Trotzphase

Was habe ich mich früher geärgert, wenn meine Kinder trotzig waren. Wobei ich sagen muss, dass ich diesbezüglich glimpflich weggekommen bin. Diese Phasen waren bei uns von kurzer Dauer und vermutlich auch weniger intensiv, als bei manch anderen. Tobsuchtsanfälle blieben zum Glück ganz aus. Und wer nun denkt, dass die Pubertät dafür umso extremer wurde, der hat leider recht (arme Eltern…). Aber zurück zur Trotzphase:

Ich war letzthin am Bahnhof im Kiosk, um mir eine Zeitschrift für die Zugfahrt zu besorgen. Da war auch eine junge Mutter mit ihren zwei Kleinkindern. Der Junge sass im Buggy und war vielleicht 2-jährig, das Mädchen war so um die 4 Jahre alt. Schon beim Eintreten in den Kioskbereich hörte ich, wie die junge Mutter erklärte, dass sie nur Getränke für die Zugfahrt bräuchten. Keine Süssigkeiten. Und das an einem Ort, wo alle Süssigkeiten auf Kinderaugenhöhe platziert sind. Na toll!
Während die Mama mit dem Buggy zu den Getränken kurvte, erspähte die Kleine die Wundertüten in pink und blau, die neben der Kasse standen. „Maaaaaamaaaaaa!?“ Die Mutter packte die Getränke auf das Dach des Buggys und schaute sich nach der Tochter um. „Jaahaaa, ich bin hier. Was ist los?“ Die Kleine: „Kohommmm heeeer, ich möchte diiiiieese daaaaa.“ Die Mutter schob den Buggy um die Regale, sah die Kleine und zischte: „Ich habe Dir gesagt, dass es nichts gibt! Keine Diskussion.“ „Ach biiiitteeee, nur diese da für mich, biiiiittteeeee.“ Der Tonfall der Kleinen hatte was von einem Tinitusgeräusch. Und inzwischen hatte auch der kleine Bruder im Buggy gecheckt, dass da etwas rausspringen könnte. „Ich auuuuuch haben!!“ Tönte es aus dem Kinderwagen. Dabei zappelte er wie ein Fisch auf dem Trockenen und versuchte, sich unter dem Buggygurt durchzuschieben. „Ich habe nein gesagt“, so der scharfe Ton der Mutter. Keine Ahnung, ob ihre Sprösslinge überhaupt wussten, was  nein heisst, denn die Wirkung war gleich null. Die Kleine fing an wie wild zu hüpfen,  mit den Armen zu fuchteln und zu schreien. Super, der kleine Bruder dachte wohl, zweistimmig wäre doch viel spassiger und machte sofort mit. Für einen kurzen Moment schoss mir durch den Kopf, dass ich echt froh bin, dass meine Kinder gross sind. Reisen mit Kindern ist ja ohnehin schon eine Herausforderung. Reisen mit trotzenden Kindern ist eigentlich eine olympische Disziplin.

Die Mutter packte die Kleine am Arm, zog sie zum Buggy hin und schaute ihr tief in die Augen. „Hast Du nicht gehört, was ich gesagt habe?“ Vermutlich hätte es in etwa gleich viel gebracht, wenn sie das den Kühlschrank gefragt hätte. Die Kleine riss sich aus Mamas Klammergriff, ging zurück zu den Wundertüten und zerrte daran. „Nuuuur eiiiineeeee!!!“ Der kleine Bruder: „Jaaaa, ich auuuuuuuch.“ Inzwischen schauten alle Besucher des Kiosks leicht amüsiert dem Schauspiel zu. Zwei ältere Damen schüttelten im Vorbeigehen verständnislos den Kopf. Logisch – deren Kinder haben sicher nie getrotzt! Früher war ja ohnehin alles viel besser. Mir tat die überforderte Mutter inzwischen fast ein bisschen leid.

Ich verliess den Kiosk in Richtung Bahngeleisen und wartete dort auf meinen Zug. Dabei blätterte ich in meiner Zeitschrift und genoss die Ruhe. Ach ja: Habe ich euch eigentlich schon gesagt, dass im Zugabteil neben mir dann die Mama mit ihren Sprösslingen Platz nahm? Junior schwang siegessicher die blaue Tüte, die kleine Prinzessin diejenige in pink.  Zufriedene Gesichter und ein Sieg auf der ganzen Linie. Soll mal einer sagen, Trotzen nütze nichts. Geht doch!

15 Gedanken zu „Trotzphase

  1. Diese Mutter wird noch lange mit der Trotzphase ihrer Kinder zu tun haben. Wenn sie größer geworden sind, werden sie ihrer Mutter sicher auf dem Kopf herumtanzen und am Ende werden sie ihrer Mutter gegenüber viel undankbarer sein als andere Kinder, die den Kampf um die Gummibärchen schon im ersten Anlauf verloren haben.

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  2. Jaaaa, die Trotzphasen! Schöner Text!

    Ganz leise, ich wage es kaum auszusprechen, möchte ich meiner still aufkeimenden Hoffnung Ausdruck verleihen, diese Phasen mögen jetzt bei uns vorüber sein? Kinder sind 4 Jahre, 3 Jahre und 3 Jahre alt und zumindest die Zwillinge haben OR-DENT-LICH vom Leder gezogen in Sachen Trotz! Hossa, die Waldfee!

    Zuhause fand ich es weniger schlimm, weil ich von dem von uns erwählten „Rezept“ zum Umgang damit überzeugt war und es zuhause gut umsetzen konnte. Da es aber beinhaltete, nicht nachzugeben, sondern sich lediglich für den anschließenden Kuschelanfall verfügbar zu halten, haben wir zugesehen, dass wir nicht in solche Süßigkeiten-Situationen kamen, sondern wann immer möglich ohne Kinder eingekauft.

    Ich bewundere immer die Mütter/Väter, die auch in der Öffentlichkeit durchhalten und fest bleiben. Ich möchte ihnen immer am liebsten eine bestärkende Bemerkung zurufen, lasse es aber meistens bleiben, weil ich weiß, dass man für Bemerkungen JEDER Art kein Ohr hat in diesem Moment.

    Liebe Grüße an die Mutter, die mir leider mal wieder bestätigt hat, dass Nicht-Trotzer dann in der Pubertät aufdrehen… ;o)

    Kusine B.

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    • Das stimmt leider tatsächlich, dass die Nicht-Trotzer in der Pubertät aufdrehen – ich habs erlebt!! 🙂 🙂 🙂 Und ich lebe noch und habe nicht einmal einen Orden dafür erhalten. Frechheit!!! 😦 Ein CEO hätte für diesen Erfolg eine Lohnerhöhung erhalten, oder einen Bonus!

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  3. Ich finde es irgendwie schade, wenn Mütter/Väter einfach schwach werden, wenn die Kinder trotzen. Bei uns war es so, dass meine Mutter immer konsequent war. Anfangs haben wir auch getrotzt, doch schon bald haben wir gemerkt, dass es keinen Sinn hat. Bis zum Ende der Phase machten wir Kinder dann nie mehr Problene, weil wir wussten, dass Nein wirklich Nein ist!

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  4. Ich bin als Heilerziehungspfelgerin in einem heilpädagogischem KiGa tätig, habe selber allerdings noch keine Kinder. (Weswegen ich mir häufig trotzdem Kommentare einfange. 😉 ) Aber auch ich kann ein Lied davon singen. Bevor ich in diesem Beruf gearbeitet habe, hab ich mich des öfteren dabei erwischt, wie ich ebenfalls kopfschüttelnd daneben stand und mir dachte: „Schon schlecht, wenn man seine Kinder nicht im Griff hat und Erziehung ein Fremdwort ist.“ Heute allerdings, kann ich viele Eltern gut verstehen. Natürlich kommt es immer darauf an, ob z.B. früh genug Grenzen abgesteckt werden und wie konsequent sie eingehalten werden. Aber es gehören ja nicht nur die Eltern dazu. Oma und Opa zum Beispiel erziehen an dem Kind auch gerne mit und dann vielleicht auch anders und lassen dem „süßen Mäuschen“ dann doch häufiger ihren Willen. 😉 Und klar, es soll ja auch nicht alles Tabu sein! 🙂 Aber es ist ja irgendwie auch wie mit (meinen) Hunden, wenn sie irgendwo ein Schlupfloch in der Erziehung finden, nutzen sie dieses. 😀 Und wer würde das auch nicht tun! Kindererziehung ist definitiv nicht leicht, aber es gibt immer individuell auf jeden abgestimmt etwas, womit er zu kriegen ist. Man muss diesen Anreiz nur finden und ihn nutzen. 🙂

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  5. Unsere Tochter trieb mich im Alter zwischen 18 Monaten und 24 Monaten fast zum Wahnsinn. Nicht unbedingt mit Süssigkeiten im Laden, die kannte sie nicht. Aber wehe, sie wollte etwas und bekam es nicht. Dann warf sie sich auf den Boden und schrie etwa 30 Minuten lang.
    Manchmal war ein paar Tage Ruhe, da konnte ich Kraft tanken, dann gings wieder los.
    Die Pubertät verlief dafür ganz ruhig, da nervten dafür ihre Brüder welche keine schlimme Trotzphase hatten 😉
    Die Tochter ist willenstark, selbstbewusst und heute eine sehr glückliche junge Frau. Also durchatmen und auf bessere Tage hoffen, wenn ein Kind schlimm trotzt 😉

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      • Ich habe drei extrem dickköpfige Kinder und bei uns ging die Phase richtig lang. Aber irgendwann ist es vorbei. Wobei ich allerdings sagen muss, dass die „schlimmste“ Trotzerin auch heute noch diejenige mit dem kompliziertesten Charakter ist.

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