Lieber Petrus

So langsam wird es richtig eng in meinem Kleiderschrank. First world problem, ich weiss! Aber echt jetzt: Könntest Du, lieber Petrus, Dich mal entscheiden, welche Jahreszeit Du gerne hättest? Dieses ewige Hin und Her geht mir langsam auf den Senkel.

Die Sommerklamotten nach vorne geräumt, die Jacken in den Keller verbannt und … zack … ist es wieder 10 Grad weniger. Also die Jacken und Pullis wieder an die Front gehängt, steigt das Thermometer auch schon wieder wie eine Rakete in die Schwitzsphären. Ja was denn nun? Und bei den Pyjamas wechslen sich auch die langen und die kurzen beinahe täglich ab. Mal ist es nachts richtig angenehm und schön frisch, sodass man wieder schlafen kann – und anderntags folgt schon wieder eine Tropennacht, die einen ächtzend im Bett wälzen lässt. Also muss der ganze Textilkrempel in Griffnähe bleiben, was zu Platzproblemen führt.

Ich war noch nie ein Sommermensch – ganz und gar nicht. Aber dieses Hin und Her finde ich noch viel mühsamer, als die Dauerhitze. Der Körper kann sich an nichts anpassen. Mal so – dann wieder so.

Lieber Petrus … könnte es sein, dass Du  mal eine Auszeit brauchst? Oder hast Du Dich mit Frau Holle gestritten und versuchst nun, ihre Macht an Dich zu reissen? Oder findest Du den Bucheli und den Kachelmann vom TV-Meteo unsympathisch und willst die mal so richtig auf die Probe stellen? Was auch immer es ist: Wir sind doch alles erwachsene Menschen und können vernünftig über alles reden. Andernfalls komme ich mal eine Runde zu Dir hoch und veranstalte da ein saumässiges Donnerwetter – mir hängt nämlich dieses Theater zum Hals raus.

Früher, vor langer langer Zeit, als ich noch jung war (klingt wie ein Grimm-Märchen …), da hatten wir noch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Jetzt haben wir Wimmer, Sinter, Wimmer, Sinter, Wimmer, Sinter … und Herling und Frühbst noch so hin und wieder mal. Also ehrlich … Petrus, wir zwei werden wohl keine Freunde mehr!

 

Herbsttage

Wenn sich der Nebel dicht über die Landschaft legt, und es gar nie wirklich Tag werden will, dann kann das ganz schön aufs Gemüt schlagen. Vor allem dann, wenn man – wie wir – am Schweizer Jurasüdfuss wohnt. Im Sandwich zwischen der Jurakette (Bergmassiv) und der Aare (Fluss) liegt der Nebel phasenweise während Wochen so dicht, dass man nicht einmal bis zu Nachbars Haus sehen kann. Und es ist erschreckend, wie sich in dieser Zeit im Radio auch die Meldungen häufen, von wegen „Wegen eines Personenunfalls ist die Strecke zwischen A und B aktuell unterbrochen“. Der chronische Entzug des Lichts hat definitiv eine Auswirkung auf unser Gemüt. Und weil das so ist, flüchte ich dann des öfteren mit meiner Hündin über die Nebeldecke an die Sonne. Weiterlesen

Hilfe, es weihnachtet sehr!

Ich habe mich vor drei Tagen, nach der stürmischen Orkannacht, von meinen zerschlagenen Dekokürbissen und herbstlichen Blättern ums Haus verabschiedet. So weit, so gut. Das ging vermutlich noch unzähligen anderen nach der besagten Sturmnacht so. Im Kopf habe ich mir schon eine neue Herbstdeko zusammengestellt und mir vorgenommen, diese heute zu holen. Dazu noch ein paar gruselige Halloweensachen, die ich im und ums Haus verteile – so richtig passend zu den kürzeren Tagen und zur Zeitumstellung, die uns bevorsteht. Idee im Kopf, Tasche in der Hand – ab ins Warenhaus. Herbstdekoration? Fehlanzeige!

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Was mich da erwartet, sieht irgendwie so gar nicht nach Herbst aus. Ob ich mich wohl in der Abteilung geirrt habe?

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Nein, leider nicht. Mir schwant Böses! Es glitzert und glänzt aus allen Ecken und die blinkenden Rentiere machen mir die vorweihnachtliche Stimmung schon so richtig zur Emma. Wer bitte schön stellt sich neonfarbene Rentiere, welche nervös blinken, in den Garten? Das ist mir ein Rätsel – mit Weihnachtsstimmung hat das nun wirklich nichts zu tun, eher mit Discofieber und Tieren, die sterbend in den letzten Zuckungen liegen. Und dieses kalte, blau-weisse Licht ist so etwas von unromantisch, dass auch den härtesten Weihnachtsmännern die Freude an dieser Jahreszeit vergeht. Weiterlesen