückblickend bewerte. Wir haben uns einer gesellschaftlichen Doktrin unterworfen, ohne diese zu hinterfragen. Meine einzige Überlegung damals beschränkte sich darauf, ob ich meinen Mädchennamen behalten sollte, oder nicht. Aber schon beim lauten Äussern des Gedankens merkte ich, dass die Hürden mir den Weg ganz schön schwer machen würden.  Auch dies war damals nämlich noch nicht üblich. Leider, denn ich hätte mich durchsetzen sollen. Man wird mit einem Namen geboren, der nicht zuletzt auch ein wichtiger Bestandteil der eigenen Identität ist. Da ist es doch schon sehr komisch, wenn man am Tag X einfach einen Teil seiner Identität abgibt. Ich würde das niemals wieder tun und hatte auch Mühe, mich daran zu gewöhnen. Inzwischen gehört aber mein angeheirateter Name so zu mir, dass ich einen Wechsel zurück zum Mädchennamen ausschliesse. Ich weiss, dass viele in meinem Alter nun von diesem neuen Gesetz Gebrauch machen und sich den Mädchennamen zurückholen. Das fände ich nach so langer Zeit nicht mehr passend. Weiterlesen