Das Leben ist eine Pralinenschachtel

Eine liebe Freundin hat heute zu mir gesagt: „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel.“

Ich habe über den Satz nachgedacht und mir überlegt, wie unser Leben „nach Corona“ (wenn es das denn überhaupt gibt … NACH …) aussehen wird. Und dabei ist mir die Pralinenschachtel wieder eingefallen. Wir wissen alle nicht, was auf uns wartet. Und genauso verhält es sich mit einer gemischten Pralinenschachtel. Wir haben keine Ahnung, was da drin ist und ob wir das mögen oder nicht. Bei den Pralinen können wir einfach zur Not nur anbeissen und wegschmeissen, wenn es nicht mundet. Im wahren Leben funktioniert das leider nicht. Wäre ja zu schön: Morgens den Tag beginnen und wenn es sich scheisse anfühlt, dann einfach wegschmeissen und einen neuen Tag nehmen. Das wäre unglaublich toll!

Ich schätze mal, dass jene, die diese Zeit überstanden haben, irgendwann im Herbst ihre Schachtel öffnen und – im Optimalfall – eine Menge feiner Pralinen drin sind. Es wird vielleicht so zwei oder drei haben, die nicht wirklich lecker schmecken, aber die sind zu verschmerzen.

Es wird aber auch jene geben, die die Schachtel öffnen, und mehrheitlich Schokolade vorfinden, die sie nicht ausstehen können. Die werden dann wohl auf etwas Neues umschwenken müssen.

Dann wird es jene geben, die in der Schachtel anstelle von Schokolade lauter Scheisshäufchen drin haben. Die werden gut daran tun, die Schachtel weit weg zu schmeissen und den Mut nicht zu verlieren, dass es wieder besser wird.

Leider wird es auch solche haben, die ihre Schachtel gar nicht mehr öffnen können.

Ja, ich muss zugeben, der Vergleich mit der Pralinenschachtel ist gar nicht so schlecht. Wenn ich hier dann bitte meinen Wunsch anbringen könnte: Ich möchte KEINE DUNKLEN Pralinen drin, die mag ich nicht. Könnte das – wer auch immer da auffüllt – bitte berücksichtig werden. Dankeschön! 🙂

Löchersieb

Ab wann muss man sich in Sachen Vergesslichkeit ernsthafte Sorgen machen? Mein Hirn ist nämlich wie ein Löchersieb … da rutscht alles durch, was nicht immens gross ist. Da sind Dinge wie „Termine vergessen“ (was mir früher nie passiert wäre), oder „Namen, die sofort wieder weg sind“ (was immer oberpeinlich ist)…

Dann sind da noch die Erinnerungen aus der Kindheit. Es gibt Dinge, an die kann ich mich so vage erinnern. Dann gibt es aber auch welche, die sind ganz einfach weg. Gelöscht! Keine Ahnung, warum. Die kenne ich nur vom Hörensagen. Und genau so ein Ding ist mir vor kurzem passiert – und ich hätte dabei beinahe ein Herz gebrochen. Wir sind lecker „Heissen Stein“ essen gegangen und der Inhaber des Restaurants ist ein guter Bekannter von uns. Also, eigentlich ist er das JETZT ERST WIEDER. Wieso? Ich konnte mich einfach nicht mehr so wirklich an ihn und unsere gemeinsame Vergangenheit erinnern. Wie peinlich ist das denn, hm? Da kommt er zu mir und erzählt mir: „Ich sehe Dich heute noch, wie Du damals mit unseren Eltern am Strand in Süditalien mit Deinen Zierperlen Ketten gemacht hast.“ Ich habe ihn bestimmt angeschaut, als ob er soeben vom Mond gelandet wäre und grüne Antennen auf dem Kopf hätte! Ich so: „Wie jetzt? Woher weisst Du, dass ich als Kind Schmuck gemacht habe?“ Wohlverstanden: Wir waren damals ungefähr 8 (er) und 12 (ich) Jahre alt. In meinem Gedächtnis gelöscht! 😦

Der Gute hat mir also unsere ganzen Kindergeschichten von den Sommerurlauben in Italien erzählt … was ich getan habe, was meine Hobbies waren, wie wir zusammen gespielt haben am Meer etc. etc.! Und ich sass da und dachte: Wovon zum Geier spricht er da. Und dann kam mein Supersatz à la Dani: „Was hast Du bloss für ein Gedächtnis? Ich meine, ich kann mich grad mal knapp daran erinnern, dass ich Dich kenne!“ ZACK – ich habs krachen hören … das Herz … so ein kleiner Bruch im Brustkasten. Er hat mich total entgeistert angesehen und meinte: „Dein Ernst jetzt, Du willst sagen, dass Du Dich nicht mehr wirklich an mich erinnern kannst?“ Ehm …. joa … das ist leider so. Ich wünschte, ich hätte ein Gedächtnis wie er. Hab ich aber nicht. Ich bin froh, wenn ich morgens aufstehe und weiss, wer mir da im Spiegel entgegenlinst.

Und weil ich dem unfassbar witzigen und charmanten „Freund von früher“ beinahe das Herz damit gebrochen habe, nenne ich ihn dafür jetzt „Liebling“, um meine Vergesslichkeit wieder gutzumachen. Ich wünschte, ich hätte sein Memory, ich beneide ihn nämlich darum. Falls ihr meinen Spielkameraden von damals mal live sehen möchtet: Er serviert den besten „Heissen Stein“ im Umkreis von vielen Kilometern im ilprofeta.ch in Bern. Wenn er da rumwuselt mit seinen zwei Ohrringen (in jedem Ohr einer …) und seinem breiten Bernerdialekt, dann grüsst ihn von mir. Ich kann mich nämlich aktuell gerade an ihn erinnern! 🙂