Harte Krieger

Ich hatte heute am Bahnhofkiosk in Zürich ein schräges Erlebnis. Zumindest habe ich es als schräg empfunden.

In meinen Gedanken sehe ich bei Zigaretten unweigerlich immer den Cowboy auf dem Pferd – so wie das früher in der Marlboro-Werbung im Kino gezeigt wurde. So habe ich in meinem Kopf wohl den Link gemacht, dass Raucher-/innen harte Krieger sein müssen. So richtige Kerle halt. Totales Klischee, ich weiss, aber in meinem Kopf sehen die braungebrannt, muskulös und mit ledriger Haut etwas rauh aus.

Nun stehe ich heute also mit dem Sohnemann am Kiosk, um für die Zugfahrt ein Getränk zu holen. Da stellt sich neben mich eine zierliche und kleine Blondine und verlangt nach „Parisienne mild soft“. Hä?

Zigaretten sind schädlich, das weiss jedes Kind. Und überall auf jeder Schachtel sind Aufdrucke mit Warnungen und sehr unschönen möglichen Folgen des Rauchens. Warum zum Geier sind dann Zigaretten mild und soft? Oder anders gefragt: Wenn man mild und soft bestellt, warum raucht man dann überhaupt? Das klang für mich fast wie:

„Ich hätte gerne einen Apfelstrudel, aber ohne Sturdel, ohne Zucker und ohne Sahne.“

Da ess ich doch gleich einen Apfel. Ja, ich gestehe, ich kenne mich nicht aus mit Zigarettenmarken – aber mild und soft klingt ja fast schon gesund. Diese Ausdrücke passen doch so gar nicht zu Zigaretten. Ich habe diesen Satz nicht mehr aus dem Ohr und meinem Gedächtnis bekommen. Der klingt für mich einfach derart widersprüchlich, dass ich ihn hier in die weite Welt schicken musste. Ich denke nämlich, dass auch mit mild und soft die Haut und die Lunge nach einer Weile alles andere als mild und soft aussehen werden.

 

Krank oder selber schuld?

Das Thema Sucht ist wohl seit Menschengedenken ein kontroverses Thema. Ist eine selbstverschuldete Sucht eine Krankheit, oder ist es eine Lebensbehinderung, mit welcher man selber klarkommen muss?

Diese Frage ist brisant, ich weiss – mich interessiert aber die Meinung der Aussenwelt, weil ich mich frage, ob es eine Rechtfertigung dafür gibt, dass das öffentliche Gesundheitssystem für Suchterkrankungen aufkommen muss. Ich meine, wer raucht, Drogen konsumiert oder trinkt, wird in der Krankenkassenabrechnung genauso unter krank abgehandelt, wie jemand, der an Krebs erkrankt oder einen Schlag- oder Herzanfall hatte. Ist das richtig so?

Jeder mündige Mensch hat die Wahl, ob er das Risiko einer Sucht eingehen will, oder nicht. Genauso weiss auch jeder mündige Mensch, dass diese Sucht nicht schadlos an ihm und seinem Körper vorbeigehen wird. Trotzdem tut Mensch, was er eigentlich genau weiss, dass er/sie es nicht tun sollte. Und wenn dann die Schäden kommen, muss das Gesundheitssystem für diese Folgen aufkommen. Und dies, obwohl doch Süchtige selber entschieden haben, diese Sucht einzugehen.

Ich gestehe, ich bin selber suchtfrei und kann von daher nicht aus eigener Erfahrung sprechen. Ich bin aber in der Jugend mit dieser Thematik sehr nahe konfrontiert worden und habe mich eingehend damit befasst. Und ich muss gestehen, dass ich nie verstanden habe, wie man Suchtpatienten auf die gleiche Ebene stellen kann, wie unverschuldet schwer kranke Menschen. Für mich und mein Gefühl ist das ein Hohn all jenen gegenüber, die sich einfach nur ein halbwegs gesundes Leben wünschten, und die niemals die Wahl hatten. Ein Suchtmensch hatte die Wahl – irgendwann; und hat sich falsch entschieden. Daran lässt sich nunmal nicht rütteln. Oder sehe ich das so falsch?

Rauchverbot neu interpretiert

Der Göttergatte und ich haben mit unserem Vierbeiner einen Mittagsmarsch gemacht. Das hat den Vorteil, dass man auf halbem Weg zum Mittagessen in einem Landgasthöfchen einkehren kann. Eine kleine Gaststätte, welche vor allem im Sommer gut besucht ist. Im Winter eher karg und leer, aber das hinderte uns nicht daran, dort einzukehren. Weiterlesen

Die älteren Zuschauer

Ich habe kürzlich abends ein Fernsehformat geschaut, welches mit Rankings aller Arten aufwartete. Beispielsweise die schlechtesten Filme der letzten Jahre, die lustigsten Werbeclips oder die grössten Modesünden. Alles bezogen auf die letzten 50 Jahre. Gemütlich, unter der Decke habe ich die Gedanken hängen lassen, denn denken musste man dabei wirklich nicht. Man konnte sich einfach nur berieseln lassen. Bis ich auf einmal mental wieder hellwach und etwas verwirrt in die Glotze starrte. Warum? Weiterlesen

Was mich nichts angeht…

…sollte mich auch nicht aufregen. Klingt logisch und total einfach. Ist es aber nicht. Im Gegenteil!

Da fahr ich heute mit meinem Auto zum Bahnhof, parkiere und sehe eine junge Frau auf dem Parkplatz mit einer Zigarette im Mund. Genüsslich zieht sie daran und bläst den Rauch in den Wind. Nicht besonders spektakulär, wäre die Gute nicht mindestens im achten Monat schwanger. Ein kugelrunder Bauch schaut unter dem Mantel hervor und mein Puls schnellt schlagartig in die Höhe. Ich weiss – geht mich nichts an. Aber bitte, geht das nicht unter Körperverletzung? Ich stelle mir den kleinen Menschen da im Bauch vor, wie er vor sich hin hustet und verzweifelt versucht, einen gesunden Schluck Sauerstoff zu bekommen. Keine Chance. Solange Mama raucht, kann sich der Zwerg nicht wehren. Ich finde das eine Sauerei! Weiterlesen

Habt ihr eure Liste….

…mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr schon fertig? Es bleibt nicht mehr viel Zeit, der Countdown läuft! Meine ist so kurz wie noch nie. Es steht genau ein Satz drauf:

Ich nehme mir vor, mir nichts vorzunehmen!

Das wird einfach, oder? Bislang habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich die Vorsätze genau über die ersten Tage im neuen Jahr retten konnte, dann waren sie auch schon wieder aus dem Sinn. Was soll das also bringen, ausser einem vermeintlich guten Gefühl in der Silvesternacht? Selbstbetrug in Ehren, aber dafür bin ich nun doch zu alt.

Ich möchte mal wissen, wieviel Fitnessabos in den ersten beiden Januarwochen gelöst werden, die dann zu Hause in der Schublade vor sich hin gammeln. Oder wieviele Zigarettenschachteln um 5 Minuten nach Mitternacht im Abfall landen, um anderntags an der Tankstelle schnell wieder Neue zu kaufen, weil die Superidee von der Silvesternacht sich als ziemlicher Kraftakt herausstellt. Oder das Versprechen, keinen Alkohol mehr zu trinken, das viele einfach zu heimlichen Trinkern macht. Am besten sind die Diätvorsätze, welche die Umsätze der „Diätisten“ (ich habe das Wort soeben kreiert) in die Höhe schnellen lassen – und mit ihnen meistens auch kurzum die Pfunde auf der Waage wieder. Die Liste könnte endlos ergänzt werden:
– Kinder versprechen, weniger Fernzusehen
– Männer beteuern, öfters mal Blumen nach Hause zu bringen
– Frauen schwören, nicht ständig neue Möbel anzuschleppen
– Eltern versprechen, toleranter zu sein
– Im Gegenzug werden Kinder zum Versprechen genötigt, bessere Noten zu schreiben
Seitenweise könnte man nun dieses Spiel weiterführen. Und oft kommt das böse Erwachen schon am Neujahrsmorgen, wenn die Vorsätze im verkaterten Kopf irgendwo noch hängen und man sich fragt, wie man aus dieser Nummer am besten wieder rauskommt.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, mir diesmal einfach nichts vorzunehmen. Und ich glaube, dass das genauso schwierig ist. Denn schon alleine das Ersetzen der alten Agenda durch eine Neue verleitet einen dazu, darüber nachzudenken, was man im neuen Jahr alles (besser) machen möchte. Das erzeugt Druck und irgendwann schliesslich Frust, wenn man es denn doch nicht schaffen sollte. Ich wünschte mir, dass ich einmal ein Jahr lang einfach Tag für Tag nehmen könnte – einfach so, wie es halt kommt. Ohne Plan, ohne Vorsatz, ohne Druck – einfach nur so. Aber das ist kein Vorsatz, sondern ein Wunsch. Und dafür bin ich nun leider zu spät, denn das Christkind war schon da. Hätte mir eine Woche früher einfallen müssen. Nun denn: Seien wir gespannt, was das neue Jahr so bringen mag!