Ich bin nicht käuflich

Die Modepraline ist eine nicht kommerzielle Bloggerin. Dies gleich schon mal vorweg! Warum ich das schreibe? Ganz einfach: Weil ich immer wieder Anfragen und Angebote bekomme, welche darauf abzielen, dass ich schreibe, was man mir vorgeben möchte. Und das TUE ICH AUF GAR KEINEN FALL!

Es kommt nicht selten vor, dass in mein Postfach eine Einladung eines Hotels flattert – dies mit der Bitte, danach einen wohlwollenden Beitrag über das besagte Haus zu schreiben. Nein danke – kein Interesse. Auch textile Geschenke oder Kosmetikartikel werden mich nicht dazu bewegen, über etwas zu schreiben, worüber ich nicht schreiben möchte. Und schon gar nicht als Werbeträgerin.

Ich weiss, dass jene Blogger, welche vom Schreiben leben, dies tun. Es ist sogar üblich in unserer Blogwelt, dass man sich dafür bezahlen lässt, gut über etwas zu schreiben. Ich will das nicht. Wenn ich etwas besonders toll finde, dann schreibe ich gerne darüber, ohne mich bezahlen oder dafür beschenken zu lassen. Und wenn ich etwas so richtig bescheiden finde, dann habe ich die Freiheit, auch dies der Welt mitzuteilen. Ich werde den Teufel tun und ein Produkt schönschreiben, auch wenn ich es nur mässig finde.

Es ist ein Privileg, schreiben zu können, was man möchte. Und es ist noch viel das grössere Privileg, auch mal einfach so über etwas oder jemanden werbetechnisch schreiben zu können, ohne dafür Geschenke oder Geld zu nehmen. Erst dann findet man es nämlich WIRKLICH gut. Für mich sind kommerzielle Blogposts niemals wirklich echt – ein gut bezahlter Blogger wird nämlich den Teufel tun, und seinen Sponsor in ein schlechtes Licht schreiben. Obwohl ich das ganz lustig fände … ich meine – wenigstens wäre auf diese Weise ein Lacher garantiert. Gerade die unzähligen Beautyblogs könnten etwas Spass gut gebrauchen. Dann sähen die zugepinselten Gesichter auch nicht ganz so grauenvoll aus. Und ich stelle mir grad den Text dazu vor:

“ …und dann tragen sie den Puder so auf, dass sie ihn am Abend möglicherweise nicht nur noch mit Feuerzeugbenzin oder Nagellackentferner wieder von der Haut entfernen können – und am besten melden sie sich parallel dazu gleich beim Dermatologen an, um die fetten Pickel wieder loszuwerden, die der Puder verursacht …“.

Aber eben: Wenn die Bezahlung stimmt, dann ist der Puder „sensationell, einmalig, verjüngend und einfach nur preiswert und gehört in jedes Beautyset“.

Wie gut, dass ich nicht käuflich bin!

Lippenstift gesucht

Ich liebe dunkles Rot. Dieses schöne, satte Beerenrot, welches edel und warm aussieht. Nicht das knallige, grelle Rot. Und weil diese Lippenstiftfarbe in meiner Ausstattung fehlte, habe ich mich in eine Kosmetikabteilung eines Fachhauses aufgemacht, um mir einen solchen Lippenstift zu besorgen. Als Frau mit einem Minimum an Schminkartikeln bin ich nicht sehr versiert im Einkaufen von Gesichtsfarbe. Ich verfüge ja nicht einmal über Makeup, gehöre demzufolge zu den Unwissenden in diesem Metier.

Im Fachmarkt angekommen, werde ich von drei Makeup-Kloninnen empfangen. Glaubt ihr nicht? Ist aber so! Alle dunkle Extensions in den Haaren; alle gemalte Augenbrauen, die wie fette Pommes über den Augen hingen; alle knallviolette Augendeckel; alle zugekleisterte Gesichter, dass keine Hautpore mehr zu erkennen war; alle schrill pinkfarbene Lippen und alle Wangenrouge, dass man damit locker eine Wohnwand streichen könnte. Oh mein Gott! Und die angeklebten Wimpern waren so lang, dass ich mich gar nicht recht auf die Augen konzentrieren konnte, weil dieses Geklimpere mich ganz nervös machte.
Klonin eins: „Was darf ich Ihnen zeigen?“
Ich: „Ich suche einen dunkelroten Lippenstift. Dunkle Beere.“
Klonin eins: „Matt, glänzend, longstay oder pflegend?“
Ich: „Also, ehm, einfach Lippenstift halt.“
Bedauernswerter Blick von Klonin eins zu Klonin zwei und drei. Fieses Grinsen!
Klonin zwei hängt sich ins Gespräch: „Soll der Lippenstift gut halten, oder möchten sie lieber einen, der sich leicht wieder wegwischen lässt?“
Ich: „Ach so. Lieber lang halten.“
Klonin drei düst los und holt aus unzähligen Schubladen gefühlte 500 Stifte. Diese legt sie Klonin eins auf den Tisch und diese legt los:
„Also, da hätten wir den Cerise dark, mit leichtem Schimmer“, dabei malt sie sich einen Balken auf den Handrücken, „oder den Cranberry blue in matt oder ……oder ….. oder!“ Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass ihre beiden Handrücken nach 2 Minuten vollgemalt mit den unterschiedlichsten Rottönen sind. Ich hatte bis dahin nicht einmal gewusst, dass es soviele verschiedene Rot gibt. Dann der Satz des Tages von Klonin eins:
„Und, welcher gefällt Ihnen am besten?“
Ich: „Der Rote!?“
Sie: „Welcher?“
Ich: „Ehm, dieser da!“ Dabei zeige ich auf einen Strich inmitten der gefühlt 100 Striche auf ihrem rechten Handrücken.
Sie: „Ja, das dürfte wohl dieser hier gewesen sein.“ Dabei nimmt sie einen Stift und testet, bemerkt aber, dass es der falsche Ton ist. „Oder war es dieser da?“

Nun ja, die Suche nach dem richtigen Stift hat dann noch einmal eine Weile gedauert. Die Diskussion der Kloninnen darüber, ob denn dieses Rot überhaupt zu meinem Teint passe, hat noch einmal eine weitere Ewigkeit gedauert. Und ich bin nach einer knappen Stunde mit einem Lippenstift aus dem Fachhaus geflüchtet. Notiz an mich: Den nächsten Lippenstift kaufe ich wieder im Drogeriemarkt – auf die Gefahr hin, dass es das falsche Rot ist. Aber das tue ich mir nicht mehr an!

N.B.: Der Lippenstiftkauf hat so lange gedauert, dass es klein Ellie nicht mehr bis nach draussen geschafft hat – sie hat beim Ausgang des Kaufhauses auf den Teppich gepinkelt… 🙂