Midlifedingens …

… und andere Krisen in der Mitte des Lebens.

Ich kenne eine Menge Menschen; die Mehrheit davon sind die sogenannten „best ager“ (in den besten Jahren). Es wird behauptet, die besten Jahre seien so um die 50 oder 60. Also ich weiss ja nicht so recht, was ich davon halten soll. Aber ich fand es irgendwie besser, als die Wallungen mich noch nicht zur Dauerschwitzerin machten und ich mich nicht ständig bei den Leuten entschuldigen musste, weil ich bei Begrüssungen schwitzend an deren Wangen kleben bleibe. Auch die steifen Knochen in der Früh, die man knackend zuerst sortieren muss, gehören bei mir nicht zum absoluten Highlight – und die Anzeige auf der Waage, die stetig nach oben zeigt … naja … anderes Thema!

In den allermeisten Belangen scheine ich aber dem Trend der „best ager“ und deren Allüren nicht zu folgen. Ich habe nämlich irgendwann beschlossen, das Kind in mir niemals zu verlieren. Ähnlich wie Pippi Langstrumpf. Was gibt es schlimmeres, als auf einmal alles nur noch erwachsen und realistisch zu sehen? Grauenvolle Vorstellung!

Und genau deshalb gehöre ich NICHT zur Kategorie jener, die …

… wie die Gestörten mit ihren Superbikes sämtliche Pässe erzwingen müssen …
… auf einmal zu Marathonläufern mutieren …
… den Jakobsweg in gefühlt 20 Varianten marschieren, um sich selber wieder zu finden …
… ins Kloster gehen, um über das Leben nachzudenken …
… Seminare besuchen, in welchen sie im Schneidersitz im Kreis sitzend über den Sinn des
Lebens diskutieren …
… ihre Ernährung auf bio-extra-ultra-vegetarisch-ober-vegan umstellen …
… sich auf einmal wieder neu erfinden und rumrennen, als ob sie 20 wären …
… ihre Falten einfach mit Polstern unterspritzen, um wieder in neuem Glanz zu erstrahlen.

Ich bin da wohl ziemlich einfach gestrickt. Das Leben hält auch so genug Prüfungen für einen bereit. Zum Teil sogar verdammt schwere Prüfungen. Warum also soll ich mir da noch zusätzliche Challenges auferlegen? Ich habe also schwitzend beschlossen, einfach ich zu bleiben. Mit Macken, mit Falten, mit mehr Kilos, mit grauem Haar, mit immer stärker werdender Brille, mit Dummheiten im Kopf – mal glücklich, mal traurig, mal hadernd, mal zurfrieden – aber immer 100% Modepraline. Und weil ich immer schon ich war, muss ich mich weder suchen, noch neu erfinden. Ich muss mir auch nichts mehr beweisen. Mit Ü50 weiss Frau, was sie kann, will oder eben nicht will.

Und ich werde mich – bei allen Prüfungen, die das Leben mir stellt – strikte weigern, jemals so richtig erwachsen zu werden. Das Kind in mir hält mich nämlich davon ab, vor dem Leben wegfahren, wegrennen, wegdiskutieren oder wegschweigen zu wollen.

P.S.: Ja, ich habe ein Fahrrad und staube es regelmässig ab! 🙂

 

Midlifecrisis

Neuer Lebensabschnitt; Veränderungen; neue Wege oder eben MIDLIFECRISIS. Alle nennen es ein bisschen anders. Ich nenne es Bewegung im Leben. Bewegung, die in meinem Fall durch eine harte Lebenserfahrung ausgelöst wurde und immer noch wird. Und weil einen Krisen im Leben verändern, reagiert das Umfeld entsprechend. In meinem Fall höre ich in der letzten Zeit des Öfteren, dass ich wohl endgültig eine Midlifecrisis habe.

Kann sein – macht aber nichts. Wenn ich mich 360 Grad um mich selber drehe und reflektiere, was alles passiert, dann muss ich sogar sagen, dass ich genau dasselbe auch behaupten würde, wenn ich eine Frau in meinem Alter mit meinen „Anfällen“ beobachten würde.

Ich verändere mich nicht nur körperlich (Kilos und Schwerkraft lassen grüssen) – ich ändere auch meine Sichtweise auf diverse Dinge. Ich habe mich nicht nur tätowieren lassen – ich breche auch mit Konventionen, die ich bislang immer eingegangen bin. Und: Ich trinke neuerdings mal einen Limoncello, einen Apérol oder einen gespritzten Weisswein … und das nach beinahe 50 Jahren Alkoholabstinenz. Ja, ich habe bislang keinen Alkohol getrunken. Ach ja: Ich gehe an Konzerte und verhalte mich wie ein Groupie … ohne mich dabei zu schämen. Klar, es kann sich eigentlich nur um eine ausgewachsene Midlifecrisis handeln. Oder aber ich habe ganz einfach erkannt, dass ich nur ein Leben habe und dieses von jetzt auf gleich vorbei sein kann. Und weil ich nicht 100 Dinge bereuen möchte, die ich niemals getan habe, weil „man“ sie nicht tut, habe ich nun entschieden: Ich mache, was ich will – und es ist mir schnurzegal, was die Leute dazu für eine Meinung haben. Ich muss nämlich niemandem gefallen, ausser mir selber. Und vielleicht noch meinem geliebten Göttergatten. Der fand aber in den letzten 30 gemeinsamen Jahren so gut wie immer alles in Ordnung, was ich gemacht habe. Der freut sich sogar, wenn ich mich freuen kann wie ein kleines Kind, während ich von einem gelungenen Weiberabend erzähle.

Also: Wenn eine Midlifecrisis bedeutet, dass man auf einmal das Gefühl hat, für jeden einzelnen guten Tag im Leben dankbar sein zu müssen und nicht mehr irgendwelchen Regeln und Vorgaben gerecht werden zu wollen … ja, dann habe ich sie: DIE AUSGEWACHSENE MIDLIFECRISIS. Und wisst ihr was? Sie tut nicht mal weh! 🙂