Taxifahrt in die Hölle

Berufsbedingt bin ich in der Stadt Zürich des Öfteren mit meiner Kollegin im Taxi unterwegs. Meine Güte, was wir schon alles erlebt haben – das gäbe ein ganzes Buch mit Geschichten. Eine hat aber in unseren Erzählungen inzwischen ihren festen Platz.

Wir kamen also am Hauptbahnhof mit dem Zug an, marschierten zum Taxistand und wollten beim vordersten Taxi einsteigen. Der Taxifahrer winkte uns sogar noch herein, wurde aber schlagartig von seinem Kollegen in der Wagenkolonne nebenan dermassen angeschrien, dass er uns bat, wieder auszusteigen. Wir wechselten also ziemlich verdutzt das Taxi, um von dem aggressiven Fahrer angeschnauzt zu werden, dass ER nun an der Reihe sei. Wir schauten uns nur an und reagierten auf sein Geschnauze nicht. Wir gaben ihm die Zieladresse an, worauf er (Achtung, jetzt kommt’s!) uns entgeistert ansah und keifte: „Nur so wenig weit? Nein, da fahre ich nicht. Sie müssen gehen zu meine Kollege nebenan.“ Ich dachte erst, irgendwo hätte jemand eine Kamera versteckt. Vom Kollegen nebenan hat er uns doch hergeholt. Nun gut. Bloss nicht unnötig provozieren. Aussteigen – Spur wechseln – einsteigen. Der Kollege schaute nun etwa genau so doof, wie wir und fragte: „Was ist passiert?“ Wir erklärten ihm den Sachverhalt, er schüttelte den Kopf und fuhr los. Übrigens nicht ohne dem vermeintlichen Berufskollegen noch den Stinkefinger zu zeigen. Was für ein schönes Arbeitsklima!

Nun gut. Wir waren schon froh, endlich vom Taxistand weg zu sein. An der ersten Ampel stellte sich unser Fahrer als nervöser Zappelfuss heraus. Gas – Bremse – Gas – Bremse – Gas – Bremse – und das im 5 Sekunden-Takt. Ich schaute meine Kollegin von der Seite an und flüsterte: „Ich kotz gleich!“. Sie nickte mir beipflichtend zu und machte schon mal ihre Jacke auf. Sie hatte auch schon mal mehr Farbe im Gesicht. Unser lieber Herr Taxi gab bei Grün richtig Gummi, überfuhr dabei beinahe eine Frau auf dem Fussgängerstreifen, fluchte was das Zeug hält und schaute dabei auch noch immer zu uns nach hinten, um uns mitzuteilen, was hier in Zürich für Idioten auf der Strasse seien. Ich dachte immer nur, er möge doch bitte nach vorne auf die Strasse schauen. Dabei erzählte er uns zu allem Überfluss, wieviele Katzen er schon überfahren hat, weil diese dämlichen Viecher nie rechtzeitig aus dem Weg gehen und dass er keine Nerven mehr habe für die Fussgänger und Velofahrer in der Stadt. Toll! Wir sahen uns irgendwie schon mit einem Bein im Spital, mit dem anderen auf dem Friedhof. Und wieder sein Kopf zu uns gedreht: „Sie müssen glauben, hier nur Idioten auf Strasse. Man muss fahren mit Mut, sonst nie kommt man an.“ Uns war das inzwischen ziemlich egal, wir wollten einfach möglichst lebend aus diesem Taxi raus. Ich machte also den fatalen Fehler, und fragte ihn, ob es denn noch weit sei. „Oh, ihr musst machen schnell wegen Termin. Ok, dann ich geben Gas!“ Ok, jetzt war also die Euromir-Variante angesagt. Wir beiden sassen völlig verkrampft auf unseren Rücksitzen und mir schoss durch den Kopf, wie wohl die Headline unseres Unfalls aussehen würde. „Wahnsinniger Taxifahrer fährt zwei Landeier in Zürich in den Tod!“

Fakt ist: Der ganze Wahnsinn dauerte 15 Minuten, kostete 60 Franken und liess uns um rund 10 Jahre altern. Und wer nun denkt, dass wir seither in kein Taxi mehr einsteigen, der irrt gewaltig. Was kann uns denn noch Schlimmeres passieren. Wir sind immer gespannt, welcher der Taxifahrer diese Fahrt noch toppen kann!

14 Gedanken zu „Taxifahrt in die Hölle

  1. Zum Glück ist mir so etwas noch nie passiert. Aber gruselige Taxifahrer findet man eigentlich überall mal. Dafür gibt es aber auch ziemlich nette, die dann auch viel mit einem Reden und sehr symphatisch sind. Noch ein Problem wäre glaube ich auch, dass mir relativ schnell schlecht wird… 😀 😉 Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr euch allen!

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    • Unsere Mägen müssen auch immer relativ viel aushalten uns mir war schon mehr als einmal richtig übel! Ja, Du hast recht, hin und wieder erwischen wir auch einen netten Taxifahrer, mit dem wir uns lustig unterhalten können. Aber eher selten, die meisten können gar kein Deutsch.
      Ebenfalls frohe Fesstage! 🙂

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  2. Hallo alle zusammen. Ja diese Geschichte ist einfach supper. Ich habe Tränen gelacht wie sie geschrieben ist, einfach toll. Noch ein Typ: Die Taxichauffeure dürfen keine Fahrt verweigern gemäss Taxigesetz. Wenn das vorkommt:Merke die Taxinummer auf dem Fahrzeug und melde den Vorfall der Gewerbepolizei in Zürich (via Polizei verbinden lassen) Auch das widerliche Benehmen dieser Institution melden. Er wird die Zulassung verlieren und keine Fahrgäste mehr belästigen.
    Allen wünsche ich eine gute Fahrt, Frohe Weihnachten und ein glückliches neues 2015.

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    • Danke für den ausführlichen Kommentar. Echt jetzt: Wenn wir jeden unfreundlichen, sich verweigernden und schlechten Taxifahrer melden würden, dann würd’s am HB wahrscheinlich ganz schön leer aussehen 🙂 🙂 Danke für die guten Wünsche und alles Liebe zurück!

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