Ferien am Meer…

…der Traum fast aller, die ich kenne. „Endlich fahren wir ans Meer!“ „Wir waren am Meer im Urlaub, ich fühle mich wie neu geboren!“ „Ich gäbe alles darum, mal wieder am Meer zu sitzen.“ Sätze, die ich immer wieder höre – von beinahe jedem.

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Zugegeben, wenn ich die Ferienfotos vom Meer anschaue, sind diese sehr hübsch. Aber das wars dann auch schon. Ich scheine im Umkreis von zig-tausend Kilometern die einzige zu sein, die Ferien am Meer einfach nur Horror findet. Kein Mensch glaubt mir, wenn ich sage, dass ich jede Ferienreise ans Meer sofort gegen Ferienabstinenz und Arbeit eintauschen würde. Aber es ist wirklich so: Weder Mauritius, noch die Philippinen, die Malediven, Mallorca, Dubai oder die Algarve können daran etwas ändern. Und auch Australien konnte es nicht. Ich habs in meinem Leben immer wieder versucht und bin immer wieder zum gleichen Schluss gekommen: Es gibt nichts, was mich mehr langweilt!

Meinem Herzallerliebsten zuliebe habe ich mich vor 3 Jahren noch einmal zu einer Woche Meerferien überreden lassen (der arme Mann liebt das Meer und hat eine Meerhasserin zur Frau….). Nie wieder! Es war die gefühlt längste Woche meines Lebens.

Morgens steht man auf, wirft sich in den Bikini oder die Badehose, schmiert sich endlos lange mit gruseliger Sonnencrème ein (ich mag keine Sonnencrèmes, die sind so…so…so…einfach ätzend), schnappt sich das Badetuch und die Sonnenbrille und macht sich auf zum Strand. Dort ärgere ich mich schon nach zwei Minuten über den Sand zwischen meinen Zehen und habe das Gefühl, dass es sogar zwischen meinen Zähnen knirscht.

Tapfer kämpfe ich mich hinter meinem Mann – der natürlich demonstrativ die schwere Strandtasche mit Büchern, Getränken und Tüchern trägt, als ob sie eine Feder wäre – bis zu den verhassten Liegestühlen. Warum verhasst? Weil ich noch nie einen Liegestuhl hatte, der wirklich bequem war. Egal, ich bin heikel, ich weiss.

So, Liegestuhl wird installiert – mit Tuch und allem, was so dazu gehört. Schirm ist aufgespannt, Schatten genau am richtigen Ort und ich ergebe mich und will mich platzieren. Knirsch! Dieser doofe Sand ist nicht nur unter, sondern nun auch AUF meinem Liegestuhl. Also, wieder absteigen, putzen und erneut starten. Lehne noch richten, damit ich aufs Meer schauen kann, das soll beruhigend für die Nerven sein. Gut, es klappt! Jetzt sitze ich also auf diesem Liegestuhl, lehne mich zurück, setze die Sonnenbrille auf und schaue aufs Meer. Wow! Blau, nass – blau, nass – blau, nass….und: Habe ich schon erwähnt, blau und nass!? Was zum Geier ist die Faszination daran, auf dieses riesige Etwas zu schauen, in dem erst noch lebendige Fische schwimmen (alles was über Fischstäbchen hinaus geht, übersteigt meine Liebe). Und was bitte soll daran beruhigend sein. Ich schaue so alle 5 Minuten auf die Uhr und frage mich, ob ich nun genug aufs Meer gestarrt habe und warum ich mich nicht entspannter fühle. Mein Mann merkt davon noch nichts, er liegt und geniesst.

Ok, ich baue also meinen Liegeplatz noch einmal um, vielleicht liegt es ja daran, dass ich 30 Zentimeter zu sehr im Schatten liege. Etwas Vitamin D kann ja nicht schaden, also ab in die Sonne. Entnervt ziehe ich den Stuhl an seinen neuen (und hoffentlich perfekten) Standort. Hinlegen und erneut aufs Meer schauen – Versuch Nummer 2. Glotz! Schau! Geniess! Es funktioniert einfach nicht. Immer noch gleich blau wie vorher und immer noch nass wie Wasser. Toll, daran kanns also auch nicht liegen.

„Schatz, ist dir auch langweilig?“ Mein Mann blinzelt etwas überfordert und meint: „Hä? Wie meinst du das? Willst du ins Wasser gehen?“ Oh mein Gott, jetzt wirds aber richtig hart – ins Wasser zu den Fischen? Nie im Leben würde ich auch nur einen Zeh in diesen riesigen Tümpel halten. No chance!

So geht dieses Trauerspiel in der Regel den ganzen Tag. Er findets schön, ich langweile mich tödlich. Und so kam es auch, dass ich mir beim letzten Urlaub am Meer einen Sport daraus gemacht habe, all meinen Handykontakten im Stundentakt mitzuteilen, wie lange ich noch durchhalten muss, bis ich wieder nach Hause fliegen kann. Die haben schon gedacht, sie müssten mich anschliessend in eine Nervenklinik einliefern. Seither weiss ich, dass es den Nerven meines Mannes nur schadet, wenn er mit seiner Nervensäge ans Meer fahren will und dass ich mich deshalb auch nicht mehr verpflichtet fühlen muss, dies zu tun. Es gibt Dinge, die tut man besser getrennt, jeder nach seinem Geschmack. Und in meinem perfekten Bild von Entspannung kommt definitv weder ein Liegestuhl noch ein Meer vor. Da sitze ich lieber am Laptop und schreibe, das finde ich unglaublich entspannend!

2 Gedanken zu „Ferien am Meer…

  1. Hihi, geht mir auch so ☺️ und mein Mann ist auch ein totaler Meer-Fan! Wenn es mir langweilig wird, beobachte ich die Leute. Das mach ich für mein Leben gern!!! …und ins Wasser gehe ich nur mit Schuhen 😁 ich habe immer Angst, dass mich ein Krebs zwickt 😳 und Fischschwärme beobachte ich lieber von oben 🐠🐟 ich habe immer Schiss, dass die mich anknabbern 😉

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