Wenn Engel reisen …

… lacht der Himmel … oder wie ging das nochmal?

Ich bin ein bekennender Winterfan, mag keine warmen Temperaturen (alles über 20 Grad ist für mich zu warm) und nach unten ist meine Skala offen. Hitze ist so gar nicht meins und das habe ich dem Chef (Petrus) schon so oft mitgeteilt, dass er nun wohl gedacht hat: Okay, wie Du möchtest! Also wird in der Schweiz aktuell geschwitzt, während wir uns hier in Marokko den Arsch abfrieren (tschuldigung, Arsch sagt man nicht, ich weiss). Die maximale Tagestemperatur bewegt sich hier gerade mal um 20 Grad (wenn überhaupt), und vom Regen bleiben wir auch nicht verschont. Heute müssen wir noch schnell mit Jacken bewaffnet die Sonnenstrahlen geniessen, denn ab morgen solls dann nur noch regnen.

Ich dachte ja immer, nur Frauen seien zickig – aber dieser Petrus ist ja keine Bohne besser. Da beschwert man sich ein paarmal über die Hitze und … schwupp … verwandelt er ein nordafrikanisches Land in einen Kühlschrank. Das wäre ja alles nur halb so schlimm, wenn ich mich zu Hause schon darauf eingestellt hätte. Ich habe mich aber auf ein warmes Land eingestellt und deshalb auch Sommerklamotten eingepackt. Hier rennen aber die Leute in Daunenjacken rum und ich schichte verzweifelt meine Sommerkleider alle übereinander, um nicht Frostbeulen zu bekommen. Obenrum geht das ja noch … aber wie schichtet man Leinenhosen? Und lange Unterhosen hab ich auch keine dabei!

Ich weiss, dass sich nun alle diebisch freuen werden, dass die Modepraline mal frieren muss. Das ist die Strafe, weil ich ständig über die Hitze schimpfe, schon klar, ich habs kapiert. Und ich werde – sobald wir wieder in der hitzigen Schweiz sind – auch wieder über die Hitze schimpfen wie ein Rohrspatz. Aber in Marokko dürfte es also schon etwas wärmer sein … wofür sind wir denn sonst so weit gereist? Nur der Tempel, Mosaike und Moscheen wegen auf jeden Fall nicht.

Jaja, wie man es macht, ist es falsch. Ich bin aber auch eine Motztüte – ich weiss! Aber wenn ich kühl und regnerisch will, dann fahre ich an die Nordsee … nicht nach Marokko. Mensch! Verkehrte Welt aber auch …

Andere Länder, andere Sitten

Ja, ihr armen Leser-/innen meines Blogs … ihr müsste die Marokko-Reise mit mir weitermachen. Schliesslich muss mein Frust irgendwo einen Ausgang haben – und das ist bei mir die Tastatur meines Laptops.

Frust und Ferien? Jap, bei mir absolut möglich. Vor allem, weil ich als westliche und sehr emanzipierte Frau in einem muslimischen Land ein Problem mit den Gepflogenheiten habe. Und das habe ich wohl ziemlich unterschätzt. Also: Ich spreche hier nicht von den textilen Gepflogenheiten. An die kann ich mich locker anpassen, das ist kein Problem. Sind schliesslich ihre Regeln hier. Aber ich habe ein grosses Problem damit, dass hier doch so einiges mehr als frauenverachtend ist. Und der Umgang mit Tieren entspricht auch so gar nicht meinem Geschmack. Hier scheinen sowohl Frauen als auch Tiere keine Rechte zu haben. Entsprechend werden sie auch behandlet. Lebewesen zweiter Klasse.

Und dann passiert es natürlich genau mir, dass ich ein Problem mit einem unserer Hotels habe. Was macht eine Modepraline, wenn sie ein Problem hat? Sie versucht es zu lösen. Mit Worten, Erklärungen und Lösungsvorschlägen. Ehm: Könnt ihr euch vorstellen, was die muslimischen Männer (und hier sind nur männliche Manager, soweit das Auge reicht) davon halten, wenn eine westliche Frau auf den Tisch haut? Sie sind total überfordert. Und der Göttergatte findet dabei, dass ich nicht schwierig bin (ich würde mich selber sehr wohl als schwierig bezeichnen), sondern er findet, dass ich einfach nur für mein gutes Recht einstehe. Jap, das tue ich – egal wo. Und ich lasse mich auch in Marokko nicht über den Tisch ziehen, nur weil das offenbar zuvor mit 100’000 anderen Touristen funktioniert hat. Ich werde in solchen Momenten zur bissigen Zicke und fahre die Krallen aus. Selbst wenn ich dafür halb Marokko auf den Kopf stellen muss.

Ich weiss bereits nach der Hälfte unserer Reise, dass ich nie wieder ein solches Land bereisen würde. Und ich werde den Beliebtheitsaward bei den marokkanischen Managern nicht gewinnen – aber das ist mir auch piepegal. Dafür weiss ich jetzt wieder, dass ich – wenn ich wütend genug bin – locker drei Fremdsprachen fliessend spreche … und zwar parallel.

Was haben wir doch für ein schönes Heimatland 🙂

Krieg der Fremdenführer

Zusammen mit meinem Göttergatten habe ich das ferne Marokko bereist. Eine Rundreise durch das Land, welches in meinem Kopf eigentlich hätte aussehen müssen wie ein Märchen.

Im ganzen Land wurde uns gepredigt, dass man alle Glaubensrichtungen respektiere und es egal sei, ob man Christ, Moslem oder Jude sei. Man lebe friedlich zusammen und Werte wie Familie oder Freundschaft seien gross geschrieben. Deshalb sei auch Frieden im Land.

Klingt alles wunderbar – klingt friedlich und man könnte glatt alles glauben, wenn die Fremdenführer nicht selber über ihre Predigten stolpern würden. Wir wissen nämlich jetzt, wie Kriege entstehen. Es wurde uns dort vorgelebt und live gezeigt. Der eine Fremdenführer zeigte uns Marrakech und erklärte uns seine Version von Glauben, von Moscheen und seine Theorien klangen für uns Laien glaubhaft. Dann kam der neue Fremdenführer in Fès (Stadt in Marokko) und ärgerte sich grün und blau über unser neues Wissen, welches wir in Marrakesch meinten gelernt zu haben. Und er kam dabei richtig in Rage und machte auch gleich eine Meldung an die Reiseagentur im Land, weil wir schliesslich mit seinem Berufskollegen nur Halbwahrheiten gelernt hätten. Der Göttergatte hatte sich vorsorglich schon mal erkundigt, ob wir im Anschluss an die Reise womöglich einem Test unterzogen würden.

Als Reisender tut man gut daran, sich selber ein Bild zu machen – und nur sehr dezidiert aus den Erklärungen der Fremdenführer rauszunehmen, was man für richtig oder wichtig hält. Aber wenn der eine aus der Stadt im Süden über den anderen aus der Stadt im Norden flucht und umgekehrt … wenn die beiden Städte sich via ihre Fremdenführer einen Kampf um die schönere Stadt liefern … dann ist mir klar, wie Kriege entstehen. Und wenn es dann noch um die Bedeutungen ihrer Kugeln auf den Minaretten geht, dann hört der Spass aber ganz auf. Dann wird man zusammengestaucht, wenn man als Tourist dem ersten Reiseführer geglaubt hat. Ups!

Wir erlebten viel – wir haben gefühlt Millionen von Eindrücke verarbeiten müssen … aber uns wurde schlagartig klar, warum und wie Religionskriege entstehen. Jeder hat seine eigene Interpretation von Gott, Allah oder wem auch immer. Und wehe, die passt nicht zur Interpretation eines anderen … dann fängt er an, der Krieg – zuerst nur unter Fremdenführern, ganz klein … aber irgendwann eben im Grossen. Leider 😦 Wir haben tunlichst vermieden kund zu tun, dass wir gar keiner Glaubensgemeinschaft angehören – vermutlich würden wir sonst zu den Hunden in den Käfig gesperrt. Die mögen sie dort nämlich nicht – die sind in ihren Augen schlecht und nehmen das Gute aus den Häusern weg (erklärte der nordische Fremdenführer). Die Katzen dafür seien heilig und würden das Gute im Haus behalten…! Ob das wohl stimmt? Keine Ahnung …

Ich weiss schon, warum ich am liebsten zu Hause bin!

Das misslungenste Kompliment aller Zeiten

Der Göttergatte und ich haben heute eine Stadtführung durch Marrakesch gemacht. Alles zu Fuss mit einem hiesigen Guide, der jede Gasse kennt und fliessend Deutsch spricht. Eine Überdosis an Eindrücken ist auf uns eingeprasselt … und vor allem ich war froh, als wir die Ruhe des Hotels wieder für uns hatten.

Was uns auf der Tour aber besonders aufgefallen ist: Das Schönheitsideal der Frau entspricht hier so gar nicht dem europäischen Standard. Hier sind Kurven gefragt. Es darf überall ein bisschen mehr sein. So sind wir auch sofort stehengeblieben, als wir die ersten Schaufensterpuppen sahen. Das waren Puppen in Konfektionsgrösse 44/46. Und selbst die Kinderpuppen sind hier mobbelig. Für unser Auge ganz etwas Neues, zumal wir ja bei uns auf dünn und dünner programmiert werden.

Als wir vielleicht das dritte Mal deswegen stehengeblieben sind und Fotos gemacht haben, wollte der Guide wissen, was wir daran so lustig fänden. Wir haben es ihm erklärt und er hat uns subito über die wahre Schönheit der Frau aufgeklärt. Eine Frau braucht Kurven. Überall – am ganzen Körper. Dieses dünne Zeug entspreche gar nicht dem Ideal der marokkanischen Frau. Aha! Und dann hat er den Supergau des Tages gleich nachgeliefert. Mit den Händen hat er eine kurvige Frau gemimt, hat dazu phantasiert, wie wunderbar doch eine üppige Frau sei und guckt dabei meinen Mann an mit den Worten: „Herr Jäggi, sie haben eben gut gewählt.“ Dann der Blick zu mir! Bäm!!!! Mitten in die Magengrube.

Okay, die Tatsache, dass er uns seine Karte gegeben hat mit den Worten: „Für Fragen bin ich immer für Sie da, Sie haben jetzt einen Freund in Marokko“, hat es auch nicht mehr rausgerissen. Ich schlucke jetzt nur noch Luft und vergesse den Freund in Marokko ganz schnell wieder. Frechheit – pha!

Marokkanische Gelassenheit

Die Modepraline weilt mit dem Göttergatten im fernen Marokko. Jaaaaahaaaa – ihr könnt jetzt schmunzeln und euch fragen: Hä, die mag doch keine Hitze, kein Meer, keinen Strand und keine fernen Länder. Grundsätzlich richtig, aber man kann es ja mal wieder ausprobieren – wer weiss! Und heiss ist es aktuell nicht – gerade mal 19 Grad heute Nachmittag und in der Nacht noch deren 10 … ich bin also froh um meine kuschelige Fleecejacke.

Aber wenn eine typische Schweizer Modepraline – die immer auf Zack ist – in Marokko landet, dann ist Geduld gefragt. Bekanntlich nicht gerade meine Stärke. Da geht man nämlich nicht einfach so zum Gepäckband und durch die Passkontrolle. Nope! Da heisst es „Warten bis zum Abwinken“. Die Menschenschlange, welche sich durch die Ankunftshalle des marokkanischen Flughafens in Marrakesch bildet, lässt mich beinahe schnappatmen. Wir stehen über eine Stunde an, um zuerst mal einen Stempel in unsere Pässe zu bekommen. Und wohlverstanden: Jeder Fluggast von gefühlt 20 Flugzeugen wird einzeln gecheckt, bevor er den Stempel bekommt. Und dann ist man noch nicht durch … neeeeeein. Dann geht man weiter zum nächsten Polizisten, der noch einmal kontrolliert, ob man wirklich den Stempel vom Kollegen im Kabäuschen zuvor bekommen hat. Sowas nennt sich wohl marokkanische Arbeitsbeschaffung. Und dann geht es ab zum Gepäckband, wo man – jaaaa – auf die Koffer warten muss. Einfach mal keinen Stress im Urlaub machen. Ruhe bewahren und druchatmen – das ist nicht wie zu Hause.

Und dann, ja … dann kommt der Supergau. Man kommt aus dem Flughafen mit dem Auftrag, nach einem Schild mit dem eigenen Namen drauf zu suchen. Dies soll der Fahrer vom Hotel nämlich in die Höhe halten. In meinem Kopf habe ich mir das so vorgestellt, dass wir nach draussen kommen und da steht einer mit seinem Schild. Ich musste mein Bild ganz schnell korrigieren. Da standen – ohne Witz – locker 80 Typen mit Schildern in allen Farben und Varianten. Die Modepraline wieder kurz vor der Schnappatmung. Aber dann: Unser Name – yeah! Zwar in der hintersten Ecke, aber doch noch gefunden. Und dann bekommen wir erst noch einen ganzen Kleinbus für uns alleine. Leider geht es damit aber auch nicht schneller, denn um aus dem Flughafen rauszukommen, müssen die Autos – ihr ahnt es – Schlange stehen!!!! Jedes Auto muss an einer Barriere sein Ticket bezahlen. Und wenn man dann mal raus ist, dann steht man … riiiiichtig …. im STAU! Und das ist kein Schweizer Stau, der geordnet von Dannen geht. Nein, da stehen die Autos kreuz und quer und es wird gehupt, was das Zeug hält. Es geht zwar deswegen keinen Deut schneller, aber es zerrt bedeutend mehr an den Nerven. Ohhhmmmmm!! Okay – Leute, ich habe meine Ferienaufgabe heute gefasst: Die Modepraline muss Gelassenheit und Toleranz lernen … ohne dabei einen Herzinfarkt zu bekommen. Keine einfache Aufgabe – aber ich arbeite daran.

Hab ich schon erwähnt, dass in Marokko sogar die Sonne langsamer untergeht, als in der Heimat? Hier ist irgendwie alles entschleunigt – ausser mir …. oohmmmmm!!!