Die Bestie

Wir hatten heute an der Türe Besuch. Der UPS-Mann hat ein Paket gebracht und klein Ellie hat ihn zusammengebellt bis sie heiser war. Ich hab die Situation zu entschärfen versucht, indem ich mit Ellie erst laut schimpfte und sie wegschickte, ihm dann aber umgehend erklärte:

„Die macht nur einen Höllenlärm – vor allem bei Männern mit Mützen. Sie tut aber nichts.“
Er so: „Kleine Hund, ich wenig Angst – nur bei grosse Hund Angst.“
Ich so: „Also, die grossen sehen nur gefährlicher aus, aber beissen tun die noch weniger.“
Er so: „Dohooooch! Mich hat gebissen eine – riesig war diese!“ dabei hat er mit der Hand in etwa die Grösse eine deutschen Schäfers angedeutet.
Ich so: „Oh, wirklich? Schlimm?“
Er so: „Ja, ist gerannt um Haus – ich nicht gesehen. Dann auf mich gesprungen.“ dabei deutete er auf sein Gesicht.
Ich so: „Waaaas? Der ist in ihr Gesicht gesprungen?“
Er so: „Ja, ich sage, war sooooo gross“, und dabei wuchs der Hund gemäss seiner Handbewegung und der Zeichensprache auf gefühlte zwei Meter an. Also ziemlich sicher meinte er inzwischen ein Pferd.
Ich so: „Was war das denn für ein Hund?“
Er so: „Keine Hund normal – eine BESTIE!!!“

Okay – wir rekapitulieren: Beim UPS-Mann mit dem Paket wird aus einer bellenden Mini-Ellie während des Gesprächs ein beisswütiger Riesenhund und mutiert zum Schluss zur zerfleischenden Bestie. Und ich habe beim besten Willen nirgends eine Narbe erkennen können.

Also eines haben meine Ellie und der UPS-Mann gemeinsam: Sie haben eine gestörte Grössenwahrnehmung. Ellie’s Benehmen deutet nämlich auch klar darauf hin, dass sie denkt, sie sei eine BESTIE!

Kleidergrösse? Keine Ahnung!

Die ganze Welt schreit überall nach Normen. Alles muss irgendeiner Norm entsprechen. Nur in einer Beziehung scheint das absolut unmöglich zu sein: Im Textilbereich. Die einen Kleidermarken haben englische Nummerierungen und auch englische Massstäbe, die anderen haben italienische Vermassungen, die oft nicht mal von den Italienern selber verstanden werden. Die deutschen/schweizer Normmasse entsprechen auch keinem einheitlichen Massstab. Ganz offensichtlich hat jeder Designer einen anderen Massstab. Und in jedem Land ist ein Zentimeter eine andere Masseinheit … vermute ich mal.

Das macht das Einkaufen für den Endverbraucher nicht einfacher. Man weiss nie so genau, welche Grösse man nun in die Kabine mitnehmen soll, um nicht dreimal in der Unterhose durchs Geschäft rennen zu müssen, um die Grösse zu wechseln. Dabei könnte doch alles so einfach sein, wenn man eine Weltnorm einführen würde. In meiner Vorstellung gäbe es einfach noch XS (extra small), S (small), M (medium), L (large), XL (extra large) und XXL (extra extra large). Und diese Vermassungen würden alle einem fix vorgegebenen Index entsprechen. Abweichungen von bis zu 10 Zentimeter wären damit ausgeschlossen und der Kunde wüsste endlich, welche Grösse er für seinen Po oder seinen Oberkörper braucht.

Aber eben: Wunschedenken. Wir schaffen es ja nicht einmal, eine Euronorm zu machen. Ja was sage ich da? Wir schaffen es selbst innerhalb eines Landes nicht, dass die Grössen einheitlich sind. So kommt es, dass in meinem Schrank Kleidungsstücke von S – XL oder anders gesagt von Kleidergrösse 36 – 44 hängen. Da frage ich mich immer, wie es Leute schaffen, ihre Klamotten im Internet zu bestellen. Jede Marke misst anders und benennt ihre Grössen demzufolge auch anders. Ich würde von 10 bestellten Teilen vermutlich 9 zurückschicken, weil sie fernab der erwartenden Grösse liegen würden.

Im Zeitalter der Globalisierung scheint es nach wie vor nicht möglich, in einer simplen Branche wie der Textilbranche eine einheitliche Lösung zu finden. Und wenn es schon da nicht funktioniert, wie sollte es dann in anderen, viel wichtigeren Bereichen funktionieren? Drum lautet meine Antwort auf die Frage: „Welche Grösse darf ich Ihnen bringen?“ immer noch: „Ich habe KEINE AHNUNG!“ Mir sagt mein Auge, ob was passt, oder nicht. Die Nummer ist dabei völlig irrelevant, weil die ohnehin nichtssagend ist.

 

Terrorkrümel

Wenn sechs Kilogramm Hund den Aufstand proben, dann kann das zuweilen recht mühsam sein. Auch wenn klein Ellie tatsächlich sehr klein ist, so schafft sie es locker, meine Nerven bis zum Anschlag auf die Probe zu stellen. Die kleine Motte hat es faustdick hinter den Ohren! Schliesslich sind selbige auch gross genug dafür …

Sie kann unschuldig gucken wie ein Lamm – und gleichzeitig ein richtiges kleines Monster sein. Madämchen hat nämlich entdeckt, dass ihre Hundefreunde, bei welchen wir öfters zu Besuch sind, nicht dasselbe fressen, wie sie. Und was macht Madämchen nun? Ich fülle ihren Napf mit ihrem Futter, sie kommt, guckt rein – guckt mich an – guckt wieder rein und läuft weg. Könnte sie dabei noch beleidigt die Wallemähne in den Nacken werfen, sie würde es tun.

Da ich gelernt habe, dass man unerwünschtes Verhalten ignorieren soll, tue ich also, als ob mich das nicht die Bohne interessieren würde. Innerlich koche ich, aber das soll klein Ellie natürlich nicht merken. So nach einer Stunde rufe ich sie, spiele mit den Fingern im Napf rum und sage: „Komm Ellie, feiiiiiiin!“ (ja, ich mache mich dadurch total zum Affen). Die Kleine schwänzelt freudig, guckt wieder in den Napf und ich schwöre euch, dass ihre Augen dann zu mir sagen: „Friss den Mist doch selber, ist ja immer noch dasselbe wie vorhin!“ Und weg ist sie wieder.

Ihr denkt, dass es das schon war. Nein – weit gefehlt. Ellie hat bislang nie reingepinkelt. Die letzten Tage hat sie aber zum Rundumschlag ausgeholt. Sie dreht pikiert im Haus eine Runde, weil im Napf ja immer noch der gleiche Mist liegt … und pinkelt gezielt auf Plätzchen, wo ihre Hundefreunde sonst liegen. Oder aber ich rufe sie, um mit ihr Gassi zu gehen – und sie kommt und pinkelt protestartig auf den Teppich bei der Ausgangstüre. So als wolle sie sagen: „Futterwechsel oder Du kannst das Zeug noch hundertmal waschen!“

Echt jetzt? Dieses kleine Monster probt grad den Aufstand. Und ich bin nicht bereit, auch nur einen Millimeter nachzugeben. Schliesslich bin ich grösser, schwerer und … der Chef. Und das scheint Ellie einfach nicht kapieren zu wollen. Auch das Organigramm unseres Haushalts will sie nicht lesen … dann würde ihr nämlich klar, dass ICH hier der Boss bin.

Inzwischen renne ich mit Wurfgeschossen in der Hosentasche im Haus rum. Und wehe, ich erwische Madämchen, wenn sie sich hinhocken und Pipi machen will … dann fliegt ihr die Schelle um die Ohren! Nicht zu fassen, dass das 6-Kilo-Fellknäuel manchmal so abartig nerven kann. Und dann unmittelbar danach den Unschuldsblick aufsetzen und bei Herrchen petzen … jaja … kleine Weiber!

Ups…

Wer regelmässig bei mir mitliest, der weiss, dass wir bekennende Fans der Hansestadt Hamburg sind. Das ist auch der Grund, warum unsere Ferienwohnung im hohen Norden Deutschlands und nicht auf einer Insel im Süden ist. Und das Wunderbare an einem solchen Feriendomizil ist nicht zuletzt, dass man – weil alles vorhanden ist – nicht packen muss, wenn man verreist. Einfach nur Schuhe und Jacke anziehen und los. Alles andere ist ja im zweiten Zuhause. Also: Zumindest wäre das der optimale Plan. Diesmal hats irgendwie nicht so wirklich funktioniert. Warum?

Einfache Antwort: Wir waren zwar vor zwei Monaten das letzte mal hier, aber eben auch vor 5 Kilo. Jawohl – die Modepraline hat es geschafft, sich in zwei Monaten rund fünf Kilo Speck auf die Rippen zu mampfen. Ich nenne das auch Nervenfutter, in Form von Schokolade und anderem Schrott, der eigentlich nicht sein müsste, aber eben doch gegessen wird. Und was bedeutet das nun für unser Feriendomizil? Ganz einfach: Die Kleider, die hier schön fein säuberlich im Schrank deponiert sind, passen schlicht nicht mehr. Von wegen: „Ich brauch nix zu packen, ich hab ja alles dort.“ Man könnte sagen, dass ich einen Schrank voll mit „nichts anzuziehen“ habe, weil die Knöpfe nicht mehr zugehen, die Ärmel viel zu eng sind und alles zwickt und spannt. Wunderbar. Wenigstens sind die Pyjamas elastisch genug, sodass diese noch funktionieren.

Was also ist der erste Akt im hohen Norden? Einkaufswagen satteln und die Garderobe in einer grösseren Nummer anschleppen. Das hab ich nun von meiner Fresserei! All die schönen Sachen, die ich hier im Laufe der letzten 2 Jahre zusammengestellt und gut durchdacht angesammelt habe, wollen einfach nicht mehr an meine Speckrollen passen.

Luxusproblem? Jap! Und hier gibt es für wenig Geld soviel Schönes zu kaufen, dass die Garderobe relativ schnell wieder den aktuellen Kurven entspricht. Aber wenn ich so weitermampfe, dann werde ich künftig bei jedem Besuch eine Nummer grösser und irgendwann einen Schrank mehr brauchen. Frettchen lässt grüssen. Ja, ich sags ja: Luxusproblem! Ich geh dann mal ein Eis essen – beim Italiener an der Ecke … und tschüss!

Sinnfreie Regel

Wir leben im Land der Gesetze und Regeln. Die Schweiz hat für beinahe alles und jedes ein Gesetz oder eine Regel, die es einzuhalten gilt. Oft machen diese Regeln Sinn – manchmal auch nicht … aber irgendein Mensch denkt sich ja diese Regeln aus.

Heute wurden das Tochterkind und ich mit der sinnfreisten Regel konfrontiert, die wir je gehört haben. In einem beliebten Stadtcafé in unserer „Ambassadorenstadt“ sind wir nach einer Einkaufstour eingekehrt. Wir haben beim Eingang in der Auslage die Kuchen und Süssigkeiten studiert, um uns anschliessend am Tisch etwas bestellen zu können. Das machen wir seit gefühlt 100 Jahren in besagtem Stadtcafé so.

Die Bedienung – welche notabene in besagtem Café immer sehr zuvorkommend ist – hat sich auch sofort nach unseren Wünschen erkundigt. Ich habe einen Erbeerkuchen aus der Auslage bestellt (der ist dort besonders gut) und das Tochterkind ein kleines Birchermüesli.

„Tut mir leid, wir haben nur grosse Birchermüesli“, so die Bedienung.
„Nein, in der Auslage vorne hat es grosse und kleine Müesli, ich hab sie beim Reinkommen gesehen“, erklärt das Tochterkind.
„Ja, das ist so. Die sind aber nur zum Mitnehmen über die Gasse gedacht. Servieren dürfen wir diese nicht. Wir dürfen hier nur grosse Birchermüesli servieren.“

Das war jener Moment, in welchem ich nach der versteckten Kamera suchte und fragte:
„Das ist jetzt nicht ihr ernst, oder?“
„Leider schon, es tut mir leid. Wir haben schon des öfteren beim Chef nachgefragt, ob wir das nicht ändern dürfen. Er will das nicht.“ Der Bedienung war das sichtlich peinlich – obwohl sie ja gar nichts für diese Regel kann.
Da hat sich bei mir der kindliche Widerstand (den hab ich auch mit 50 Jahren noch) geregt und ich habe zu ihr gesagt:
„Nun ja, dann gehen wir jetzt einfach an die Theke, kaufen das Müesli und sie isst es hier am Tisch.“
Die Bedienung ist noch einmal um gefühlt fünf Zentimeter tiefer im Boden versunken und erwiderte:
„Tut mir leid, das dürfen sie nicht. Ich bin verpflichtet, sie dann darauf hinzuweisen, dass sie das hier nicht essen dürfen.“

Okay – ihr ahnt richtig: Die Modepraline hat nach dem Chef verlangt. Eine derart sinnfreie Regel wollte ich mir nun doch gerne erklären lassen. Der Gute hat aber glücklicherweise am Montag frei … denn auf diese Erklärung wären wir nun doch sehr gespannt gewesen.

Also noch einmal für Anfänger: Man darf sich in besagtem Stadtcafé in der Auslage auslesen, was man möchte – es wird am Tisch serviert. Nicht aber das kleine Birchermüesli … also, eigentlich gar kein Birchermüesli aus der Auslage. Denn dieses gibt es nur in gross aus der Küche. Und ich überlege immer noch, was die Verkaufsstrategie dahinter sein soll. Fazit: Ein Birchermüesli weniger verkauft und eine Kundin mehr sauer gemacht. Irgendwie geht diese Rechnung nicht wirklich auf … oder verstehe ich da nun etwas falsch?

Viele viele bunte Waaaaaaden!!!

Da spaziere ich zufrieden mit dem Tochterkind und meinem Hund durch die Natur und denke mir nichts Böses, als uns eine Gruppe Sportler mit bunten Joggingkleidern und Wadenschonern (Strassenhockeyaner) entgegenkommt. Die jungen Männer sind am Einlaufen und Aufwärmen, bevor sie ins Hockeytraining starten. Ein lustiges Bild, die bunte Truppe. Und das findet Ellie offenbar auch. Unvermittelt und ohne Vorwarnung rennt sie mitten in die Männergruppe rein, springt den Joggern an die Waden und lässt sich fast nicht abschütteln. Ich rufe dämlicherweise anstelle von nein oder aus „Hey, spinnst Du?“. Weltklasse, diese Ansage – jeder Hund versteht die! Und einer der Männer ruft: „Jetzt hätte ich beinahe eine Ratte zertreten!“ Klein Ellie ist eben nicht besonders gross, aber besonders frech. Weiterlesen

Diskretionsabstand

Kennt ihr sie auch, die hiesigen kleinen Bankfilialen, die in etwa die Grösse einer Hundehütte haben? Bei uns gibt es von diesen noch so einige, schliesslich leben wir auf dem Land. Und da steht zwar bei der Bankfiliale an der Eingangstür ein Schild, auf welchem steht „Bitte Diskretionsabstand wahren“, es könnte aber auch genauso gut stehen, dass man draussen warten soll. Es ist in diesen Minifilialen nun einmal nicht möglich, dem Vordermann (oder der Vorderfrau) nicht im Nacken zu sitzen. Und weil wir ja ein ganz offenes Völkchen sind, haben die meisten Bankfilialen auch die Glasfronten zwischen Berater und Kunden verschwinden lassen. Alles offen, alles sehr familiär. Prima – vorausgesetzt, es kommt nicht zu peinlichen Situationen. Weiterlesen