R.I.P. Lieblingspulli

Nachts, kurz vor Mitternacht. Ein Jeansberg wartet noch darauf, in die Waschmaschine gesteckt zu werden. Blau in blau, so wie Jeans eben aussehen. Rein damit und ab ins Bett! So geschehen letzte Nacht.

Heute morgen bin ich – noch vor dem Kaffee – als erstes in die Waschküche gegangen, um die Jeans aufzuhängen und … was kommt mir da zwischen den Jeans in die Hände? Neiiiiiiiiiiin!!! Mein Lieblingspulli aus Hamburg. Mein royalblauer Rollkragenpullover aus einem Gemisch von Kaschmir und Wolle. Mein Magen zieht sich kurz zusammen und ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, wie mein Magen befürchtet. Ich befreie das Wolldingens aus den Jeanshosen und … ES IST SCHLIMMER! Mein Pulli hat noch die Grösse eines Puppenkleidchens und fühlt sich an wie ein Brett. Reanimation unmöglich. Alles Ziehen und Zerren in alle Richtungen nützt nichts mehr. Es knirscht zwar im Gewebe, aber sonst tut sich da gar nichts mehr. Das royalblaue Lieblingsstück liegt bocksteif und geschrumpft in meinen Händen. Diagnose: Tod durch Misshandlung in der Waschmaschine!

Was hat sich dieses blaue Lieblingsteil auch einfach in den blauen Jeansberg geschlichen? Und warum hat es nicht geschrien, als ich es mitten in der Nacht noch in die Maschine gesteckt habe? Ich war doch mit einem Auge schon im Bett … meine Güte – da könnte man sich doch mal melden. Aber nein, nichts dergleichen. Es hat sich kommentarlos in die Trommel stecken lassen und nun ist es tot, das Lieblingsteil.

Zum Abschied hat das misshandelte Gewebe übrigens noch eine Menge kleiner Fuselchen an den Jeans hinterlassen. Schönen Dank auch! Ich habe die Jeans gleich alle nochmal in die Maschine gesteckt. Einen solchen Auftakt in den Tag wünscht man sich. Ich brauch einen neuen Lieblingspulli – am besten aus Hamburg. Sniff …

T o t

Ich wohne mit meiner Familie in einem Dorf am Rande einer kleinen Stadt. Diese Stadt hat rund 17’000 Einwohner, wovon vermutlich 15’000 spurlos verschwunden sind. Anders kann ich mir die Einöde in dieser Kleinstadt nicht erklären.

Früher, als ich noch dort zur Schule ging, hatte es Geschäfte aller Art. Vom Spielwarengeschäft über den Eisenwarenhandel bis zum Textilgeschäft, den Schuhläden, dem Buchladen, den Metzgereien, den Bäckereien, der Käserei, den vielen Kaffees und was man sich sonst noch alles so vorstellen kann. Und es war irgendwie immer Leben in der Stadt. Das ist inzwischen gut 30 Jahre her. Weiterlesen

Die Arschkarte und die Schutzengel

Ein lieber Bekannter von mir hat vor kurzem so richtig übel die Arschkarte gezogen. Also eigentlich hat er eine ganze Kiste dieser Karten abonniert. Man müsste glatt meinen, dass mehr Pech gar nicht geht:

Am 50-igsten Geburtstag seines Lebenspartners kippte er einfach aus den Schuhen. Wumms – weg. Aortariss! Aus dem Nichts – ohne Voranmeldung. Ja, er gehört zu den 2 % der Menschen, die diesen absoluten Wahnsinn überlebt haben. Dank sensationeller Reaktion des Umfelds und dank absolut pefekter Abläufe in den Krankenhäusern. Er wurde nämlich wortwörtlich in einer stundenlangen Operationsodyssee aufgeschlitzt von oben bis unten und so gerettet. Und weil eine Arschkarte nicht genug ist, hat sein Rückenmark dabei eine Quetschung abbekommen und seine Beine funktionieren nicht mehr. Auch da hat er sich wohl gedacht: „Normal kann jeder, ich nehme auch da die Ausnahme und gehöre zu den 15 %, die nach der OP nicht einfach aus dem Krankenhaus marschieren.“ Weiterlesen

Weltuntergang…

…oder so! In etwa so hat es sich nämlich angefühlt, als es in unserem Hamburger Zuhause zum Supergau kam. Wir waren volle 28 Stunden ohne Internet- und TV-Empfang. Könnt ihr euch sowas vorstellen? Ich dachte ja erst, dass das kein Problem wäre. Weit gefehlt. Als bekennender Blogjunkie und Chillout-Fernsehentspannerin kam ich mir total amputiert vor. Irgendwie fühlte ich mich wie ein Tiger im Käfig. Wie krank ist das denn? Hilfe, ich bin süchtig! Abhänig von der modernen Technik. Das darf doch nicht wahr sein. Weiterlesen

64 Arten der Migräne

Ich habe kürzlich für einen Lieblingsmenschen einen Text redigiert. Dabei habe ich gelernt, dass es irgendwie 64 verschiedene Arten von Migräne gibt. Und weil ich seit Tagen extrem schmerzgeplagt bin, habe ich beschlossen, dass ich offenbar alle 64 Arten aufs mal habe. Ich weiss nicht, ob sowas überhaupt möglich ist – aber ich bin ja bekannt dafür, dass ich schier unmögliches möglich mache … auch in der Medizin. Wenn es unzählige normale Krankheiten und eine Ausnahme gibt, dann habe ich ganz bestimmt die Ausnahme. Logisch! Drum ist es bestimmt so, dass ich sämtliche Arten der Migräne in eine gepackt habe, anders sind diese hämmernden Kopfschmerzen seit Tagen nicht zu erklären. Soviel Kopf kann kein Mensch haben, wie mich die Schmerzen plagen. Also muss es etwas ganz besonderes sein. Selbst meine liebe Nadelfrau ist heute mit den Nadeln wortwörtlich an mir zerbrochen (also die Nadeln, nicht die Frau…).

Natürlich habe ich beim Redigieren des besagten Textes auch über die Begleiterscheinungen der Migräne so einiges gelernt. Und auch diesbezüglich habe ich offenbar beschlossen, gleich alle einzuziehen. Von Sehbeschwerden über Übelkeit und Lichtempfindlichkeit, über einseitiges Hämmern und Nackenschmerzen, über Clusterschmerz und Zahn-/Kieferschmerzen … also eigentlich so ziemlich alles, was es gibt. Und wenn ich nun gegen jedes dieser Schmerzsymptome das genau passende Medikament schlucken würde, dann wäre ich in etwa in 10 Stunden mausetot – vergiftet!

Wobei ich mir grad überlege, ob tot nicht angenehmer wäre, als noch weitere Tage (Wochen ?) mit diesen üblen Schmerzen…! Ich weiss es nicht, ich war ja noch nie tot. Und bislang ist auch kein Toter zurückgekommen, um mir zu erzählen, wie sich das anfühlt.

Als Migränikerin mit 20 Jahren Schmerzerfahrung sollte ich inzwischen ja wissen, wie es sich anfühlt – aber diesmal ist es zum Wegrennen! Ich weiss nur gerade nicht, in welche Richtung. Diese Scheissmigräne kommt nämlich mit – die rennt ständig hinterher. Und wenn ihr mir nun sagt, dass ich überlastet bin – eine Auszeit brauche – mein Körper mir Zeichen sendet, dann sage ich: JA, ich weiss! Ich bin dabei, aber die Migräne war schneller als die Auszeit. Ganz schön bescheiden. 😦 Und jetzt möchte ich bitte bedauert werden…