Coming Out

Der Modebegriff Coming Out (das Herauskommen) wird vor allem im Bereich der Homosexualität verwendet. Man rückt quasi mit einer Information heraus, welche für die ganze Welt von Interesse zu sein hat. Vollkommener Quatsch – wie ich finde!

Im Sport, ganz besonders im Fussball, ist dieses Thema beliebt und die Journalisten reissen sich um die Coming Outs der grossen Stars. Ich meine, was gibt es Spannenderes, als zu wissen, ob XY auf Männer oder Frauen steht. Oder ob die bekannte Politikerin mit einer Frau oder einem Mann zusammenlebt. Das ist ungefähr so interessant, wie die Farbe meiner Zahnpasta. Und doch werden aus solchen Coming Outs ganze TV-Berichte, Zeitunsartikel oder Fotoreportagen gemacht. Wie spannend!

Was ändert sich, wenn wir wissen, mit wem XY sein Bett teilt? Ändert sich deswegen unsere Sicht der Dinge? Wenn ja, dann sollten wir dringend unser Einstellung überdenken. Eigentlich sollte es nämlich einfach nur piepegal sein! Vollkommen unwichtig! Eine gute Politikerin ändert ihren Leistungsausweis nicht, wenn sie sich als lesbisch outet. Ein erfolgreicher Fussballer wird nicht zum unfähigen Rasenclown, bloss weil er auf Männer steht. Der Mensch bleibt haargenau derselbe, wie vor dem Coming Out. Nur das Umfeld verändert seine Sicht. Und genau das ist schlussendlich das Problem. Im Kopfkino laufen dann die abstrusesten Bilder ab, welche bei einem Hetero gar nicht zur Diskussion stehen. Ich frage mich ohnehin, ob Coming Outs überhaupt zu irgendwas gut sind. Egal bei was.

Ich stelle mir gerade vor, wie ein frisch gewählter Bundesrat seine Rede vor der Bundesversammlung beginnt mit: „Ich, XY, nehme die Wahl an und möchte ihnen noch mitteilen, dass ich schwul bin.“ Tags darauf wäre das mit ziemlicher Sicherheit DIE Schlagzeile in allen Zeitungen. Wie wäre es, wenn die Rede aber lauten würde: „Ich, XY, nehme die Wahl an und möchte ihnen noch mitteilen, dass ich hetero bin.“ Alle Welt würde sich fragen, was diese Aussage soll. Ist doch völlig normal! Hetero ist man schliesslich einfach. Das muss man doch nicht betonen. Und genauso normal sollte es auch umgekehrt sein. Oder wir müssten konsequenterweise darauf bestehen, dass alles, was gemäss einem nicht definierten Index nicht der Norm entspricht, sich outen muss. Das könnte ja heiter werden, zumal ich mich frage, wer die Norm definiert.

Ich müsste mich dann also als Handtaschenfan mit Suchtpotential outen. Oder als Schuhfetischistin mit Hang zur Sammlerin. Oder als Schokoladenesserin mit Tendenz zur Masslosigkeit. Und jetzt: Ändert das für meine Umwelt irgendetwas? Wohl kaum! Es kann doch den anderen egal sein, was/wann/wo/wieviel/mit wem/warum ich gerne mache.

Diese vollkommen unnötigen Coming Outs reizen mich immer, irgendwann – am besten während der Hauptpendlerzeit – mit einem Mikrofon bewaffnet am Hauptbahnhof in Zürich laut zu schreien: „Ich heisse XY, bin hetero und möchte gerne  morgen eine Schlagzeile darüber in der Zeitung lesen!“ Klappt nicht? Frechheit, schliesslich gilt gleiches Recht für alle.

6 Gedanken zu „Coming Out

  1. 👍……………vielleicht ändert es sich irgendwann…. ich gebe die Hoffnung nicht auf 😂 ich bin übrigens auch hetero, da sind wir ja schon zwei 😂😂😂 für die Talkshow im TV 😂😂😂

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  2. Offenbar gibt es noch immer eine Schublade für „normal“ und „unnormal“ und was drin ist, scheint sogar für manche von Interesse zu sein. Sonst würde ja wohl nicht darüber geschrieben. Mich langweilt’s. Gerne hätte ich mehr Augenmerk auf Menschen, die wirklich aus der Reihe tanzen und in ihrem Alltag was bewegen, im kleinen und im großen.
    LG Sabine

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