Neue Brille

Mir scheint, als hätt ich eine neue Brille auf. Also: Nicht eine, die man auf die Nase setzen kann … eher eine, die mich die Welt mit anderen Augen sehen lässt. Und das ist ein äusserst schräges Gefühl.

Die letzten Monate haben mich zu einem anderen Menschen gemacht. Ich bin zusammen mit meiner Familie ganz schön durchgeschüttelt worden … und die Achterbahn fährt weiter. Im Moment fährt sie im Gleis und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt. Aber: Es ist und bleibt eine Achterbahn.

Dieses Auf und Ab hat mich gelehrt, dass man sorgsam mit dem Leben umgehen muss. Mir ist auch sehr bewusst geworden, dass jede Sekunde des Lebens nur einmal kommt – dann nie wieder. Jeder Moment im Leben ist einmalig … es gibt niemals den gleichen Moment zweimal. Und anstatt immer auf das Morgen oder das Später zu warten, bin ich dankbar für jeden einzelnen Moment, den ich mit meiner Familie und meinen Freunden habe.

Dinge, die früher wichtig waren, sind mir auf einmal total egal. Dinge, über die ich mich früher ärgern konnte, lassen mich nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Stattdessen sehe ich auf einmal Dinge in einem neuen Licht, die ich früher vielleicht nicht einmal beachtet habe. Und nichts, aber auch gar nichts erscheint mir mehr selbstverständlich. All dies hat mich dazu bewogen, das Leben druch die neue Brille kritischer zu beäugen und mit manchen Dingen aufzuräumen. Wichtiges und weniger Wichtiges wird nun strikte getrennt und ich versuche meine Kräfte zu bündeln, um sie dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Mein Leben lang hatte ich das Gefühl, die Welt retten zu müssen. Dass dies nicht funktioniert, habe ich zwar immer wieder erfahren – aber ich hab’s dennoch stets aufs Neue versucht. Inzwischen weiss ich, dass es schon ein grosser Erfolg ist, wenn man sich und seine Lieben auf der rettenden Insel halten kann.

Egoismus war noch nie eine Eigenschaft, mit der ich mich hätte schützen können. Ich lerne nun von Tag zu Tag ein bisschen mehr, mir die Egobrille anzuziehen und mich vor Psychovampiren in Sicherheit zu bringen. Nur so kann ich meine Insel daran hindern, im Sturm unterzugehen … die Insel, auf welcher nur noch Platz hat, was mir wirklich wichtig ist!

Kniffelaufgabe

Seit wir auf dem Onkoplaneten leben, hat sich unser Frühstückstisch etwas verändert. Der Göttergatte bräuchte theoretisch gar kein Frühstück mehr, wenn man die Menge der Tabletten betrachtet, die er jeden Morgen einnehmen muss. Ein ziemlich farbiges und geschmacklich ödes Erlebnis, auf das er eigentlich gerne verzichten würde.

Heute kam aber noch eine andere Challenge dazu, über welche ich mich schon unzählige male geärgert und den Kopf geschüttelt habe. Ich habe nämlich bei einer der „Frühstückspillen“ den Beipackzettel aus der Schachtel genommen, um diesen zu studieren. Und danach wollte ich denselben wieder zusammenfalten, um ihn zurück in die Schachtel zu legen. Nervenkrise! Tobsuchtsanfall! Fluchen!

Habt ihr schon einmal einen Beipackzettel ganz entfaltet? Ich nehme an, dass das jeder schon gemacht hat. Und jetzt die Gretchenfrage: Habt ihr es geschafft, das Teil wieder so zusammenzufalten, wie es ursprünglich mal war? Ich habe das noch NIE fertig gebracht. Schlussendlich zerknautsche ich das Teil immer total und drücke es einfach flach, um es zurück in die Schachtel zu quetschen. Warum müssen diese Dinger derart dämlich gefaltet sein? Hat das einen Sinn, oder will man damit vielleicht die Feinmotorik der Verbraucher testen?

Da ich mir schimpfend an diesem Papierdurcheinander die Zähne ausgebissen habe, hat der Göttergatte grinsend gemeint: „Das wäre doch eine Geschichte für Deinen Blog – warum es unmöglich ist, einen Beipackzettel wieder vernünftig zusammenzufalten!?“

Ja, ich weiss: Nicht gerade das wichtigste, all unserer Probleme. Aber manchmal tut es richtig gut, sich über einen total unwichtigen Mist zu ärgern und anschliessend darüber zu lachen – das Leben ist nämlich auch so schon hart genug. Und falls ihr die Faltlösung habt, dann bin ich auf eure Anleitungen gespannt…

Das waren noch Zeiten

Mit 20 Jahren bin ich mit meinem Göttergatten zusammengekommen. Damals nannte ich ihn natürlich noch meinen Freund, was ja an sich schon sehr wichtig klingt. Aber es wird noch viel wichtiger. Er hatte nämlich ein eigenes Auto. Ha, nicht jede konnte mit einem Freund glänzen, der ein eigenes Auto hatte – zumindest damals konnte das noch nicht jede. Leasing war damals nämlich noch nicht so im Trend. Und ich kam mir so unglaublich erwachsen vor, wenn ich sagen konnte: „Mein Freund holt mich mit seinem Auto ab.“ Huiiiiii!!! Weiterlesen

Lustiger Kurs

Hundehalter wissen es, die anderen erfahren es jetzt: Wer sich heute einen Hund anschaffen will, muss dafür erst einen Theoriekurs und dann noch einen Praxiskurs machen. Dies wurde nötig, weil offenbar jeder Hirnlose meinte, seiner Frau einen Welpen untern Weihnachtsbaum legen zu müssen – oder den Kindern einen Vierbeiner als Spielzeug zu kaufen. Tja, damit sollte jetzt Schluss sein (leider nicht wirklich, aber man versucht es damit zumindest einzuschränken). Weiterlesen

Brave Kinder machen Musik

Meine Jahrgänger werden wissen, was der Titel meines Beitrages aussagen will. Als wir Kinder waren, stand es gar nicht zur Debatte, ob ein Kind Blockflöte spielt, oder nicht. Es hatte einfach den Musikunterricht zu besuchen. Die musikalische Förderung war damals irgendwie ein Muss, warum auch immer. Ich spielte also – wenig begeistert – Blockflöte und wurde anschliessend dazu verdonnert, Klavierstunden zu nehmen. Schliesslich schenkten meine Eltern mir auch ein Klavier, damit ich regelmässig üben konnte. Meine Mama war eine grosser Fan vom Klavierspiel, denn sie hätte immer gerne Klavierstunden genommen – sie durfte aber nicht. Und wie Eltern es oft so haben: Was sie selber gerne gemacht hätten, muss dann der Nachwuchs tun. Weiterlesen

Stelleninserate Deluxe

Aus reiner Neugier lese ich immer wieder die Stelleninserate in den Tageszeitungen. Und ich merke dabei immer wieder, dass ich nicht einmal wüsste, auf welche Stelle ich mich bewerben könnte. Die meisten Berufsbezeichnungen habe ich nämlich noch nie gehört. Dass der Hausabwart heute Facility Manager genannt wird, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Begriffe wie Manager und Coach scheinen ohnehin beinahe in jedem Beruf Einzug gehalten zu haben. Es klingt halt einfach so unglaublich intelligent, wenn man sich mit einem solchen Titel schmücken kann. Weiterlesen