Die berühmte Arschkarte

An manchen Tagen gehört sie mir, die Arschkarte. Und zwar von morgens bis abends. Das fängt schon beim Aufstehen an. Halb verschlafen zur Toilette schleichen und…der Griff zum leeren Toilettenpapierhalter. Toll! So fängt der Tag doch schon mal richtig gut an. Dann halt ohne, was solls. Watschelgang in Richtung Küche zur Kaffeemaschine. Knopf drücken und…Leerlauf. Auf der Anzeige leuchtet „Bohnen füllen“. Klar doch, wird gemacht. Schliesslich tut man fast alles für den geliebten Morgenkaffee. Und es liegt eigentlich auf der Hand, dass anschliessend gleich noch der Wassertank leer ist und der Trester geleert werden muss. Wie könnte es auch anders sein? Wenn schon Arschkarte, dann aber richtig. Der Kaffee schmeckt anschliessend mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser.

Dass ich danach zuerst den Geschirrspüler ausräumen muss, bevor ich mein Frühstücksgeschirr versorgen kann, ist eigentlich logisch. Schliesslich hat der Tag schon so richtig gut angefangen. Nun denn, auch das gehört halt zum Leben dazu. Es gibt schliesslich weit Schlimmeres. Aber nein, es geht ja noch weiter. Unter der Dusche stellt sich heraus, dass das Duschmittel praktisch leer ist und auch mit Schütteln und gutem Zureden sich daran nichts ändert. Ok, dann halt für einmal nur mit Wasser. Früher gab es schliesslich auch kein Duschmittel. Dass aber irgend jemand mein Badetuch von der Stange vor der Dusche in weite Entfernung gelegt hat, finde ich nun wirklich gar nicht witzig. Komischerweise will es NIE jemand aus unserem 4-Personen-Haushalt gewesen sein. Scheint logisch, Badetücher bewegen sich schliesslich immer von alleine. Tropfnass und schlotternd watschle ich also zu meinem Badetuch und trockne mich ab, bevor ich anschliessend merke, dass ich selber auch vergessen habe, den immer noch leeren Toilettenpapierhalter zu füttern. Also im Badetuch die Treppe runter und Toilettenpapier holen. Auf dem Rückweg klingelt es an der Tür. Was nun? Halbnackt die Tür öffnen oder so tun, als ob ich nicht zu Hause wäre. Ich entscheide mich für letzteres, obwohl sich das anschliessend als Fehler herausstellt. Der Postbote hat nämlich einen Abholzettel in den Briefkasten geworfen, mit welchem ich nun das eingeschriebene Paket auf der Post abholen muss, weil ich nicht zu Hause war.

Nun denn, auch das werde ich ja wohl noch schaffen. Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich also bei der Post vorbei, um das Paket abzuholen. Vor mir stehen noch vier andere Kunden in der Schlange. Warten ist also angesagt. Es ist ja auch nicht so, dass ich noch andere Termine hätte. Schon gar nicht an einem Tag, an welchem eh alles etwas anders läuft, als geplant. Als ich endlich an der Reihe bin und den Abholschein unter der Glasscheibe druchschiebe, sagt die nette Dame: „Darf ich bitte einen Ausweis sehen?“ Dürfte sie grundsätzlich schon, wenn ich ihn nicht im Auto in der Handtasche gelassen hätte. Also nochmal das ganze Spiel von vorne. Bewaffnet mit Ausweis stelle ich mich anschliessend wieder in die Warteschlange. Wenigstens stehen diesmal nur drei Kunden vor mir an. Endlich wieder an der Postfront angelangt, fragt die nette Dame erneut: „Darf ich bitte einen Ausweis sehen?“ Mir schiesst dabei durch den Kopf, ob sie diesen Satz wohl programmmiert hat. Es ist ja nicht so, dass sie mich nicht fünf Minuten vorher schon einmal gefragt hätte und ich genau deshalb ja noch einmal hinten anstehen musste. Ich musste gewaltig auf den Mund sitzen, um mir einen unfreundlichen Kommentar zu verkneifen. Der hätte vermutlich in etwa so gelautet: „Reicht es auch, wenn ich ihnen die Arschkarte gebe?“ Aber eben, ich konnte mir den Kommentar verkneifen, schliesslich konnte die Arme ja auch nichts darfür, dass solche Tage einfach ersatzlos aus der Agenda gestrichen werden könnten.

16 Gedanken zu „Die berühmte Arschkarte

  1. nana, Frau Arschkartenfesthalterin, gegen manche Imponderabilien des Lebens kann man doch was machen – zum Beispiel Reserverollen neben der Toilette *grins*
    Für meinen Morgenkaffee würde ich sogar 3, nein einen Liegestütz machen, denn mehr schaffe ich ohne (mit auch nicht) Kaffee nicht.
    Ich musste mal als Pantomime spielen, dass das Wasser abgestellt wird, nachdem ich mich kräftig mit Duschmittel eingerieben habe. Diese Variante wäre doch schlimmer gewesen, oder?
    Übrigens, auf so einer Schreibmaschine wie auf deinem Header habe ich als Kind gelernt – Mutter und Tante übten das als Beruf aus, irgendwelchen schreibgeilen Mädels das beizubringen.

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