Leichtes Gepäck

Es gibt Phasen in meinem Leben, da überschlagen sich gefühlt 100 Ereignisse und in meinem Kopf herrscht Chaos pur. Da stehe ich jeden Morgen ein bisschen erschlagener auf und mein Kriechgang wird so schwer, dass rückwärts gehen fast schneller wäre. Da pocht mein Kopf regelmässig vor Kopfschmerzen, weil ich die Gedanken nicht mehr sortieren kann und mein Rücken schmerzt, weil der Rucksack verdammt schwer wird. Und die Albträume, die mich nachts quälen, machen den Schlaf auch nicht mehr erholsam.

Solche Phasen hat jeder Mensch – ich weiss. Und was machen andere Menschen, wenn sie mittendrin stecken?

Bei mir macht sich da regelmässig das unglaubliche Bedürfnis breit, einen Benzinkanister zu nehmen … alle Sorgen mit Benzin zu übergiessen und mit dem Feuerzeug alles abzufackeln. Weg damit – ein grosses Feuer machen, sich an den Flammen wärmen und dann neu beginnen!

Wäre es nicht schön, wenn das so einfach ginge. Also mein Feuer hätte aktuell jede Menge Müll drauf … das gäbe eine üble Giftwolke, die sich in den Himmel ziehen würde. Was ich alles draufschmeissen würde? Also, da hätten wir:

. Krankheiten verschiedenster Arten
. Missgunst
. Neid
. Intrigen
. falsche Freunde
. raffgierige Geier
. gelangweilte Menschen
. Pseudoprobleme
. Psychovampire.

Vermutlich würde die Liste noch um einiges länger, wenn ich wirklich ganz fest darüber nachdenke, was alles in meinem Rucksack steckt, das ich gerne loswerden möchte. Aber das sind schon mal jene Sachen, die mir das Leben sehr erleichtern würden – also ab damit auf den Scheiterhaufen und anzünden. Dann würde nämlich aus dem schweren Rucksack plötzlich leichtes Gepäck. Und mit leichtem Gepäck reist es sich bekanntlich leichter. Und das Leben ist nichts anderes als eine Reise – mal steil, mal steinig, mal eben, mal hell, mal dunkel, mal kalt, mal heiss … aber auf jeden Fall immer anders und mit vielen Herausforderungen.

Neben allem, was ich zusammen mit meiner Familie so zu stemmen habe, bin ich unendlich dankbar für den besten Göttergatten der Welt; für die zwei besten Kinder der Welt; für unfassbar liebe Eltern; für einen grossen „kleinen“ Bruder; für wunderbare Freunde und die besten Nachbarn der Welt – all diese Menschen sind es Wert, dass man den Weg weitergeht, egal was für Hindernisse es zu überwinden gilt.

Ihr Lieben, ihr seht: Die Modepraline hat manchmal ganz einfach nicht genug Humor, um witzige Geschichten ins Netz zu schicken. Dann wird es halt auch mal nachdenklich und ernst.

Zucchettigeneration

Da sitzt man im Zugabteil und wird von einer Schulklasse von ungefähr 20 Zwergen umringt. Was für ein lustiges Bild. Bunte kleine Rucksäcke zieren die kleinen Wanderer und sobald jeder seinen Platz hat, wird auch sofort ausgepackt, was die Mamas und Papas zu Hause an Proviant eingepackt haben. Da staunt unsereiner nicht schlecht. Ich meine: Unsere Kinder durften doch tatsächlich auf der Schulreise noch die geliebte Milchschnitte oder die Gummibärchen als Highlight zücken. Heute sieht das total anders aus:

Kleine Knirpse kennen tatsächlich Ausdrücke wie vegan, Laktose, Fructose, Kohlenhydrate und Zuckeranteil. Hä? Ich meine: Das sind doch all jene Dinge, die unsere Kindheit erst so richtig cool gemacht haben. Und sie coolsten Mamas waren jene, die es schafften, irgendwo heimlich ein Sportovo oder einen Schokoriegel in den Rucksack zu schmuggeln – so als kleine Überraschung. Leute … ich wäre heute sowas von raus, das gibt es gar nicht!

Die Kleinen packen ihre sorgfältig farblich abgestimmten Tupperdosen in allen Grössen aus. Und was da alles zum Vorschein kommt, lässt mich Bauklötze staunen. Zucchetti, schön geschnitten in mundgerechte Stückchen. Karotten, wunderbar als Sticks hergerichtet. Peperoni in schönen Farbvariationen oder Radieschen mit eingeschnitzten Gesichtchen. Aha! Dann hätten wir da noch die Reiswaffeln (natürlich ohne Schokolade) und die Bionussvariation aus dem Reformhaus – schön assoritert in der speziell dafür konzipierten Tupperdose.

Ich unwissende Mutter sitze also mit offenem Mund staundend im fahrenden SBB-Gesundheitstempel für Zwerge und frage mich, ob die Kleinen das wirklich alles lieben oder ob die Mamas sich da einen Küchenwettkampf der Vitamine liefern!?

Eines weiss ich aber mit Sicherheit: Ich hätte in der heutigen Zeit wohl keine Chance mehr, da auch nur ansatzweise mithalten zu können. Meine Grosskinder bekämen immer noch das knusprige Brötchen, die Knabbertüte (Tuttifrutti) mit Nüssen und Beeren drin, das Sportovo, den Apfel und die Gummibärchen mit. Ich würde damit ganz bestimmt nicht den Ernährungsaward gewinnen – aber ich denke, dass der Zwerg darüber ganz bestimmt nicht unglücklich wäre.

Der Zaubersack

Meine allerbeste Hundefreundin kann zaubern – und das erst noch mit einem gängigen Rucksack.

Sie hat uns kürzlich ganz fix 3 Tage in Hamburg besucht und ist mit leichtem Gepäck gereist. Also, ich würde das sogar eher ohne Gepäck nennen. Das, was SIE dabei hatte, ist bei mir das Handgepäck. Ich war leicht irritiert. Sowas habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Und insgeheim dachte ich natürlich, dass sie bestimmt die Hälfte vergessen hat. Nix da! Weit gefehlt. In diesem ganz normalen Rucksack (Stadtrucksack) war irgendwie soviel drinn, das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Da waren

  • Ersatzschuhe
  • Pyjama
  • 2 T-Shirts
  • eine Regenjacke
  • eine Strickjacke
  • Socken
  • Unterhosen
  • eine Bluse
  • ein Nécessaire
  • ein iPad
  • ungefähr 4 Brillen
  • Brieftasche
  • Taschentücher

fein säuberlich zusammengerollt, und doch nicht zerknittert verstaut. Sowas habe ich echt noch nie gesehen. Ich bräuchte für all diese Sachen einen Koffer und vermutlich trotzdem noch mein Handgepäck.

Und wer nun denkt, dass es das schon war, der täuscht sich gewaltig. Die Gute hat nämlich in der Hansestadt für sich und den Sohnemann noch geshoppt und – Achtung, festhalten: Das hat sie alles auch noch in besagten Rucksack gepackt. Echt jetzt – ich bin überzeugt, dass dieses Teil ungefähr zehn geheime Tunnel und 335 Ecken haben muss, die ich nicht gesehen habe. So ähnlich wie ein unendliches Loch, in welchem alles verschwindet und bei Bedarf dann wieder zum Vorschein kommt. Ich habe bis heute keine logische Erklärung gefunden, wie sie das gemacht hat.

Ach ja: Habe ich schon erwähnt, dass sie gerade mal innerhalb einer Stunde beschlossen hat, uns in Hamburg zu besuchen – und in dieser Zeit hat sie auch gepackt und war reisefertig. Ich dachte ja immer, ich wäre gut. Sie ist besser!

Reblog – Mit 50 auf dem Abstellgleis

Ich gehe ziemlich eindeutig auf die 50ig zu. Und ich kenne diverse, denen es genauso geht. Manche von ihnen haben die 50ig auch schon überschritten. Dabei handelt es sich sowohl um Männer, als auch um Frauen. Und diverse dieser Menschen sind auf Jobsuche. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man eben die 50iger-Grenze mal überschritten hat. Ich dachte ja immer, dass Erfahrung Gold wert ist. In Tat und Wahrheit scheint für die meisten Erfahrung einfach nur viel zu teuer zu sein. Also, eigentlich wäre ein Wunschkandidat 25-jährig, müsste aber trotzdem 15 Jahre Erfahrung haben und sollte mit dem Mindestlohn zufrieden sein. Hallo? Weiterlesen

Ich mach mich auf den Weg…

…zurück zur Leichtigkeit des Seins! Mein treuer Leser „Joey“ vom Blog https://joeyofleed.wordpress.com/ hat mir in seinem letzten Kommentar mitgeteilt, dass mich offenbar etwas sehr aufreibt, weil sich mein Schreibstil verändert hat. Die Leichtigkeit sei verloren gegangen. Ja, lieber Joey, da hast Du leider recht. Und weil ich das selber merke, nervt es mich gewaltig! Das war auch nicht so geplant. Aber manchmal schreibt das Leben Geschichten, die jenseits von Leichtigkeit und Witz sind. Und genau so sind diese schweren Blogposts enstanden. Es läuft eben bekanntlich im Leben nicht immer rund. Und weil mich nun Joey darauf aufmerksam gemacht hat, werde ich mich sehr bemühen, den Weg der Leichtigkeit wieder zu finden. Schliesslich macht das Leben auch mehr Spass, wenn es nicht so schwer wiegt.

Das Problem ist vermutlich, dass man – wenn man mitten in einer Krise steckt – den Schritt aus dem Krisensumpf nicht mehr macht und sich drum im Sumpf zu suhlen beginnt. Fataler Fehler! Ein Schritt zurück und von aussen betrachten wäre manchmal eine gute Sache. Dann würde man nämlich merken, dass es im Leben NICHTS gibt, wofür es sich so sehr zu ärgern lohnt, dass man die Leichtigkeit verliert. Und ich bin Joey ganz schön dankbar, dass er mir heute diesen Tritt verpasst hat. Ich will nämlich keine mühsame Jammertante im Tal der Tränen sein – das passt im Grunde auch so gar nicht zu mir. Also habe ich soeben beschlossen, mich aus der dunklen Höhle wieder rauszubuddeln und ins Sonnenlicht zu stehen (was für ein überkandideltes Sinnbild….).

Ich nehme also jetzt meinen Rucksack und packe all den Mist der letzten Wochen raus, schütte Benzin drüber und zünde alles an. Stattdessen packe ich alle guten Gedanken, die neuen Ideen, die lieben Zusprüche und die witzigen Bilder in meinem Kopf in den Rucksack rein und mache mich damit auf den Weg zurück zur alten Modepraline. Und ich hoffe, dass ihr alle mitkommt. Schliesslich macht Kummer und Ärger nur krank – und wer ist schon gerne krank? Ich nicht! Drum, danke lieber Joey … ich weiss, dass Du ganz bestimmt an meiner Seite bleibst und mit dem Schwanz wedelst (nein, Leute … keine dummen Gedanken … Joey ist ein Havaneser!).

Blindes Huhn

Da bin ich mit meiner Tochter und der kleinen Fellnase Ellie in Hamburg unterwegs und lasse mich weder von Regen noch von düsterem Licht davon abhalten, ein Fulltimeprogramm In- und Outdoor abzuspulen. Unterwegs muss das Tochterkind amtliche Besorgungen machen und ich denke mir, dass ich diese Zeit nutze, um mich mit dem Vierbeiner in ein Kaffee an die Fensterfront zu setzen, etwas zu essen und den Menschen zuzusehen. Prima Plan! Bis die Speisekarte kommt … und da erweist sich der Plan als schwierig. Warum? Ich habe mich ohne Brille auf den Weg gemacht. Und: ich bin ohne Brille blind wie ein Maulwurf.

Ich klappe mutig die Speisekarte auf und halte sie so weit von mir weg, wie nur möglich. Leider sehe ich nur die Überschriften, sonst nichts. Und ich muss gestehen, dass ich es etwas doof finde, mir die Karte vom Kellner vorlesen zu lassen. Beim Eingang des Restaurants hängt ein grosses Plakat, auf welchem steht „Pizzabrot mit Dip und ein Getränk für Euro 4.50“. Nicht, dass ich auf Schnäppchenjagd wäre, aber das ist nunmal das einzige, was ich ohne Brille erkennen kann. Also sage ich dem netten Kellner sehr souverän, dass ich doch gerne das Angebot vom Plakat hätte. Lust auf Pizzabrot? Geht so! Da ich aber sonst nichts lesen kann, habe ich keine andere Wahl.

Geschmeckt hat das bestellte Essen erstaunlich gut und ich habe mich nur wenig geärgert, als ich – zurück in der Wohnung – gemerkt habe, dass ich die Brille doch dabei gehabt hätte, einfach im falschen Fach im Rucksack verpackt. Gut gemacht, blindes Huhn!

Brief an meine Schultern – Challenge

Liebe Schultern

Herzlichen Dank, dass ihr seit Jahren meinen Kopf mit euch rumtragt. Zwischenzeitlich wurdet ihr sogar noch mit dem Gewicht meiner Kinder belastet, wenn diese auf den Schultern getragen werden wollten. Meine Güte, bin ich froh, dass diese Zeit schon lange vorbei ist. Ihr habt mir solche Aktionen nämlich immer mit üblen Schmerzen gedankt.

Heute seid ihr hängend (Tendenz nach vorne), asymetrisch (nicht gleich hoch) und runder als früher (mehr Fleisch am Knochen). Wie asymetrisch ihr wirklich seid, merke ich immer dann, wenn ein BH-Träger immer runterrutscht, während der andere hält. Ich muss alles, was mit Trägern versehen ist, immer ungleich einstellen oder ungleich nähen lassen, damit es hält. Eine schiefe Angelegenheit.

Man sagt, dass man sich bei Sorgen viel aufbürdet. Diese Last tragt dann – im übertragenen Sinne – ihr. Ja, das stimmt wirklich. Auch körperlich spürbar. Wenn ich gestresst bin, dann schmerzt ihr tatsächlich. Es ist, als ob ihr dann mit mir kommunizieren würdet. So nach dem Motto: „Hey Du da, könntest Du bitte aufhören, uns noch mehr aufzuladen. Wir können all das nicht mehr tragen.“ Ihr fühlt euch dann an, als ob mir jemand einen viel zu schweren Rucksack angehängt hätte. Und die Signale, die ihr an mein Gehirn schickt, sind dann mehr als eindeutig. Manchmal höre ich darauf, manchmal versuche ich es solange zu ignorieren, bis ihr komplett auf stur stellt und so richtig übel schmerzt.

Nackt trage ich euch nie zur Schau, ausser im Wellness, wenn ich einen Bikini anziehen muss. Sonst seid ihr immer schön verpackt. Das war schon immer so. Nicht einmal in jungen Jahren rannte ich mit Tanktop durch die Gegend. Man hat mich schon immer als hochgeschlossen gekannt, deshalb kommt ihr selten an die frische Luft. Sorry! Keine Ahnung, ob ich verklemmt bin, aber ich habe niemals mein Fleisch zur Schau gestellt – auch nicht, als es noch straff und knackig war. Manche behaupten sogar, wenn es für den Strand einen Ganzkörperbikini gäbe (analog Neoprenanzug), dann würde ich ihn tragen. Stimmt! Am liebsten mit Rollkragen…